Weissmies S-Grat mit Biwak


Publiziert von rosenzweig , 8. Oktober 2018 um 12:01.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum:29 September 2018
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage

Das Weissmies via Südgrat vom Zwischenbergpass aus ist sicherlich einer der Standards für die ersten Gehversuche an den Alpenviertausendern - Dementsprechend viel ist schon darüber geschrieben, auch und vor allem auf Hikr gibt es zahlreiche detaillierte Beschreibungen. Mit Verweis auf frühere Berichte was den Grat angeht trage ich hier nur ein paar Informationen zusammen für alle, die die Tour mit einem Biwak statt der Almagellerhütte planen.

Biwakplätze ... gibt es ausreichend viele. Es bietet sich an, in der Nähe des Zwischenbergpasses zu biwakieren. Zwischen Hütte und Pass gibt es links vom Weg immer wieder kleinere Plateaus, die mit feinem Kies zwischen größeren Blöcken relativ bequem und windgeschützt gestaltbar sind. Wir selbst haben uns für einen Spot auf dem letzten Plateau vor dem Pass auf etwa  3120m entschieden. Hierauf ist es eine knappe Stunde von der Hütte und noch etwa 10 Minuten zum Pass. Wir erreichten diesem Platz nach Start in Saas Almagell nach ca. 4h Gehzeit  kurz bevor die Sonne hinter der Mischabelgruppe verschwand. Wer es noch ein paar Meter höher haben möchte, findet direkt am Pass eine kleine Stelle für max. zwei Personen, die mir einer kleinen Steinmauer umgeben ist. Eine weitere Stelle mit deutlich großzügigeren Platzverhältnissen gibt es noch in der Senke zwischen Pkt. 3341 und Pkt. 3286. Hier würden vermutlich alle Aspiranten eines normalen Weissmiestages Platz finden... Rückblickend sind die höheren Plätz geeigneter, da hier die Sonne deutlich früher aufkommt - wir hatten das Problem, dass unsere Biwaksachen nach nächtlichem Frost auf dem Rückweg gegen 11:00 immer noch feucht im Schatten lagen 

Wasser ... gab es zum Zeitpunkt unserer Tour Ende September keins mehr in Form von Schmelzwasserbächen. Auch früher im Jahr würden wir uns hierauf nicht verlassen wollen, vor allem in der Nähe des Grates. Entweder man schöpft unterhalb der Hütte Wasser, was ich eher nicht empfehlen würde, oder man fragt höflich beim Hüttenwirt - wir durften unsere Flaschen umsonst in den Waschräumen füllen. Ansonsten: Schnee schmelzen.

Strategie für den Gipfeltag ... jeder so wie er will. Da Besteigungen mit Biwak zwar das mE intensivere Draussenerlebnis versprechen, ansonsten aber deutlich zehrender sind, will ich an dieser Stelle kurz ein paar generelle Gedanken loswerden:
  • Ausrüstung: je nachdem, wie spartanisch man unterwegs ist, sind zumindest ein Schlafsack, Isomatte und Biwaksack i.d.R. unumgänglich. Hinzukommt je nach Komfortbedürfnis* Gas, Brenner und Zubehör, zusätzliche Kleidungsstücke, Essen, Wasserreservoirs usw. Meistens braucht's dann auch noch einen größeren Rucksack. In Summe kamen wir mit Wasser jeweils auf ca 13 bis 14kg Gepäck. Dieses Mehr an Gewicht macht sich in langen Zustiegen durchaus bemerkbar, man braucht länger und verbraucht mehr Körner. Der Weg zum Zwischenbergpass ist allerdings super ausgebaut und überall moderat.
  • Regeneration: ist nötiger als bei einer Hüttenübernachtung (s.o.), gleichzeitig schwieriger zu erreichen. Selbst unter idealen Bedingungen ist eine Biwaknacht unbequemer als auf der Hütte. Kommen noch Wind, Kälte, Niederschlag hinzu, können die Nächte beliebig zäh werden und ohne Schlaf wird's mit der Erholung schwer. Man sollte also davon ausgehen, dass man nach dem Biwak weniger Leistung bringen kann, als nach einer Hüttennacht. Da bei uns die Temperaturen unter Null fallen und das Biwak tendenziell unerholsam würde, beschlossen wir, uns mehr Zeit für den Aufstieg zu gönnen und sind bereits um 03:00 vom Wecker geweckt worden und um 03:45 losmarschiert. Üblicherweise startet man um 05:00 auf der Almagellerhütte, d.h. wir haben uns mit dem höher und früher gelegenen Startpunkt etwa 2h mehr eingeräumt. Dies hat zur Folge, dass man je nach Jahreszeit einen erheblichen Teil des Grates im Schein der Stirnlampe klettert. Bis auf eine heikle Stelle - dem Abklettern einer ca. 5m hohen Senkrechten - ist dies aber kein Problem. 
  • Organisation: ist mühsam. Alles, was trocken (Kleidung) und/oder nicht zu kalt (Akkus, Batterien, Wasser) bleiben soll kommt in den Schlafsack, wo es notorisch unübersichtlich ist. Anziehen, Kaffeekochen, und Rucksackpacken im oder aus dem Schlafsack heraus hat uns in Summe unglaubliche 45 Minuten gekostet. Also auch hier lieber das morgendliche ready-set-go großzügig einkalkulieren.  
  • Nahrung: Kaum jemand wir sich den Berg Spaghetti zum Abend und die Marmeladenbrote zum Morgen auf einem Biwak zubereiten. Aus Gewichts-, Volumen und Einfachheitsgründen dürfte es bei den meisten i.d.R. eher karg und powerbarlastig sein. Für Asketen ist das in Ordnung; man sollte aber generell davon ausgehen, dass man weniger Leistung bringt, wenn die Kohlehydratspeicher nicht aufgeladen sind. Während der Tour isst es sich typischerweise nur schlecht und irgendwann droht einem dann der Saft auszugehen. Wir hatten uns für die spartanische Variante entschieden (Müsliriegel, eine handvoll Trockenfrüchte und Nüsse und zu zweit eine Tafel Schoki) und merkten dies auch im Aufstieg (einer von uns musste auf 3600m umkehren) und Abstieg nach dem Gipfel. Tendenziell würde ich eher auf den Kocher und das Heißgetränk verzichten und durch einfache Kohlehydrate ersetzen. Die psychologische Wirkung einer heißen Tees oder Kaffees nach einem kalten Biwak ist aber andererseits nicht zu überschätzen...  
Bei solider Planung und geeigneten Bedingungen bleiben Hochtouren mit Biwak trotz des geringeren Komforts und dem Mehr an Anstrengung unvergleichliche Erlebnisse und das Elementare daran kompensiert einiges. Und vermutlich wünscht sich mancher, der in einem schnarchenden und müffelndem Bettenlager hellwach liegt, sich insgeheim in die Stille und Einsamkeit eines Biwaks...


* nach etlichen Biwak- und Zelttouren in den vergangenen Jahren gilt zumindest für mich: Am Berg ist man selten der harte Hund, für den man sich im Tal noch gehalten hat...  

Tourengänger: rosenzweig


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Kommentare (1)


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nprace hat gesagt:
Gesendet am 8. Oktober 2018 um 13:57
"Und vermutlich wünscht sich mancher, der in einem schnarchenden und müffelndem Bettenlager hellwach liegt, sich insgeheim in die Stille und Einsamkeit eines Biwaks..."

Genau das empfinde ich als reisen Tortur...zusätzlich zu mangelnde Erholung...dann lieber wenig Erholung bei einem Biwak...dafür keine Tortur..

Coole Aktion.




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