Auf Umwegen zum Bächistock


Publiziert von DonMiguel , 6. September 2018 um 09:39.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 4 September 2018
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Glärnischgruppe 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2700 m
Abstieg: 2500 m
Strecke:ca. 16km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Hinter Saggberg

Eigentlich sollte es eine Roundtour werden, jedoch spielt mir das Wetter einen Streich.

Gestartet beim Hintersaggberg, Auto beim Bach abgestellt wo der Weg Richtung Vorderschlattalpli beginnt.

Hintersaggberg-Vorderschlattalpli (T3)
Ein normaler T3 Weg führt nicht immer eindeutig bis zur Alp, auf dem Weg trifft man immer wieder auf das Schild "Bitte Türe schliessen, sonst kommt der Wolf rein, der Älpler Martin Lehmann".

Vorderschlattalpli-Chnorren (T6)
Ich folge dem Bachlauf wobei ich das Täli Richtung Chnorren anpeile. Bei der ersten grossen Felswand, wo rechts ein kleiner Wasserfall hintunter kommt quere ich links hinauf über steiles und leider auch nasses Gras. Nachdem ich die Felsen übergangen bin, quere ich wieder rechts zum Bach, überquere ihn um nochmals einen Wasserfall rechts obenherum zu umgehen. Hier fliegt mir mahnend ein Regaheli um die Ohren so dass ich mich nochmals mehr konzentrieren muss. Jetzt wieder dem Bachlauf entlang nochmals einer Felsstufe links umgehend hinauf bis zu dem wahrscheinlich ganzjährlichen Schneefeld beim Chnorren.


Chnorren-Chrumme Würm (T5)
Ab diesem Schneefeld bin ich unterhalb des Erkers (hervor stehender Fels) auf dem Schuttband hinüber gequert, an der Felswand entlang hat es teilweise ein Wildweglein. Nach diesem  grösseren Schuttband kommen viele kleine Bändchen, bei diesen angekommen, habe ich erstmals leer geschluckt, habe das optimale Band nicht gleich entdeckt. Ein Band weiter unten kann ziemlich gut begangen werden, von oben sieht man das es ein kleiner Wildweglein drauf hat. Auf diesem bin ich, immer wieder auf und absteigend, bis zu den Würmern gequert.


Chrumme Würm-Höchtor (T6 III)
Ich wählte die rechte Seite der Würmer, der Aufstieg ging gut, teilweise ziemlich bröckelig. Oben die Querung zum Hochtor war eher mühsam da ziemlich viel loser Schutt auf den Bändern liegt. Auf dem Höchtor freudig in Adrians neues Gipfelbuch geschrieben.

Höchtor-Chanzle (T6)
Durch das breite und schuttige Band auf den Guppenfirn abgestiegen. Ab hier weiter mit Steigeisen im weichen Schnee, teilweise kam auch der blanke Gletscher hervor, der Durchgang ging jedoch problemlos. Da die Chanzle schneefrei ist ging ich, um dem vielen Schutt auszuweichen, eher links kletternd hinauf, was sicher als ziemlich anspruchsvollm ausgesetzt erwies. Bei der Chanzle schwappt der Nebel immer wieder versperrend duch die ganze südost Wand, weiter gehen eher heikel, vorallem auf dem Gletscher. Ich entscheide mich, schon auf der Chanzle mein Biwak einzurichten.

Ein paar Landjäger mit Brot zum Z'Nacht. Die Nacht ist ist kühler als erwartet, zum Glück windet es nicht zu stark. Am Morgen ist mein Rucksack und Biwakhülle mit einer Eisschicht überzogen, das Wasser halb gefroren, ich bin froh kommt die Sonne.

Chanzle-Guppenfirn-Bächistock (WS)
Von der Chanzle über Geröll hinunter zum Gletscher, Steigeisen moniteren. Der Schnee ist noch schön hart, perfekt zu gehen. Den Spalten kann man überall gut ausweichen, so komme ich zügig voran. Der Gletscher ist an gewissen Stellen steiler als man vom Tal aus annimmt, ohne Steigeisen wahrscheinlich unmöglich. Das Schuttband das nachdem Gletscher weiter führt ist im unteren Teil besser begehbar, da es weniger lose Steine hat.

(T6 III)
Beim Eingang in die Südrroute angekommen, studiere ich den Einstieg. Ich habe einen kleinen Steinmann vor den Einstieg gesetzt, hoffe das stört niemanden. Der Ein und Aussteig empfand ich am schwierigsten, da bei beiden der Fels relativ brüchig ist und der Einstieg relativ exponiert ist. Oben beim Ausgang habe ich die Wächte rechts umklettert.

