Ueberschreitung Balfrin - Gross Bigerhorn


Publiziert von N_Altitude , 11. Februar 2019 um 20:34.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:19 August 2018
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m
Strecke:Gasenried - Bordierhütte - Riedgletscher - Sattel unterhalb S-Grat Balfrin - Balfrin - Balfrin Nordgipfel - Gross Bigerhorn - Bordierhütte - Gasenried
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Visp - St. Niklaus - Niedergrächen - Gasenried
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Visp - St. Niklaus - Niedergrächen - Gasenried
Unterkunftmöglichkeiten:Bordierhütte SAC

Fast 3 Wochen zuvor hatten wir schon in der Bordierhütte 4 Plätze für unsere Gruppe reserviert, damit wir in der kleinen und urchigen Hütte sicher Platz haben. Nun passte auch noch der Wetterbericht. Also ab nach Gasenried und hinauf zur Bordierhütte. Für den Samstag war das Wetter eigentlich nicht so gut angesagt, wie es schlussendlich war. Von "stark bewölkt" und "gegen Mittag aufkommende Schauer und Gewitter, vor allem in den Walliser Alpen" war die Rede. Also machten wir uns um 6 Uhr ab Zürich auf den Weg, um möglichst noch vor einem Gewitter in der Hütte zu sein. Als wir um 9 Uhr in Gasenried ankamen, war blauer Himmel und keine Wolke zu sehen....

Der Hüttenweg ist sehr hübsch und wir haben im Aufstieg die Variante auf der (im Aufstiegssinn) linken Seite des Baches gewählt. Dies bringt einen in das Tälchen zwischen den beiden grossen Moränen, wo hübsche kleine Lärchen den Bachlauf säumen und einfach ein wunderschöner Anblick sich bietet. Danach sind wir über den Rücken Richtung P. 2055 in Richtung Alpja aufgestiegen. Der Aufstieg zieht sich nun, und es dauert, bis man den Gletscherrand erreicht. Zum Gletscher muss durch Geröll abgestiegen werden. Wir überqueren den Gletscher den gut ersichtlichen Markierungen entlang bis zur Mittelmoräne. Kurz, nachdem wir die Mittelmoräne verlassen und den schmaleren Teil zum "anderen Ufer" überqueren, gibt es einen lauten Knall unter uns und wir erschrecken alle und sprinten zur Mittelmoräne zurück. Da zeigt sich wieder mal, wie Menschen in Panik reagieren :-D es war vermutlich nur ein Eisblock, der unter-"irdisch" (bzw untereis-isch) seinen Weg bahnte... Also weiter zum anderen Ufer, die gut gesicherte Felspassage hinter uns bringen und ab zum Chüechu auf die Bordierhütte.

Hier wurden wir herzlich empfangen und mit feinen österreichischen Mehlspeisen verwöhnt. Über die mitgebrachten Küchenhandschuhe und die Mayo, freut sich die Hüttenwartin sehr. Ich frage drum immer, ob ich was mitbringen kann/soll, und man freut sich hier sichtlich über die kleine Aufmerksamkeit. Gleich befrage ich Brigitte zu den Verhältnissen und dass wir vorhaben, den Balfrin via Gross Bigerhorn zu überschreiten. Sie rät mir eindringlich, die Tour "umgekehrt" zu machen, also über den Gletscher hoch Richtung Riedpass und über den Südgrat hinauf, und dann via Gross Bigerhorn abzusteigen - da der Gletscherbruch westlich von P. 3527 von oben etwas unübersichtlich ist und bei der tageszeitlichen Erwärmung eher weniger sicher ist als früh morgens. Hört sich vernünftig an. Sogleich machen sich Fabian und ich daran, den Zustieg für den nächsten Morgen noch etwas auszukundschaften, bevor möglicherweise noch ein Gewitter hereinbricht - gegenüber auf der anderen Talseite des Mattertals sieht man schon ganz dunkelschwarze Wolken. Der Weg zum Gletschereinstieg (auf ca. 3240-3260m, direkt südlich vom Gipfel des Gross Bigerhorns) ist gut mit Steinmännern markiert.

