Fluebrig von Norden


Publiziert von Bikyfi , 1. Oktober 2018 um 10:12.

Region: Welt » Schweiz » Schwyz
Tour Datum:30 September 2018
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SZ   Östliche Sihltaler Alpen 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1634 m
Abstieg: 1644 m
Strecke:14.5km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Golfclub Ybrig, Ochsenbodenstrasse, Studen

Interessiert an einem Tourenbericht über Fluebrig und dem bislang unerreichten Gipfel des Diethelm, dessen Aufstieg ich vom Wägitaler See aus zu Beginn diesen Jahres abbrechen musste, fiel mein Entschluss der Wegbeschreibung von Carpintero zu folgen. Danke an dieser Stelle.

Da es seinem Tourenbeschrieb kaum etwas hinzu zu fügen gibt, beschränkte ich mich auf meine subjektiven Empfindungen.

Dank der GPS Datei fand ich den Abzweig durchs Gemüse Richtung Bachlaufquerung und sah die Stelle der Hangrutschung. Auch ich hielt mich rechts und fand so etwas wie Trittspuren. Bereits hier nahm ich in dem nassen, schluffigen Gestein den Pickel zu Hilfe um mich rechter Hand zum Baumbestand hinauf zu arbeiten. Dies geschah soweit, bis ich auf einen deutlichen Pfad traf dem ich folgte. Ich befand mich auf einem kleinen bewaldeten Grat, rechts eine Rinne und links der Hangrutsch. Es ging eine zeitlang durchs Unterholz und über  umgestürzte Bäume, mal verlor sich die Wegspur, dann fand sich wieder eine. Kurz darauf öffnete sich der Wald rechter Hand in einen mit losem Geröll versehen Hang, der im weiteren Verlauf bis zum "Wändchen" unterhalb Chli Sienen führt. Es war jetzt etwa 10 Uhr und ich 1:20h Minuten unterwegs

Nun ging ich links der Wand auf den grasigen Grat zu, der mit zunehmender Höhe doch recht steil wird. Etwas unterhalb ein paar niedriger Nadelgehölze fand ich nach rechts querend ein paar Tritte und folgte ihnen. Mit dem Pickel ging es recht gut voran, besser aber man prüft hier jeden Tritt und Griff. Hier und da brökelt und wackelt es. Hier zu stürzen wäre sicher ein Problem (dritter Grad).

Über diese Stelle hinaus gekommen ... etwas verschnaufen. Dann die Suche nach dem weiteren Weg. Das Gelände öffnet sich trichterförmig und gibt den Blick auf das nächste Wändchen frei. Ich sah schnell 2 felsige Bänder die im Zickzack vermeintlich hinauf führten. Mit etwas Kraxelei erreichte ich das untere, links beginnende sehr schmale Band. Doch nach ein paar Metern führte es ins Leere. Umkehr. Ich ging zurück und anschliessend noch weiter nach rechts, deutlich weiter als die herunter geladene GPS Route. Bis ich unterhalb der Wand des Diethelm stand und eine Rinne fand die erkletterbar aussah. Mein Plan: Die Rinne hoch und anschliessend wieder nach links queren. Die Rinne war problemlos machbar, solider Fels und gute Tritte (eher II Grad, dennoch recht abschüssig).
Oben angekommen merkte ich das mir keine Wahl blieb als rechts weiter zu gehen. Die Querung nach links war jetzt zu steil geworden um sie im brüchigen Fels abzuklettern. Ich ging weiter rechts an der Felswand entlang bis zum Ende, an welchem ich eine Stelle erreichte, die es im dritten Grad etwa 3m abzuklettern galt. Von hier aus gings sowieso nicht weiter. An den Fingern in einer Ritze hängend und mit einem grossen Schritt nach unten sowie zur Seite stand ich dann, schon etwas erleichtert, auf Chli Sienen (1450m).

Hier eine kurze Pause eingelegt und ein halbes dutzend Gemsen im Vertikal-Sprint beobachtet. Ansonsten war hier keine Menschenseele.

