Grand Muveran


Publiziert von Bergmax , 16. August 2018 um 14:24.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Unterwallis
Tour Datum:11 August 2018
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VD   CH-VS 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1250 m
Abstieg: 1250 m
Strecke:Jorasse - Plan Coupel - Plan Salentse - Cab. Rambert - Noirmalweg durch die Südwand - Grand Muveran - gleicher Weg zurück
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Pw nach Ovronnaz, kostenlose Parkplätze an der Talstation des Sessellifts nach Jorasse
Unterkunftmöglichkeiten:Cab. Rambert
Kartennummer:map.geo.admin.ch

Ein "Weg" durch die Wand...

Wahrscheinlich ist jedem, der schon einmal ins Wallis gereist ist, der markante Knick des Rhonetals bei Martigny aufgefallen. Je nachdem, wo man hin möchte, beschert er einige lästige Zusatz-Kilometer bei der Anreise. Grund genug, um mal auf der Karte nachzusehen, welche Berge denn da so sehr im Weg stehen.
Und so bin ich auf den Grand Muveran aufmerksam geworden, dem höchsten Gipfel und einzigen Dreitausender in dieser Berggruppe mit einer Schartenhöhe von über einem Kilometer. Für diesen bedeutenden Berg mit seinem originellen Normalweg - einmal quer durch die steile Südwand - lohnt sich auch eine etwas längere Anreise!

Schon während der Bergfahrt mit dem Sessellift sieht man das Gipfelziel - eine Mauer, die eigentlich überhaupt nicht einladend aussieht. Wobei sich natürlich auch eine gewisse Vorfreude auf den spannenden Gipfelanstieg einstellt.
Bei der Bergstation Jorasse (1940 m) nimmt man den markierten Bergweg in Richtung Cabane Rambert. Erst verliert man ein paar Höhenmeter, dann geht es mäßig ansteigend hinauf zu einer kettengesicherten, aber harmlosen Felsplatte. Danach wandert man wieder etwas bergab. Am Ende der flachen Wegstrecke kommt der direkte Hüttenweg von Ovronnaz über Saille hinzu. Der weitere Weg zur Cabane Rambert gliedert sich in drei kräftige Anstiege von je ca. 150 - 200 Höhenmetern und flachen Gehstecken dazwischen. Dies macht den Weg abwechslungsreich und kurzweilig. Während die erste Ebene "Plan Coupel" noch voller Bewuchs ist, findet man nur 200 Höhenmeter weiter oben auf der "Plan Salentse" fast nur noch Steine und Schnee. Dort macht der Hüttenweg einen scharfen Knick nach Osten. Auf dem Grat rechts daneben präsentiert sich eine Kolonie Steinböcke - ob die immer dort sitzen...?

