Via Nicola Balestra: Selvaggio Blu zwischen Val Vegornèss und Val Chironico


Publiziert von lorenzo , 1. Juli 2009 um 00:49.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:26 Juni 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Madöm Gross   Gruppo Pizzo Barone 
Zeitbedarf: 3 Tage
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Sonogno
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Chironico
Unterkunftmöglichkeiten:Rifugio Alpe Barone; Capanna Cognora, beide SEV; Rifugio Sponda, SAT
Kartennummer:LK 1272/1273; G. Brenna, Clubführer Tessiner Alpen 2, SAC 1992; M. Volken, R. Kundert, T. Valsesia, Alpinwandern Tessin, SAC 2009

Wer schon vier Tage lang auf der Via alta Verzasca unterwegs war, hat mit langsam aber sicher leicht angesäuerten Oberschenkelmuskeln, durchgewalkten Knien und einem - zwar immer leichter gewordenen - Wochenrucksack villeicht keine Lust mehr auf eine Extratour zwischen dem Pso. di Piatto und dem Rifugio Barone, sondern ist vermutlich froh, dieses von der Capanna Cognora her auf dem auch nicht gerade leichten "Normalweg" der fünften Etappe (T4+) erreichen zu können. Es empfiehlt sich deshalb, die am 4. Oktober 2008 vom SEV markierte und rudimentär eingerichtete, nach dem am 17. Juni 2007 am Mont Blanc du Tacul verunglückten Tessiner Bergführer benannte Via Nicola Balestra über den Grat zwischen dem Pizzo dei Laghetti und dem Pizzo della Bedeia als Zwei- oder Dreitagestour von der Capanna Cognora, dem Rifugio Barone oder vom Rifugio Sponda aus anzugehen: mit oder ohne "Zugabe" des Pizzo di Piancói und ungeachtet der Begehungsrichtung wartet hier eine einzigartige Gratüberschreitung voller Ueberraschungen.

26.6.2009: Ich starte in Sonogno und gelange durch das - auch im Sommer! - wunderschöne Val Vegornèss (rot-weiss) zum Rif. Barone (2172m), das ich am frühen Nachmittag gerade noch vor den ersten Regentropfen erreiche, T3, 3-4h.

27.6.2009: Eingehtour bei wechselnd bewölktem Himmel aber trockenen Verhältnissen: auf einem stellenweise mit Metallbügeln abgesicherten Pfad (blau-weiss) zur Btta. della Campala (2323m), T4. Ueber den NNE-Grat, 2 Türme rechts umgehend, auf Geröll und (aufgeweichtem) Firn auf den P. Campala (2644.7m), L+. Abstieg über den S-Grat zu einem Gratfenster, durch eine Rinne hinunter nach W und einen rechteckigen Gratblock rechts umgehend in die Lücke 2521, WS. Auf Geröll und Firn über die NNW-Flanke auf den Madàs (2739m), L. Abstieg über den SE-Grat bis dieser flacher wird, dann rechts über Stufen hinunter und auf Bändern (z.T. Pfadspuren), die letzten Graterhebungen rechts umgehend oder übersteigend zur Btta. di Larec (2502m), WS-. Abstieg durch das E-Couloir bis ca. 2200m, auf einer breiten Terrasse zur A. di Porchier (2079m)  und über Piodoo (1950m) zurück (schöne Rutschpartien), L. Insgesamt mindestens 6h.

28.6.2009: bei sternenklarem Himmel auf dem Bergweg (rot-weiss, Schneereste) zum L. Barone (2391m), T3, auf (aufgeweichtem) Firn und Geröll über die W-Flanke bis ca. 2500m und durch das markante W-Couloir schräg nach rechts hinauf zur rechten Begrenzungsrippe, und auf dieser und über die gut gestufte felsig-grasigen Schlussflanke auf den N-Gipfel (2768.1m) des P. di Piancói; jeweils nach SW ab- u. nach SE aufsteigend (Stellen III) dem Grat entlang auf den Mittel- und den Hauptgipfel (2769m), T6, WS. Abstieg nach SE durch eine grasige Rinne und die SE-Flanke querend auf den E-Grat: zuerst  in schöner Kletterei über diesen hinunter, dann die letzten ca. 100m auf ausgesetzten Bändern rechts vom Grat zur Btta. dell'Uomo di Campionigo (2571m), WS+. Hier mündet von SW vom Pfad der 5. Etappe des VAV (blau-weiss) die Via Nicola Balestra (blau) ein: dieser folgend (Varianten möglich) dem Grat entlang über P. della Bedéia (2666m), Btta. di Campale (2409m), P. Campale (2481m; im E-Grat Stelle III mit 1 Bh und Abseilstelle), P. dei Laghetti (2443m; beim Einstieg zum ESE-Grat Stelle III mit 1 Bh) zum Pso. di Piatto (2111m), I-II, T6, L-WS. Letzter Blick zurück ins V. Verzasca und Abstieg (rot-weiss) über den Laghetto (1763m) und Cala (1469m) nach Chironico (782m), T3. Insgesamt mindestens 10h.

