Katastrophen-Tourismus? - Ofen - Laaxerstöckli usw.


Publiziert von PStraub , 6. August 2018 um 17:54.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 6 August 2018
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-GR   Segnas-Vorabgruppe 
Aufstieg: 1750 m
Abstieg: 1750 m

Am Samstag ist auf der Ostseite des Segnaspasses eine Ju-52 abgestürzt, keiner der Insassen überlebte. Da ich selber fliege, gehen mir Flugunfälle einigermassen nah.
Trotzdem hatte die heutige Routenwahl nichts mit Katastrophentourismus zu tun.

An der Talstation der Tschinglenbahn hätte ich eigentlich einen Hinweis erwartet, der Segnaspass sei gesperrt. Doch nichts dergleichen: Gemäss Maschinistin hat die Polizei ihnen mitgeteilt, die Sperre sei bereits wieder aufgehoben, die Unfallstelle müsse einfach etwas weiträumiger umgangen werden.  


Ich wollte allerdings gar nicht zum Segnas hoch, sondern stieg erst zur Martinsmadhütte auf und dann weiter Richtung Grischsattel. Dieser Weg wurde anscheinend letztes Jahr saniert, da hängen jetzt gewaltige Ketten drin. Auch (= vor allem!) an Stellen, wo ich gerne darauf verzichtet hätte.
Wer zum Ofen will, kann auf ca. 2600 m den Weg nach links verlassen und unter der dortigen Felskante durch traversieren. Ich war überrascht, da sogar Steinmänner zu finden - das wird offensichtlich doch ab und zu gemacht.

Leider war die Sicht eher mässig, von Süden drückte Nebel herein und hüllte die Gipfelregionen in Wolken.

Vom Ofen folgte ich der Krete, erst zum Grischsattel und weiter zum Laaxer Stöckli. Das ist jetzt durchgängig markiert - nachdem diese Route jahrelang nur auf der Karte vorhanden war (-> Anmerkung 1).

Als ich auf dem Laaxer Stöckli angekommen war, hatte sich der "Deckel" soweit gehoben, dass der Nebel kein Thema mehr war. Nur die Sicht war eher unterirdisch.

Der Auslöser der Tour war P. 2719, der Turm am Gratende, welcher von jemandem, der gar nie dort war, als Wegpunkt erfasst wurde (-> Anmerkung 2).

Der WSW-Grat des Laaxer Stöcklis kann durchgehend begangen werden, der Weg ist - bis auf den Endanstieg zum P. 2719 - sogar weiss-blau-weiss markiert.
Auch die Fortsetzung des Grates kann begangen werden (Stellen T4), weiter unten weicht man besser nach Norden aus und geht zurück auf die markierte Spur.

Auf dieser Spur geht man via Bündnerbergjoch, das in dieser Steinwüste vor Ort gar nicht als "Passhöhe" zu erkennen ist, zum Einstieg in die Route via Schwarzwändli. Das ist kaum ein Kilometer weit, aber ein unübersichtiches Auf und Ab, auf welchem man die Wegmarkierungen nur zu gern verliert. Und entsprechend Zeit braucht. - Erst dort, wo der Abstieg beginnt, wird es angenehmer.
Im untern Kar liegt immer noch einiges an Altschnee, wer nicht abrutschen will, kann diesen aber in Schutt und Platten umgehen.

Auch das Schwarzwändli wurde an Ketten gelegt. Hier wird der Ketten-Verächter noch weiter ins Abseits abgedrängt. Ich bin auf ca. 2130 m horizontal zum Bachlauf hinüber gequert.

In der Hütte gab es ein Getränk aus lokaler Produktion (Adler) und einen Kuchen aus noch lokalerer Produktion (Hütte) - und zum Abschied eine Alphorn-Begleitmelodie.

Anscheinend war Dimmugljufur gerade gestern in der gleichen Gegend, siehe hier.
Er meint sinngemäss das gleiche wie fast alle Besucher: Es wäre dort oben wunderschön, wenn es die Gurtner-Boys nicht gar so arg treiben würden.