Spätestens ab der Plan Salentse dominiert die Südwand vom Grand Muveran die Aussicht. Aber weder von dort noch von der Cabane Rambert (2582 m) aus kann man den Routenverlauf des Normalwegs gut nachvollziehen. Umso erfreulixcher, dass der "Weg" zuverlässig mit bunten Farbpunkten markiert ist.
Im unteren Teil des Grats oberhalb der Hütte sind die Pfadspuren kaum zu verfehlern. Zuerst flach, dann steiler wandere ich 150 Höhenmeter bergan bis zum Beginn des felsigen Teils des Aufstiegs. Am Fuß der ersten, einfachen Kletterstelle sind bereits einige Wanderstöcke deponiert - ein untrügliches Zeichen dafür, nicht allein am Berg zu sein. Das hätte mich angesichts der vielen (und flotten) Wanderer auf den Hüttenzustieg auch verwundert...
Nach ein paar Metern endet die Kraxelei vorläufig wieder und es geht nach rechts über losen Schutt aufwärts (also noch nicht nach links in die Südwand hinein). Kurz darauf stehe ich vor einer ca. 6 Meter hohen, steilen Verschneidung in einem Felsriegel. Oben befinden sich zwei Markierungspunkte. Ich klettere die Stelle an - und gebe nach zwei ... drei Zügen auf. Das kann doch nicht der vielzitierte IIer-Kamin sein...? Die Lösung ist aber schnell gefunden - der Einstieg zum Kamin befindet sich ca. 20 Meter weiter rechts (östlich). Der eigentliche Kamin ist nur ein paar Meter hoch, ansonsten klettert man über guten Fels eine geneigte Rampe hoch, die länger ist, als sie von unten aussieht, aber nur stellenweise den II. Grad erreicht.
Am Ende der Rampe stehe ich an einem auffälligen Steinmann, der den Einstieg in die Südwand-Querung markiert. Der erste Blick in die Wand hat einen gewissen Wow-Effekt -immerhin ist das Gelände rund 150 % steil! Anstatt zu zögern, gehe ich gleich los - umd es ist wirklich leichter, als es aussieht. Eine Felsnase wird nach wenigen Metern mithiilfe einer soliden Kette umklettert. Danach geht es von Rippe zu Rippe durch die ganze Wand - immer mehr oder weniger ansteigend und stellenweise mit Kletterstellen im I. Grad. An zwei ungesicherten Stellen am Anfang und in der Mitte der Querung wird es schon sehr schmal und ausgesetzt - kurzzeitig muss ich mich mit dem Gesicht zur Wand vorantasten. Vor allem im zweiten, etwas weniger steilen Wandteil muss man auf losen Schutt auchen. Schließlich zeigen die Markierungen eine Spitzkehre an und im Anschluss beginnt die schöne, treppenartig gestufte Kletterei (I+) zum Grat und zum Gipfel.
Obwohl sich einige der 4000er in den Wolken verstecken, ist die Aussicht fantastisch - besonders der Blick ins Rhonetal und zum Genfer See. Aber auch die Tiefblicke in die steilen Wände vom Grand Muveran gefallen mir.

Allzu lange bleibe ich aber nicht oben, damit die Zeit für den Rückweg zum Sessellift nicht knapp wird. Das ist eben die Strafe dafür, dass ich am Morgen erst gegen 9 Uhr 30 an der Bergstation losgegangen bin - 1/2 Stunde später als geplant - und genau diese halbe Stunde fehlt nun für eine wirklich gemütliche Pause... Tatsächlich brauche ich für den Abstieg durch die Südwand zur Hütte fast so lange wie für den Aufstieg. Dafür lässt sich den Hüttenweg dann sehr angenehm und zügig begehen. Die Sessellift-Station erreiche ich dann sogar etwas eher als unbedingt nötig...

Gehzeiten

Bergstation Jorasse - Cabane Rambert: 1 h 55 min
Cabane Rambert - Grand Muveran: 1 h 30 min
Grand Muveran - Cabane Rambert: 1 h 30 min
Cabene Rambert - Bergstation Jorasse: 1 h 25 min

Schwierigkeiten

Normalweg zum Grand Muveran durch die Südwand: T5 / II - technisch einfache Kraxelei, aber anhaltend exponiertes Gelände. Deshalb aus meiner Sicht kein "Anfänger-T5".
Bergweg Jorasse - Cab. Rambert: T2 mit kurzen Stellen T3- (v. a. im unteren Teil).

Fazit - Der Weg durch die Wand hat mindestens so viel Spaß gemacht wie erhofft. Sehr angenehm waren auch die vielen freundlichen Leute, denen ich begegnet bin!


Tourengänger: Bergmax


Galerie


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Kommentare (2)


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Bikyfi hat gesagt: Reminder
Gesendet am 17. August 2018 um 07:48
Danke für die Erinnerung an den Grand Muveran und deinen Bericht. Der GM steht schon seit einiger Zeit auf meiner Liste und ist irgendwie in Vergessenheit geraten.
Fauna hats dort ja offenbar reichlich. Danke auch für die Doku.

Vg

Bergmax hat gesagt: RE: Muveran
Gesendet am 17. August 2018 um 21:19
Ein Berg mit spannendem Aufstieg und wirklich vielen Steinböcken. Freut mich, dass Dir der Bericht gefallen hat.

Viele Grüße aus dem Schwarzwald

Max


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