Die Bordierhütte ist wirklich ein Schmuckstück und die Hüttenwartin sowieso, und ihr Team ist auch sehr liebenswürdig. Das Essen ist sehr fein und das Dessert lecker. Wir haben Glück und bekommen ein 4er Zimmer für uns. Nebst uns scheint nur noch eine andere Seilschaft die Balfrin Überschreitung zu machen, sie wollen aber dann weiter via Ulrichshorn zur Mischabelhütte. Eine weitere Seilschaft steigt noch vor uns morgens richtung Ulrichshorn auf, um aufs Nadelhorn zu gelangen. Wir lassen es noch offen, und wollen unterwegs zum Riedpass entscheiden, ob wir nun die Balfrinüberschreitung machen oder dann auch via Ulrichshorn in die Mischabelhütte gelangen.

Früh morgens brechen wir auf und machen uns im Schein der Stirnlampen auf den gut mit Reflektoren markierten Weg in Richtung Abzweig "gross bigerhorn / gletscher". Wir nehmen die Richtung "Gletscher"; ab hier ist sehr gut mit Steinmännern markiert. Der Boden ist teils frostig und gegen den Einstieg zum Gletscher sind die Blöcke teilweise mit Eis überzogen - aber es geht ganz gut. Auch das Überqueren des Gletscherbruchs geht super, es ist alles schön hart und fest, und wenn man gut schaut, findet man immer irgendwo einen Weiterweg. Irgendwann stehen wir oberhalb des Gletscherbruchs schon in fast flachem Gelände, legen eine Pause ein und entscheiden uns für die Balfrin-Überschreitung. Die Nordflanke des Ulrichshorn scheint relativ tief verschneit, die Spur, die dort raufzieht, sieht jedenfalls relativ tief aus. Auch haben wir alle Lust auf ein bisschen Fels und Blockkletterei :)

Wir sind dann in Richtung P. 3642 aufgestiegen und etwas nördlich davon in den tiefsten Punkt der Einsattelung zwischen diesem Punkt und dem Balfrin aufgestiegen, Der Übergang vom Gletscher zum Fels ist hier mit einigen "Löchern" versehen, aber mit etwas Vorsicht geht es ganz gut und auf dem Fels angekommen, rüsten wir um und machen 2 Zweierseilschaften. Der Südgrat auf den Balfrin könnte jedoch gut ohne Seil gegangen werden, ist es doch eher Kraxelgelände. Der Gipfel ist sehr bald erreicht und die Aussicht auf den Nadelgrat einfach grandios.

Der Weiterweg ergibt sich: immer mehr oder weniger dem Grat nach. Zuerst allerdings, steigen wir vom Balfrin Gipfel etwas nach Norden ab auf dem Gletscher, um den Grat am tiefsten Punkt zwischen Haupt- (P. 3796) und Nordgipfel (3782) wieder zu erlangen. Der Grat nördlich vom Balfrin Gipfel war drum etwas vereist und daher eher unangehnehm. Der kurze Umweg über den Gletscher empfanden wir als angenehm. Ab dem Nordgipfel (P. 3782) geht es dann ziemlich stotzig in den Sattel zwischen P. 3782 und dem Gross Bigerhorn. Vorsicht beim Abstieg ist angebracht, und am besten geht man immer auf der westlichen Seite des Firns (rechts, östlich, gehts recht steil nach unten, da ist man lieber auf der "Grat-Seite", falls man ins Rutschen kommen sollte). Der Aufstieg zum Gross Bigerhorn dann ist genüssliche Grat-/Blockkletterei. Eine Schlüsselstelle, eine nach Westen geneigte Platte, ist schnell überwunden und bald stehen wir auf dem Gross Bigerhorn und können nach Visp hinunter sehen.

Der Abstieg vom Gross Bigerhorn ist dann etwas rutschig, da hin und wieder Schneeresten von letzter Nacht vorhanden sind, aber "es geht"... Bei der Hütte noch schnell Kuchen gegessen und Danke gesagt und ein bisschen geplaudert. Danach Abstieg zurück nach Gasenried, wo wir uns in der Beiz was feines zu Essen gönnen.

Alles in allem eine sehr schöne Tour, mit Gletscher, mit Klettern, mit Blockkraxelei, ein steiler Firnhang, also alles dabei, was man von einer Hochtour möchte, aber im Mass und nicht schwierig - also gut für Einsteiger und Genüssler geeignet. Top ist die Aussicht auf den Nadelgrat und Top ist auch die Hütte, da möchte ich gerne wieder mal hin!

Ich wünsche Euch allen weiterhin viele schöne Touren!
Viele Grüsse
Nick

Tourengänger: N_Altitude


Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»