Über dem Langen Grund gibts keine kurze Ausrede: Schwaigberghorn - Breiteggspitze


Publiziert von ZvB , 10. Februar 2019 um 17:30.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Kitzbüheler Alpen
Tour Datum: 9 Februar 2019
Schneeshuhtouren Schwierigkeit: WT3 - Anspruchsvolle Schneeschuhwanderung
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1250 m
Abstieg: 1250 m
Strecke:15,2km
Kartennummer:AV34/1

Schee gibt's reichlich in dieser Saison. Der mitteldurchschnittlich begabte Schneeschuhgeher wünscht sich dennoch auch Sonne dazu, und die scheint es an normalen Wochenenden nicht zugeben. Endlich verspricht der Wetterbericht Abwechslung und der Wochenendschneeschuhgeher kann die lange geplante Tour auf das Schwaigberghorn versuchen.

Direkt an der Mautstation zweigt man nach rechts in den Langen Grund ab. Nach wenigen Minuten geht’s wieder nach rechts ab. Dieses Mal nach oben, im Zickzack an ein zwei Höfen vorbei. Beim zweiten Hof weisen Hundehaufen und entsprechende Spuren im Schnee darauf hin, wer hier Wache hält. Hoffentlich schläft der noch …

Der Wald ist erreicht. Endlich Schneeschuhe anlegen. Es geht nun etwas rascher voran. Als markantes Zwischenziel ist bald die Lotterbichlalm erreicht. Die ersten Sonnenstrahlen finden ihren Weg zwischen Wolkenschicht und Planetenoberfläche hindurch direkt auf die kleine Hütte. Ich muss allerdings an Erwin Lottermann denken. Der ist 650 Jahre alt und seine Tochter hat eine Herrenboutique mit dem Papst in Wuppertal …Kann zu viel Loriot schaden?

Jedenfalls war’s das zunächst einmal mit Sonnenschein. Auf dem weiteren, mäßig steilen Weg zur Schwaigbergalm wird es eher dunkler denn heller. Ob sich heute mal wieder der Wetterbericht geirrt hat?
Auf ca. 1600m durchschreitet man einen letzten Waldgürtel und bald danach spitzt zum ersten Mal das Schwaigberghorn hervor. Endlich bekommt auch die Wolkendecke Löcher. Auf einer Geländeschulter freue ich mich über das zunehmende Himmelsblau und werde prompt von einem Skispeedtourengeher ausgetrickst. Eine solche Generalüberholung kann ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und so nehme auch ich den steilen Ostgrat (WT3) des Schwaigberghorns in Angriff. Weitere Verfolger sind mir dicht auf den Fersen, lassen sich aber mit der Bequemlichkeit eines Skidepots locker abschütteln. Als ich kurz innehalte, um mich umzusehen, fährt mir für eine kurze Schrecksekunde … na eben der Schreck durch die Glieder. Beide Schneeschuhe rutschen lediglich zwei Zentimeter ab. Das genügt jedoch für einen kräftigen Adrenalinschub. O.k., hier ist’s steil, also bloß schnell weiter zum Gipfel.

Ein strahlender Tag, ein großartiges Panorama! Zwei fesche Tirolerinnen bitten mich um ein Foto – also nicht von mir, sondern, dass ich eines von ihnen mache – und so bin ich gleich von drei Sonnen umgeben. Nach diesem Beitrag zu Austrias Next Top Model geht es für mich weiter zum Breiteggern.

In einer Mulde bricht der Boden unter mir zusammen. Toll, wie ein auf dem Rücken liegendes Gottestierchen versuche ich mich wieder auf die Beine zu stellen. Der Fotoapparat darf nicht nass werden. Auf morschem Schnee kann man sich nicht mit der Hand abstützen. Überall Schnee …

Endlich habe ich mich befreit. Zuerst die Kamera vom Schnee säubern, dann mich, dann weiter. Fünf Meter, dann stehe ich wieder bis zum Bauchnabel im Schnee. Hoffentlich geht das jetzt nicht so weiter…
Nein, glücklicherweise geht’s nun wieder besser. Recht rasch ist der Breiteggern erreicht. Hier ist deutlich mehr los. Ich platziere mich etwas im Abseits, scheine aber irgendwie die Massen anzuziehen. Schon bin ich umzingelt und der herrliche Ausblick zumindest teilweise wieder verstellt.

Lieber einfach weiter zu Wildkarspitze und Breiteggspitze. Weniger besucht und sehr schön.

Das Navi hat schon lange den Geist aufgegeben. Leere Akkus. Der Abstieg in den Langen Grund wird so zum kleinen Abenteuer. Ich weiß noch, dass es dort eine Waldschneise geben muss, die mich irgendwie zu einem Fahrweg bringt.
Das Gelände ist gerade noch so vertretbar. Die Schneequalität ist mau (Bruchharsch und Sulz im schnellen Wechsel). Es geht steil hinab. Ich kann mich gerade noch bremsen, um nicht mitten über das Dach einer eingeschneiten Berghütte zu laufen. Und dort sieht man auch schon den Fahrweg und eine alte Skispur. Die ist mittlerweile völlig vom Wild zertreten worden. Mei, würden sich die Tourengeher darüber aufregen können … die schöne Spur!
Aber auch der gemeine Schneeschuhgeher erhält genügend Anlass zum Ärgernis: Rehköttel kleben beschissen am Schneeschuh fest!

Ein – ja, ein Mann kommt mir entgegen und schleift einen Plastiksack mit Heu hinter sich her. Futter für das Wild! So entsteht also diese seltsame Art von Spur im Schnee…

Die Straße durch den Langen Grund ist endlich erreicht. Eine halbe Stunde später findet der schöne Spaß sein Ende.

Wie immer gibt’s auch Fotos.

Achtung! Kann Satire enthalten. Bilder können u.U. schwarz umrahmt sein.

Tourengänger: ZvB


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Kommentare (1)


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Andi_mit_i hat gesagt:
Gesendet am 11. Februar 2019 um 17:54
Tolle Fotos und wie immer sehr unterhaltsam geschrieben!


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