Via del Veterano - legendär und lang


Publiziert von Janine , 26. Mai 2009 um 10:24.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Bellinzonese
Tour Datum:22 Mai 2009
Klettern Schwierigkeit: 5b (Französische Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-TI 
Aufstieg: 700 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Zwischen Quinto und Faido, die kleine...enge...kurvige Strasse bis Freggio. Parken bei der Kirche.
Unterkunftmöglichkeiten:Hotel Marti, Freggio Hotel 3 Cervi, Campello (Saltimbocca mit Risotto..und den Merlot del casa...)

Am Vorabend erreichen wir ohne Stau die Leventina und kurven mit unserem kleinen 3-Zylinder- "Kletter-Mobil" die kehrige Strasse ab Faido nach "Campello" hoch. Das Hotel 3 Cervi hat noch Zimmer frei und wurde vom Hotel "Marti" in Osco, weiterempfohlen. Nun ja - das ist zwar ein Stückchen weiter - aber umso herzlicher werden wir hier empfangen und jedermann/jedefrau winkt uns in den kleinen Dörfchen zu und schenkt ein Lächeln.

Am Folgemorgen wollen wir sehr früh los...so um halb neun planten wir beim Einstieg zu sein...damit wir Wartereien umgehen können. Nun, da das frische Brot fürs Frühstück erst um 08.15 Uhr ins Hotel geliefert wird, und ohne z'Morge der Tag sowieso nur ein halber Tag ist - wird es deutlich später.

Wir erreichen das kleine Örtchen "Freggio" um ca. 09.30 (ab Campello ca. 30 Min. Fahrzeit), parken bei der kleinen Kirche direkt an der Strasse, und machen uns sofort los zum Zustieg. Damit wir keine weitere Zeit verlieren, sind wir schon "angezogen" - und müssten eigentlich dann nur noch in die Kletterfinkchen schlüpfen. Beim Parkplatz treffen wir noch auf ein anderes Kletterpaar, welches den Einstieg zur Via del Veterano nicht gefunden hat, und nun ziemlich entnervt nach Karte oder etwas anderem nützlichem im Auto sucht.

Zustieg:
ab dem Parkplatz bei der Kirche, alles geradeaus gehen - am Dorfende gehts weiter in den Wanderweg. Weiter gehen bis zur rechten Seite ein Werbeschild vom Hotel Marti kommt. Gleich danach gehts rechts ab, in den Wald. Dann alles dem Weglein entlang, besser zur LINKEN Seite des Baches (nicht wie v.Känel/Topo rechts eingezeichnet...). So erreicht man direkt den Einstieg von Via del Veterano.

Wir erreichen ca. um 09.45 den Einstieg und ja - logisch - hat es jetzt schon andere Seilschaften in der Schlange. Wir fassen die Startnr. 4..., nach uns kommt hoffentlich niemand mehr! 

Ca. um 10.30 Uhr können wir endlich mit klettern beginnen - und schon nach einigen Höhenmetern befinden wir uns an der warmen Tessiner Sonne.

1. SL, 4a:
Anfangs nasse Platte, mit weiten Hakenabständen.

Die Route ist mit "gut" abgesichert angegeben im von Känel/Plaisir Sud - was da weiter heisst: "meistens mit Bohrhaken ausgerüstet. Diese können bereits älteren Jahrganges sein und sind willkürlich platziert. Nur die schwierigen Stellen sind "gut" abgesichert. In den leichteren Seillängen sind die Hakenabstände gross...Vereinzelt sind gefährliche Runouts möglich... usw. Sei tapfer, glaube an das Gute dieser Route und lass dich nicht aus der Ruhe bringen!"

2. und 3. SL, 3c:
Nichts Spezielles...einfach...Passagen durch Vegetation...

usw.... die Schwierigkeitsgrade wechseln sich ab und ändern erst in der

7. SL, 4b wenn 1 p.a. (ansonsten ein sattes 5c+)
Aufschwung....der wohl oft mit der Möglichkeit p.a. genutzt wird. 
Darauf folgt ein Quergang nach links...mit langen Sicherungsabständen.

8. SL, 5a, Ao (5c+)
Schwieriger Aufschwung, danach wieder einfach.

9. SL, 4b
Queeeeer...gang. Nachdem ich vor ein par Tagen noch den Quergang-Psycho in der "Transsibiria" hatte, befinde ich mich heute bereits ziemlich gelassen mitten drin. Der Nachstieg mit den weiten Abständen ist nicht so "ohne irgendwas" und ich schätze, für weniger Geübte dürften diese Passagen zittrig werden.

10. SL, 5a
lange Platte mit langen Abständen. Im oberen Teil heikle Absicherung an der kniffligsten Stelle. Diese SL endet, nachdem man sich durch die Äste und Nadeln einer umgefallenen Tanne - welche den Felsen versperrt - gezwängt hat.

