Vrenelisgärtli (Chalttäli) und Vorder Glärnisch


Publiziert von 3614adrian , 4. Juni 2009 um 14:26.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 3 Juni 2009
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: S
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Glärnischgruppe 
Zeitbedarf: 11:00
Aufstieg: 2900 m
Abstieg: 2900 m
Kartennummer:1153

Als Sommer-Saisonauftakt zog es mich (wie könnte es anders sein) ins Glarnerland.  Vor knapp einem Jahr bin ich mit Delta das erste Mal durch's Chalttäli auf das Vrenelisgärtli. Damals hatten wir nich immer die optimale Route gefunden.

Vrenelisgärtli-Chalttäli (S, 1900 Hm)
Optimistisch, dass es diesmal besser klappen werde, startete ich bei Dämmerung in Hinter Saggberg oberhalb des Klöntalersees.
Zügig geht's zur Alp Mittelstafel. Gleich zu Beginn des Chalttäligletschers geht es links auf ca. 1800 über Bänder auf den Grasrücken, welcher zum Chnorren (P.2210) hochzieht. Man befindet sich in gestuftem,
leicht felsdurchsetzten Grasplanggen. Etwas unterhalb des Chnorren quert man rechts in die NW-Flanke des Chnorren. Unschwierig überwindet man eine Felsstufe und gelangt dann bald auf den Grat bei Chnorren. Schöner Pausenplatz.
Von hier hält man sich entlang dem Gratrücken aufwärts, dann leicht links bis man ein Felsstufe mit einem kräftigen Zug überwinden kann. Statt weiter gerade hoch zu klettern, bin ich diesmal über ein Schuttschneeband weiter links traversiert, bis man unterhalb der auffälligen Würmer durch ein Schneecouloir steil hinauf auf das grosse Band kommt. Auf diesem Weg umgeht man die Kletterstelle (Felsstufe) unterhalb des grossen Bandes.
Die lange Traverse auf dem grossen Band ist zu Beginn recht abschüssig. Der Schnee ist hart gefroren und ein zweiter Pickel wäre nicht störend gewesen. Zuletzt geht das Band leicht abwärts, bevor man linkshaltend ins schöne Schneecouloir einbiegt, welches einen auf den Schwander Grat führt.
Durch dieses lange Couloir geht's auf guter Firn bis auf den Grat. Etwa in der Mitte, dort wo das Couloir am schmalsten ist, befindet sich eine kurze apere Stelle, welche etwas mühsam über eine vereiste Stelle überwunden werden muss.
Vom Schwander Grat auf der Normalroute auf's Vreneli.

Guppengrat (T6)
Abstieg über den Guppengrat. Der Guppengrat weist momentan sehr gute Verhältnisse auf. Die Kletterstelle unterhalb der Chanzle kann auch östlich durch's steile Schneecouloir umgangen werden (hier mit Steigeisen und Pickel)

Vorder Glärnisch (T5 südseitig, T4 westseitig)
Wiederaufstieg auf den Vorder Glärnisch. Von der Guppenalp (Oberstafel) muss man bis ca. 1350 absteigen, bevor es steil über P.1496, P.1771, P.2058 auf den Vorder Glärnisch geht. Dieser südseitige Anstieg ist sehr schön und abwechslungsreich. Die Übergange bei P.1771 (links der gelben Wand) und  bei den Chilchli sind sehr elegant und gut markiert. Ansonsten nicht durchgehend ein Weg oder Markierungen.
Abstieg über die Normalroute nach Hinter Saggberg.
Detaillierter Bericht über Südanstieg von ricardo hier

Bemerkungen
Aufstieg durchs Chalttäli: schwierige Wegfindung, verfehlt man den Weg, findet man sich rasch in unwegsamen Gelände, wo ein Rückzug schwierig ist. Keine sinnvollen Absicherungsmöglichkeiten. Steinschlag. Ausgesetzte Schneefelder momentan mit gutem Firn (heute pickelhart, zweiter Pickel wäre angenehm gewesen)
Abstieg über Guppengrat nur ortskundigen zu empfehlen.
Aufstieg südseitig auf Vorder Glärnisch finde ich sehr lohnend.

