Hochgundspitze (2.460 m) & Rotgundspitze (2.485 m)


Published by Manu81 , 14 August 2019, 01h04.

Region: World » Germany » Alpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike: 4 August 2019
Hiking grading: T5+ - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: D   A 
Time: 11:15
Height gain: 2050 m 6724 ft.
Height loss: 2050 m 6724 ft.
Route:24,0
Access to start point:Mit dem Auto bis zum Fellhornparkplatz und dort geparkt.

Nachdem es im Allgäu dieses Jahr ewig gedauert hat, bis die höheren Berge halbwegs schneefrei sind, geht sich nun endlich - ANFANG AUGUST - die erste gescheite Tour aus. Die Rotgund-Linkerskopf-Überschreitung und als "Anhängsel": die Hochgundspitze. So war zumindest der Plan. Die Umsetzung sah dann doch etwas anders aus...

Schon sehr früh um 6:00 starten wir am Parkplatz der Fellhornbahn (904 m) bei wenigen Grad über Null. Kurzfristig hatten wir die Tour quasi "umgedreht" und wollten an der Hochgundspitze starten und dann über die Rotgund zum Linkerskopf. Grund dafür war, dass wir nicht sicher waren, die IIer-Abkletterstelle am Linkerskopf-Südgrat so ohne weiteres zu schaffen (berechtigterweise, wie sich später rausstellen sollte).

Es ging also zunächst eben bis zur Eschbachalpe (965 m) und dann die ersten moderaten Höhenmeter hoch nach Einödsbach (1.113 m). Über die Petersalpe (1.292 m) dann endlich etwas schweißtreibender zur Enzianhütte und in wunderschöner Morgensonne hoch zur Rappenseehütte (2.091 m). Unser Vorhaben in ca. 3 Stunden an der Rappenseehütte zu sein, schaffen wir knapp (3:05 h). Nach einer kurzen Pause mit Apfelschorle verlassen wir das Getümmel an der Rappenseehütte schnell wieder und steigen gemütlich zur Großen Steinscharte (2.262 m) auf. Knapp 1.400 HM sind schon geschafft und es wird Zeit für den ersten Gipfel...

Fasziniert beobachten wir an der Großen Steinscharte zunächst aber noch ein großes Steinbockrudel, welches sich nur etwa 20 Meter von uns entfernt, ganz entspannt in der Sonne fläzt... Herrlich...

Doch dann wird´s ernst. Mit einigen ausgedruckten Fotos und Berichten (u.a. von Nik Brückner & KaukOr - Grüße an dieser Stelle :-)) wenden wir uns nun der Ostflanke der Hochgundspitze zu. Diese sieht zugegebenermaßen doch sehr abweisend und steil aus. Und das ist sie auch. Die Grasschrofenrampe zu Beginn löst sich tatsächlich sehr schön auf und man kommt fast ohne Kletterstellen (max. I) bis zum ersten Aufschwung. Dort deponieren wir dann auch die Rucksäcke. Danach wird´s kompliziert. Ich würde behaupten wollen, dass ich nahezu alle auffindbaren Beschreibungen zur Hochgundspitze gelesen habe, und dennoch finden wir sicher nicht überall den richtigen/optimalen Weg (vor allem im Aufstieg). Grundsätzlich gibt es an vielen Passagen auch mehrere kletterbare Varianten in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Ich möchte demnach an dieser Stelle bewusst auf Details in der Wegführung verzichten, da sich hier jeder Gipfelaspirant seinen eigenen Weg suchen (und hoffentlich auch finden sollte). Daher in groben Worten: der erste Felsaufschwung wird rechts ausgesetzt erklettert (I-II), danach geht es zunächst über Schrofen und dann über einen zunächst harmlosen, dann mehr und mehr ausgesetzten Grat bis in eine kleine Scharte. Danach folgt der für mich anspruchsvollste Teil - eine Umgehung/Querung in der Nordflanke. Hier wird das Gestein schlagartig bröselig und der Aufstieg damit auch deutlich anspruchsvoller. Der weitere Aufstieg über eine wenig ausgeprägte Rinne liegt dann schon im II-ten Grad. Am oberen Ende der Rinne tritt man wieder in moderates Ier-Schrofengelände heraus und kommt so die letzten Meter vergleichsweise unschwierig zum Gipfel. Die Hochgundspitze (2.460 m) ist ein wunderschöner Aussichtsgipfel mit tollen Blicken zum Rappensee, zum Hohen Licht und auch zum weiteren Tourverlauf zur Rotgundspitze und zum Linkerskopf. Nach einem Eintrag ins Gipfelbuch geht es aber auch zügig wieder runter, da wir ja noch Einiges vorhaben.... Im Abstieg gehe ich jedoch nicht die nordseitige IIer-Rinne sondern rechts des Grates über Steilschrofen (I-II) in vernünftigem Fels bis zum Grat. Von dort aus dann wieder wie im Aufstieg runter bis zur Grasschrofenrampe und ab hier weitestgehend gemütlich bis in die Große Steinscharte.

