Cima di Piategn und ein paar mehr - geplant war's anders, schön war's trotzdem


Publiziert von 360 Pro , 15. Juli 2009 um 06:30. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum: 8 Juli 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Madöm Gross 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Giornico, Biaschina
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Chironico, Posta

Zaza, Omega3 und ich wollten eigentlich zusammen von cff logo Giornico, Fraggio nach Pèrn, dann weiter nach Afata und von dort zum Om Piategn und anschliessend auf den Cima di Piategn wandern. Für den Abstieg war dann der Grat zur Fuorcola d'Afata geplant und von dort wieder runter Chironico. Soviel zum Plan…

Die erste Änderung geschah schon sehr früh am Morgen: Wegen starkem Regen entschloss sich Zaza nicht schon kurz nach 4h mit seinem Fahrrad nach Bern zu radeln, wo er um 4:41h den ersten Zug gehabt hätte, sondern nahm die zweite Verbindung ins Tessin eine Stunde später, dafür nach cff logo Chironico, Grumo anstatt cff logo Giornico, Fraggio. So wäre er etwa 20 Minuten hinter uns gewesen und hätte diesen Rückstand locker aufholen können.

Die zweite Änderung des Plans geschah dann spontan im Bus von Faido nach Giornico. Omega3 hatte die Karte und Bushaltestellen studiert und gesehen, dass die Haltestelle cff logo Giornico, Biaschina für unseren Aufstieg nach Grumo wohl besser wäre, als von Giornico aus. Aber nur dann wenn es denn bei der Biaschina eine Fussgängerbrücke über den Ticino und Ticinetto geben würde. Wir haben uns den Wasserstand des Ticino aus dem Bus angeschaut, ihn für tief genug empfunden und uns dann spontan entschieden, dass wir die Flüsse auch ohne Fussgängerbrücke überqueren könnten. Dies war dann auch tatsächlich problemlos möglich und alsbald fanden wir uns auf dem markierten Wanderweg nach Chironico.

Kurz darauf geschah dann die dritte Änderung unseres Plans, da Zaza's Zug wegen Lokomotivdefekt in Flüelen stecken blieb und er nun plötzlich zwei Stunden Rückstand auf uns hatte. Zaza schlug deshalb vor, dass [Omega3] und ich anstatt erst auf den Om Piategn zu gehen, zuerst via "rechtem Grat" den Cima di Piategn besuchen (welchen er schon kannte) und ihn danach via "linkem Grat" beim Fusse des Om Piategn treffen würden.

Da sowohl Omega3 wie auch ich die Tour nicht wirklich vorbereitet hatten, sondern fest mit Zaza als "Tourenleiter" gerechnet hatten, mussten wir nun also zuerst einmal über die "Bücher". Von Chironico wanderten wir dann weiter nach Grumo und an den Eingang des Valle di Usèdi. Unmittelbar nach der Bücke beginnt der Weg hoch nach Cossüm, Bosco di  Pèrn, zur Hütte bei Pèrn und weiter zur Alpe die Pèrn. Der Weg ist zwar ausser an zwei drei Stellen nicht markiert, aber meist deutlich erkennbar, er ist sehr steil und verläuft fast ausschliesslich im Wald (T3+).

Eine nächste kleine Änderung des Plans - inzwischen die vierte - gab es dann auf Grund der Tatsache, dass es da zwischen Alpe Pèrn und Forcola d'Afata noch einen "Roman Koch Gipfel" auf dem Weg hatte, den Sasso Marcio. Als bekennender Gipfelsammeler musste Omega3 diesen natürlich schon auch noch mitnehmen. Der Weg auf der Karte führt links an diesem Gipfel vorbei, die Überschreitung ist jedoch problemlos und einzig im Abstieg zur Furcola mussten wir an einer Stelle in die Ostflanke ausweichen und auch nur deshalb, weil eine Tanne den Weg versperrte (T4-).