Tourengänger: 3614adrian

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T6 ZS III
T6 ZS III
S
T6 S III
S III

Kommentare (8)


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ossi hat gesagt: Oha...
Gesendet am 4. Juni 2009 um 21:52
mit 2900m Aufstieg und dazu ununterbrochen in diesem Gelände ist das wohl eher nichts für kids and hike??

3614adrian hat gesagt: RE:Oha...
Gesendet am 4. Juni 2009 um 22:08
Nein, wirklich nicht. Und wenn man die Kids doch dabei hätte, würden sie bloss das Gärtchen auf dem Vreneli vermissen. ;-)

P.S. Wer kennt das neuere Buch über das Vrenelis Gärltli? Wollte es schon lange mal lesen.

Gruss Adrian

Alpin_Rise Pro hat gesagt: RE:Oha...
Gesendet am 5. September 2009 um 00:31
Wenn du das von Tim Krohn meinst, ist "Vrenelis Gärtli" besonders gegen Ende ziemlich abgedreht. Man getraut sich kaum noch ins Glarnerland, ob den vielen gespenstischen Gestalten dies dort geben soll...
G, Rise

AnderL hat gesagt: Wieder mal eine Tour der Superlative!
Gesendet am 5. Juni 2009 um 10:32
Gratuliere zu dieser Leistung!
Andrei

mde hat gesagt:
Gesendet am 5. Juni 2009 um 11:29
Schöne Tour! Gratulation und besten Dank für den Bericht. Also die Glärnisch-Nordwand möchte ich auch unbedingt mal durchsteigen. Das Chalttäli ist sicher lässig, aber irgendwie spukt mir da auch der Ruchenpfeiler im Kopf rum...

Meinst Du mit dem neueren Buch jenes von Emil Zopfi aus dem AS-Verlag? Das stünde bei mir (in Zürich) zuhause. Wenn Du es mal abholen willst und versprichst es wieder zurückzubringen, leihe ich es auch aus.

Gruss, Marcel

3614adrian hat gesagt: RE:
Gesendet am 5. Juni 2009 um 15:44
Hallo Marcel

Ja, genau dieses Buch meine ich. Würde es mir gerne mal anschauen. Werde es bestimmt wieder zurückgeben, spätestens nach deiner Besteigung des Ruchenpfeilers ;-)

Dieser Ruchenpfeiler scheint ja nochmals ein anderes Kaliber einer Tour zu sein! Da verkommt das Chalttäli im Vergleich geradezu zu einem Spaziergang...

Gruss Adrian

whannes hat gesagt: RE:
Gesendet am 17. Juni 2009 um 22:39
Ja, der Ruchepfeiler würde mich auch gluschten! Er ist auch im neuen Glarner Kletterführer beschrieben:

- Rund 1000m Kletterei mit kaum einem Haken
- Rückzug nur sehr schwer möglich
- 14 Stunden seien keine Seltenheit
- Zusätzlich zum üblichen Klettermaterial ist es zwingend ein paar Felshacken plus Hammer mitzunehmen
- Auf den brüchigen braunen Pfeiler folgt der brüchige braune Grat
... etc.

So richtig alpin also ;-)

Hat irgend jemand Bilder dazu? Ich fand bisher nur

http://www.frei-heit.ch/pages/angebote/sommer/glarnerhighlights.php

was aber auch schon spannend aussieht.

Alpin_Rise Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 5. Juni 2009 um 21:49
Huh, der Ruchenpfeiler... da wäre mein Hakenset gerne dabei.
Als Literatur kann ich Tim Krohns "Vrenelisgärtli" und "Quatemberkinder" empfehlen - die hard facts für den Pfeiler sind dort aber kaum zu finden ,-)


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