Leilachspitze (2274 m) und Schochenspitze (2069 m)


Publiziert von ju_wi , 6. Juni 2009 um 23:42.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:30 Mai 2009
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 9:30
Aufstieg: 1670 m
Abstieg: 1670 m
Strecke:21,7 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto zum P Vilsalpsee (Tagespreis 6,50 € !)
Unterkunftmöglichkeiten:ganz easy mit Ü auf Landsberger Hütte, aber als Tagestour auch gut zu machen, man kann die Schochenspitze ja auslassen ...
Kartennummer:f&b WK352; Kompass 04 Tannheimer Tal

Die schroffe Leilachspitze (2274 m) in den Vilsalpseebergen ist ein recht isolierter und dominanter Berg der seine direkte Umgebung deutlich überragt. Dies garantiert eine tolle Rundumsicht. Dolomitenfeeling kommt außerdem auf, wenn man den Weg vom Gappenfelder Notländ an den bröseligen Luchs-/Krottenköpfen entlang wählt. Einfach nur herrlich. Durch lange und für Bergwanderer recht anspruchsvolle Steige von beiden Seiten ist man darüberhinaus wohl meist auch recht alleine unterwegs in dieser schönen Ecke.

Am 3-tägigen Pfingstwochenende sind wir wieder nach Hinterstein aufgebrochen. Von dort gelingen uns bei recht gutem Wetter 3 schöne Bergtouren, bei denen wir jeweils aus dem Tannheimer Tal starten.

Die erste, recht lange Tour startet Samstag zur Leilachspitze. Morgens fahren wir zunächst zum Vilsalpsee (1165 m) und parken auf dem bezahlten Parkplatz. Den Weg über den Traualpsee zur Landsberger Hütte hoch kennen wir noch vom letzten Jahr (www.hikr.org/tour/post8103.html). Allerdings ist der eigentliche, kleine Pfad vom Seerand hinauf mit Schild wegen angeblichen Erdrutschs gesperrt. Wir folgen also noch ein Stück dem Seeufer und steigen per Umleitungsschild an einem E-Werk einen breiteren Fahrweg hinauf, der aber schon 150 Hm höher auf den Wanderweg trifft. Auch hier ist bergab gut abgesperrt - allerdings kann ich mir in dem einfachen Waldgelände, dass hierzwischen liegt keinen argen Erdrutsch vorstellen ... Ich denke den hübscheren Pfad kann man bestimmt auch gut gehen.

Schon nach 1 Stunde und 20 Minuten erreichen wir nach dem Anstieg zum Traualpsee (1630 m) und Passieren der Oberen Traualpe (1649 m), halber Umrundung des Sees und Schrofenstufe den Stufenrand oberhalb der kleinen Lache (1770 m), die als kleiner Bergsee - jetzt noch sehr Schnee gefüllt - der dahinterliegenden Lachenspitze (2126 m) den Namen verleiht.

Anders als letztes Mal wenden wir uns von hier nun zunächst nicht rechts zu der nahen Landsberger Hütte, sondern folgen links einem Pfad, der durch Latschen und Gras zum breiteren Weg 421 stösst, der die Lache ostseitig umrundet. Mit ihm steigen wir weiter recht steil hinauf und biegen an einem Wegschild rechts ab und steigen auf steilem sandigen Pfad hinauf ins Östliche Lachenjoch (1915 m). Vom Joch öffnet sich zum ersten Mal der Blick auf die Leilachspitze - unser Hauptziel und rechts davon die Krottenköpfe, die beide hinter dem noch recht verschneiten Kar der Gappenfelder Notländ liegen.

