Alvier (2343m)


Publiziert von gero , 24. Mai 2009 um 12:28.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:23 Mai 2009
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alvier Gruppe   CH-SG 
Zeitbedarf: 13:00
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1900 m
Strecke:Heiligkreuz - Hinterspina - Palfris - Alvier - Stofel - Gonzenumrundung - Heiligkreuz
Kartennummer:Blatt 2512: Wanderkarte Flumserberge - Walensee

Hier noch etwas über den Alvier zu schreiben, heißt fast "Eulen nach Athen tragen" - aber eine ganz nette Geschichte habe ich doch zu bieten. Mit meinem Freund Walter fuhr ich endlich mal wieder ins Schweizer Ländle, um mit dem Alvier eine Aussichtskanzel allererster Güte über dem Rheintal und dem Walensee zu besteigen.

Unser Ausgangspunkt war Heiligkreuz, ein Ortsteil von Mels (westlich von Sargans), und dort der höchstgelegene, nördliche Ortsrand: auf der LK mit 563m kotiert befindet ein Parkplatz am Waldrand, der nicht als solcher ausgeschildert ist, jedoch erreicht wird, indem man in Heiligkreuz der Beschilderung zum Alvier auf kleinen Sträßchen hinterherfährt. Ein sehr lauschiges Plätzchen, hier schmeckte uns bei italienischen Abendtemperaturen der Weißwein ganz ausgezeichnet. Die Stimmung war bestens, der Auftrieb kaum zu bändigen, bis Walter um 22 Uhr meinte: "Komm, laß uns jetzt starten!" Also gut, ist zwar ein wenig blödsinnig, aber meinetwegen - ich bin für solche Aktionen immer zu haben.

Stirnlampe an und los, in die Dunkelheit hineingestolpert. Es ging aber doch ganz prima: der Steig führt steil durch die bei Tageslicht eindrucksvollen Südwände des Gonzen hindurch (der Gonzen ist der südlichste Gipfelpunkt des Kammes, der vom Alvier nach Richtung Sargans abfällt). Bei Hinterspina (1253m) müssen wir gut aufpassen - hier gilt es, in der Dunkelheit den Weg nicht zu verlieren. Diese Alm ist schon bewirtschaftet, im Stall kommt vorübergehend etwas Unruhe auf, als wir vorbeigehen, obwohl wir natürlich so leise wie irgend möglich sind. Weiter den vielen weiß-rot-weißen Markierungen und Schilden nach, kommen wir an Rütiguät (1480m) vorbei. Die Wiesen sind hier recht morastig, und wieder haben wir im Dunkeln etwas Probleme, die nächste Markierung zu erkennen, zumal wir inzwischen von (gottseidank dünnen) Nebeln umwallt werden. Um 2 Uhr passieren wir auf 1653m eine (noch unbewirtschaftete) Alphütte; wir sind hier kurz unterhalb des Berghauses Palfris und beschließen, in einem offenen Schuppen zu biwakieren. Ein paar Bretter liegen herum, darauf breiten wir den Biwaksack aus - und schlafen wie die Murmeltiere bis 6 Uhr.

Die Sonne blinzelt durch die Fugen unserer Bretterbehausung, wir stehen auf und machen uns auf den weiteren Aufstieg. Der Eigentümer möge uns die Übernachtung nachträglich gestatten - wir haben keine Unordnung hinterlassen und die Türe des Schuppens wieder gut verschlossen! Danke für das kärgliche, aber willkomene Domizil!

Von hier kann man übrigens prima den von Delta beschriebenen Steilhang "Chammegg" am Gauschla einsehen:
http://www.hikr.org/tour/post7356.html
Respekt! Gemäß Beschreibung von Delta offenbar schwieriger, als es aussieht!

Es geht am Berghaus Palfris (ca. 1700m) vorbei, es ist noch geschlossen. Dahinter gibt es einen öffentlichen, gebührenpflichtigen Parkplatz - offenbar kann man ab dem Rheintal hier herauffahren! Kurz danach folgt man einem Steig rechts aufwärts Richtung Alvier, an dessen Beginn allerdings kein Wegweiser steht - ein Opfer winterlicher Schneemassen? Auf 1789m kommt beim Wegweiser "In de Stei" der Weg von Berschis herauf. Noch ein Stückchen weiter - und wir stehen am unteren Ende der Rinne (1880m), die hinaufführt auf den Sattel zwischen Alvier und Gauschla. Ich bin angenehm überrascht: auch hier liegt kaum noch Schnee, ich hatte Schlimmeres befürchtet! Wir folgen dem nun zusehends steileren Steig, er ist hier und da vom Winter etwas ramponiert, aber im Prinzip ganz leidlich gut begehbar (Trittsicherheit natürlich erforderlich). Gelegentliche Schneefelder sind in der Frühe noch hart, aber (gerade noch) ohne Grödel begehbar.

Schließlich erreichen wir zuletzt über eine Holzleiter den Sattel - und treten aus dem Schatten der Südwestseite ins Morgenlicht der Südostseite - wie schön! Dieser Sattel heißt übrigens Chemmi (2185m), nun sind es also noch 150m bis zum Gipfel des Alvier (2343m). Sie führen über einen vorübergehend steilen Schrofenhang, der allerdings durch ein Fixseil entschärft ist. Von unserem Domizil unterhalb Palfris hatten wir 2,5 Std gebraucht.

Vom Gipfel hat man eine phantastische Aussicht: im Osten nach Vorarlberg und zu den Bergen des Rätikon, im Süden u.a. die Gipfel des Calanda, tief drunten der Rhein. Westlich grüßt der blaue Walensee und die Churfirsten, im Norden der Säntis und Alpstein. Nicht zu vergessen natürlich die Glarner mit dem alles überragenden Tödi - herrlich!

Wir genießen mehr als eine Stunde lang den Bergfühling, dann steigen wir nach Osten direkt vom Gipfel ab zum Barbieler Grat (1977m). Von dort aus folgen wir gut markierten Weglein über die Almhütten von Stofel (1472m) zum Türlerweg (1300m), Hübschen Waldboden (1220m) und eine Hängebrücke bis zum Schihaus Lanaberg. Hier empfiehlt es sich unbedingt einzukehren: inmitten grüner Almwiesen gelegen, genießt man eine fabelhafte Aussicht auf den 500m tiefer dahinfließenden Rhein und den mächtigen Stock des Falknis genau gegenüber. Es fällt nicht leicht, sich hier wieder aufzuraffen - aber der Rückweg ist noch weit! Wir umrunden den gesamten Sock des Gonzen, bis oberhalb Sargans die Beine allmählich müder werden. Schließlich kommen wir am Wegweiser Lauiwald (731m) vorbei, hier ist endlich Heiligkreuz ausgewiesen, und nach insgesamt 13 Stunden (die 4 Stunden Biwak nicht eingerechnet) haben wir den Ausgangspunkt wieder erreicht.


Tourengänger: gero


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