(T5)
Jetzt dem Grat folgend zum Bächistock, der teilweise auch ausgestzt ist. Die sonnige Gipfelrast und der Weitblick halten leider nicht lange an, da schon wieder Wolken von unten sich auftürmen.

Bächistock-Glärnischhütte (WS II)
Zurück zum Bächifirn, es hat schon Spuren die in meine gewollte Richtung gehen. Dem Firn entlang hinunter, unter dem Bächihorn linkshaltend duch ein schräg durch die Felswand verlaufendes Band (R.230c). Hier hat es sogar Bohrhacken ca. im 20m Abstand. Weiter hinab dem Firnbach entlang, wo es schön ausgewaschene Felsen hat. Dann ziemlich direkt zur Glärnischhütte, ich freue mich schon auf den Moscht, jedoch ist der Hüttenwart nicht anwesend.

Glärnischhütte-Hinterschlattalp-Saggberg (T3+)
Eigentlich wollte ich über den Fryfad zurück zum Saggberg, jedoch sprechen viele Dinge dagegen, es ist schon viel zu spät, das Wetter ist nicht ganz sicher, Stirnlampe vergessen. Nach langem hin und her entscheide ich mich gegen die Rundtour. Auf meiner alten Wanderkarte (1983) ist noch ein Wanderweg eingeschrieben der von Werben zur Hinterschlattalp führt, den schlage ich ein. Ein schöner und schlichter Waldweg, viel besser als die Alpstrasse. Die Förster haben hier gute Arbeit geleistet, sie schützen durch die frisch gefällten Baumstämme nicht nur die unten wohnenden "Chäserer" vor Steinen, sondern auch den Wanderweg vor Wandern. Der Weg ist teilweise unter Baumstämmen begraben, "halt ein alter Weg". Nach der Hinterschlattalp auf den normalen Weg hinunter, wo mich ein paar nette Jäger mit dem Auto hinunter zum Staudamm fahren. Hier nochmals ein kurzer Aufstieg auf den Saggberg.

Fazit:
Eine völlig einsame Tour, erst in der Glärnischhütte bin ich Menschen begegnet. In dieser einzigartigen Felsenlandschaft konnte ich mich teilweise kaum sattsehen! Ziemlich abwechslungsreich, Gletscher, Steilgras, Fels und bröckeliger Fels.

Tourengänger: DonMiguel


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Kommentare (5)


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maenzgi Pro hat gesagt: Stark
Gesendet am 6. September 2018 um 11:37
Eine verwegene Tour die du da unternommen hast. Ich bin beeindruckt.

Pass auf dich auf und weiterhin schöne Touren. Bis hoffentlich bald einmal.

Gruss Manu

Primi59 hat gesagt: Gratulation..
Gesendet am 6. September 2018 um 12:55
...das ist ja wieder eine Gewaltstour die du unternommen hast und wie Manu schreibt, pass auf dich auf !
Gruss
Priska

Dolmar hat gesagt: Coole Sache
Gesendet am 6. September 2018 um 21:20
Super Tour von dir Micha, sicherlich ein nicht alltäglicher Biwackplatz auf der Chanzle. Hut ab von mir. Scheinst Konditionell bärig drauf zu sein.
Grüße
Markus

3614adrian hat gesagt: Spannend
Gesendet am 7. September 2018 um 15:26
Freut mich, dass du den Weg auf's Höchtor gefunden hast und offensichtlich auch Freude daran hattest.
Hast du absichtlich nicht die normale Chnorrenroute gewählt?
Bei den Würmern ist der Fels sehr kompakt (abgeschliffen), wenn man in der Rinne selber hochklettert. Wirklich schön und einfach.

Ich gehe davon aus, dass sich noch nicht viele im Buch eingetragen haben :-)

Gruss
Adrian

DonMiguel hat gesagt: RE:Spannend
Gesendet am 7. September 2018 um 16:31
Mit normaler Chnorrenroute meinst du, über die R208? Ich hatte den Führer von P.Straub dabei, die R.207b war mein Ziel, die verläuft im Bachlauf. Ja das bei den Würmern hat mich im Nachhinein gewurmt, dass ich nicht mitten drin, sonder eher rechts davon aufgestiegen bin. Es hat sogar einen Prominenten Eintrag, André Reithebuch war nach dir oben. Danke vielmals für das tolle Buch!

Gruss Micha


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