Frühsommerlicher Streifzug durch das Valle Verzasca


Publiziert von lorenzo , 25. Juni 2009 um 01:51.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:20 Juni 2009
Wandern Schwierigkeit: T6+ - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Monte Zucchero   Gruppo Madöm Gross 
Zeitbedarf: 4 Tage
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Chironico
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Brione Verzasca
Unterkunftmöglichkeiten:Ristorante Alpino, Sonogno; Corte di Gemogna
Kartennummer:LK 1272/1292; G. Brenna, Clubführer Tessiner Alpen 2, SAC 1992

Nach dem es diesen Winter auch im mittleren und nördlichen Tessin viel Schnee gegeben hatte, musste ab 2000m auch noch im Mai und Juni mit Schnee gerechnet werden: so teilte uns der Hüttenwart von Starlaresc vor Pfingsten mit, dass sie die Hütte dieses Jahr wegen noch grossen liegenden Schneemengen ausnahmsweise noch nicht offiziell geöffnet hätten und riet und von einem Besuch ab. Und wie sah es wohl jetzt, einen knappen Monat später aus? Ab ca. 2000m lagen nordseitig noch eine grösstenteils zusammenhängende Schneedecke, südseitig immerhin noch einzelne Schneefelder. Der Schnee war nach klarer Nacht morgens jeweils beinhart, unter der Sonne wandelte er sich aber rasch in griffigen Trittfirn um, der einen manch mühselige "Tessiner Spezialitäten" wie endlose Block- und Staudenfelder ersparte, und auf dem auch gut abgerutscht werden konnte. Auch der angekündigte Nordstau hatte zwei grosse Vorteile: schönes Wetter und keine Gewitter, und dafür nur einen kleinen Nachteil: bissig-kalter und böiger Nordföhn, der das Gleichgewicht herausforderte, zum Aufpassen auf die Sachen zwang, das Einfeuern zur Chefsache erklärte und stetig an der Gemütlichkeit sägte...

Itinerario:

20.6.: Von Chironico auf dem markierten Bergweg (weiss-rot) zum Laghetto (1763m) und weiter bis ca. 2000m, T3. Nach SW über Gras, Blöcke und bald im Schnee steil hinauf zum NNE-Grat und über diesen auf den P. dei Laghetti (2443m), T4-5. Abstieg entlang dem ESE-Grat (blau) zum Pso. di Piatto (2111m), T5. Der "direkte" Abstieg von hier ins Val Vegornèss ist auf älteren Karten - z.B. der Zusammensetzung "Tenero e Valle Verzasca", 1:50'000, 1987 - noch eingezeichnet: auf dem markierten Bergweg (blau-weiss) Richtung Rif. Barone bis zur Rippe von P. 2039 und auf dieser hinunter bis ca. 2000m; auf überwachsenen Pfadspuren (wenige und z.T. ausgebleichte rot-weisse Markierungen) nach WSW hinunter zur A. della Bedeia (1621m) und nach SE (rot) hinunter zu einer grossen Plattenrampe und über diese (I) ins Val Vergornèss unterhalb Ganne und weiter nach Sonogno.

21.6.: Von Sonogno auf dem markierten Bergweg (rot-weiss) Richtung Btta. di Mügaia durch das Val Redòrta über Püscen Negro (1343m) und Cortign (1513m) bis Corte di Cima (1987m), T3. Grösstenteils auf Schneefeldern nach S über Cronitt zum 2. Couloir von NW im Rasiva-NW-Grat, das auf ca. 2360m ansetzt, und steil (bis 50 Grad, hart) hoch zur Gratscharte, wo der angegebenen senkrechten Verschneidung (V, 1 H) leider alle Plaisirqualitäten zum Hinaufspazieren zu fehlen scheinen, so dass ich mit vom Nordföhn klammen Fingern gerne darauf verzichte, das Seil und die übrigen Accessoires auszupacken, um fachgerecht eine Seillänge einzurichten. So steige ich das Couloir bis zur Hälfte wieder hinunter, bis nach links einfach auf eine bequeme Rampe gequert werden kann, die zurück auf den Grat oberhalb der Schlüsselstelle führt. Nach einer senkrechten Stufe (IV) geht es dann einfacher (I-II, Stellen III) auf die Rasiva (2684m), WS. Abstieg über den E-Grat und dessen S-Ausläufer (blau-weiss) nach Corte di Gemogna (2183m), T4-5, wo die Böen durch alle Ritzen und das Kamin pfeiffen und der Holzofen mehr Rauch statt Wärme und Hitze zum Kochen produziert... Die draussen herumstreunende Ziegenherde lässt sich davon allerdings nicht beirren und zieht mit ihren hell klingenden Glöckchen auf der Suche nach den besten Kräutern (wilder Thymian...) munter in der Rasiva-SE-Flanke herum, derweil Schellen Ursli schliesslich dann doch noch einen Kaffee und eine Portion Instantpasta zustande bringt.

