Zunterkopf (1811 m) - NW-Gipfel des Tauern


Publiziert von ju_wi , 27. Juni 2009 um 13:58.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Ammergauer Alpen
Tour Datum:14 Juni 2009
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 3:45
Aufstieg: 900 m
Abstieg: 900 m
Strecke:6,7 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:kleiner P. an Kapelle St. Hubertus an Straße Reutte - Plansee
Kartennummer:f&b WK 352

Der Tauern (1841 m) ist der Hausberg von Reutte und der Zunterkopf (1811 m) mit Kreuz sein NW-Gipfel. Er ist ein beliebtes Halbtagesziel, das auch als kindergerechte Bergtour gilt, die man aber nicht unterschätzen sollte und sicher nur mit bergerfahrenen Kindern unternehmen kann. Ich glaube nicht, dass die Bewertung T3+ übertrieben ist, denn es sind einige schmale, abschüssige, unangenehme Stellen in etwas ausgesetzem Gelände zu meistern. Da der Tauern von Plansee, Heiterwanger See und Lechtal eingekreist ist, ist er ein komplett isolierter, freistehender Berg mit mehr als 800 m Schartenhöhe, von dem man außerdem herrliche Ausblicke auf die Seen und das Lechtal hat, dessen Talabschluss nach NO er bildet. Der Steig auf den Tauern ist weiterhin wenig ausgebaut und wohl überhaupt nicht markiert und unterhalten, so dass man auf dieser Tour hier nicht den gemeinen Bergtouristen sondern eher Locals und Insider trifft.

Wir haben den Tauern schon häufig bewundert, wenn wir von N durch den Tunnel Füssen-Reutte angefahren sind, denn beim Passieren von Reutte auf der Umgehungsstraße Richtung Fernpass dominiert der Tauern das linksseitige Panorama. So kam schon öfter mal der Wunsch nach Besteigung auf, die wir am letzten Tag des 4-tägigen Fronleichnams-Kurzurlaubs in Lähn nun umsetzen wollten.

Von den langen Touren der Vortage etwas müde, sollte heute der Tauern ein leichtes, kurzes Halbtagesziel zum Abschluss und Heimfahrtag des gelungenen, langen Wochenendes werden, doch das hatte es mehr in sich als wir vermutet hatten.

Nach Abschied vom Haus Bleispitze in Lähn fahren wir morgens zum kleinen Parkplatz an der St. Hubertus Kapelle zwischen Reutte und Plansee. Es ist sehr warm (>25°) und schon morgens ein wenig schwül, doch der Himmel ist noch blau. Der kleine, unmarkierte Pfad führt sofort deutlich bergan und zieht sich zunächst in sehr steiler grasiger Flanke mit lichtem Wald in vielen Serpentinen empor. Durch die vielen Besuche - auch wir treffen an dem Tag sicher 10 Berggruppen - ist der Pfad in diesem Bereich auch ohne Markierungen völlig problemlos zu finden. Auf ca. 1500 m quert der Weg von der N-Flanke dann hinüber zur W-Seite, was uns herrliche Blicke auf ein langes Stück Lechtal Richtung Elmen mit flankierenden Allgäu- und Lechtal-Bergen eröffnet. Außerdem ist von hier schon ein schöner Blick zu den von uns sehr geschätzten Tannheimer Bergen möglich, die wir bisher eigentlich immer nur von W oder S betrachtet haben (außer bei der Säuling-Tour).

Auf ca. 1600 m in der W-Flanke, wird der Weg dann schon ein wenig anspruchsvoller. Zunächst gilt es noch im Wald durch ein enormes Wurzelwerk und ein paar Geröllrinnen zu klettern. Dann steigt man plötzlich auf einen ersten kleinen Kopf und kann den Zunterkopf mit Kreuz schon vor sich sehen. Ab hier bleibt das Gelände offen und ist von vielen Latschen, Schrofen und Geröll durchsetzt. Dabei sind die nun im Auf und Ab zu überwindenden oder querenden kleinen Vorgipfelchen durchaus von steilen und zum Teil ausgesetzten Hängen dominiert, so dass schon hier ein gewisses Maß an Schwindelfreiheit Voraussetzung ist, um sich wohl zu fühlen. Hinzu kommen ein paar kurze Querungen mit sehr schmalen, abschüssigen Trittspuren im erdigen Geröll, an Stellen, wo man sich kein Abrutschen wünschen würde. Die Mehrzahl der Familien mit Kindern, die wir antreffen (offenbar hat der Berg etwas fraglich den Ruf für Kindertauglichkeit), kehren hier um oder ein Partner wartet mit den Kindern und bleibt zurück.