Wir folgen dem in der Kompass-Karte mit 50 bezeichneten Steig, der den Hang östlich der Lachenspitze sanft absteigend in das Kar hinab quert. Immer wieder müssen wir harmlose Schneefelder queren, bis wir nahe des Karboden ein längeres Schneestück durchqueren. Hier erkennen wir schon etwas überrascht, wie einsam unsere Tour wohl wird, denn es sind keinerlei Trittspuren in dem Schnee vorhanden. Offenbar sind wir die Ersten diesen Frühsommer hier. Entsprechend schauen wir etwas skeptisch den verschneiten Hang hinauf zur Lechtaler Scharte (1955 m), an der wir wieder am Schneerand unseren Pfad erkennen. Noch im Schnee geht es steiler in diese Richtung, doch nur eine sehr kurze Schneerinne im oberen steileren Teil erfordert etwas Überwindung - der Rest ist einfach. Bald schon stehen wir oben auf der Scharte.

Wie erwartet - bzw. erhofft - ist die Südseite der Scharte, in der der Pfad nun die Krottenköpfe unterhalb des Felsfußes quert, komplett schneefrei. Es beginnt ein herrliches Wegstück auf schmalem Quersteig unterhlab toller Felsturmszenerie. Durch den Winter, d.h. Abbrüche und Schneeabrieb, ist der Pfad manchmal äusserst schmal und hier und da etwas mit Vorsicht zu genießen, aber insgesamt OK. Der Pfad steigt langsam an, bis man auf einer grasigen Schulter (ca. 2130 m) den höchsten Wegpunkt an den Krotten-/Luchsköpfen erreicht. Man kann von hier auch nach AV-Führer in gut 10 Minuten den Gipfel der Luchsköpfe (2180 m) weglos durch eine Felsrinne erreichen. Auf dem Hinweg lassen wir das aber sein - wir wollen erstmal zum Haupfziel - und vorweggenommen, auf dem Rückweg reizt es uns dann auch nicht mehr so richtig.

Von der Schulter senkt sich der Steig nun in eine Querung eines sehr steilen Hangs gut 80 Hm zu einem Sattel hinab, der in einen etwas felsigen, aber wenig ausgesetzten Grat übergeht, auf dem man den Fuß der Leilachspitze im Auf und Ab erreicht. In felsig, gerölliger Szenerie umrundet man ein paar Hügel und sieht bald eine steile, sehr geröllig-sandig, rutschige Rinne vor sich, die es hinauf geht. Doch hier stoßen wir auf ein ernst zu nehmendes Hindernis: Ein sehr steiles gut 50 m breites Schneefeld liegt auf dem Geröllhang, den wir queren müssen. Noch keine Trittspur ist vorhanden - auch hier war dieses Jahr noch niemand. Das Schneefeld wird nach unten hin steiler, verjüngt sich und mündet etwas unübersichtlich aber vermutlich direkt in die Absturzwände. Wir überlegen, ob wir es oben überklettern, queren oder gar versuchen auf dem steilen Geröllsand am Rand hinab und weiter unten, schmaler queren. Schließlich nehmen wir uns ein Herz, legen aber vorsichtshalber die Steigeisen an, und queren mit den Stöcken immer das Gleichgewicht haltend Schritt für Schritt das Schneefeld in Pfadhöhe. Geschafft - aber wir müssen auch noch zurück ...

Kurz hinter dem Schneefeld beginnt die steile, sandige Geröllrinne, die wir uns mühsam hochkämpfen, bis wir auf einen Sattel im Südgrat gelangen. Die Markierungen zeigen nun im Fels senkrecht hinauf, hier ist wohl die "Sommer-Schlüsselstelle" (T4), in der man gut 20 Hm in einfacher Felskletterei (I) den Gipfelbereich erreicht, und in ein paar schrofigen Kehren schnell an das Kreuz gelangt. Wir sind an der Leilachspitze. Toll - bei den Frühsommer-Verhältnissen und als "Pioniere" - für uns eine wirklich spannende Tour. Wir genießen die geniale Rundum-Aussicht und sind stolz auf uns.

