Soiernschneid über "Nordschneide"


Publiziert von Wagemut , 8. Januar 2019 um 12:41.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Karwendel
Tour Datum:16 November 2018
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Aufstieg: 1450 m
Abstieg: 1450 m
Strecke:25 km
Unterkunftmöglichkeiten:Im Sommer im Soiernhaus
Kartennummer:AV-Karte BY 10, Karwendelgebirge Nordwest, Soierngruppe

Soiernschneid, hm.. Manchmal frage ich mich bei diesem Gipfel, warum er diesen Namen erhalten hat. Vielleicht hat der Benenner von den Soiernseen aus aufgeschaut und die Schneid betrachtet, die von den Seen in einer Nord-Südachse zum Gipfel zieht und gleich den ganzen Berg nach dieser Schneid benannt. Aber freilich brechen auch die Ränder des wenige qm großen Gipfels nach allen Himmelrichtungen ab, sodass man auch diese Formation als "Schneide" bezeichnen könnte. Jedenfalls hat mich der Name Schneid neugierig gemacht und dazu animiert, der Schneid über die, wenn man so will, "Nordschneide" aufs Haupt zu steigen....

Dreierspitz und Krapfenkarspitze

Die Tour in die Soierngruppe beginnt, wie so oft, im Rißtal bei der Oswaldhütte. Da auf der Strecke bis zum Fuß der Soiernschneid noch ein paar Gipfel liegen, bietet es sich an, einige oder alle von diesen zu überschreiten. Eine Möglichkeit ist die Überschreitung des Galgenstangenkamms bis zur Gumpenkarspitze. Ein Fußmarsch von der Oswaldhütte über Forstwege bis zur Fereinsalm und anschließendem Anstieg zur Jägersruh dürfte relativ fad sein.
Ich entscheide mich für eine dritte Variante, einen alten Reitweg, der einst im Auftrag des Herzogs von Luxemburg um 1860 angelegt wurde. Dieser Steig endet auf der Jägersruh.

300 m westlich der Paindlalm geht der Forstweg in den Reitweg über.
Auf einer Höhe von 1100 m stoße ich auf eine beschilderte Verzweigung.
Nach rechts gehts ab zu Grafenherberge und Galgenstangenkamm, geradeaus (nordwestlich) weist das Schild zur Fereinsalm.
Ich gehe geradeaus. Der Steig quert in angenehmer Steigung mehrere Bäche und stößt nach dem Dreiergraben auf das Ende einer Forststraße. Der alte Reitweg, jetzt meist nur mehr ein Pfad, zweigt sofort wieder rechts vom Forstweg ab und schlängelt sich am Südostrücken der Dreierspitz aufwärts.
Auf 1600 m verlasse ich den westlich abknickenden Reitsteig, welcher zur Jägersruh führt, und steige in der Ostflanke des Rückens über felsdurchsetzte Bergwiesen (weiter oben Stellen I. UIAA) ein gutes Stück hinauf zu einem Sattel im Rücken.
Von selbigem Sattel empfiehlt sich ein westliches Ausweichen über einen kleines Stück Hochwald hinter dem die Gipfelwiese anschließt, da auf und östlich neben dem Rücken ein kurzes Latschenfeld steht.
Wie zu  erwarten, besteht der Dreierspitz aus drei ziemlich gleich hohen Erhebungen, die alle ...unbedeutend sind.:-)

Der weitere Weg führt mich immer am Grat entlang zur Krapfenkarspitze (eine Stelle II. UIAA) und bald hinunter zur Jägersruh.

