Gams Chopf mit Scherereien


Publiziert von Bergamotte Pro , 23. November 2018 um 08:55.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:16 November 2018
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG   Alpstein 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1050 m
Abstieg: 1050 m
Kartennummer:1114 Nesslau

Klein, aber oho: Wild und abweisend ragen die Scherentürme und Scherenspitzen oberhalb von Schrenit in den Himmel. Man bewegt sich hier bereits tief im Grenzbereich von Alpinwandern und Bergsteigen. So habe ich ausnahmsweise das Seil mitgeschleppt und in den Abstiegen gerne darauf zurückgegriffen.Wer nach den lohnenden Scherereien in meist bombenfestem Kalk noch nicht genug hat, setzt die abenteuerliche Tour über den Gams Chopf fort. An dessen Westgrat kommt der T6-Habitué voll auf seine Rechnung: steiles und brüchiges Fels-Gras-Gemisch, ausgesetzt, Kletterei bis in den III. Grad. Als Einstimmung empfiehlt sich Herbert Maeders Jugendanekdote zum Gipfelbuch auf den Scherenspitzen, nachzulesen in seinem prächtigen Erlebnisband "Gipfel und Grate". Und zur konkreten Vorbereitung konsultiere man den *Bericht von delta mit seinen guten Topos.

Den Zustieg hoch nach Schrenit (1645m) kenne ich mittlerweile sommers wie winters zu genüge. Hier verlasse ich den Wanderweg und steige über Geröll und Gras in die Scharte nördlich vom Schwarzchopf hoch. So weit so einfach. Von hier lässt sich das Blockplateau zwischen den Scherereien durch einen markanten Felsschlitz gewinnen. Weil leicht überhängend erfordert das zwei, drei kräftige Züge... wobei, in meinem Fall müsste man eher von Vererenkungen sprechen... Von diesem Plateau gehen die Routen auf den Kleinen Scherenturm, den Scherenturm und den Westgipfel der Scherenspitzen ab. Ersteren erreicht man in gerademal zwei, drei Minuten, wobei beim Einstieg ebenfalls ein paar Kletterzüge nötig sind (T6-/II).

Beim Scherenturm (1907m) handelt es sich klettertechnisch um das Gesellenstück der Tour. Die Normalroute führt auf der Ostseite vom Südwändli zuerst kurz über eine senkrechte Wand (III) und dann weiter durch eine Felsrinne (II). Die Route ist komplett eingebohrt (1 Seillänge). Das ist richtig tolle Kletterei in festem Kalk. Weil ich das 50m-Seil dabei habe, seile ich komplett ab. Nötig wäre es aber vorab zuunterst in der senkrechten Stelle gewesen.

Anschliessend wiederum in genussvoller Kletterei (II+) über den Westgrat zum Westgipfel der Scherenspitzen (1926m). Die Normalroute selber ist nicht eingebohrt, auf dem Gipfel und unterwegs findet sich aber je ein Stand (2 Seillängen). Auch hier seile ich ab, zumal ich das Seil schon hochgeschleppt habe, es wäre auch ohne gegangen. Anschliessend kurze Querung auf der Nordseite (Gehgelände) bis in die Scharte am Fuss vom Gams Chopf. Hier beginnt der Aufstieg über den Ostgrat bzw. die Nordostflanke zum Ostgipfel der Scherenspitzen. Im Gegensatz zum felsigen, klettrigen Westgrat ist das eine ausgewachsene T6-Route, sprich steiles Fels-Gras-Gemisch und richtig schön steil. Zunächst kurze Querung in die Flanke, dann eine Rinne hoch, um bald über den Grat bzw. wenig rechts davon den Gipfel zu erreichen. Im Abstieg lasse ich eine Seillänge ab, anschliessend frei zurück in die Scharte.

Kaum zu glauben, doch der richtige T6-Leckerbissen folgt erst noch, und zwar am Westgrat vom Gams Chopf (1960m). Man begegnet hier verschiedenen Arten von Unbill: So ist die Routenfindung nicht unbedingt offensichtlich. Intuitiv würde man sich nach links, ins Grasgelände, abdrängen lassen. Dank den Topos von delta und marmotta weiss ich, dass man im Felsbereich bleiben soll, im Zweifelsfall lieber rechts als links halten. Der Fels selber ist brüchig und muss gründlich geprüft werden.  In der Schlüsselstelle, es stecken zwei Haken, erreicht man die III. Dazwischen immer wieder Passagen aus Schutt und Gras. Die Schwierigkeiten bleiben bis fast zuletzt im T6-Bereich. Oben dann die grosse Befriedigung und Eintrag im Buch, erst der zweite im 2018 nach demjenigen von carpintero. Ohnehin scheint dieser Gipfel, einer der einsamsten im Alpstein, vor allem Hikrn zu gefallen.

Nach langer Pause, die Stimmung an diesem Prachtstag im Spätherbst ist einfach zu schön, mache ich mich an den Abstieg über die "Normalroute" nach Norden. Diese kenne ich bereits und möchte fast von T6-Plaisir sprechen. Bei Nässe hingegen ist im Steilgras grosse Vorsicht angebracht. Eigentlich wollte ich dem Grat bis ganz zur Lauchwis folgen. Aber unterwegs verlässt mich die Geduld und ich steige direkt die Ostflanke runter (viele Varianten). Der Rückweg nach Laui verläuft dann ganz ereignislos und ohne Nervenkitzel.

Tourengänger: Bergamotte


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