Cuzzago, seine Alpen und der Rio Crot


Publiziert von ABoehlen Pro , 13. Juli 2009 um 20:04.

Region: Welt » Italien » Piemont
Tour Datum:10 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 500 m
Abstieg: 500 m
Strecke:Cuzzago - Fogliareccio - Sciarina - Rio Crot und zurück
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit der FS von Domodossola nach Cuzzago (Regionale nach Milano oder Novara)
Unterkunftmöglichkeiten:In Cuzzago ist mir keine Unterkunftsmöglichkeit bekannt, dafür gibt es in den benachbarten Orten Premosello und Vogogna mehrere kleine Hotels.
Kartennummer:LK285 Domodossola

Nach einer ersten Erkundung des Gebietes Rio Crot-Rio del Teu im Sommer 2003 hat mich die Beschreibung dieses Tales und seiner Route auf http://www.in-valgrande.it/Crot/Rio-Crot-Rio-del-Teu.html motiviert, dort wieder mal einen Augenschein zu nehmen. Als Grundlage für die Umgebung von Cuzzago diente ausserdem das Büchlein "Itinerari Escursionistici" der "Libretti Ossolani", während unsere Landeskarte in dieser Gegend leider sehr lückenhaft ist.

Als Cisalpino-Ersatz fahren erfreulicherweise weiterhin EW IV-Pendel, was die Reise nach Domodossola sehr angenehm gestaltet. Per Regionalzug geht es später weiter nach Cuzzago, wo ich um 10.00 Uhr eintreffe. Dort folge ich erstmal der Hauptstrasse bis ans Ortsende, wo der markierte Weg zur "Madonna dello Scopello" (238 m) abbiegt, der durch einen sonnendurchfluteten Robinienwald ansteigt. Hinter der Kirche, an der Einmündung in ein Strässchen überrascht ein neuer Wegweiser. Offenbar hat man jetzt auch in dieser Gegend begonnen, einzelne Wege zu markieren.

Ich folge dem Strässchen, welches nicht in der Karte verzeichnet ist, bis nach Borgo Fogliareccio (auch Fogliaccio genannt). Es führt sehr steil in vielen Serpentinen zu dem kleinen, auf 410 m Höhe liegenden Weiler hinauf. Dort verlasse ich den markierten Weg, der weiter zur Ansiedlung Vardarola führt und gehe stattdessen linkerhand weiter, wo das Strässchen bald endet. Ein Pfad führt nun erst etwas abwärts und steigt dann durch Wald und Gebüsch zur schön gelegenen Alpe Sciarina (511 m) empor. Hier bietet sich ein weiter Blick über das Valle d'Ossola und ins Bergdorf Colloro, jenseits des engen Grabens des Rio Crot gelegen.

Um in dieses Tal vorzustossen, steige ich links des Brunnens durch das Gras, der Wasserleitung folgend zum Wald auf, wo ich auf einen Pfad stosse, der kurze Zeit später scharf rechts aufsteigt, um eine Steinmauer zu erreichen. Hier biege ich links ab und muss mich als erstes mit einigen sumpfigen Stellen herumschlagen, ehe der Untergrund wieder fester wird. Dafür ist der Pfad nun an den Stellen, wo der Wald sich lichtet, von teils mannshohen Farnwäldern überwuchert. Nachdem auch diese mühsamen Stellen passiert sind, ist ein kleines steiniges, aber wasserloses Couloir zu passieren, bevor ein längeres Waldstück ohne besondere Schwierigkeiten folgt. Dann gelange ich in den Bereich von 2 Couloirs, die auch auf der Karte eingezeichnet sind (ca. 540 m). Durch lockeres, feines Geröll rutsche ich den Waldhang in den ersten Graben hinunter und gelange über grosse Felsbrocken auf die andere Seite. Der Bach stellt kein Hindernis dar; obwohl er mehr Wasser führt als 2003 ist die Querung problemlos möglich. Das zweite Couloir kurz darauf ist sogar fast ganz trocken, entsprechend bereitet die Passage auch dort keine Schwierigkeiten. Dafür wartet gleich darauf eine fiese Felsstufe auf mich, die überklettert werden will - üppig überwuchert von Brombeerranken. Eine Machete wäre jetzt genial, das Taschenmesser tut's jedoch auch und mit einigen Kratzern mehr geht's weiter. Gleichmässig ansteigend ist es nun nicht mehr weit bis zu einer kleinen Aussichtswarte, die einen schönen Blick zu den Wasserfällen des Rio Crot und den darüber aufragenden Bergen bietet.

Nach einer kleinen Ruhepause ist anschliessend wieder volle Aufmerksamkeit gefragt: Bevor ich den von Osten her zufliessenden Rio del Teu erreiche, ist noch ein feuchtes, schmieriges Couloir zu queren. Der Abstieg auf dünner Spur ist nicht allzuschwer, der Aufstieg auf der Gegenseite über nasse Felsen hat es dagegen in sich. Diese Stelle wird mir beim Rückweg noch einiges Kopfzerbrechen bereiten...

