Winterstaudenkamm inklusive Nägelekopf-Hauptgipfel


Publiziert von quacamozza , 8. November 2018 um 19:06.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Bregenzerwald-Gebirge
Tour Datum: 5 November 2018
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1650 m
Kartennummer:freytag&berndt WK 5364 1:35 000 Hinterer Bregenzerwald, Kleinwalsertal, Damüls

Estate...finalmente! ;-) E tu dove vai? Diese Frage wurde mir vor über einem halben Jahr gestellt. Und jetzt? Ist immer noch irgendwie Sommer, bis auf die Touristen, die sind abwesend...sind wir nicht um diese Zeit schon mal durch meterhohen Schnee gestapft?

Der Winterstaudenkamm mit seinen sieben Gipfelchen ist der, von Norden kommend, erste höhere Gebirgszug des Bregenzerwaldes. Dementsprechend ist er bei der Anfahrt schon von weitem ein Blickfang. Umgekehrt ist der Kamm ein hervorragender Aussichtspunkt in alle Richtungen. Über den Bodensee und die Hegauberge bis zum Schwarzwald und zu den Vogesen reicht etwa die Sicht nach Westen.
Am Winterstaudenkamm geht die hügelige Voralpenlandschaft ins Hochgebirge über. Aufgrund dieser exponierten Lage fordert der Kamm zu einer Begehung geradezu heraus, auch wenn er keine markanten Gipfel trägt und man so gut wie immer auf komfortablen Wanderwegen unterwegs ist.


Als Ausgangspunkt bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Man kann viele Höhenmeter und Kilometer sammeln, wenn man von Andelsbuch oder Bezau aus startet. Das hat allerdings den Nachteil, dass man neben einem langen Schlussabstieg zuvor den ganzen Kamm (oder unterhalb) wieder zurücklaufen muss, wenn denn die Gesamtüberschreitung auf dem Programm steht, denn diese Orte befinden sich am westlichen Seitenende des Kammes.
Daher wähle ich die höher und zentraler gelegene Schetteregg als Ausgangspunkt. Hierhin kann man beliebig von der Kammhöhe zurückkehren, ohne einen Endlosabstieg absolvieren zu müssen. 



Zur Schwierigkeit:

meist gut markierte und bequeme alpine Wanderwege bis zu T 3-4
Nägelekopf-Hauptgipfel deutlich anspruchsvoller: T 5+ 


Zum Zeitbedarf:

Schetteregg-Hammeratsbergvorsäß: 20 min
Hammeratsbergvorsäß-Isewartalpe: 30-35 min
Isewartalpe-Nägelekopf Vorgipfel: 40 min
Nägelekopf Vorgipfel-Oberosterguntenalpe-Hauptgipfel: 25 min
zurück bis zum Vorgipfel: 25 min
Nägelekopf-Bullerschkopf: 15 min
Bullerschkopf-Hohe Kirche-Winterstaude: 40-45 min
Winterstaude-Stongerhöhe: 10-15 min
Stongerhöhe-Hintere Niedere: 25 min
Hintere Niedere-Baumgartenhöhe: 15 min
Baumgartenhöhe-Panoramaweg-Vordere Niedere: 25 min
Vordere Niedere-Stongerhöhealpe: 20 min
Stongerhöhealpe-Stongerhöhe: 10-15 min
Stongerhöhe-Tristenkopf: 10 min
Tristenkopf-Tristenalpe: 10-15 min
Tristenalpe-Schetteregg: 50 min



Bei der Tourenvorbereitung ziehe ich die beiden guten Berichte von boerscht *Winterstaudenkamm - von der Niedere zum Nägelekopf über unbekannte Pfade und QuerJAG *Nägelekopf (1693m) via Unter- und Oberosterguntenalpe, Bullerschkopf und Hohe Kirche zu Rate.
Leider wurde von beiden der Nägelekopf-Hauptgipfel ausgespart, und der ist mit deutlichem Abstand anspruchsvoller zu besteigen als der Vorgipfel und die anderen Gipfel des Kammes. Auch die Tourenbeschreibung auf festivaltour hilft mir nur eingeschränkt weiter, da dort der Übergang vom Vor- zum Hauptgipfel über die Nordseite vorgestellt wird. Ich möchte aber vor allem die Rückseite des Nägelekopfes kennenlernen. Also darf ich mal wieder Neuland erkunden.

Bei der Beschreibung konzentriere mich denn auch vor allem auf diesen (schwierigsten) Teil der Tour. 

