Hanebüchenes ausgeheckt: Jedovina a Rač (Jedowin und Ratsche Berg)


Publiziert von lainari , 30. Dezember 2018 um 10:20.

Region: Welt » Tschechien » České středohoří
Tour Datum:16 Dezember 2018
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Zeitbedarf: 3:15
Aufstieg: 260 m
Abstieg: 260 m
Strecke:11 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto oder Zug der ČD nach Brozánky
Kartennummer:1:50.000, KČT Nr. 10 České středohoří západ

Dornenumrankte Mauerblümchen im Böhmischen Mittelgebirge
 
Eine ordentliche Schneeauflage vertrieb mich von den Hochlagen meiner Lieblingsgebirge. Nach einigen faulen Wochen und angekündigtem trockenen Wetter, war es an der Zeit wieder einmal auf Tour zu gehen. Am frostigen und etwas trüben Morgen machte ich mich auf den Weg ins nahe České středohoří (Böhmisches Mittelgebirge). Ziel war der Ort Brozánky (Prosanken) im unteren Abschnitt des schneefreien Bielatales. Ich parkte an einem Plattenweg gegenüber der Ortszufahrt und startete zu Fuß. Über eine der beiden Brücken verließ ich den Ort und bog nach rechts auf einen Flurweg ein, der als Radweg 3071 ausgeschildert war. An der Brücke über die lärmige Hauptstraße I/63 wechselte ich auf den Radweg 3009, der hier über die Ortszufahrt nach Habří (Haberzie) geführt wird. Vom Ort aus hat man einen schönen Blick über das Bielatal zum Hauptkamm des Böhmischen Mittelgebirges. Der Ortsname ist ein waldbasierter Flurname und geht auf das tschechische Wort „habr“ für Hainbuche zurück. Verwirrenderweise ist die Hainbuche gar keine Buche, sondern ein Birkengewächs, das auch Weißbuche oder Hagebuche genannt wird. Wegen ihrem festen und zähen Holz wird eine Unmöglichkeit oder ein Unding auch „hanebüchen“ genannt. Ich durchquerte die Siedlung bergwärts und folgte weiter dem Radweg 3009. Dieser drehte dann nordwärts und passierte mein erstes Bergziel, den Jedowin östlich. Auf Höhe des Berges befindet sich die Trennlinie zwischen natürlicher Landschaft und dem rekultivierten Kippengelände eines großen Braunkohlentagebaus. Der Kippe fielen auch die einstigen Orte Rabenov (Rabenay), Lochočice (Lochtschitz) und Žichlice (Schichlitz) im Umkreis des Jedowin zum Opfer. Eine Beschreibung schlug vor, sich dem Berg von Norden zu nähern. Ich kämpfte mich durch den dichten Jungwald und stieß immer wieder auf eine hilfreiche inoffizielle Gipfelzugangsmarkierung aus Reflektorstreifenstücken. Die Besucherzahl des Berges muss sich im unteren zweistelligen Bereich bewegen, denn es war nicht einmal eine Pfadbildung auszumachen. So kam ich gut geführt hinauf auf den Gipfel der Jedovina (Jedowina/Jedowin Berg/Jedwina Berg). Oben befinden sich die Reste der kaple Narození sv. Jana Křtitele (Kapelle der Geburt des hl. Johannes des Täufers). Der Berg sollte nach dem Willen eines Steinbruchunternehmens ab Mitte der 2000er Jahre zur Schottergewinnung komplett abgetragen werden. Ob das Gesuch schon gänzlich abgewiesen wurde oder ob sich das Verfahren noch im Verwaltungsgang befindet, konnte ich nicht schlüssig klären. Es wäre auf jeden Fall schade, wenn dieses Stück intakte Natur inmitten bereits arg geschundener Landschaft auch noch verloren ginge. Geleitet von der Markierung stieg ich nach Süden bis etwa zur Trennlinie zwischen Hochwald und Dornenfilz vom Berg ab. Entlang einer gut erhaltenen alten Grenzsteinreihe arbeitete ich mich nach Westen vor und überquerte noch den Nebengipfel Jedovina - vedlejší vrchol. Wieder an der Grenzsteinreihe versuchte ich nach Westen ins freie Gelände zu gelangen. Halb tänzelnd, halb kriechend - je nachdem ob die Gefahr von oben, unten oder der Seite drohte - umkurvte ich die Dornenhindernisse.
 
Geschafft - über eine Wiese hielt ich nach Südwesten auf das nächste Bergziel zu. Der Berg Rač/Hradiště u Habří (Radsche bei Haberzie/Ratsche/Ratschen Berg/Königsberg/Bukowitzer Berg) ist eigentlich eine kleine viergipfelige Kette, deren höchster Punkt im Osten liegt, gefolgt von zwei gleichhohen Erhebungen und einem niedrigeren Nebengipfel im Westen. Der komplette Südhang ist als Naturschutzgebiet der höchsten Schutzklasse mit einem Betretungsverbot belegt. Somit kam für mich nur eine Kammüberschreitung von Ost nach West in Betracht. Da der Verlauf der Schutzgebietsgrenze nicht ganz klar erkennbar war, ließ ich den westlichsten Gipfel aus, stieg nach Norden ab und umging das Areal auf vorhandenen Flurwegen westlich. Nach der Unterquerung der Hauptstraße I/63 kam ich auf einem Flurweg nach Malhostice (Malhostiz) und passierte dahinter den Malhostický rybník (Malhostizer Teich). An einem Rastplatz am Teich wollte ich zunächst pausieren, aber kalter, das Bielatal hinunterpfeifender Wind vertrieb mich. So nahm ich den Radweg 3071 zurück nach Brozánky und rastete im Auto. Während meiner zwanzigminütigen Mittagspause rollten vier Güterzüge talwärts. Als ich dann später fotobereit an den Gleisen lauerte, herrschte eine komplette Stunde Verkehrspause. So brach ich ab, machte einen Abstecher zum Bahnhof Krupka-Bohosudov und trat schließlich die Rückfahrt über den verschneiten Erzgebirgskamm an.
 
Die pausenbereinigte Gehzeit betrug 3 h 15 min.
Die absolvierte Wegstrecke ist nicht als Wanderweg markiert und größtenteils mit T1 zu bewerten. Die weglose Überquerung der Berge ist abweichend als T3 einzuschätzen.

Tourengänger: lainari


Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Geodaten
 43100.kml Manuell gezeichnete Wegstrecke

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»