Was eine Schale Polenta alles bewirkt!


Publiziert von Henrik , 22. Juni 2009 um 15:49.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum:20 Juni 2009
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Zeitbedarf: 4:00
Aufstieg: 400 m
Abstieg: 50 m
Strecke:Bignasco - Broglio - Prato - Peccia - Prato
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV / PW
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV / PW
Unterkunftmöglichkeiten:www.eco-cristallina.ch
Kartennummer:1292 / 1272

Innerhalb Wochenfrist bin ich schon wieder im Tessin! Nachdem ich am Dienstag einen Spitalbesuch in Locarno gewärtigte, schnell mit der Bahn nach Süden und am frühen Nachmittag wieder zurück nach Basel, konnte ich Claudia fürs Steine-Sammeln, zwei Wanderungen und Speise-Exkursionen begeistern. Wir begaben uns am Freitag am mittleren Vormittag, diesmal liess ich mich chauffieren, nach Süden. Statt durchs „enge Röhrchen“ fuhren wir drüber und im Hospiz mundete uns die Bündner Gerstensuppe vortrefflich – sie war auch aus thermischen Gründen nötig: auf dem Pass blies der Wind eisig und „kühlte“ schon die paar Meter vom PP zum Hospiz aus...Wir verpassten die Ausfahrt für die Tremola...Quiz: wie viele Pflastersteine wurden hier verbaut (es gibt nichts zu gewinnen – aber rätseln kann ja auch sonst Spass machen)?
 
In Airolo bestand ich für die Weiterfahrt unbedingt die Kantonsstrasse zu nehmen – bis nach Locarno. Es fährt sich m. E. horizonterweiternd, wählt man diese Variante, denn sowohl auf der Autobahn wie im Zug entgeht einen immens viel...auch deshalb bieten das Wandern (Hiken), das Biken und das Pferd die ideale Reisegeschwindigkeit...Erste Station war ein Espresso-Halt im http://www.daziogrande.ch/. Wie ich andernorts ja schon geschrieben habe: hier versammeln sich auf engstem Raum eine Vielzahl von Verkehrsträgern, die einzig alle den Wunsch in sich tragen, zu verbinden – Nord-Süd-Achse: der alte Saumpfad, dann die Kantonsstrasse, die Gotthard-Bahn, die Autobahn, der Ticino und die Strommasten. Am Bahnhofsplatz von Faido rief ich diese Wanderung in Erinnerung, die mich im April hierher führte: „die alten Gebäude am Bahnhofsplatz einer nähern Betrachtung zuzuführen. Vergänglichkeit, verblassender Verputz und ein halbes Dutzend Email-Schilder, die das Touring und Automobil aus einer andern Zeit heraufbeschwören http://www.wandersite.ch/Tageswanderung/493_Tessin.html“.
 
In Chiggiogna, das von Norden her links der Kantonsstrasse liegt und auch eine Postautostation beherbergt, ist ein Besuch der Kirche Santa Maria Assunta unbedingt zu empfehlen, schon weil sie nicht mal im vorbeiziehenden Zug wahrgenommen werden kann, der ICN z. B. fährt da schon zu schnell! Sie liegt richtiggehend eingeklemmt zwischen Bahntrasse und Felsformation – übrigens, hier steht zu Ehren Nello Celios (letzter Bundesrat aus dem Tessin (!), welch tagespolitische Aktualität...) eine 6-Meter-hohe Stele aus Kupfer...Ausführlich inkl. altem Stich ist auf Seite 3 eine kleine Geschichtserhellung nachzulesen (auf italienisch): http://prod.swisstopogeodata.ch/kogis_apps/ivs2b/beschr/de/TI00040209.pdf.
 
An der Biaschina kreuzen sich gerade zwei Güterzüge – in Giornico nehmen wir uns wieder etwas Zeit und besuchen die drei Kirchen, die hier in nächster Nähe zueinander stehen: ein Muss ist m. E. die Kirche San Nicola. Allein schon der Romanik wegen:
http://www.ticino.ch/appendix/contempla/pdf/de_romanico1.pdf. Sie besticht durch eine Schlichtheit, die einen still und ehrfürchtig werden lässt!