11.+ 12. SL, 4c und 3c:
nach der 3c kann ein Zwischenstopp gemacht werden. Wir lassen den Stopp aus, und machen weiter.

13. SL, 5a
Als ich den Stand erreiche, befindet sich vor uns das Päärchen der Gruppe Nr. 3 - und man hört und sieht da je nachdem in die "aktuelle Situation" mit hinein. Die Kletterpartnerin von unseren Vorgängern befindet sich gerade ca. 2m weg vom Stand - im Nachstieg. Die Anspannung und die Angst eines Pendels sind so deutlich sicht- und hörbar, dass ich mich gerade zurückversetzt fühle und mich frage: kommt jetzt Quergang "de luxe"? Derweilen Angelo nachkommt, beobachte ich das Ganze und bereite mich innerlich so vor, ganz tapfer zu bleiben:)
Dieser Quergang, ist sicher der Schwierigste von allen in dieser Route. Es befindet sich oberhalb vom Stand ca. 3 Meter ein alter Haken...dieser kann im Vorstieg die nötige Sicherheit geben. Im Nachstieg habe ich nach dem lösen des Express wieder die gleiche Höhe/Startposition ab Stand eingenommen, um einen ev. Pendel zu verringern. Die ersten 5 Meter sind sehr eierig für den Nachsteiger, gut durchatmen und wenn möglich zügig durch..., dann ist es vorbei.
Weiter voran ist der Quergang mit 2 fixen Schlingen/Seilen ausgerüstet - welche helfen, Höhe abzulassen, und sich über die schweren Passagen heranzuziehen.

Ab der 13. SL quert man erneut zu einem kleinen Zwischenbödeli. Hier essen wir unser Pic-Nic, und müssen sofort raus aus den Finken. Zudem checken wir die Zeit ab....Wir sind nicht so zügig vorangekommen - es befanden sich ja immer noch Seilschaften vor uns - und gegenseitiges Stressen am Felsen finden wir sehr unsympathisch.
Es ist bereits 15.15 Uhr - also knapp 5 Stunden haben wir gebraucht für die 13 (langen!) Seillängen! Bis zum Top sind es nochmals 10 SL, zwar weiter im einfachen Bereich - aber trotzdem - wir sind spät dran! Dann der steile Abstieg (700m) dazugerechnet...huihui....

Wir entscheiden, hier die Tour zu beenden - so wie die anderen Seilschaften vor uns es auch tun. Nach der 13. SL besteht die einzige Möglichkeit, auszusteigen.
Es folgt ein steiler Abstieg durch wildes Gelände. Gelbe Markierungen findet man zur Orientierung auf Steinen.

Unten angekommen, total verschwitzt - finden wir - dass eine kalte Dusche jetzt herrlich wäre. Unser Tip: das kleine Bächlein welches zum Zustieg führt - hat so eine Natural-Waterfall-Shower im Angebot. Gesagt - getan! Es war eisig kalt - und extrem erfrischend!
  
Unser Fazit:
Die Tour hat uns sehr gefallen! Die einzelnen Seillängen sind alle lang...und man muss schon ziemlich Tempo geben, wenn man bis oben durch will - vorallem staufrei und ohne Verspätung.
Die Einfachheit soll nicht unterschätzt werden. Wie in anderen Tour-Berichten vermerkt, empfanden wir die Schwierigkeiten auch etwas höher, als im Topo angegeben. Sicher ist es nicht die geeignete Tour, wenn zwei Einsteiger diese machen wollen. Wenn aber ein erfahrener Kletterer dabei ist, dann wird es bestimmt zu einem unvergesslichen Erlebnis.


 


Tourengänger: Janine

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Kommentare (2)


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Alpin_Rise Pro hat gesagt: Veterano
Gesendet am 26. Mai 2009 um 11:32
Tschou Janine,

Danke für die Fotos, eine gute Ergänzung zu unserem Bericht, der etwas knapp dokumentiert ist.
wir hatten etwas mehr Glück und konnten die Tour am frühen Morgen zügig durchsteigen, bei mehr Publikum wirds schnell mühsam.
Die Absicherung würde ich zwischen so...so (unterer Teil, leichte Stellen) und gut (schwierige Stellen) einstufen.

G, Rise

Janine hat gesagt: RE:Veterano
Gesendet am 26. Mai 2009 um 17:36
Hallo Rise
natürlich...stimmt...ihr wart ja auch dort - aber ihr wart um Stunden schneller :).
Die Absicherung in alten Routen ist halt immer so eine Geschichte für sich. Ich dachte mir beim Klettern schon oft: wow - und früher waren die Veteranen um x-faches schlechter mit Material bedient als wir es heute sind.
Grüessli Janine


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