Tatsächlich kommen von der anderen Seite (von Rauth) 2 Bergsteiger zu uns hinauf. Sie wollen unseren Aufstiegsweg hinab, den wir ebenfalls wieder zurückgehen werden. Wir bleiben ein wenig länger am Gipfel und lassen ihnen den Vortritt. Als wir wieder in der Rinne im Abstieg sind, sehen wir sie am Schneefeld aber noch verzweifelt kämpfen. Der eine der beiden ist tatsächlich die Sandrutsche am Rand des Schneefeldes hinabgestiegen und will offenbar weiter unten durch. Der andere steht in unserer Spur mitten im oberen Bereich des Schneefeldes nahe eines kleinen Fels und hängt offenbar fest. Uns stockt ein wenig der Atem, doch wir können nur zusehen. Während wir uns die nächsten 10 Minuten erstmal die Rinne hinabkämpfen, gelingt es dem unteren Bergsteiger tatsächlich irgendwie, das Feld unten zu queren, während der Andere dann irgendwann doch in unserer Spur weitergeht. Wir halten den Atem an und verfolgen gebannt seinen Weg. Steigeisen trägt er nicht. Doch es geht gut. Wir sind genauso erleichtert wie die beiden, als wir sie auf der anderen Seite des Feldes sehen. Unsere Querung des Schneefeldes gelingt dann auch wieder recht gut.

Wir setzen den Weg fort hinab zum Sattel, dann über den Grat und nehmen den Gegenanstieg zur Schulter an den Luchsköpfen - wie gesagt lassen wir diese nach genügend Adrenalin-Verbrauch rechts liegen. Erneut folgt die schöne Südquerung der Krottenköpfe auf schmalem Pfad meist im Steilhang. Als wir wieder die Lechtaler Scharte erreichen, nehmen wir diesmal den Weiterweg südlich der Lachenspitze und gelangen nach Auf und Ab in die etwa gleich hohe Steinkarscharte (1955 m) (die 2015 m, die für das Steinkarjoch angegeben sind stimmen definitiv nicht). Von hier steigen wir nun wieder durch einigen (absolut harmlosen) Schnee sanft hinab zur Landsberger Hütte (1805 m). Sie hat heute am Pfingstsamstag den 1. Tag im Jahr geöffnet. Es ist aber schon viel los auf der Sonnenterrasse, auf der wir ein Getränk nehmen.

Ich überrede nach der Stärkung Margit zu noch einem Berg: Es soll noch zur Schochenspitze hoch und einen anderen Weg hinab zum Vilsalpsee. Hierzu umrunden wir die Lache von der Hütte diesmal auch östlich mit viel Schneeberührung. Beim weiteren Aufsteig lassen wir den Aufstieg zum Östlichen Lachenjoch diesmal rechts liegen und steigen stattdessen weiter gerade auf. Einige Murmeltiere pfeifen hier und lassen sich blicken - später im Abstieg kommen wir einem noch sehr nah und beobachten das hübsche Tier.

Am steilen Grashang der Schochenspitze nehmen wir direkt den vorderen kleinen Trittpfad, der uns steil an den Gratabbruch nach W und zum Gipfel der Schochenspitze (2069 m) mit Kreuz führt. Nun gegen 17 Uhr sind hier oben praktisch nur noch Übernachtungsgäste der Landsberger Hütte, die einen kleinen abendlichen Gipfelabstecher machen. Auf den Serpentinen des "Normalweges" steigen wir nach NO hinab und folgen wieder durch viel Schnee dem Pfad zur Gappenfeldscharte (1860 m). Hierhin kann man übrigens schön per Mountainbike von N fahren.

Wir wenden uns nach NW hinab, queren die Gappenfeldalpe und steigen auf einem wenig begangenen kleinen Pfad durch ursprüngliche Landschaft mit dem Gappenfeldbach hinab. 150 Hm oberhalb des Tal erreicht man schließlich einen breiten Fahrweg, der sich um einige Almen Richtung Tannheim schlängelt. Da hierbei ein größerer Bogen weg vom See entsteht, kürzen wir ab, indem wir eine schöne Blumenwiese queren und so zur Fahrstraße gelangen, mit der oder neben der wir einen guten km zurück zum Vilsalpsee und unserem Auto wandern.

Nach 9:30 Stunden kehren wir hier von einem ausgefüllten Tag überglücklich zurück.

Tourengänger: ju_wi

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 726.gpx Leilach- und Schochenspitze vom Vilsalpsee

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