Rundtour um Via Alta Verzasca 2: Cognora – Mezzodì - Afata


Publiziert von Seeger Pro , 13. Juli 2009 um 01:01.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:10 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Madöm Gross 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 870 m
Abstieg: 1140 m
Strecke:Capanna Cognora - Pizzo Mezzodì - Ri dei Cristalli - Val Cramosino - Aüt - Val Fouda - Capanna Alpe d'Afata
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ö.V: Postautolinie von Locarno (Val Verzasca) nach Sonogno. Auto: Locarno – Tenero – Richtung Val Verzasca bis Frasco (Parkplatz und WC). Aufstieg siehe 1. Tag.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Anschluss an „Rundtour um Via Alta 3: Afata – Val Nèdro – Val Marcri“ oder Abstieg nach Grumo, 2 Std. (Postautoverkehr).
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Alpe Cognora 1938 m Capanna d’Alpe d’Afata 1169 m
Kartennummer:Campo Tencia 1272, Biasca 1273

Der 1. Tag von Frasco zur Cognora-Hütte und nachmittags auf den Passo di Piatto bei schönstem Sonnenschein hat eine ausgiebige Nachtruhe – mit starken Schnarchgeräuschen – nach sich gezogen. Heute ist der schwierigste Tag meiner Rundtour um die VAV: Die Überschreitung des Pizzo Mezzodì und ein sogenannt einfacher Abstieg – laut Giuseppe Brenna – entlang des Ri dei Cristalli ins Val Cramosino. Dort erwartet mich eines der unwegsamsten Täler im ganzen Tessin (Siehe Bericht „Val Cramosino: Verwilderter alter Alpweg nach Alpe d‘ Aüt“ http://www.hikr.org/tour/post14293.html )
Direkt oberhalb der Cognora-Hütte beginnt blau-weiss markiert und mit „Efra“ bezeichnet der Aufstieg zum Mezzodì. Im Schatten, dank Westhang, steige ich angenehm und abwechslungsreich in die Mulde, die sich westlich des Sattels (Doppelgipfel!) herunterzieht. Schon auf 2400m erwarten mich die ersten Schneefelder. Beinhart gefroren – die Nacht war kalt. Auch die Mulde, ansonsten Peanuts, gestaltet sich als echte Eistour. Pickel und Steigeisen absolut notwendig. Nach knapp drei Stunden stehe ich auf dem Gipfel. Eintrag ins Gipfelbuch (Die Kollegen von gestern haben sich nicht eingetragen?!?).
Bis jetzt habe ich die Entscheidung herausgeschoben, ob ich über die Bassa di Cognora – Usedì ins Val Fouda gehen soll oder hier über den ENE-Grat des Mezzodì und den rekognoszierten Alpweg via Aüt. Schönstes Wetter, gut aufgelegt, neugierig …..alles spricht dafür, hier abzusteigen. Es soll ja einfach sein.
Der Grat ist gut zu bewältigen. Einige Höcker umgehe ich rechts auf der Val Cramosino-Seite, da die Flanke zum Val Usedì rund 500 m beinahe senkrecht abbricht. Der Grat besteht aus grossen Gneis-Blöcken, welche u.a. zwei Felsenfenster formt. Immer wieder kehre ich zum Grat zurück, um neu zu disponieren. Die Gefahr besteht, zu fest in die Flanke zu geraten. So passiere ich Höcker um Höcker (z.B.: Pt. 2559m) bis zum beeindruckenden Graben des Ri dei Cristalli vor dem Pizzo Lagasca, 2489m.
Um in diesen tiefen Einschnitt zu gelangen, führt ein gut sichtbarer Weg in die Nordflanke und über eine ausgesetzte Stelle (Seilsicherung, T5) unten herum in die Südflanke. Ohne den Fluss zu überschreiten sehr steil über Schrofen und Grashalden (45°!) dem Graben folgend bis sich dieser öffnet. Dann baldmöglichst nach rechts in die Weiden aussteigen und diesen entlang bis zu einer traumhaften Anhöhe auf 2100m, welche auf der LK gut auszumachen ist. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Nur einige Steinmännchen zeugen von menschlicher Präsenz. Der imposante hintere Talkessel des Val Cramosino – Cima Partüs, Cramosino, Madom Gröss und Mezzodì als Wächter über einer vergessenen Welt.
Um den Weg von Milligòrn nach Aüt zu erreichen, steige ich auf den Punkt (Höhe etwa 2020m) ab, wo er den Ri dei Cristalli überquert. Statt eines begangenen Weges finde ich schwer erkennbare Wegspuren, wie die des Alpwegs von Aüt! Zeitraubend kämpfe ich mich – mithilfe von Steinmännern (Danke!) –  nach Aüt durch und benütze dort den einigermassen passierbaren Weg leicht ansteigend Richtung Cascine d’Afata. Harte Knochenarbeit erwartet mich beim Aufsuchen des Verbindungsweges zur Capanna d’Afata. Offene Weiden sind in wenigen Jahren durch Erlen quasi unpassierbar geworden.
Totmüde erreiche ich die Capanna d’Afata. Zuerst das Nachtessen und der Tee, dann ein Bierchen, und ein zweites. Körperpflege. SMS nach Hause: Schwierigste Etappe geschafft! Ungewiegtes Einschlafen.
Wenn Du mich weiter begleiten willst, findest Du nächstens den 3. und 4. Tag.
Um es vorwegzunehmen: Die Tour führt mich über Cagnago, 1210m, zur Alpe Fopp. Zuerst steil ansteigend, dann leicht absteigend nach Pescim, 1860m, dann wieder ansteigend nach Alpe di Nèdro und ins Val Marcri. Am 4. Tag vom Val Marcri über den Passo die Rampi zur Efrahütte und zurück zum Ausgangspunkt in Frasco.
Begleite mich! Ich würde mich freuen.  http://www.hikr.org/tour/post14817.html

Tourengänger: Seeger

Galerie


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Kommentare (3)


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Henrik hat gesagt: Andreas...Schritt für Schritt
Gesendet am 13. Juli 2009 um 08:45
lese ich mit!

Auch wenn das Brunnenwasser draussen vor der Hütte knapp gefrieren könnte...

Henrik

Hochtourer hat gesagt: weiter so
Gesendet am 14. Juli 2009 um 19:48
spannend geschrieben, da fiebert man mit :-)
Hoffe dder Rest der Tour kommt auch bald . . .

Stephan

Seeger Pro hat gesagt: RE:weiter so
Gesendet am 18. Juli 2009 um 10:51
Ciao Stephan
Danke für das Kompliment.
Bin heute von dem "Projekt Rierna" zurückgekommen und habe es aufgeschaltet. Ich hatte Glück, dass ich ins Tal ging. Unter Donnergrollen und gegossen hat es aus Giesskannen.
Dein
Andreas


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