Piz Tiarms im Sommer


Published by N_Altitude , 12 August 2019, 19h28.

Region: World » Switzerland » Uri
Date of the hike:11 August 2019
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR   CH-UR 
Time: 6:00
Height gain: 900 m 2952 ft.
Height loss: 900 m 2952 ft.
Route:Oberalppass - Fellilücke - Piz Tiarms
Access to start point:Matterhorn-Gotthard Bahn bis Oberalppass
Access to end point:Matterhorn-Gotthard Bahn bis Oberalppass
Accommodation:auf dem Oberalppass, oder in Andermatt oder Sedrun

Der Piz Tiarms stand schon eine Weile auf meiner to-do Liste, aber es kam immer etwas dazwischen, wie so oft... Am Sonntag hats nun spontan geklappt. Schon oft habe ich den Piz Tiarms und den Schneehüenderstock bzw. Unghürstöckli von der gegenüberliegenden Seite gesehen und ich freue mich, nun den einen der beiden einen Besuch abgestattet zu haben. Gestartet sind wir vom Bahnhof am Oberalppass kurz vor 9. Früher kann man derzeit von Zürich aus nicht hier sein. In gut einer Stunde sind wir über den Wanderweg zur Fellilücke aufgestiegen. Das Wetter: wolkig-windig. Sehr windig.

Aus dem sehr informativen Hikr-Bericht von Bergmax und nach Lektüre des Beschriebs im SAC-Führer war die Wegfindung ab der Fellilücke wirklich nicht schwierig. Schon beim Zustieg zur Fellilücke, kann man die nicht so ausgeprägte Westschulter eigentlich doch recht gut erkennen. Wegspuren führen ab der Lücke hinauf. Danach kann man gut die von Bergmax beschriebene Lücke im Nordgrat anpeilen. Dazu habe ich mir die Felsformation tags zuvor eingeprägt. Diese zeige ich noch auf einem Foto in diesem Bericht. Es spielt keine Rolle, wie/wo man nun in dem riesigen Blockfeld aufsteigt. Wers lieber nicht so steil hat, holt etwas gegen Norden (in Richtung Wyssenlücke) aus. Bestätigen kann ich, dass einige Blöcke lose sind, man muss schon etwas aufpassen. Selbst sehr grosse Blöcke wackeln teilweise. Wer aber geübt und versiert ist im Sport "Blockhüpfen", der sollte keinerlei Probleme antreffen. T4(+) passt hier sehr gut für diesen Abschnitt, finde ich. 

Je näher man der Lücke im Nordgrat kommt, umso mehr steilt das Gelände auf. Wenn man sich in der Flanke unterhalb der Lücke zu weit südlich befindet, ist es teilweise unangenehm brüchig-schuttig. Beim Abstieg sind wir darum von der Lücke etwa 30-50m direkt in Falllilnie von der Lücke aus abgestiegen, da ist es dann angenehmer, um nach SW zurück zur Fellilücke durch das Blockmeer zu gelangen. Zurück zum Aufstieg aber; kurz unterhalb der Lücke gibt es 1-2 gute Plätze, wo man ein kleines Depot machen kann. Hier seilten wir auch an, weil wir in den Beschrieben von 1-2 Stellen III- gelesen haben, nebstdem find ich es wichtig, das Seilhandling stetig zu üben und praktizieren. Um auf den Grat zu gelangen, sind denn auch tatsächlich 2-3 kräftige Züge nötig. Es hat aber wunderbare Tritte und Griffe. Zacken zum sichern hat es sowieso zur Genüge. Danach stiegen wir eigentlich alles direkt auf dem Grat, ziemlich "mittig" auf dem Grat, der teilweise sogar recht breit ist, in Richtung Gipfel. Aber achtung, es ist kein 'durchgehender Grat-boden', sondern es sind halt einfach geschichtete, unterschiedlich grosse Blöcke/Zacken. Mal grösser, mal kleiner. Gewisse Blöcke haben wirklich die Grösse eines Kleinwagens :) Man muss schon umsichtig sein, dass der Fuss nicht plötzlich ins "leere" tritt. Der Fels ist aber auf dem Grat super bombenfest, Urner Top Qualität halt ;) 

Der Aufschwung zu den Gipfelfelsen ist denn auch kurz etwas knifflig, aber Körpergrösse sei dank für mich problemlos. Eine III- darf man der Stelle, wie auch dem Aufstieg auf den Grat (Lücke) gut geben. Da stimme ich mit den meisten Mitschreibern hier auf hikr überein. Die Rundsicht ist super, hält sich aber heute in Grenzen da im Süden alles wolkenverhangen ist. Gegen Norden hin jedoch blauer Himmel, und der Meteo-Radar sagt auch nichts böses voraus, sollte alles vorbeiziehen. Daher geniessen wir den Moment und steigen dann gemütlich wieder zur Lücke zurück. Entgegen vieler, bleiben wir wirklich immer möglichst zuoberst auf dem Grat - hier hats den festesten Fels und die schönsten Kletterstellen. Zu kurz ist die Kletterei zurück zur Lücke, das Abklettern geht tip top von statten und entgegen meiner Erwartung hatte ich nirgends Mühe als Seil-"oberer" ohne Sicherung abzusteigen. Geht wirklich überall prima, denke, mit 1m86 habe ich hier einen Vorteil :)

Gem. SAC-Führer wäre apropos auch ein Aufstieg in die Wyssenlücke und die komplette Überschreitung des Nordgrats eine Variante. Ich kann jedoch nicht sagen, wie der Grat von dort bis zu "Bergmax's Lücke" aussieht. Nördlich der Lücke türmen sich schon ein paar Mal recht scharfe Felsbocken auf. Aber ich erachte diesen Grat als relativ gutmütig und kann mir vorstellen, dass man hier immer irgendwie einen Weg findet.