Für uns ist das Gelände nun wirklich noch kein Problem, aber dennoch sind wir über den höheren Anspruch etwas überrascht. So erreichen wir das Kreuz des Zunterkopf (1811 m), dem NW-Gipfel des Tauern. Wir genießen die herrliche Rundumsicht und begutachten natürlich auch den Weiterweg zum Tauern-Hauptgipfel, der lt DAV-Führer nochmals 30 Minuten von hier entfernt ist. Vor dem Hauptgipfel ist eine deutliche Trittspur am Grat zu erkennen und vom Zunterkopf führt auch ein klar erkennbarer Pfad erstmal hinab. Also setzen wir hier unseren Weg nach kurzer Blick-Pause am Zunterkopf fort. Sofort steigt die Schwierigkeit erneut einen Tick - das Geröll wird etwas steiler, die zu querenden Hänge in einer imposanten Felsszenerie etwas ausgesetzter. Nach ein paar Metern steilem Abstieg, gesäumt von üppigem Latschenwuchs, gelangen wir an einen Sattel und suchen die Wegfortsetzung. Das Gelände ist hier nun völlig unübersichtlich. Wie wertvoll wäre jetzt eine kleine Markierung, ein Pfeil oder kleiner Wegweiser gewesen...

Jedenfalls führt auf einen sehr steilen gut 20 m hohen Felskopf, der fast senkrecht vor uns aufragt eine Geröllspur durch eine steile Seitenflanke hinauf. Merkwürdig, aber das wird es wohl sein. Nicht ganz ohne ist das Stück (T4 bis T4+) zumal wir am Fels eine sehr luftige Stelle passieren müssen. Als wir dann oben auf dem winzigen Felsturm ankommen, bricht dieser nach allen anderen Seiten senkrecht ab. Sackgasse! Also noch vorsichtiger wieder zurückkraxeln in den Sattel. Nächster Versuch geht nach links, wo ein tiefes Kar liegt. Doch auch hier endet die Spur - soweit wir versuchen und erkennen können - sofort im Nichts. Eine andere Fortsetzung finden wir auch nach einigem Suchen nicht. (Vermutlich waren wir am Sattel schon falsch, was wir uns aber in der Situation nicht vorstellen konnten - der DAV-Führer klärt uns nach der Tour insofern auf, als dass der Felskopf, den wir wohl bestiegen hatten, "tief rechts unten" zu umgehen ist) Das kann doch nicht wahr sein! Etwas enttäuscht treten wir den Rückzug an und steigen wieder hinauf zum Zunterkopf. (Vermutlich haben wir hier - wie auch auf dem Hinweg - den richtigen Abzweig übersehen)

Auf gleichem Weg steigen wir vom Zunterkopf zurück zum Auto und treten die Heimfahrt an. Im Rückblick hat sich die Besteigung des Zunterkopf und dem herrlichen Rundumblick natürlich auch ohne Erreichen des Tauern-Hauptgipfel gelohnt. Dennoch bleibt natürlich ein wenig gekränkter Bergsteiger-Stolz, dass es nicht zum höchsten Punkt geklappt hat...

Tourengänger: ju_wi

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Geodaten
 824.gpx Zunterkopf

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Kommentare (1)


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eganahl hat gesagt: Tauern
Gesendet am 20. Mai 2010 um 23:48
Viele Wege führen auf den Gipfel des Tauern, die schönste Route ist die Überschreitung vom Plansee und über die schmalzgube zurück.
Zu Deiner Information, Reutte ist keine Stadt, es ist ein Markt, die einzige Stadt im ausserfern ist Vils. ;-))
Infos über die Tauernrouten findes Du unter http://www.sy-binna.de/bergtouren/touren2006/tauern2006.08.25/001tauern.html


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