Carungas 2622 m - Zwischen Regenschauern auf den Hausberg


Published by Ivo66 Pro , 9 June 2019, 18h34.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberhalbstein
Date of the hike: 9 June 2019
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 6:15
Height gain: 1420 m 4658 ft.
Height loss: 1420 m 4658 ft.
Route:Tinizong - Val d'Err - Tgasot - Demat - Carungas
Maps:1:25'000 Savognin

Der Carungas ist mit seiner bescheidenen Höhe von 2622 m. ü. M. zwar keine Grösse im Oberhalbstein. Dank seiner nach Südosten und Süden ausgerichteten steilen Hänge ist er jedoch verhältnismässig früh im Jahr ohne Winterausrüstung erreichbar. Früh heisst normalerweise anfangs Mai; in diesem Jahr nach dem harten Winter und dem kalten Mai ist es nun Mitte Juni geworden mit der - wie das Gipfelbuch preisgab - ersten Besteigung in diesem Jahr. 

Zum 17. Mal standen wir heute auf dem Carungas. Die Tour begeistert uns immer wieder, denn es bedeutet, dass der Bergfrühling bald beginnt. Die Wetterprognosen versprachen für Graubünden einen trockenen Tag; erst in der Nacht auf Montag sollten erste Regentropfen niederprasseln. Doch die Wetterfrösche täuschten sich gewaltig. Bereits um 09.00 Uhr verdunkelten die düsteren Wolken den zuvor noch aufgehellten Himmel und sofort begann es zu regnen. Wir befanden uns noch im unteren Bereich der Tour. Der Blick auf das Wetterradar auf dem iPhone machte unmissverständlich deutlich, dass es die Regenfront aus dem Tessin bis ins Oberhalbstein geschafft hatte und dies in den nächsten Stunden auch so bleiben würde. 

Völlig überrascht traten wir bereits nach 1 1/4 Stunden Gehzeit den Rückzug an und stiegen wieder Richtung Tinizong ab. Doch so rasch die Regenfront aufzog, so schnell war sie wieder verschwunden und es hellte wieder angenehm auf. Eine nächste Konsultation des Wetterradars zeigte, dass sich alles komplett verändert hatte: Für den Rest des Tages sollte es nun trocken bleiben. Wir stiegen die 100 verlorenen Höhenmeter wieder auf und sahen, dass das Wetter immer besser wurde. 

Schweisstreibend war der steile Aufstieg Richtung Carungas durch die weglose Südostflanke, wo bald erste Schneefelder das Weiterkommen mühsam machten. Und wieder verdunkelte sich der Himmel und gut 150 Höhenmeter unter dem Gipfel setzte erneut Regen ein. Wir beschlossen, weiter aufzusteigen, denn das Radar wies den Schauer nur als vorübergehende Zelle aus, welche bald an uns vorbeigezogen sein würde. 

Tatsächlich war dann dem auch so und auf dem Gipfel zeigte sich wieder ganz kurz die Sonne. Der Carungas wurde letztes Jahr immerhin sechs Mal bestiegen - die Einträge im Gipfelbuch stammen ausschliesslich von Einheimischen. Eindrücklich zeigte sich, wie viel Schnee in dieser Gegend noch liegt. Der Abstieg zur Alp d'Err wäre heute ohne Ski- oder Schneeschuhausrüstung niemals machbar gewesen. Es liegt nordseitig eine geschlossene Schneedecke wie im tiefsten Winter.

Für den Abstieg wählten wir zunächst den Nordwestgrat, wo man den Vorgipfel übersteigt. Bald stiegen wir aber durch ein weiteres Couloir in die Südostflanke ab, denn weiter man nordwestlich ging, desto hartnäckiger lag dort der Schnee in den steilen Flanken. Im Abstieg konnten wir von den zuvor verfluchten Schneefeldern profitieren, wobei man doch immer wieder bis zu den Knien einsank und ein zügiges Abrutschen nur selten möglich war. Noch zweimal wurden wir von kurzen Regenschauern durchgespült; die Wetterfrösche haben sich heute wieder mal richtig verhauen.

Wenn jetzt die Temperaturen nicht wieder einbrechen, besteht tatsächlich noch eine Chance auf etwas Bergsommer in Graubünden. Aber nach wie vor ist die Schneelage näher beim Winter anzusiedeln als im Frühling. Es kann nur noch besser werden.

Routenbeschreibung:

Normalroute
Bis Persettens (Der Übergang vom Piz Colm zur Alp d'Err) ist die Route markiert und folgt unten zeitweise dem Fahrsträsschen und geht nach der kleinen Siedlung Demat in einen Bergweg über. Man folgt den Wegweisern zunächst Richtung Alp Flix, später Piz Colm und dann Alp d'Err (T2). Vom Passübergang folgt man dann dem steilen, aber gut gestuften Grashang beliebig zum Gipfel (T3). Bei viel Altschnee kann die Route bis Persettens mühsam sein; dann ist der Direktaufstieg durch die Westflanke vorzuziehen (T4).

Direktaufstieg durch die West- bzw. Südwestflanke (T4)
Wir verliessen den Wanderweg nach dem Weiler Demat kurz vor der Hütte bei P. 1943 m und stiegen ziemlich direkt die zwischendurch recht steilen Grashänge in südöstlicher Richtung auf. Im oberen Teil - wo heute ein schneefreier Zustieg möglich war - wird das Gelände steil, ist aber durchwegs gut gestuft. Wir peilten heute ziemlich direkt den Gipfel an und erreichten den Schlusshang durch ein steiles Couloir. Es sind verschiedene Varianten möglich.  
 

Hike partners: Ivo66, Lena


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