So steigen wir wieder zur Fellilücke ab - der Wind nimmt zu und gegenüber über dem Badus sind schon ganz dunkle Wolken, aber es kann sich wohl nicht durchsetzen, wir bleiben fast trocken, ein paar Tropfen erwischen uns, aber gegen Norden immer wieder blauer Himmel. Zur Feier des gelungenen Tüürli gibts dann im Restaurant Alpsu ein feines Bündner Plättli und en Coupe Hot Berry :)

Fazit: Die Tour auf den Piz Tiarms ist eher kurz und kann somit als Kurztour oder als gemütliche Tagestour mit Blockhüpf- und kurzen Klettereinlagen auf dem Grat gemacht werden. Theoretisch kann man mit der Schneehühnerstock-Express Gondelbahn den Weg zur Fellilücke abkürzen. Die Bewertungen für den Piz Tiarms, die ich hier auf Hikr entnommen habe, entsprachen dem, was ich angetroffen habe. Die T6 aus dem SAC-Führer würde ich hier auch als etwas überhöht bezeichnen. Ich finde auch T5, II eine gute Bezeichnung, das "nicht-kletter" Gelände ist wirlkich nicht mehr als T5, und der Grat ist eine klassische II, halt mit 2 gaaaanz kurzen Stellen, wo es die II mal bisschen überschreitet.

PS. Wie wärs, wenn die Ski-Arena ihren "Schneehüenerstock-Express" auf "Unghürstöckli-Express" umtauft? Wär doch endlich mal ein lustiger Name für ein Gondelbähnli :-D

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Comments (5)


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maenzgi says: Eine schöne Tour...
Sent 12 August 2019, 20h24
an die ich mich gerne zurück errinere, ausgeschlossen sind Bagger und Helikopter.

Gratuliere euch zum Gipfelerfolg am Piz Tiarms.

Schade habt ihr den Wyssen Fedenälpler nicht mit angehängt, der hätte euch bestimmt auch gefallen. Von der Wyssenlücke musste ich irgendwann kapitulieren da ich an eine III evt IV-Stelle hinlief, es gibt aber hinten rum eine Umgehung. Ein wunderbares Kraxelgelände.

Ich wünsche weiterhin wunderschöne Touren.

Gruss Manu

N_Altitude says: RE:Eine schöne Tour...
Sent 13 August 2019, 06h51
danke :) wir hatten es extrem gemütlich genommen an dem tag und das wetter war wie beschrieben nicht sooo gut. man hatte des öfteren den eindruck "jetzt chunts de aber"... dazu ein spannender meteoschweiz blog eintrag: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/meteoschweiz-blog/meteoschweiz-blog.subpage.html/de/data/blogs/2019/8/das-salz-in-der-suppe.html

auch dir weiterhin viele tolle touren!
viele grüsse
nick

maenzgi says: RE:Eine schöne Tour...
Sent 13 August 2019, 07h38
Danke vielmals für den Link, ist sehr spannend!
Waren letzte Woche am Klettern beim Steingletscher. Die Gewitter wurden angekündigt und wir rechtzeitig bereit zum abbrechen. Das es jedoch innerhalb von 5 Minuten dermaßen zuziehen kann, hörte ich bisher nur vom Sagen. Es war als käme eine Lawine oder ein Sandsturm innert Sekunden auf uns zu. Dies liess mich aufhorchen für zukünftige Touren mit Gewittervorhersagen.

Liebe Grüsse Manu

Bergmax says: Gratulation
Sent 12 August 2019, 22h54
zum Piz Tiarms auch von mir!

Vielen Dank auch für die lobenden Worte zu meinem Bericht. Wenn Ihr mal wieder in der Gegend unterwegs seid, kann ich Euch auch den Piz Acletta empfehlen - der dürfte noch etwas einsamer sein als der Tiarms.

Viele Grüße aus Vorarlberg

Max

N_Altitude says: RE:Gratulation
Sent 13 August 2019, 06h50
danke!... lob wem lob gebührt :)
hab mir grad deinen eintrag vom piz arcletta angeschaut, klingt spannend! in der gegend oberhalb von disentis war ich noch nicht. aber zwischen göschenen/andermatt und disentis gibts ja noch einige spannende, vermutlich recht einsame flecken ^^ ich mag halt den schönen granit hier schon sehr!

viele grüsse zurück aus zürich
nick


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