Der Grat von der Furcola zum Cima di Piategn verläuft zu Beginn in südsüdwestlicher Richtung, dreht allmählich gegen Süden, bis man schlussendlich in südöstlicher Richtung auf den Gipfel gelangt. Dieser Grat ist wegen eines grossen Abbruchs bei der Furcola nicht in seiner ganzen Länge begehbar. Allerdings konnten wir relativ einfach im Val d'Afata bis zu einer Höhe von ca. 2100m aufsteigen und dort in einer steilen Grasrinne auf den Grat aufsteigen. Von diesem Punkt an gelangten wir dann in sehr vergnüglicher Gratkletterei zum Gipfel (T5, II). Nur an wenigen Stellen mussten wir die Gratkante auf der westlichen Seite umgehen. Schade eigentlich, dass wir zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 2000 Höhenmeter in den Beinen hatten, denn sonst hätten wir es wohl noch mehr geniessen können!

Auf dem Gipfel machten wir dann zuerst einmal eine grössere Rast und hielten nach Zaza Ausschau, konnten ihn aber nirgends sehen. Handy sei Dank, fanden wir aber schlussendlich heraus, dass er bereits wenig unterhalb des Gipfels des Om Piategn war und kurz darauf konnten wir ihn dort auch sehen. Schon beim Aufstieg auf die Cima di Piategn ist Omega3 der sehr nahe gelegene Gipfel des Lagasca aufgefallen und als er auch noch gesehen hatte, dass dieser sogar 13 Meter höher war als die Cima di Piategn, war es natürlich klar, dass wir unseren Plan nun zum fünften Mal nochmals kurz ändern, und auch noch einen Abstecher auf diesen Gipfel machen "mussten".

Von der Cima di Piategn aus sieht der Zustieg zum Lagasca zwar ziemlich haarsträubend aus, aber zumindest anschauen wollten wir uns die Sache trotzdem. Der kurze Abstieg in den Sattel zwischen den beiden Gipfeln ist unproblematisch, auch wenn zwischendurch ziemlich viel loses Gestein ins Tal befördert werden musste. Auch der Grat bis zum Gipfelaufbau des Lagasca bot keine besonders grossen Schwierigkeiten, Als wir aber erst einmal vor diesem Gipfelaufbau standen, wurde es uns doch ein bisschen mulmig, denn die grasige mit Felsen durchsetzte Rinne, welche von dieser Seite Zugang gewährt hätte, war beinahe senkrecht. Da wir uns aber nicht so einfach abwimmeln liessen, gingen wir auf die Suche nach einem einfacheren Zustieg. Omega3 fand einen Riss in der Südflanke, in dem er hinaufkletterte (T5, III) und ich fand, ebenfalls in der Südflanke jedoch etwas näher beim Cima di Piategn, einen einigermassen einfachen Zugang über ein paar kurze Grasbänder in Kombination mit ein paar ausgesetzten Kletterzügen im zweiten Grad. So freuten wir uns über den dritten Gipfelerfolg des Tages und für den Abstieg fanden wir auf dem Südwestgrat den wohl einfachste Zustieg zu diesem Gipfel, welchen man im Vergleich zu unseren abenteuerlichen Aufstiegen schon fast mit Gehgelände beschreiben könnte… (T4)

Zurück auf dem Gipfel der Cima di Piategn machten wir nochmals eine kurze Rast und just im Moment, als wir gedachten den Abstieg in Angriff zu nehmen, traf Zaza auf dem Gipfel ein. Da er uns vom Abstieg zum Fusse des Om und weiter ins Val d'Afata abriet, entschieden wir uns für die sechste Änderung des Plans und stiegen zur Furcola d'Afata auf demselben Weg ab, auf dem Omega3 und ich hochkamen.

Bei der Furcola überstimmten die Nicht-Berner den Berner und "erzwangen" somit die siebte Änderung des Plans. Anstatt via Capanna d'Afata zurück nach Chironico zu gehen, bevorzugten Omega3 und ich den Abstieg in weniger bewaldetem Gelände. Dieser führte uns zuerst von der Furcola d'Afata in westlicher Richtung in einem aus dichten Erlen herausgeschnittenen Weg hinunter zur Cantina Vecchia (1812).  Man hüte sich davor den in älteren Karten eingezeichneten Weg unterhalb der Cantina einzuschlagen, denn dieser endet nach kurzer Zeit im Erlen-Dschungel…In der stets geöffneten und selten besuchten Cantina Vecchia könnte man recht angenehm übernachten, es scheint allerdings keine Decken zu haben.