Zwischenfazit Hochgundspitze: Ich habe die Hochgund im Vergleich zu anderen T5er-Touren als etwas anspruchsvoller empfunden, was aber auch daran gelegen haben könnte, dass wir nicht immer den optimalen Weg gefunden haben. Insbesondere die nordseitige Querung erfordert absolute Konzentration. Bei wachem Blick und Gespür für die richtige Route lässt sich der Aufstieg aber schon gut vertreten. Über II geht es klettertechnisch sicher nicht hinaus, Trittsicherheit ist aber sicherlich absolute Pflicht. Für mich eine T5 mit einer Stelle T5+ (ausgesetzte nordseitige Querung).

Nach dem ersten Highlight haben wir uns zunächst mal eine Pause verdient und beobachten dabei wieder das Steinbockrudel in der Steinscharte. Danach geht es auf der anderen Seite den moderat steilen Schrofenhang der Rotgundspitze hoch. In garnichtmal so steilem, aber durchaus rutschigem Gelände steigen wir die Flanke zum Grat hoch und von dort aus über einfache Kletterstellen (I) zur Rotgundspitze (2.485 m). Auch hier gibt es verschiedenste Möglichkeiten des Aufstiegs. Von Zeit zu Zeit lassen sich auch an verschiedenen Stellen Pfadspuren ausmachen. Insgesamt ist der Aufstieg deutlich leichter als gedacht - aber dennoch nicht zu unterschätzen. Etwas Gespür für optimale Aufstiegsrouten in weglosem Gelände sollte man schon haben.

Nach einer kurzen Gipfelpause steigen wir weitestgehend unschwierig (meist I, wenige Stellen I-II) zum Sattel zwischen Rotgundspitze und Linkerskopf. Einige Kletterstellen sind auch umgehbar (dann T4, I), da es sich aber meist um kleine, nicht ausgesetzten Wändchen handelt, klettern wir die Passagen aber größtenteils direkt ab (bis II). Im Sattel genießen wir ein paar Meter wunderschönes Wandergelände (T2 :-)) bis wir an den auch mehr und mehr schmal werdenden Südgrat des Linkerskopf herantreten. Bis zur Schlüsselstelle - dem vielzitierten II-er Pfeiler - kommen wir und stehen dann staunend vor ebenselben. Ich frage mich, wie man auf die Idee kommen kann diesen Bruchhaufen direkt zu erklettern. Für Höfatsgänger mag das kein Problem sein, aber wir können hierauf wirklich gut verzichten. Nicht nur dass der Pfeiler beidseitig stark ausgesetzt ist, nein, das Ding sieht auch etwa so stabil aus wie ein Jenga-Turm kurz vor dem Umfallen. Die rechtsseitige "Umgehung" ist augenscheinlich nicht mehr wie ein paar mehr oder weniger stabile Graswasen über´m Abgrund unter einem bauchigen, etwas abdrängenden Aufschwung. Wir entscheiden uns umzudrehen.

So fehlen uns zwar nur ein paar Meter zum Gipfel - aber besser einmal zu viel umgedreht als... Anstatt eines entspannten Schlussabstieges über den Heubaum überschreiten wir also die Rotgundspitze ein zweites mal und steigen über die Steinscharte, Rappenseehütte, Enzianhütte wieder ab nach Einödsbach. Der Rückweg zieht sich unglaublich, wir haben ja auch 24 km und über 2.000 HM in den Knochen...

Glücklich und zumindest halb-zufrieden kommen wir irgendwann bei der Eschbachalpe an und werden dann noch die letzten Kilometer freundlicherweise von einem älteren, sehr sehr netten Pärchen bis zum Parkplatz mitgenommen (DANKE!!!). So geht eine der schönsten, vielfältigsten, längsten, anstrengensten und anspruchsvollsten Touren nach elfeinhalb Stunden zu Ende. Schee war´s!



Hike partners: Manu81


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T5 II
T5 II
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T6- II
3 Sep 16
Hohes Licht 2651 m · anneliese

Comments (3)


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Nic says:
Sent 14 August 2019, 08h40
Klasse Tour! Auch wenn es mit der Überschreitung nicht ganz geklappt hat, eine landschaftlich sehr reizvolle Runde.

VG Nico

Manu81 says: RE:
Sent 14 August 2019, 11h09
Hi Nico, danke Dir! Ja, war echt eine tolle Tour :-)
So nah am Heilbronner und doch so einsam :-)

Tuppie says:
Sent 15 August 2019, 18h31
Sehr schöne Bilder auch einer der schönsten Regionen in den Allgäuer Alpen. Danke für die Eindrücke!
Gruß
Thomas


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