Vorderglärnisch Westflanke direkt und Fryfad


Publiziert von DonMiguel , 10. September 2018 um 12:38.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 9 September 2018
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Glärnischgruppe 
Zeitbedarf: 11:00
Aufstieg: 2200 m
Abstieg: 2200 m
Strecke:20km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Saggberg

Nach meinen letzten Touren fühle ich mich bereit für den Fryfad, nicht wegen der Ausdauer oder Können sondern wegen der Psyche. Dabei hänge ich noch ein anderes Projekt vorn an, das ich in keinem Führer und auch nicht im Internet gefunden habe. Justus hat hier eine grosse Vorleistung erbracht, ohne diese hätte ich mich wohl nicht in den Fryfad getraut!


Saggberg-Vorderglärnisch(T6-)
Der Normalweg (T4) auf den Vorderglärnisch macht einen ziemlichen Umweg, diesen umgehe ich. Gestartet beim Saggberg laufe ich auf dem normalen Weg bis zum Gleiter, hier schlage ich schonmal die erste Abkürzung ein. Ein paar Nachsteigende folgen mir kurz und gehen dann verwirrt wieder zurück auf den normalen Weg. Das Gleiterband querend ziemlich direkt zum Ober Gleiter, hier sind die Wege super ausgetreten, dank den Schafen von Martin Lehmann, dem Älpler. Es gibt ein nicht so gut erkenntbaren Wildweg durch das Steile Gras. Oben kurz bevor man auf den Weg zurück kommt wird es nochmals kurz ausgesetzter, hier muss man zünftig ins Gras greifen. Auf dem Weg angekommen gehts links haltend (Nordöstlich) zu den nächsten Felsbändern. Den Felsturm mit seitlichem Fenster peile ich an um nach diesem rechts haltend durch eine Grasrinne aufzusteigen. Danach quere ich rechts der Felswand entlang, bei den kleinen Unterständen vorbei zur nächsten Rinne, in der hoch. Links hinauf durch Felsdurchsetzte Wiesen. Oben auf den Grasgrat angekommen, bei dem man einen schönen Tiefblick auf Glarus hat, weiter leicht links haltend um den Fels hinauf durch die steilere Grasflanke. Hier führern verschiedene Wege hinauf bis zum Grasbuckel auf dem man wieder den normalen Weg gewinnt.



Vorderglärnisch-Unterhöchtor (T6 III)
Vom Vorder Glärnisch führt ein gut erkennbarer Weg in die Furggle und weiter bis in die Kletterstellen. Im Führer sind diese mit (S/R.207c) angegeben, für mich ist ein ZS angemessener, hier sieht man meine etwaige Aufstiegsroute. Das Gestein ist eher brüchig was volle Konzentration verlangt.

Unterhöchtor-Chnorren-Weisser Fels (T6)
Auf dem Breiten Band geht es auf guten Wildwegen, die man teilweise ein wenig suchen muss, weiter bis in das Täli wo man wieder zum Chnorren aufsteigt. Hier hinauf über steiles aber trockenes Gras bis zum Schneefeld mit dem markanten Schluchteinschnitt. Hier rechts hinüber über den Chnorren auf Bändern zum weissen Fels bei dem man auf den Fryfad kurz absteigt.

Weisser Fels-Fryfad-Jägerhütte (T6)
Hier versteige ich mich in ein extrem dünnen zu weit oben liegenden und extrem abschüssigen Weg, umkehren, absteigen und weiter gehts. Der Anfang gestaltet sich eher schmal. Die Weglein verlieren sich oft in den breiten Bändern und finden sich wieder in den schmaleren, ab dem Sunnegg wird es allmählich wieder breiter und angenehmer zu gehen. Immer wieder kommen Quellen aus dem Fels, so dass man gut wiederauffüllen kann, dass bei "Waldbrandgefahr erheblich". Bei der Dungellauischlucht hat es mehrere Unterstände wo man nach Belieben duschen oder wasserauffüllen kann. Aus der Dunkellauischlucht heraus weist mir ein davon rennendes Gämsi den Weg, unglaublich wie die in solchem Gelände sprinten können! Hier ist nochmals Konzentration gefragt! Im Unterer Gang ist das Gras ganz wenig feucht, was wohl immer so ist in dieser Hanglage und Höhe, jedoch ist es hoch und gut verfestigt, so dass man richtig zupacken kann. Teilweise hat es mühsame Dreckhänge, als wäre die Oberfläche abgerutscht, die sind eher heikel und mühsam zu übersteigen. Was sich langsam bemerkbar macht sind meine Fussgelenke, beim ständigen Traversieren wären höhere und steifere Schuhe sinnvoll. Die Zeit ist schon fortgeschritten und der Weg bis zum Jägerhüttli zieht sich und ist mühsam, brusthohes Gras. Beim Jägerhüttli sehe ich von Weitem eine Gestalt, "stimmt ja, es ist Jagdzeit". 2 Jäger sitzen bei der Hütte, sie erzählen das sie nur noch bis vor die Dunkellauischlucht den Fryfad begehen. Ebenfalls berichten Sie nach dem ich Sie nach früherer Benutzung gefragt habe, dass die Jäger in der Nähe der Dunkellauischlucht direkt von unten aufgesteigen sind, barfuss, da die Schuhe nicht klettertauglich waren, und die Beute dort wieder abgeseilt wurde. Ich frage nach dem Weiterweg, worauf er meinte, auf Spuren queren bis kurz vor die Heuzugrunse, unter einer Felswand entlang, dann wieder rechts in den Wald hinab.