Hat man die Kammhöhe nahe des Bullerschkopfes erreicht, geht es in leichter Wanderung zum Vorgipfel des Nägelekopfes. Die letzten Meter verlaufen auf einem schmalen Grat, auf dem bereits Trittsicherheit nötig ist (T 3-4). Ein direkter Übergang vom Vorgipfel zum Hauptgipfel ist vernünftigerweise nur mittels Abseilen in die 10 Meter tiefer liegende Scharte möglich, da der Abbruch mit senkrechtem, kleingriffigem und sehr brüchigem, splittrigem Gestein aufwartet. 
Es geht also wieder einige Meter zurück. Von hier aus könnte man in die Nordflanke queren und unter den Abbrüchen in steilem Gras zum Nordostgrat des Hauptgipfels hinüberqueren. Dieser Übergang ist mit T 5+ zu bewerten. Ich bin mal ein paar Meter runtergestiegen. Schön ist es nicht, mit Pickel aber zu verantworten.

Ich wende mich dagegen südwärts, wo es auf einer Rippe mit Wegspuren kurz in einen Sattel hinab geht. Von diesem steil links (östlich) hinunter zur Oberosterguntenalpe. Auf dem Alpweg um die Geländekante und noch 30 Höhenmeter abwärts, bis man bequem über die Wiese zum Nordostgrat aufsteigen kann. Dort wo der Grat baumbewachsen wird, zieht die Neigung kräftig an. Hier deponiere ich die Wanderstöcke und wechsle auf den Pickel.
Zunächst geht es in schlecht gestuftem Steilgras rechts des Grates hoch (T 5+). Das hat schon ein bisschen was vom Mohrenkopf. Anschließend wird es kurz leichter, bevor der Grat durch den Fichtenbestand anscheinend unbegehbar, jedenfalls sehr mühsam, wird.
Im Aufstieg quere ich deshalb nach links in die Flanke. Dort befindet sich aber viel niedriges Strauchwerk mit weichem Boden und schlechten Haltepunkten, also etwas heikel (T 5+) und eher nicht empfehlenswert. 
Im Abstieg halte ich mich dann an die Grathöhe. Selbst wenn man mit den Ästen aufpassen und ein bisschen kämpfen muss, ist es weniger heikel und schwierig (T 5). Es zeigt sich mal wieder, dass man im Zweifel am Grat meistens am besten aufgehoben ist.
Hat man die Fichten hinter sich gelassen, wird der Grat einfacher, flacher und endet bald auf dem grasigen Hauptgipfel des Nägelekopfes. Das große GK liegt leider der Länge nach am Boden, wieder ein Aha-Effekt, das gleiche war ja am Seilhenker zu beobachten. Zurück geht es dann bis zum Vorgipfel (bis auf den Gipfelgrat) auf demselben Weg, wobei ich an der Osterguntenalpe eine längere Pause einlege.


Weiter geht es unschwierig bis in das Gebiet der Bergbahnen Andelsbuch. 
Sehr lohnend ist die Zusatzrunde (ca. 1 Std. mehr) über den Panoramaweg, nicht nur wegen der tollen Aussicht ins Voralpenland, sondern auch wegen der lehrreichen Erklärungen am Wegesrand, die ein Teil des Alpgeschichts-Lehrpfades sind. 

Der Abstieg von der Tristenalpe zur Schetteregg ist alpin und teilweise schlecht markiert. Es geht zwischendurch durch sehr steilen Wald hinab. An der einen oder anderen Stelle ist Orientierungssinn erforderlich, da immer mal wieder eine falsche Fährte abzweigt. In der Dämmerung oder gar in der Dunkelheit kann die Wegsuche schwierig werden. 


Insgesamt eine lohnende Wanderung. In der Nebensaison geht es mit Sicherheit erheblich ruhiger zu als im Hochsommer. So kann man die Gipfelrast auf einem bekannten Berg wie der Winterstaude ganz allein genießen. 

Tourengänger: quacamozza


Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (2)


Kommentar hinzufügen

Nic hat gesagt:
Gesendet am 8. November 2018 um 19:25
Du im Bregenzer Wald!? Cool! Gratulation zur schönen Tour! Vielleicht geht sich ja am WE (oder später) nochmal ne zünftige gemeinsame Runde aus.

VG Nico

boerscht Pro hat gesagt:
Gesendet am 10. November 2018 um 13:13
Danke für die Beschreibung zum Nägelekopf, war damals irgendwie zu faul das noch zu versuchen. Aber klingt ja recht spannend, werd ich mir nochmal auf die lange Liste setzen :)

Gruß Adrian


Kommentar hinzufügen»