Im Aroser Dolomit - vom Weissfluhjoch über Strelapass und Tritt


Publiziert von CampoTencia Pro , 13. August 2018 um 21:20. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Schanfigg
Tour Datum: 9 August 2018
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR 
Aufstieg: 310 m
Abstieg: 1650 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Ab Davos Dorf, Parsennbahn mit der Parsennbahn zum Weissfluhjoch
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Mit der RhB-Arosabahn nach Langwies GR
Kartennummer:1197 Davos, 1196 Arosa, 3309T Arosa-Davos

Nachdem wir vor einer Woche schon auf einer Wanderung vom Weissfluhjoch durch das Fondei nach Langwies viele interessante Steinformationen angetroffen haben und am letzten Sonntag auf der geführten Geologischen Wanderung der Swisstopo vom Gotschnagrat auf dem Panoramaweg zur Mittelstation der Parsennbahn eine professsionelle Einführung in Erdmantel- und ozeanische Gesteine und Alpenbildung erhalten haben, fügen wir nun eine weitere Wanderung durch diese tektonisch interessante Gegend ein.
 
Die Weissfluh zählt geologisch zu den Aroser Dolomiten. Wir starten auf dem Weissfluhjoch und gelangen an schwarzgrünem Serpentin vorbei zur 'Wasserscheidi', der Wasserscheide zwischen Prättigau und Schanfigg. An verschieden farbigen Schutthängen geht es in der Totalp südwärts. Einige Regentropfen fallen. Hält das Wetter? Nach einigen Minuten ist es vorbei mit dem Regen, aber ein kräftiger Südwind lässt uns die Kapuze über den Kopf ziehen. Uns fallen vorallem die braunen Steine mit den dunklen Einschlüssen auf: Granat-Peridotit. Und schon wandert ein weiterer Stein in den Rucksack, nicht der letzte heute! Murmeltiere pfeifen, aber wenige lassen sich sehen. Der Felsenweg zum Strelapass beginnt. In der steilen Westseite des Gross Schiahorn ist er in den Fels gehauen, an einigen Stellen sogar überdacht. Wir erreichen den Strelapass und sind erfreut, dass der staubsaugende Hüttenwart Zeit hat, Kaffee und Nussgipfel zu servieren. Etwas später verabschieden wir uns vom lustigen und kreativen Klausi.
 
Auf sanft ansteigendem Weg wandern wir weiter. Bei der Talstation der Seilbahn laufen offenbar die Arbeiten für neue Tragseile hoch zur Bergstation bei P.2441 im Haupter Tälli, oder wie StefanP meint, dass die Seilbahn zurück gebaut wird. Wie auch immer, Seilbahnen hat es eh genug, oder zu viele! Unter dem Strela geht es mutterseelenallein durch eine liebliche Landschaft zum Strelasee. Kaulquappen zappeln in Ufernähe und schönes Wollgras belebt das idyllische Bild. Später werden wir von Bikern überholt. Der Weg ist zu schmal, sodass wir zur Seite treten, was mit einem herzlichen Dankeschön abgegolten wird. Schon letzten Sonntag auf dem Panoramaweg waren wir überrascht über das rücksichtsvolle Verhalten von Bikern und Wanderern. Die Gegend im Vorder Latschüel ändert sich ständig: das Geröll ist mal hell, mal bräunlich, Wasser tritt aus den Hängen und bildet moorige, mit Steinbrech bewachsene Flächen. In der Ferne grüssen Corn da Tinizong und Piz Ela. Der unverkennbare Piz Kesch darf natürlich auch nicht fehlen.
 
In der Latschüelfurgga unter der Chüpfenflue wechseln wir von der Davoser Seite wieder auf die Aroser Seite. Vor uns die felsigen Aufbauten der Medergerflue. Immer wieder bücken wir uns, heben Steine auf, drehen und wenden sie und der eine oder andere verschwindet in der Rucksackseitentasche. Rechts vom Weg eröffnet sich ein Blick durch eine enge und sehr steile Rinne hinunter ins Chüpfer Tälli. Am Tritt wird es dann spannend. Es handelt sich hier um eine Steilstufe im Fels, die sich von der Chüpfenflue bis zur Medergerflue hinzieht und vom Tal her wie eine gewaltige Barriere erscheint. Abgesehen von ein paar schmalen, kiesigen Stellen im sehr abschüssigen Hang, wo Ausrutschen verboten ist, ist die Steilstufe mit einer Treppe und einem dicken Drahtseil entschärft. Ohne Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und genügend Konzentration geht es aber nicht. Ansonsten macht es richtig Spass und hin und wieder schalten wir eine Pause ein, um einen ehrfürchtigen Blick zurück zur Treppe und in den Abbruch zu werfen und einfach zu staunen. Auf der Nordoststeite der Wangegg gelangt man alsbald zu den Seelein im Seebljiboden und schliesslich in einem grösseren Bogen um die Wangegg herum nach Medergen, einer Walsersiedlung, die im 13. Jahrhundert von deutschsprachigen Walsern angelegt wurde. Im Bergrestaurant Alpenrose ist gut einkehren. Leider sind wir zu spät für die Huuswurst und den feinen Kartoffelsalat. Aber einen kühlen Most gönnen wir uns trotzdem.
 
Nachdem wir noch die schönen, gut erhaltenen Walserhäuser betrachtet haben, wählen wir für den Abstieg den Weg über Janetsch Boden und Bodmer Eggen. Durch Lärchen und Fichten geht es abwärts, bis wir schliesslich in den Ronggwald eintauchen. Ein schmaler, angenehm zu gehender Waldweg windet sich in einigen Kehren den Hang hinunter. Kurz bevor wir die Strasse Langwies – Litzirüti erreichen, hängt ein rot-weisses Absperrband quer, ohne dass wir vorher eine entsprechende Signalisation gesichtet hätten. Der Lärm einer Motorsäge dringt zu uns herauf. Vorsichtig um uns schauend, steigen wir weiter ab, bis wir einen Waldarbeiter erblicken. Er gibt uns Zeichen, dass wir passieren können. Über und unter querliegenden Tannenbäumen durch und über abgesägte Äste steigen wir weiter ab. Bei der unteren Sperre kommen uns zwei Biker entgegen, die sich über allfällige Schwierigkeiten erkundigen. Die zu erwartenden Hürden scheinen sie gelassen hinzunehmen. Wir selber stehen bald auf der Strasse unten und nehmen die letzten paar Hundert Meter nach Langwies unter die Füsse, bevor wir im wieder eröffneten Edelweiss ein kühles Bier im Schatten geniessen.
 
 

Tourengänger: CampoTencia, Krokus


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