Material: ev. 20-30m Halbseil oder Reepschnur, ca. 2 Express und 2 Schlingen zusätzlich zu üblicher Alpinwanderausrüstung.

Tourengänger: lorenzo

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Kommentare (8)


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Alpin_Rise Pro hat gesagt: VNB
Gesendet am 1. Juli 2009 um 11:45
Grazie per la ricognizione!
Die Etappe tönt äusserst spannend und steht auf dem Programm, falls man dann dazu käme... die Markierungen dürften das Unternehmen um einiges einfacher und schneller machen! Sind die Abseilstellen zwingend?
Gruss, Rise

lorenzo hat gesagt: RE:VNB
Gesendet am 1. Juli 2009 um 13:40
Ja, die Markierungen ersparen einem so manchen zeitraubenden Verhauer. Oft ergibt sich aber die Route wie von selbst. Die Abseilstellen (in W-E-Richtung, beide ca. 10m) sind nicht zwingend, wenn man einen IIIer sicher abklettern kann. Ich hatte sicherheitshalber eine 20m Reepschnur dabei, benötigte sie aber nirgends.

Hoffentlich findest Du nächstens einmal Zeit, zwei Tage genügen!

Viel Vergnügen!

lorenzo

Zaza hat gesagt: RE:VNB
Gesendet am 1. Juli 2009 um 16:04
let's doodle...maesi wäre auch dabei, glaube ich. Vom Passo di Piatto her ist die Begehung wohl ein wenig einfacher.

Gruess, zaza

Maesi hat gesagt: RE:VNB
Gesendet am 1. Juli 2009 um 23:09
Ich wäre immer noch dabei, wenn es vom Termin her passen würde. Habt ihr die Tour im Sommer oder im Herbst im Visier?

Gruäss Mäsi

Zaza hat gesagt: RE:VNB
Gesendet am 7. Juli 2009 um 12:05
Eher Spätsommer/Herbst, würde ich sagen: Dann sind die Hütten weniger stark belegt.

Gruess, zaza

Zaza hat gesagt: RE:VNB
Gesendet am 10. Oktober 2009 um 17:31
Interesse am kommenden WE (17/18.10.)?

Gruess, zaza

Henrik hat gesagt: Da ich ...wie schon bei deiner
Gesendet am 1. Juli 2009 um 15:38
letzten Berichterstattung ...nie dorthin gelangen kann und es grundsätzliche Fragen gibt, statt PN hier: hattest du zwei Kameras dabei? Wie kommt der blaue Punkt an den Felsen? Wie entstand das Falschfarbenbild (Kamera defekt kaum möglich, da ja noch schöne Beispiele folgen)? Das Randblau bei den Seen mit Schnee wirkt unnatürlich - reflexionsbedingt? Bis wie hoch fand sich noch Schnee?

Darüber hinaus gibt es nur noch Aahs und Oohs - was für eine grandiose Tour im Bereich T6! Inkl. Bilder.

Neid ist sonst meinerseits eher seltene Tugend, hier bin ich es.

Herzlich

Henrik

lorenzo hat gesagt: RE:Da ich ...wie schon bei deiner
Gesendet am 1. Juli 2009 um 21:55
Hallo Henrik

ich benutzte das Natel, nachdem die Kamera ausgestiegen war. Die blauen Punkte gehören zur Routenmarkierung. Das "Falschfarbenbild" entstand beim Versuch, im Photoshop aus einem unscharfen ein scharfes Bild herzustellen. Das Randblau bei den Seen entstand wohl dadurch, dass die Eisschicht vom Ufer her schmilzt, Schnee liegt noch bis 1800-2000m hinunter.

Grüsse

lorenzo


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