Von der Silvretta ins Unterengadin - Teil 2: Jamtalhütte - Futschölpass - Ardez


Publiziert von marmotta , 12. Juli 2009 um 02:42.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum: 9 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Fluchthorn-Gruppe   CH-GR   A   Augstenberg-Gruppe 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:Jamtalhütte - Finanzerstein - Grenzeckkopf/Piz Faschalba - Val Urschai - Alp Valmala - Val Tasna - Ardez
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Ardez
Unterkunftmöglichkeiten:Jamtalhütte DAV (Tel.: 0043/54438408)
Kartennummer:LK 1178 Gross Litzner, 1198 Silvretta

Will man von der Jamtalhütte auf möglichst einfachem Weg ins Unterengadin gelangen, so wählt man den Weg über den Futschölpass (2768 m), der seit alters her als wichtiger und derzeit einziger unvergletscherter Übergang bekannt ist.

Nach einer geruhsamen Nacht und gutem Frühstück in der Jamtalhütte ging es bei ungleich schönerem Wetter als tags zuvor (Bericht hier) auf dem Fernwanderweg E 302 durchs Futschöltal, immer dem Bachlauf des Futschölbachs und Breitem Wasser folgend. Der Weg ist vorbildlich markiert (rot-weiss-rot, wie es sich in Österreich gehört) - die einzige Schwierigkeit besteht derzeit darin, trockenen Fusses über die viel Wasser führenden Bäche zu gelangen.

Am Finanzerstein zweigt die (Fernwander-) Route über das Kronenjoch links ab, ich folgte dem Wegweiser zum Futschölpass Richtung Süden, den frisch verschneiten Grenzkamm zwischen Österreich und der Schweiz bereits vor Augen. Da ich die Besteigung des Grenzeckkopfs/Piz Faschalba (3048 m) eingeplant hatte und somit der Aufstieg bis auf den Futschölpass ein Umweg bedeutet hätte, orientierte ich mich von P. 2625 an direkt nach Süden, einer steilen Firnflanke folgend, die sich vom Kamm zwischen Grenzeckkopf und Futschölpass herunterzieht. Kurz vor Erreichen des Kamms waren noch einige schrofige Platten und Felsen zu überwinden, die am besten rechts umgangen werden. Interessant ist hier der Gesteinswechsel zu beobachten: Die festen Kristallingesteine der "Silvrettadecke" (sog. Urgestein) haben sich durch die Auffaltung der Alpen von Süden nach Norden über jüngeres Sedimentgestein geschoben, das wiederum in den tiefen Einschnitten der Erosionstäler z.B. am Südostrand der Silvretta, dem sog. "Unterengadiner Fenster" zutage tritt. Dieses Sedimentgestein hat bereits einen längeren Ablagerungsprozess durchlaufen und zeigt daher eine deutliche Schichtung und Schieferung. Am Nordabbruch des Grenzkamms zwischen Futschölpass und Krone ist dies besonders auffallend, die fast schwarzen, schiefrigen und abwärts geschichteten Platten zerbrechen bei der kleinsten Berührung!

Auf diesem "Grenzkamm" auf einer Höhe von ca. 2900 m angelangt, kraxelte ich über Blöcke zu einem grossen Steinmann. Dort realisierte ich, dass der Grenzeckkopf mit seinem in der Sonne blinkenden Gipfelkreuz doch noch ein Stück weiter östlich lag. Ich folgte den roten Markierungen über den breiten Kamm (lediglich ein Felskopf vor P. 2932 wird auf etwas ausgesetztem Band nördlich umgangen, die Stelle ist mit einem Fixseil versehen und könnte auch durch Abstieg nach Süden und Wiederaufstieg weiter östlich über Schutthänge vermieden werden) und erreichte nach ca. 1/2 h, zuletzt in leichter Kraxelei über Blockwerk den Gipfel. Der Grenzeckkopf, der auch sehr leicht vom Kronenjoch aus erreicht werden kann, ist sicher einer der leichtesten 3000er, die einfach so "mitgenommen" werden können und bietet eine fantastische Aussicht: Besonders der Blick hinüber zur (zackigen) Krone (3188 m) und natürlich zum alles überragenden Fluchthorn (3398 m), dem gewaltigsten Bergmassiv der gesamten Silvretta, ist faszinierend. Im Osten erblickt man Piz Tschütta/Stammerspitz (3254 m) und Muttler (3293 m) und direkt im Südosten der im Norden leicht vergletscherte Piz Tasna (3179 m), um nur einige der Berggipfel zu nennen.

Nachdem ich mich im Gipfelbuch verewigt hatte, machte ich mich auf den Rückweg Richtung Futschölpass. Diesen liess ich jedoch rechts liegen und konnte den Weg ins Val Urschai doch erheblich abkürzen, indem ich von P. 2932 direkt nach Südwesten über steile Schutthänge (teilweise herrliches "Geröllsurfen") abstieg, um auf einer Höhe von ca. 2700 m unter den Felsabstürzen des Piz Futschöl mit dem beeindruckenden Gletscherabbruch des Vadret Futschöl wieder auf den markierten Pfad Richtung Ardez im Unterengadin zu treffen. Hier konnte ich noch Steinwild und Murmeltiere beobachten, bevor mich der Pfad langsam aber sicher in die satten Blumenwiesen des wunderschönen Val Urschai hinabführte.

Das Val Urschai und das Val Tasna mit dem wildschäumenden Bach sind von einer einzigartigen Schönheit - Vielfalt und Farbenreichtum der dortigen Bergflora lassen wohl das Herz jedes Naturliebhabers höher schlagen!

Immer dem Tasnan entlang und mit Blick auf die schönen Gipfel von Piz Piosc (3173 m) und Piz Zuort (3119 m) ging es in herrlichem Sonnenschein und immer wärmeren Temperaturen nach Ardez, wo ich gerade rechtzeitig eintraf, um den stündlich verkehrenden Zug der Rhätischen Bahn nach Landquart zu erwischen.

Eine tolle Tour, die ich sicher wieder einmal unternehme - bei etwas stabilerem Wetter dann vielleicht noch mit der einen oder anderen Gipfelbesteigung mehr!  

  


Tourengänger: marmotta

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