Hörnligrat am Matterhorn


Publiziert von D!nu , 8. September 2018 um 20:09.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Mittelwallis
Tour Datum: 3 September 2018
Hochtouren Schwierigkeit: ZS+
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1522 m
Abstieg: 1522 m
Strecke:14 km

Das Matterhorn - ein magischer Berg; und eigentlich habe ich mir geschworen, mich nie und nimmer auf diesen Berg zu begeben. Sag niemals nie! Die Planung dauerte lange - dazwischen immer wieder Ernüchterungen - der Zustand am Berg muss gnadenlos sein. Sogar in den Büchern wird vor Internationalen Hobby-Seilschaften und Solo-Versuchen gewarnt, die sich am Grat verirren und so oft zu Tode stürzen. In Dokumentarfilmen sah ich Karawanen von Berggängern, die den Hörnligrat passieren, dabei wird an steilsten stellen egoistisch was es geht gekreuzt und im Extremfall sogar ohne Rücksicht über Bergsteiger hinweg abgeseilt, an deren Rucksäcken gegenseitig gerissen - der Kameradschaftliche Gedanke blieb mir beim hinschauen im Hals stecken - so wollte ich das nicht miterleben.

Mein erster Plan war, den Hörnligrat während dem Umbau der Hörnlihütte zu klettern, mit dem Gedanken, dass es in dem Sommer eher weniger Leute am Berg hat. In meinen Recherchen merkte ich bald, dass Rund um den Einstieg ein Zeltverbot gilt - auch heute noch. Zudem wurde ausgehend vom Umbau der Hörnlihütte eine Biwakstadt errichtet, um die vielen Bergsteiger zu bedienen. Der zweite Plan  war, über den Liongrat aufzusteigen, doch Bergführerkollegen rieten mir davon ab - um das Rifugio Carrel herum dominieren vorallem Vekalien :-/ ...so die Message dieser Bergführer.

Dieses Wochenende wäre eigentlich der Biancograt geplant gewesen, ein Projekt, welches wir wegen Blankeis und Wetterkapriolen schon mehrere Male verschoben haben, so auch dieses Mal. Ein Blitzgedanke steuerte uns ins Wallis, die Wettervorhersage um Zermatt herum: Sonne pur! Ich zauberte meine langen Vorbereitungen des Matterhornes hervor, denn es ist Nebensaison ... und so war unsere Kletter-Hochtour schnell parat :-)

Zur Vorbereitung kann ich folgende Medien empfehlen, sodass es am Grat nicht zu Überraschungen kommt wie beim Solo-Begeher welcher sich uns plötzlich anhängte und immer wieder meinte: "Uah - here is very steep! I never saw this in the YouTube Video" :-D 
- Berichte & Verhältnisse von Gipfelbuch.ch
- Berichte & Verhältnisse von hikr.org
- Anfrage über die Verhältnisse am Berg direkt bei der Hörnlihütte / Bergführerverein Zermatt
- Topo aus Hochtouren Topoführer (ISBN 978-3-033-02431-1)
- Topo & Routenbeschrieb aus Das grosse Buch der 4000er (ISBN 978-88-97299-59-2)
- Routenbeschrieb aus 4000er Tourenführer (ISBN 978-3-7654-5761-6)
- Doku SRF - Missen wollen auf's Matterhorn
- Doku SRF - Tatort Matterhorn
- Diverse Youtube Video's
- 3h Rekotour "Hörnligrat" am Vortag

Zudem ist meiner persönlicher Ansicht nach für die meisten "Matterhorn-Touristen" ein Bergführer zwingend! Der Weg ist nicht immer intuitiv auffindbar, auch wenn man sich sonst in verschiedenem Gelände sehr gut zurecht findet. Zudem ist der Hörnligrat extrem lang, 1200 Höhenmeter / 1,7 km sind zu klettern, Bis zur Hälfte kamen wir gemäss GPS auf 6,5 Kilometer Strecke! Die im Buch angegebenen 4h dürften nur dann realistisch sein, wenn man bereits schon mal den Weg gegangen ist.