22.6: Nach morgendlichen Schneeflocken aus blauem Himmel (!) und einem Abstecher nach Pianchitt und einem Augenschein von der W-Wand, wo schon der Zustieg auf den eisharten Lawinenkegeln einem Eiertanz gleicht, und der Wandsockel dann doch schwieriger ist, als er von weitem aussieht, Rückkehr zur Hütte und Aufstieg zur Ciòssa (2373m), T3: Umgehung einer abdrängenden Felsstufe rechts, dann in Genusskletterei (Stellen III) über den SE-Grat auf die Sgemögna (2544m), L. Entlang dem W-Grat zur tiefsten Scharte und über den E-Grat (eine Platte IV, 1 H, dort auch mit 1 Kk gesichert) in Genusskletterei (bis III) auf den Vorgipfel und einfach weiter zum Hauptgipfel der Rasiva, ZS-. Abstieg über den S-Grat (eine Stelle III, Kabel) und die SE-Flanke zurück zur Hütte, L.

23.6.: Bedeckter Himmel, der eher zu einem Zeitfahren statt zu einer Königsetappe rät. Ich breche trotzdem auf: absteigend zu einem Schafpfad auf ca. 1960m, auf diesem um den Ausläufer von P. 2455 herum zur W-Flanke des Sasso Rosso (2449m) und nach Querung eines Couloirs über eine grasig-felsige Rippe auf den Gipfel, L. Wegen immer noch zweifelhaften Wetter und aus Zeitgründen verzichte ich auf die Gratüberschreitung zur C. di Cazzài: Abstieg über den SW-Grat bis in die tiefste Scharte, L, und durch ein Couloir (ca. 40 Grad, hart) nach N hinab auf die Schneefelder oberhalb Canecc. Nach E auf griffigem Trittfirn zur Lücke auf ca. 2300m im C. di Cazzài-NE-Grat - wo leider u.a. kältebingt die Batterie des Fotoapparats ihren Geist aufgibt - und diesem entlang (II) auf den Gipfel (2435m), L. Inzwischen hat es doch noch aufgeklart: Abstieg entlang dem SE-Grat  und das E-Couloir (rot) bis ca. 2100m, T5-6, wo nach S zum Pfad (rot) Richtung Pne. della Marcia (2453.8) gequert werden kann und auf diesem bzw. schönen Schneefeldern durch die obere NE-Flanke (Skiroute) auf den Gipfel, T3. Ueber den SE-Grat - ein Turm wird der rechts umgangen - in einen Sattel, weiter zum SE-Gipfel (2381.5) und zum Beginn des NE-Couloirs zwischen diesem und dem spitzen Vorgipfel, T4-5. Durch dieses gut gestuft hinunter, bis rechterhand die tiefe Schlucht des Riale del Ciöss abzweigt. Hier bin ich auf Pfadspuren, durch Erlen und felsdurchsetztes steiles Gras an dessen linkem Ufer bis auf ca. 1900m abgestiegen und habe dann horizontal auf einer steilen Grasflanke und zuletzt auf einem immer schmaler werdenden Band nach S gequert, "bis es nicht mehr weiterging" und ich an einem Block und einer Erlenstaude 20m über Platten abseilen musste, T6+ (ev. hatte ich diesen Abschnitt der Route Nr. 1334 im Führer "seitenverkehrt" gelesen  und hätte stattdessen am rechten Ufer absteigen sollen, WS). Auf einem Schafpfad auf die Krete und zu P. 1858 und auf Pfadspuren über Sotto la Marcia (1727m) nach Tenc di Dentro (1563m). Von hier auf einem Bergweg (weiss-rot) über Tenc di Fuori hinunter nach Brione.

Material: 50m Zwillingsseil (ein Strang), einige Schlingen, Express, Friends und Keile zusätzlich zu üblicher Alpinwanderausrüstung.

Tourengänger: lorenzo

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Kommentare (4)


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Henrik hat gesagt: Mensch, Lorenzo
Gesendet am 25. Juni 2009 um 22:43
...allein die Vorstellung, dass du das ganz alleine begangen hast...brr. schön, dass du das beschreibst, wo ich nie hin kann!

Bravo

Ciao

silberquäki

ossi hat gesagt: RE:Mensch, Lorenzo
Gesendet am 26. Juni 2009 um 13:04
Er ist gar nicht alleine, denn lorenzo hat einen Seilpartner....;)

lorenzo hat gesagt: RE:Mensch, Lorenzo
Gesendet am 28. Juni 2009 um 22:30
Das ist Sacco, ohne ihn geht's bei mir leider nicht.

lorenzo

lorenzo hat gesagt: RE:Mensch, Lorenzo
Gesendet am 28. Juni 2009 um 22:28
Alles halb so wild, sondern v.a. schöne und gutgriffige Genusskletterei - sogar bei Nordföhn!

Salve

lorenzo


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