Burrone


Publiziert von Nik Brückner , 11. Januar 2019 um 21:18.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum: 3 August 1990
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Klettersteig Schwierigkeit: L
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 3:30
Aufstieg: 730 m
Abstieg: 730 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt: Man fährt aus Mezzocorona nordwestwärts heraus und folgt der Noce auf ihrer rechten Seite aufwärts. Man passiert ein Wasserkraftwerk und biegt auf eine kleine Straße nach rechts ab (ebenfalls beschildert) und gelangt nach wenigen hundert Metern zu zwei Parkplätzen in der Nähe eines kleinen Sees. Dort stehen wieder Hinweisschilder, der Steig ist leicht zu finden.
Unterkunftmöglichkeiten:In Mezzocorona.

Am Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte Tullio Giovanelli, Amtsarzt von Mezzocorona, westlich der Ortschaft eine wilde Schlucht. Er machte sich dafür stark, diese mit Sicherungen zu versehen und für Besucher zugänglich zu machen, und so konnte 1906 der spektakuläre Klettersteig “Burrone Giovanelli“ eröffnet werden.

Noch 'ne Vintage-Tour! Wie neulich, als ich von der Großen Zinne berichtete; mit verblassten Fotos, schlimmen Frisen und noch schlimmeren Klamotten. Oh je....

Als Kind war ich nämlich mehrfach dort. Nicht der schwierigste Klettersteig in der Gegend (die Brenta ist um die Ecke), aber ganz sicher einer der reizvollsten. Die steilen, schier endlosen Leitern (die mich heute noch gruseln), die engen Passagen in der Schlucht, und die hohen Wasserfällen sind schlicht und einfach faszinierend.

Und wir hatten auch mal liebe Freunde meiner Eltern dabei, aus St. Uttgart. Beide keine Klettersteigprofis (wir damals auch nicht). Die Tour ist also gut auch für Anfänger geeignet.




Los geht's in Mezzocorona. Dort ist der Klettersteig bereits ausgeschildert ("Via Ferrata Burrone Giovanelli", z. B. gegenüber vom Brunnen). Man fährt aus Mezzocorona nordwestwärts heraus und folgt der Noce auf ihrer rechten Seite aufwärts. Man passiert ein Wasserkraftwerk und biegt auf eine kleine Straße nach rechts ab (ebenfalls beschildert) und gelangt nach wenigen hundert Metern zu zwei Parkplätzen in der Nähe eines kleinen Sees. Dort stehen wieder Hinweisschilder, der Steig ist leicht zu finden. Es geht im Wald in wenigen Minuten hinauf zum Beginn - und man sollte sich schnell klar darüber werden, ob man Leitern wohlgesonnen ist, oder eher nicht. Denn eine linke Einstiegsvariante (auf der linken Bachseite) führt über ein Band (A) schon recht weit unten in die Schlucht, über den Bach, und direkt neben einem ersten, hohen Wasserfall über drei hohe und steile Leitern (B) aus dieser wieder heraus. Die andere Variante (Weg 505) führt über einen Zickzackweg rechts vom Bach hinauf, und kommt am obersten Ende der Leitern mit der ersten zusammen.

Man liest immer wieder vom "neuen Zustieg" (der linke, mit den Leitern) und vom "alten Zustieg" (der rechte) - aber die Situ war schon 1990 dieselbe, der Unterschied ist also nur klettersteighistorisch von Interesse. Für heutige Begeher spielt er keine Rolle.

Der Weg serpentint sich nun steil und leicht ausgesetzt im Schrofengelände den Berg hinauf. Dabei sind einige kurze, leichte Kraxelstellen (I) zu bewältigen. Dann gelangt man an einen Spalt, der über eine kurze Leiter (A) überwunden wird. Über eine weitere Kraxelpassage (I) erreicht man erneut schrofiges Gehgelände. Eine Tafel markiert dann den eigentlichen Beginn des Klettersteigs.

Man steigt hinauf auf ein schmales Band (A/B), das nun nach links in die düstere Schlucht hineinführt. Eine kurze Leiter (A) führt hinunter ins Bachbett.

Auf der anderen Seite des Bachs geht es nun einen steilen Aufschwung hinauf, eine glatte, sicher oft feuchte Wand, die mit ordentlich Klammern und Stahlseilen versichert ist (B). Ein weiterer Aufschwung (A/B) führt zu einem versicherten, an der Wand verlaufenden Steg und auf einem Band (A) zu einer Madonna. Das Band führt nun wieder zum Bach.

Nun folgt eine längere Gehpassage, durch die enge Klamm aufwärts, bis die Schlucht wieder breiter wird.

Dieser Teil des Wegs ist äußerst spektakulär, die Dimensionen der steilen, senkrechten oder gar überhängenden Wände sind beeindruckend!

Vor den nächsten Kletterpassagen sollte man unbedingt rechts zum Wasserfall abstechern. Besonders an heißen Tagen sorgt er für Kühlung - umso mehr, wenn man sich drunterstellt.

Wieder zurück auf der Hauptroute geht es in der hier wieder breiteren Schlucht einfach weiter zu einer Leiter, die auf eine Plattform hinaufführt (A, dann A/B), und teilweise seilgesichert und über Klammern weiter zu den letzten kurzen Leitern. Über eine letzte, ca. 10m hohe Leiter und allerletzte Seilsicherungen (A, A/B) führt der Steig nach rechts aus der Schlucht hinaus, und man gelangt auf einen geschotterten Fahrweg.

Überquert man den Fahrweg, gelangt man nach 20 Minuten an die Alm "Baita dei Manzi" (Beschilderung), und nach weiteren 30 Minuten den kleinen Ort Monte (Einkehrmöglichkeiten, Bergstation der Seilbahn von Mezzocorona). Wir dagegen sind immer nach links gewandert, und der sausteilen Strada forestale delle Longhe westwärts, und dann nach Südosten zurück zum Parkplatz gefolgt (ca. 3,5 km, ca. 1h).

Und wir haben bei Donati Teroldego Rotaliano gekauft...



Fazit:

Leichte (super mit Kindern), aber spektakuläre Route durch eine wildromantische, aber stellenweise sehr enge Klamm. Viel Kuchen sollte man vorher nicht gegessen haben, klaustrophobisch sollte man auch nicht sein. Und wer Leitern nicht mag... - na, der sollte es trotzdem versuchen. Die ersten drei kann man umgehen, und es wäre doch schade, diese grandiose Schlucht wegen ein paar Leitern auszulassen! Highlights sind die Wasserfälle, die enge Passage und, für den, der mag, die Abfahrt von Monte nach Mezzocorona mit einer Selbstbedienungsseilbahn.

Nach Regenfällen kann's unangenehm werden, da die Route oft direkt im Bachbett verläuft und die Route unangenehm wird, wenn sie nass und rutschig ist.

Ein Topo gibt es hier.


Tourengänger: Nik Brückner


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