Vertinesberg - "leichte Wandertour"?


Publiziert von rele , 12. September 2018 um 15:03.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Verwallgruppe
Tour Datum: 9 August 2018
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 3:00
Unterkunftmöglichkeiten:Friedrichshafener Hütte

Die einzige Online-Info, die ich momentan über eine Begehung des Vertinesbergs finde, ist ein kurzer Vermerk im Flyer der Friedrichshafener Hütte: "Vertinesberg: leichte Bergwanderung". Offenbar also leichter als der normale Wanderweg zur Konstanzer Hütte ("mittelschwer")! Ein Blick in den AVF hingegen zeigt: Weglos mit Stellen UIAA I. Um hier falschen Vorstellungen vorzubeugen, ein kurzer Bericht.

Ich bin von der Konstanzer zur Friedrichshafener Hütte unterwegs. Schon weit vor dem Schafbicheljoch sehe ich im Westen eindrucksvoll den Vertinesberg und die nördlich anschließenden, von kaum jemand betretenen Brüllerköpfe haifischzahnartig über den Fasulferner ragen... Vom Schafbicheljoch aus schwenke ich noch auf eine kleine, sehr anregende Runde entlang des Georg-Prasser-Wegs ein (Vertinespleiskopf etc, Stellen I). Schließlich auf dem Joch zwischen Vertinesberg und -kopf angelangt (hierher auch von der Friedrichshafener Hütte entlang des Georg-Prasser-Wegs und zweier wunderschöner kleiner Seen), folge ich endlich dem langen Lockruf und kraxele noch eben hinauf (~40 min vom Joch):

Weglos zunächst auf dem einfachen Grat nordwestwärts, bis er sich aufsteilt. Hier hat man die Wahl, nach links in Schottergelände auszuweichen oder auf dem gutgriffigen, wenig ausgeprägten Felsgrat zu bleiben (Stellen II-). Weiter oben wieder Gehgelände. Nun entweder links im Schotter bis unter den Gipfel queren, dort rechterhand eine kurze, steile Bruchrinne hinauf (I) und auf eine kurze Stahlseilsicherung zu, die zum Gipfel leitet. Schöner jedoch hoch auf den zerrissenen Ostgrat und auf diesem westwärts, teilweise leicht ausgesetzt (I+), zum schmalen Gipfel mit neuem Kreuz. Abstieg zurück bis zum Joch, dort weiter entlang des Georg-Prasser-Wegs hinunter zur Hütte.

Direkt am Gipfel gibt es ein kurzes Stück neu angebrachter Seilsicherung (Stand: 9. August 2018). Es liegen auch Zement und Wasservorräte herum. Reste vom Einzementieren des neuen Gipfelkreuzes? Hoffentlich nicht Vorräte für das Einrichten eines neuen Klettersteigs oder dergleichen?! Höchstens rüber zum einsamen Brüllerkopf könnt's ganz witzig werden, als eisfreie Variante, mit Abstieg über den Rücken zum Schottensee... Ich bin aber eher dafür, damit eine kleine Sitzbank zu bauen :) Der zahnig-schmale Gipfel ist tasächlich kaum für die Rast geeignet, obwohl er doch eine großartige Aussichtskanzel bildet: nördlich über die wilden Brüllerköpfe zum Patteriol blickend, südlich weit hinein in die Silvretta...

Fazit: Vom Georg-Prasser-Weg empfehlenswerte, einsame kleine Exkursion mit zackigem Grat und spannenden Blicken. Auch als eigenständiges Ziel durchaus lohnend -- für mich unverständlich, dass noch keine Onlinequellen vorhanden sind. Wahl zwischen Geröll und (meist gutem) Fels. Ein leichter Wanderweg? Keinesfalls!

Die Zeitangabe (3h) ist aus dem Hüttenflyer übernommen; sie bezieht sich auf den Aufstieg von der Friedrichshafener Hütte (und nicht für den viel längeren Weg von der Konstanzer!).

PS: Die Sektion ist wegen des Schnitzers kontaktiert -- mal schauen, wann die Änderung im Netz sichtbar wird.

Tourengänger: rele


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