Der Rio del Teu ist ein hübscher Bergbach, in dessen vergleichsweise breitem Bachbett ich anschliessend die Mittagspause einlege. Die Temperatur im schattigen Wald ist richtig angenehm!

Gemäss der Beschreibung von http://www.in-valgrande.it/Crot/Rio-Crot-Rio-del-Teu.html gibt es von hier aus (580 m) die Möglichkeit, entweder zum Rio Crot vorzustossen, diesen zu queren und Alpetto Cornala auf der anderen Seite zu erreichen, oder direkt bergwärts zur Alpe Basciot (790 m) vorzustossen, welche auf der Karte unerklärlicherweise "I Tre Asciot" heisst.

Ich entscheide mich für erstere Variante. Insbesondere den Rio Crot, den ich bisher nur aus der Ferne kenne, möchte ich gerne mal von nahem sehen. Tatsächlich findet sich weiterhin eine hangquerende Spur. Es zeigt sich aber bald, dass diese Verbindung deutlich schwieriger zu begehen ist, als jene zuvor. Insbesondere ist der Pfad sehr undeutlich und mehrmals komme ich von der idealen Linie ab. Teilweise ist diese auch derart überwuchert, dass man unmöglich durchkommt und ich eine Umgehung suchen muss. Der schwierigste Abschnitt ist jener, wo der Bach schon ganz nahe ist - quer durch einen abschüssigen, ruschigen Abhang. Dann aber erreiche ich den Rio Crot bei einem wunderschönen kleinen See unterhalb eines Wasserfalles. Wer hier baden möchte, muss sich allerdings erst durch einen Haufen Dornen zwängen...

Ich entscheide mich, hier umzukehren, zumal ich keine Stelle finde, wo der Bach vernünftig zu queren wäre. Der Rückweg bis Sciarina braucht noch so einiges an Energie, bevor dann der eher gemütliche Teil beginnt. Unterhalb von Fogliareccio benutze ich einen markierten Pfad, der die verfallenen Hütten der Alpe La Motta und Alpe Le Crose passiert und direkt nach Cuzzago hinunterführt. Dabei ist es schön zu beobachten, wie Flora und Fauna mit fast jedem verlorenen Höhenmeter üppiger werden. Zwischen mächtigen Kermesbeeren schwirren farbenprächtige Libellen umher, die Luft ist erfüllt vom "sägen" der Zikaden und an den Bäumen reifen Mispeln und Feigen. Von letzteren finde ich sogar bereits genussreife Exemplare - eher ungewöhnlich für Anfang Juli!

Bis zur Abfahrt des Zuges bleibt noch genügend Zeit für einen Rundgang durch das gepflegte Dorf Cuzzago, bevor ich mich auf den Weg zum Novara-Bahnhof mache, der inmitten von ausgedehnten Unkrautfluren abseits des Dorfes liegt. Die Rückfahrt mit Regionalzug, Autobus, Autozug, InterCity und S-Bahn bietet ebenfalls noch viel Abwechslung und Unterhaltung, ehe ein erfüllter Tag zu Ende geht.

Tourengänger: ABoehlen

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Kommentare (3)


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Zaza hat gesagt: Basciot
Gesendet am 16. Juli 2009 um 10:39
das klingt nach einer interessanten Gegend, da wollte ich schon lange mal hin! Am liebsten dann über den Grat weiter zum Moncucco und wenn möglich weiter zur Colma di Premosello.

Die Sache mit Basciot ist einfach zu erklären: Der erste Topograf, der die Gegend aufnahm, hatte eine undeutliche Handschrift, so war der seitliche Strich seines "B" nicht lesbar und daraus wurde eine "3". 3 asciot oder eben "I tre Asciot". Steht im Buch von Valsesia, wenn ich mich recht erinnere.

Gruess, zaza

ABoehlen Pro hat gesagt: RE:Basciot
Gesendet am 18. Juli 2009 um 07:49
Ciao Zaza

Merci für diese Erläuterungen. Klingt logisch, eigentlich hätte ich selbst darauf kommen können...

Den Grat zum Moncucco kenne ich selber nicht, aber diese Route ist ja auf der Seite von F. Rossi gut beschrieben. Von Cuzzago aus soll es ja auch eine direkte Aufstiegsvariante zum Moncucco geben, deren Beschreibung auch irgendwo auf dieser Website zu finden ist. Damit liesse sich von Cuzzago aus sogar eine (allerdings wohl sehr anspruchsvolle) Rundtour machen.

Gruess,
Adrian

teisenkopf hat gesagt: Die beeindruckende Vegetation
Gesendet am 21. August 2009 um 14:41
auf der Alpensüdseite ist immer wieder erstaunlich. Schöner Bericht.


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