Anmerkung 1: Viele Jahre waren die Routen Martinsmad - Grischsattel - Laaxer Stöckli bezw. Grischsattel - Bündnerbergjoch in den Karten eingetragen, vor Ort gab es sie jedoch nicht. Jetzt ist es genau umgekehrt: Vor Ort vorhanden, nicht aber in der Karte.

Anmerkung 2: Es ist mir schleierhaft, wie jemand - in "meiner" Region ist es Martin Job - dazu kommt, Wegpunkte in HIKR zu erfassen, ohne dort gewesen zu sein. Davon gibt es, wenn überhaupt, eh schon zu viele, da braucht es wahrlich nicht noch irgendwelche "Karteileichen".

Tourengänger: PStraub


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Kommentare (6)


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Martin Job Pro hat gesagt: :-)
Gesendet am 6. August 2018 um 22:23
:-)
Danke fürs motivieren!

Martin Job Pro hat gesagt: Crap Ner ...
Gesendet am 6. August 2018 um 22:34
... das macht schon Sinn.
Siehe Zeitreise bis 1977.
Man kann/darf hier Wegpunkte eintragen.

Martin Job Pro hat gesagt: Das war ich gar nicht ...
Gesendet am 6. August 2018 um 23:13
Lieber Peter Straub
In einem hast du recht, es macht absolut keinen Sinn, dass ich den Wegpunkt Crap Ner eingefügt habe. Es werden aber immer wieder Wegpunkte direkt administratorseitig eingefügt und die haben dann eine leere "History". Wer etwas daran ändert, steht dann halt als erster Bearbeiter drin. Wie auch immer, Erinnerung an die schändliche Tat habe ich absolut kein, leider aber auch kein Unrechtsbewusstsein.

... und der Gipfel ist doch schön und die Tour war gut ... und mit T4 komme ich sogar auch noch rauf.

PStraub hat gesagt: RE:Das war ich gar nicht ...
Gesendet am 7. August 2018 um 07:44
Lieber Martin

Du bist als Erfasser in jeder Menge neuer Wegpunkte drin, so zB. in Sitenhorn, Höch Farlen und dem gar nicht existierenden Höch Farlen Nordgipfel.
Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das vom System zufällig so eingetragen wurde, sonst würde ich an deiner Stelle bei den Admins vorstellig werden.

Die Umbenennung des P. 2719 ist - trotz "Zeitreise" - eine "Ver-schlimm-besserung".
Der Crap Ner ist, wie auf neueren Karten korrekt eingetragen, der südliche Vorgipfel des Laaxer Stöcklis. Der Crap Grisch ist weiter östlich.

Gruss Peter

jstoffel hat gesagt: Karteneinzeichnung/Gletscher
Gesendet am 7. August 2018 um 12:43
Lieber Peter
Als "Heimwehlglarner/Elmer" habe ich die Tour vor drei Wochen ebenfalls gemacht, aber mit Abstieg nach Flims-Grauberg. Ich habe mich auch gewundert, dass der blaue Weg top markiert und ausgerüstet war, in den aktuellen Karten aber nicht eingezeichnet ist. Dein Bild zeigt eindrücklich, wie stark der Gletscher zurück gegangen ist. Vor ziemlich genau 45 Jahren war ich über die Marti Route auf den Glarner Vorab gestiegen und das mit Steigeisen etc. . Heute kann der Glarner Vorab fast ohne Gletscherkontakt bestiegen werden. Eindrucksvoll und schmerzlich. Gruss

Runner hat gesagt: Ketten am Grischsattel
Gesendet am 15. September 2018 um 20:17
Ich war heute - ab Elm via Segnes und Grauberg - über den Grischsattel unterwegs. Für mich waren die Ketten samt und sonders an den richtigen Stellen angebracht, weshalb ich Deine Kritik absolut nicht nachvollziehen kann. Schaden tun die Ketten überdies auch niemandem, was also soll daran stören? Wer sie nicht braucht, der lasse es bleiben.


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