In Biasca stehen nochmals Kirchenbesuche an, siehe dazu mein Eintrag: http://www.hikr.org/tour/post14105.html. Übrigens, diese Stätten sind nationale Monumente – also Teil unseres Geschichte!
 
Nachdem der Nordföhn und heftiger Platzregen im Valle Maggia die Luft sozusagen über Nacht sauber „gewaschen“ hat, sind wir für einen längeren Spaziergang am Samstag unterwegs: steht ein Auto zur Verfügung, kommt kombinierter Verkehr zum Tragen.
 
Wir beginnen in Bignasco und auch hier liessen sich schon Kirchen frühmorgens besuchen – meine Intentionen werden nicht ausgeschlagen, aber auf später verschoben! Diese Route habe ich hier niedergelegt http://www.wandersite.ch/2tageswanderung/11_Tessin.html
deshalb folgen lediglich Ergänzungen bzw. Wahrnehmungen: Claudia eilt davon, ihr Tempo ist um einiges schneller als meines und offensichtlich weiss das Tal davon, denn abends im Hotel Eco-Cristallina in Coglio wird das thematisiert....Beinahe nicht endend wollend, ist das Asphaltband (wenn auch nur 900 m), das zwingend zu begehen ist. Später wähnt man sich nach Broglio unterwegs wie in einem grossen Park, danach steigt es ein wenig an, quert auf einer Holzkonstruktion den Ri di Tome und setzt sich dort für eine Pause in die Sonne, um sich auch dem Rauschen des Bergbaches irgendwohin in Gedanken verlieren zu lassen. In Prato wechseln wir die Talseite und kommen erneut durch eine Landschaft, die wie ein Park angelegt zu sein scheint: Frieden in und um uns. Als wir die vielen Fahrzeuge auf dem PP vor dem Grotto Pozzasc antreffen, rotiert lediglich der Gedanke um seine Achse: hat es noch Platz, es ist Samstag 13 Uhr? Wir setzten uns an den Tisch 7 und warteten zuerst mal eine längere Runde. Das Servicepersonal, dessen jüngstes Mitglied wohl keine 7 Jahre alt war, hatte sichtbar viel zu tun. Auf unsere Teller kamen einmal Polenta brasato und einmal Pizzoccheri – dazu ein ½ l Weisswein (ein Cuvée). Der erste Rückfahrtermin wurde unter der Genussglocke um zwei Stunden nach hinten verschoben – im gegenseitigen Einverständnis, denn, wenn schon beinahe wie Gott speisen, dann wie Gott sich Zeit nehmen....zudem verließen die Gruppen, die hier tafelten die Tische und es wurde himmlisch ruhig: das einzigste was gluckste und rauschte war der Fiume Peccia. Im Ort gleichen Namens ist ja auch noch die Skulpturenschule und das Marmorlager – so durchstreiften wir vor allem das gigantische (im doppelten Sinne) Lager: es war nicht verschlossen und die riesigen Quader und Platten konnten mit der Hand sinnlich erfahren werden. Irgendwo lag dann noch ein klitzekleines Stückchen Marmor – dieses wanderte in Claudias Rucksack. Da sehr viel Zeit bis zur zweitletzten Rückfahrt des Postautos übrig blieb, wanderten wir wieder hinab durch den Garten Eden nach Prato, setzten uns dort an der Strasse ins Restaurant und ließen die Seele baumeln. Ich nahm das Kartenset 1 : 25 000 hervor, die die Region abdeckt und Claudia bat um eine 2-Tagestour im Juli vom Valle Maggia hinüber in die Leventina: ich bin also schon tempomässig gefordert!
 
Die Bilder sind von früheren Unternehmungen - passen aber zur Thematik!
 
 
 
 
 

Tourengänger: Henrik

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Kommentare (1)


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Felix Pro hat gesagt: Landschaften, Monumente und Kulinarisches im Tessin
Gesendet am 23. Juni 2009 um 12:43
Ciao Henrik

schön, dein ausführlicher Bericht - so wie dir gefallen auch mir die genannten Bezüge zum Tessin immer wieder. (In der Kirche habe ich mich auf einer Velotour die Leventina hinab auch schon beeindruckt umgesehen - die romanischen Sakralbauten bewundere ich stets von neuem ...)

lg Felix


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