Über ds wisse Stöckli zum blaue Seewli


Publiziert von Polder , 17. August 2018 um 15:13.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:15 August 2018
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2050 m
Abstieg: 1900 m

Es ist wohl eine der gewaltigeren Szenerien der Alpen, in denen man sich auf der Route über Griesseggen - Wiss Stöckli - Zinggen nach dem Seewli bewegt, recken sich doch die Wände von Ruchen bis Windgällen quasi über den Köpfen in die Höhe. Frappant auch die Gegensätze: Grünes Gras auf Griesseggen, das grosse, blaue Seeli in sanften Weiden und darüber eben die gewaltige Kalkmauer.

Zweite Zweitagestour in unserer kinderfreien Woche, diesmal in den Ürnern, auf der Suche nach Sonnenuntergängen, diesmal ohne schweres Biwakpuff. Die urige Seewlialp ist hierzu ideal postiert, und zudem lag (ganz im Gegensatz zur kontaktierten Flueseehütte) nur eine einzige Reservation vor - und das sollte auch so bleiben. Zunächst mussten wir aber durch einen schier unglaublichen Massenaufmarsch, hatten wir doch Maria Himmelfahrt nicht bedacht: Trotz Kursverstärkung bumsvoller (und mit Flüelen-Unterschächen in 50 Min. schneckenhaftester) Bus Richtung Klausen, eine Riesenschlange vor der Sittlisbahn, Bergpredigt auf Brunni. Trotzdem ging der Plan, auf die Brunnialp zu stöpplen, nicht auf; offensichtlich waren dort alle schon oben;-).
Aber danach sahen wir bis zum Seewli nur noch 5 Kletterer. Orographisch rechts des Chärschelenbachs fanden wir bald die Spur zum Durchschlupf aufs Firnband; ins Anbetracht des feuchten, abwärtsgeschichteten Geländes und der alles andere als vertrauenserweckenden Seile und Kabel empfand ich diesen als heikler als den ganzen Aufstieg aufs Wissstöckli, m.E. eher T5 als T4! Oben, auf dem grünen Rasen von Griesseggen ein kleines Paradies unter riesigen grauen Wänden - eine der eindrücklicheren Örtlichkeiten, die ich kenne! Danach etwas mühsam über Schutt in die Mulde SW unter dem Wiss Stöckli, von wo sich der Aufstieg doch einigermassen einschüchternd steil ausnimmt. Doch das Gelände ist ausserordentlich gut gestuft, gute Tritte, feste Griffe - das T5 rechtfertigt sich dennoch durch die anhaltende Steilheit und Exposition - ein wundervoller Aufstieg! Die letzten Meterchen auf den Haupt- bzw. W-Gipfel über den sehr exponierten Grat (und den ebenso exponierten Riss südlich davon) schenkten wir uns, zumal das "Mittelgipfelchen" denselben saugenden Tiefblick nach Norden bietet.
Auch der Abstieg ging infolge des freundlichen Terrains erstaunlich problemlos; so waren wir bald auf dem Zinggen bzw. dem Übergang rechts davon - auch dies ein äusserst eindrücklicher Ort; als Aufstieg wählten wir den grasigen Sporn etwas rechts des Zinggen.
Danach folgt das Wermutströpfchen der Tour, die Querung der langen Trümmerzone; sowohl graue (von der Windgällen) als auch braune (vom Schwarz Stöckli) Trümmer liegen da teilweise haushoch herum. Erlösung auf den Weiden vor dem Seewli und dann beim klaren Hellen auf der Terrasse der Alp, wo uns Toni bald auch seine obligate Riesenportion feinster Älplermagronen kochte (das Einheitsmenu dort oben;-). Abendsonne mit Blick von Rorspitzli bis Rotstock, feines Essen, ein Glas Wein und all das nach einer Prachtstour - Herz, was begehrst du mehr;-)!
Nach angenehmer Nacht im fast leeren Massenschlag hatten wir uns den Rinderstock von SE (und dann Bädele am See) vorgenommen. Vor 9 Jahren hatte ich das mal im Anschluss an den Zigerweg gemacht, aber - ganz im Gegensatz zum Zigerweg - keine Erinnerung mehr an irgendwelche Probleme. Allein, das nützte heute nichts mehr; uns erschien jedenfalls das Gelände in der steilen Schrofenzone als ungemütlich: abwärtsgeschichtet, festgebackener lehmiger Schutt, sodass wir - läppische 50 Hm unter dem Rasenplateau von Pt. 2387 - die Segel strichen. Ich strebte anschliessend noch auf der Normalroute zum Rinderstock, um mir die Badesiesta am See (ca. 15 Grad - brrrr!) zu verdienen.
Lohnend der Abstieg zu den Chilcherbergen, insbesondere, wenn man zwei Abstecherchen einbaut: Einerseits das prächtige Grasplateau der Riedersegg und andererseits das atemberaubende Podest auf dem Pfaffenturm in der bestens gepflegten Wildheuerzone. Und natürlich ist auch das offene Bähnchen immer wieder ein Erlebnis - besonders talwärts, wenn sich die Kiste bei jedem Masten noch eine Stufe weiter nach vorne lehnt! Wer weiss, wie lange es dieses Erlebnis in Anbetracht der heutigen Sicherheitsvorschriften noch geben darf.... Die Tour und die Ferien beschlossen wir in Flüelen, mit einem Bad und Znacht im/am See.
 

Tourengänger: Polder


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