Manche mögen es abenteuerlich und nehmen sich als erster 3000/4000er direkt das Matterhorn vor, so auch unser rumänischer Zimmergenosse, welcher sich vorgenommen hatte den Hörnligrat Free-Solo zu klettern. Erstaunlicherweise war er trotzdem er zuletzt mal in der Schule (vor Jahren) gebuldert hatte ziemlich selbstsicher unterwegs - zudem noch ohne Kletterutensilien wie Seil, Pickel, Steigeisen, Klettergurt etc. Er war neben zwei anderen Seilschaften der einzige welcher heute mit uns auf dem Hörnligrat unterwegs war - somit war sehr wenig los am Hörnligrat - ein Traum! 


Nun gut, die Verhältnisse waren "genügend" - was wir auch auf der Rekotour am Vortag feststellten. Die Sonne kam am zweiten Tag jedoch nicht wie vorhergesagt, sondern blieb hinter dichten Wolken versteckt. Am Vorabend, nachdem wir über den sehr schönen Hüttenweg zugestiegen sind und unser Zimmer bezogen hatten, machten wir uns auf den Weg: 3h Hörnligrat (1,5h rauf und 1,5h runter). In dieser Zeit haben wir uns zwar nicht verlaufen, doch kamen wir bei weitem nicht soweit wie im vorhinein aus der Topo hochgerechnet. Als wir zu Bett stiegen, hatte es auf der Terrasse der Hörnlihütte bereits 2cm Schnee :-/ Unsere Abmachung: Hat es am Morgen noch mehr Schnee, so steigen wir am Morgen ab zum Schwarzsee und nehmen uns das Breithorn vor. Quasi vom schwierigsten Normalweg eines 4000er zum einfachsten :-D

Tagwache: 4:00 Uhr. Nach einem gemütlichen Morgenessen geht es in Vollmontur um die Hörnlihütte, die Holztreppe hinter der Hütte hinauf zum Einstieg. Mehr Neuschnee hatte es in der Nacht nicht mehr gegeben, teilweise war der Schnee auf dem warmen Stein gar wieder geschmolzen oder zusammengefallen. Wir stiegen in den Hörnligrat ein. Über das Fixseil gewinnt man schnell an Höhe und überwindet die senkrechte Einstiegswand im nu. Nach dieser Wand folgt man im Gehgelände verschiedenen Pfaden, es gibt wie so oft diverse mögliche Pfade. Nach einem ersten Couloire folgt der erste Kraxeleinsatz. Die Schwierigkeit nimmt schleichend zu, der Solo Akrobat hat sich an unsere Fersen geschnallt und regt sich teilweise auf - wegen unserer zusätzlichen (jeweils kurzer) Zeit die wir brauchen um sicherzustellen, dass wir auf der Richtigen Spur sind, uns zu überholen verneint er aber immer wieder. 

Auch der vereiste Schnee, welcher sich in den Stufen befindet wird immer mehr. Wir klettern am Turm (vor dem Eisloch) - vermutlich um die vierte Schwierigkeitstufe, da wir verlockenden Schlingen nachgeklettert sind. Der Solo Nachsteiger kehrte inzwischen auf unseren wiederkehrenden Rat her um und gelangte mit viel Glück ohne Zwischenfälle wieder bei der Hörnlihütte an. Auch wir klettern Rund 50 Meter ab und steigen über ein weitaus einfacheres Couloire hoch - es hat uns erwischt, wie im Tourenführer beschrieben: Schlüsselstelle = Wegfindung :-D Oben beim Eisloch angekommen, klettern wir auf dem immerzu schmaler werdenden Grat zu den Eseltritten und kehren dann Schlussendlich aufgrund zu vielem Schnee und Zuwenig Absicherungsmöglichkeiten, unterhalb der Solvayhütte um. Für den Abstieg benötigten wir ungefähr gleichviel Zeit wie für den Aufstieg. Bei der Solvayhütte waren wir bereits 3,5h unterwegs. Bei der Solvayhütte hat man Rund die Hälfte des Weges geschafft :-D So ziehen sich diese 1200 Höhenmeter doch unglaublich in die länge - vorallem bei dieser Kälte, dem Schnee, welcher mögliche Spuren verdeckt und unserem Anspruch an sicheres Klettern.

Trotzdem wir den Gipfel nicht annähernd geschafft haben, gelten diese zwei Tage am Matterhorn als unvergesslich. Einmal mehr durfte ich mit meinem vertrauenswürdigen Kletterpartner einen der tollsten Berge beklettern.



Tourengänger: D!nu


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