Nach der Cantina Vecchia überquerten wir den Ri del Cascinello und anschliessend ging es weiter auf gut erkennbarem Weg nach Garnéi. Von Garnéi führte uns dann der sehr gut ausgebaute Weg links an Löita vorbei und sozusagen als "Dessert" noch über 40 Kehren und 450 Höhenmeter hinunter nach Grumo. Dort kühlten Omega3 und Zaza die heiss gelaufenen Füsse und Beine im kühlen Brunnen ab und schlüpften anschliessend in die mitgebrachten Flip-Flops. Ich, der solche nicht dabei hatte, durfte meine Füsse noch 4 weitere Stunden in den Bergschuhen eingesperrt lassen… In Chironico hat die Zeit dann noch für ein Bier resp. eine Gazzosa gereicht, bevor uns der Bus und Zug zurück in den Norden brachten.

Zaza: Hier noch ein paar Hinweise zum Om Piategn. Ich hatte stets gemeint, der Om sei der markante Turm, den man sieht, wenn man von Biasca die Leventina hinauf blickt. In Tat und Wahrheit handelt es sich dabei um die Cima di Piategn, der Om ist bloss eine Schulter des Gipfels. Er ist jedoch nicht ganz einfach zu erreichen (T6, II+).

Man steigt von den Cascine d'Afata in Val d'Afata bis an den Fuss der NW-Wand. Sie sieht von weitem problemlos aus, aber man muss zuerst den Sockel überwinden. Das geht an mindestens zwei Stellen. Ich habe die Variante links gewählt, dabei muss man zwei kurze, etwas luftige Stufen erklettern (etwa II+). Danach kraxelt man über Gesimse (etwas ausgesetzt) auf den Gipfel. Der direkte Abstieg in den tiefsten Punkt des Verbindungsgrates zur Cima di Piategn ist für den Normalverbraucher nicht machbar. Daher steigt man etwa 10 Meter in die NW-Wand zurück, quert in ein kleines, rutschiges Couloir und durch dieses zurück auf den Grat. Nun kann man auf der S-Seite in den tiefsten Punkt queren. Diese Stelle kann aus dem Val Cramosino über steile Grashänge oder aus dem Val d'Afata über ein Couloir mit einem unangenehmen Klemmblock erreicht werden. Dieses Couloir wies unten noch Altschnee auf, so dass es mir wenig einladend schien.

Der Aufstieg über den ONO-Grat zur Cima di Piategn ist recht gut machbar, man weicht dem ersten Aufschwung links aus, danach auf dem Grat oder stellenweise rechts davon über Gesimse (T5, II). Insgeheim hatte ich noch mit dem Weiterweg zum Pizzo Mezzodì geliebäugelt, was aber aufgrund der knappen Zeit nun nicht mehr drinlag. Eine präzise Beschreibung dieser Route (die im Brenna-Führer nicht drin ist) findet sich auf der Site von Frank Seeger.



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Tourengänger: Omega3, Zaza, 360

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Kommentare (2)


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Seeger Pro hat gesagt: Weiterweg zum Mezzodi
Gesendet am 5. August 2009 um 22:47
Ciao Zaza
Danke für Deine Life-Schaltung. Einfach super.
Der Weiterweg zum Mezzodi ist in Gegenrichtung von mir dokumentiert und bebildert: Rundtour um Via Alta 2: Cognora - Mezzodi - Afata.
Das Tal, in dem Afata drin liegt, heisst auch Fouda.
Toll, dass Du im Tecc Stevan die zwei Routen :-) angeschlagen hast.
Gruss
Andreas

Henrik hat gesagt: Doch, es gibt einen Übergang
Gesendet am 6. August 2009 um 00:01
an der Biaschina...ich habe die einmal genutzt, aber ich war mir am Schluss nicht sicher, ob das nicht als Hausfriedensbruch angesehen werden kann: ich stieg rechts an der Strasse beim letzten Haus am Hang diese Stufen entlang ab und kam dann auf die Eisenbahnbrücke, die ich querte und am abschüssigen Bord nach der Brücke kam ich auf den geteerten Weg, der unter der zweithöchsten Autobahnbrücke hindurch zum Kraftwerk hinauf führt!

Imponierender Bericht - das ist Flexi am Berg und untereinander - das Team ist sehr gut eingefuchst....

Herzlich

Henrik


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