Soiernschneid-Nordgrat

Die auf dem Weg liegende Gumpenkarspitze lasse ich heute aus, denn mein eigentliches Ziel ist ja der Nordgrat der Soiernschneid.
Ein paar Höhenmeter unter der Jägersruh auf dem Weg Richtung Soiernhaus wende ich mich auf 1825 m links vom Weg ab und folge einem Gamswechsel, der auf einen grünen Hügel hinter der nicht mehr vorhandenen Soiernlacke zuführt.
Hier treffe ich auf den Steig zu den Soiernseen, welchem ich nach unten folge, bis er genau am Fuß des Nordgrats vorbeiführt

Übrigens ist der Nordgrat in den unteren zwei Dritteln problemlos aus dem westlich gelegenen Kar zu erreichen bzw. kann man den Grat jederzeit ohne Schwieirgkeit - Trittsicherheit und Schwindelfreiheit natürlich immer vorausgesetzt - nach Westen verlassen.

Ich folge nun also dem Nordgrat der Soiernschneid, der mit einer schönen Rippe beginnt. Ich bleibe immer am Grat und weiche nur gelegentlich nach links oder rechts aus. Dabei wechselt sich Gehgelände mit kurzen I.er bis II.er Stellen ab. Die ein oder andere II+Stelle ist auch ab und an anzutreffen.
Nach zwei Dritteln des Grates türmt sich vor mir ein gewaltiger Turm auf, dessen Überhänge an eine kopfstehende Treppe erinnern, den wohl nur "Kamekatzen" erklettern könnten (grobe Schätzung: VI, brüchigst)
Durch eine ausgesetzte Querung in der Ostflanke erreiche ich eine diese vollständig durchreißende Schlucht. In ihr klettere ich wieder hinauf zum Grat. Vor mir befindet sich jetzt die Gipfelwand.
Von der davor liegenden schuttbedeckten Scharte ließe sich in wenigen Minuten eine einfache Querung zum Westgrat der Soiernschneid ausführen. Ich aber entscheide mich wiederum für eine Querung in die Ostflanke, welche mich links um den Gipfelaufbau herumführt, bis ich nach kurzer Kletterei leichteres Wiesengelände und bald darauf den Gipfel erreiche.

Abstieg zur Soiernlacke; Aufstieg zur Jägersruh und über den alten Reitweg zurück ins Tal

Die umliegenden Berge recken sich aus der Nebelsuppe. Zugspitze, Krottenkopf, Jochberg, Guffert, Bärnalpl, Östl. Karwendelspitze. Ich raste und genieße eine Weile die Rundschau. Da die Tage kurz sind, kann ich nicht zu lange verweilen. Es geht südöstlich hinunter von der Soiernschneid(e) in die Scharte zwischen dieser und der Reißenden Lahnspitze, ich quere weglos ins nördlich gelegene Kar abwärts nach Osten zur Soiernlacke und steige auf gleicher Route wie auf dem Hinweg zurück zur Jägersruh.

Im Dämmerlicht und bald im Mondschein wandere ich auf dem erwähnten Reitweg, welcher auf 1700 m vom regulären Weg zur Fereinsalm östlich abzweigt, zurück zu meinem Ausgangspunkt. Der Reitweg ist mit viel Sorgfalt vor 160 Jahren angelegt worden. Selbst kleine Mulden wurden mit geschichteten Steinen geebnet. In regelmäßigen, kurzen Abständen sind behauene, weiße Steine gesetzt, denen man wie einer Spur sogar bei wenig Licht folgen kann.


Fazit: Schöne Tour in der Soierngruppe auf historischen Wegen mit alpiner Würze, wunderbaren Ausblicken auf die gegenüberliegende nördliche Karwendelkette und in die Bayerischen Vorberge.   

Tourengänger: Wagemut


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (2)


Kommentar hinzufügen

Nic hat gesagt:
Gesendet am 8. Januar 2019 um 16:18
Mal wieder eine typische "Wagemut-Tour". Interessante Variante und schöner Bericht! Frohes Neues!

VG Nico

Wagemut hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. Januar 2019 um 11:32
Servus Nico,

Danke Dir. Auch Dir ein Frohes Neues! Diese "Nebensaisontour" hatte ich schon fast ein Jahrzehnt auf dem Zettel.

Viele Grüße,

der Joseph



Kommentar hinzufügen»