Jägerhütte-Grüt (T4/T5)
Als ich anfange abzusteigen dunkelt es schon langsam, ich habe den Abstieg und die Dunkelheit ziemlich unterschätzt, was mir eine Lehre wird! Die Spuren habe ich verloren, mit der Karte und den Lichtern vom Campingplatz unten versuche ich mich zu orientieren, ich muss mich mit meinem 25 Meter Seil 4 mal über ca. 10 Meter Absätze abseilen. Steine werfend, um den Weiterabstieg zu hören steige ich weiter ab. Dank meinem "Outdoor-Handy" habe ich ein einigermassen vernünftiges Licht. Nach ca. 3h Stunden absteigen und einem letzten mal Abseilen komme rechts neben der Heuzugrunse auf den Weg.

Grüt-Saggberg
Ab hier gehe ich Richtung Campingplatz in der Hoffnung das mich ein Auto mitnimmt. Erst in der Mitte des Stausees nimmt mich das 1.te Auto mit zur Staumauer, ab hier nochmals auf den Saggberg zum Auto, in das ich ziemlich froh und erleichtert einsteige.

Fazit (Vorder Glärnisch direkt durch die Westflanke):
Die erste Stufe ist eher mühsam, kürzt aber ziemlich ab. Nachher gibt es verschiedene Varianten durch die Felsbänder aufzuteigen, meist fester Fels, teilweise gute Wildweglein, evtl auch von den Schafen. Das erste mal das ich Edelweisse am Vorder Glärnisch entdeckt habe. Eindrückliche Sicht in die Nördliche Wand, teilweise führen da auch schmale Bänderwege hinaus. Lohnend wenn man alleine aufsteigen will, trotz überfüllten Wegen.

Fazit (Unterhöchtor-Fryfad):
Man sollte auf jedenfall gut klarkommen mit schmalen ausgesetzten Weglein und ein guter Orientierungssinn für Wildwege haben. Irgendwie stumpft man mit der Zeit ab was die Ausgesetztheit betrifft. Jedoch eine gewisse Anspannung hat man durchgehend. Viele Versteinerungen, Eiseneinschlüsse und sogar ein kleiner Kristall habe ich gefunden. Die Länge dieser Tour ist nicht zu unterschätzen.

Hier meine etwaige Route


Tourengänger: DonMiguel


Galerie


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Kommentare (5)


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maenzgi Pro hat gesagt: Einmal mehr...
Gesendet am 10. September 2018 um 13:15
eine unglaubliche Tour von dir.

Mich schaudert und fasziniert es gleichzeitig beim Anblick dieser abfallenden Bänder. Respekt.

Weiterhin wünsche ich wunderschöne Touren

alpstein Pro hat gesagt:
Gesendet am 10. September 2018 um 18:44
Eine hammermäßige Tour! Schon das Betrachten der Fotos lässt erschaudern ;-)

Gruß
Hanspeter

Linard03 Pro hat gesagt:
Gesendet am 10. September 2018 um 21:43
krasse Tour; Gratulation!
Da braucht's schon extreme Psyche ...

justus Pro hat gesagt: Faszinierende Wand
Gesendet am 11. September 2018 um 07:28
Super Bilder! Wirklich schön dort oben. Und eine schöne Routenkombination.

Interessant auch Dein Gespräch mit den Jägern. Den Aufstieg neben der Dunggellaui habe ich mir einmal näher angesehen. Aber das ist schon recht steiles Gelände dort.

Zum Jägerhüttli bin ich auch einmal eine Rus weiter östlich aufgestiegen. Das war sogar im Regen gut zu machen, daher vielleicht auch für den Abstieg, bevor man über die Heuzugrus quert?

ciao,
justus

Primi59 hat gesagt:
Gesendet am 12. September 2018 um 20:44
also Micha, du bist ein Mordskerl, diese Tour braucht eine wackere Portion Mut, Selbstvertrauen und Durchhaltewillen, könntest fast Verwandt sein mit einer Gämse ;-))))
Zu den Eisenstifte/-Einschlüsse, frag mal PStraub, der kennt sich sehr gut aus in solchen Sachen.
Gruss
Priska


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