Nun wand ich mich der Schleife zu, die im mässig steilen Gras nach ein paar Metern nach Osten zum Grat des Wyss Rössli abzweigte. Hier steht man nun schon knapp 200m unterhalb des Gipfels, der Weg dahin zieht sich allerdings noch durch steiler werdendes Gras. Bei der Kehrtwende Richtung Süden im Aufschwung auf den Grat hinauf eröffnet sich der sagenhafte Blick auf den Wägitäler See. Kurz vor dem Wyss Rössli noch eine Schlüsselstelle. Nach kurzer Zeit steht man unweigerlich vor beinahe senkrecht abfallendem Fels, es gibt eine Abseilstelle mit BH und Schnapper darin, die nach Westen etwa 6m hinunter führt. Etwas unterhalb hängt noch eine blaue Schlinge. Ich seh hier keine Chance für mich (kein Seil dabei) und wende mich nach links in einen fast senkrechten Kamin, der gerade breit genug ist das ich hindurch passe. Im dritten Grad gehts hier hinunter, der Fels ist sehr griffig. Am unteren Ende fehlen etwa 2m sowie erforderliche Tritte bis zum unteren Ende des Kamins. Der Fels ist nach unten hin überhängend. Einen Tritt, in welchen ich meinen Schuh verkeilen kann, sehe ich knapp unterhalb des Vorsprungs, einen Griff rechts darüber. Mit einer Drehung und einem grossen Schritt bin ich unten und greife meinen Rucksack. Der Weg führt nun wieder auf den Grat zurück hinauf zum Wyss Rössli (2018m). Es ist 12:20 Uhr. der letzte Eintrag im Gipfelbuch von vor 10 Tagen, das dürfte auf dem benachbarten Diethelm anders aussehen, zahlreiche Besucher beäugen mich die ganze Zeit. Den besseren Blick auf den See, den hat man aber von hier ;-)

Abstieg vom Wyss Rössli. Folgt man dem Gipfelgrat weiter steht man vor einer Steilstufe. Von hier aus hat man 2 Bänder in Gegenrichtung, also nach Norden zeigend, denen man hinab folgen kann. Das erste breite Band welches mit Geröll und Gras durchsetzt ist oder das zweite, darunter liegende Band (das habe ich gewählt). Nach knapp 5 Minuten steht man in diesem Band vor einer letzten kurzen grasigen Kletterstelle (II, circa 3m). Tritte sind ausreichend vorhanden. Den Pickel ins Gras gehauen gibt sicheren Halt. Danach folgt ein normaler Wanderweg hinauf zum Sattel des Diethelm (2093m). Den nehme ich als nächstes in Angriff, erklettere ihn auf der rechten Seite (es gibt links eine Alternative, etwas leichter zu handeln) und folge dem kurzen Grat vor bis zur Blechtafel, die sich Gipfelkreuz nennt.

Auf dem Rückweg fällt mir noch der Gipfel des Turner auf, keine 10 Minuten entfernt. Auch hier gehe ich noch hin, trotz das sich meine Beine bemerkbar machen. Auf dem Turner (2069m) geniesse ich eine lange Zeit das Panorama, ganz für mich alleine.

Zurück zum Sattel zeigt der Wegweiser nach Ochsenboden (2:20h). Durchweg WRW markiert zieht es sich in die Länge bis ins Tal, zuerst auf einem Pfad, anschliessend auf einer geschotterten Waldstraße. Über diesen Weg kann man vom Golfplatz aus auch in knapp 3:30 auf den Diethelm aufsteigen. Auch wenn man sich hier Zeit lässt: mehr als 2h bis runter braucht man sicher nicht.

Tour im Alleingang
Verhältnisse trocken, Gras und Böden teilweise feucht
Fels griffig, zu Beginn teils bröckelig

Tourengänger: Bikyfi


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Kommentare (1)


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carpintero Pro hat gesagt:
Gesendet am 1. Oktober 2018 um 22:17
Ein wirklich wilder Aufstieg in einer sehr schönen Gegend!


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