Helltaler Schlechten 2473m - Geteilte Welt


Publiziert von georgb Pro , 7. Januar 2019 um 11:21.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum: 6 Januar 2019
Ski Schwierigkeit: WS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1050 m
Abstieg: 1050 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Pustertal-Prags-Brückele
Kartennummer:tabacco Pragser Dolomiten

Das Pustertal ist am Dreikönigstag zweigeteilt, während es im Norden ergiebig schneit und die Lawinenstufe auf 4 steigt, liegen im Süden nur noch kümmerliche Schneereste. Die Pragser Dolomiten bekommen seit Wochen kein Flöckchen mehr ab und von Skitourengehern ist keine Spur zu sehen. Ein perfekter Tag für einen Mensch- und Materialtest auf der Plätzwiese.
Bis zur Stollaalm findet sich noch genügend Schneeauflage zum Fellaufstieg, doch die Spaziergänger schauen schon leicht verwundert. An der Plätzwiese fällt unser Blick sofort auf die abgeblasenen Hänge unter Dürrenstein und Helltaler Schlechten, mit Ski ist außer uns niemand unterwegs!? So nutzen wir die Langlaufloipe und den Winterweg zur Dürrensteinhütte. Der Strudelkopf wird als Ziel ausgegeben.
An der neuverpachteten, sehr sympathischen Hütte verliert der Großteil der Gruppe die Lust im Wind umherzuirren, nur einer zieht unbeirrt weiter. Während Drei Könige sich in der warmen Stube amüsieren, schleicht sich der vierte über magere Schneereste auf dem Sommersteig Richtung Strudelkopfsattel. Wie ein Wesen aus einer anderen Welt überhole ich zwei staunende Touristen und trage meine Ski zum Teil über die aperen Stellen.
Doch bald findet sich mehr Auflage und ich stehe unentschlossen am Strudelkopfsattel. Der nahe Strudelkopf reizt mich plötzlich wenig und mein Auge fällt linkerhand auf den Rücken zur Helltaler Schlechten. Kurzentschlossen disponiere ich um und steige ihr entgegen. Der lange Kamm ist natürlich bestens abgeblasen und im Geiste sehe ich schon eine Horrorabfahrt zwischen den Steinen. Keine Menschenseele und null Skispuren, das könnte heiter werden ;-)
Nebenan die Große Pyramide wird auch gern als Helltaler Schlechten bezeichnet und normalerweise von Ski- und Schneeschuhgehern bevölkert, heute aber bleibt auch sie unberührt. Auf 2473m ist meine Helltaler Schlechten erreicht und hinter einem Felsen versteckt suche ich nach Mulden und möglichen Linien für eine Skiabfahrt.
Vorsichtig quere ich von einer eingeblasenen Rinne zur nächsten und schon bald reißen die ersten Felsen tiefe Furchen in meine Beläge. Von Stein zu Stein schleiche ich mich weiter, ziehe kurz die Ski ab, quere eine Felspassage und zische halb durchs Gras abwärts. Endlich Menschen, die Freunde sind von der Dürrensteinhütte mit Fellen herübergequert, die vier Könige sind wieder vereint.
Gemeinsame schlängeln wir uns die letzten Meter bis zur Plätzwiese und werfen die geschundenen Ski auf die Terrasse. In der Stube ernten wir fragende Blicke "Wart ihr wirklich mit Skiern unterwegs?" Wir hüllen uns in Schweigen und Kaffeedunst ;-)
Doch die Aussage der Hüttenwirtin teilt die Gruppe schon wieder. "Die Tourengeher fahren alle mit dem Bus ab, auf dem Weg gibts nur Eis und Steine!" Wenigstens Josi ist bereit für ein kleines Abenteuer und so tragen wir die Ski über die Teerstraße bis zum Beginn der Rodelbahn. Josi stürzt sich wagemutig in die Abfahrt und ich mit Schmerzen hinterher. Jeder Steinkontakt tut weh und gefühlt zehnmal schnallen wir die Ski ab und wieder an.
Die Damen sitzen schon beim zweiten Kaffe im Gasthof Brückele als wir und unsere halb zerstörten Ski endlich ankommen. Die Welt ist wieder in Ordnung, die Gruppe vereint, nur meine Beläge und Kanten werden für immer gezeichnet bleiben.

Tourengänger: georgb


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