Im Lattengebirge: Dreisesselberg (1679m), Schreck (1725m), Karkopf (1735m)


Publiziert von gero Pro , 16. Mai 2009 um 11:13.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Berchtesgadener Alpen
Tour Datum:15 Mai 2009
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 9:15
Aufstieg: 1465 m
Abstieg: 1465 m
Strecke:Wanderparkplatz Hallthurm - Rotofensattel - Steinerne Agnes - Dreisesselberg - Schreck - Karkopf - Törlscharte - Winkl - Hallthurm
Kartennummer:Bayerisches Landesvermessungsamt UK L4 Berchtesgadener Alpen

Immer noch liegt viel Schnee, und so siegte die Vernunft: obwohl Watzmann + Co verführerisch nah waren, stand ein Ausflug in das eher unscheinbare, bewaldete Lattengebirge auf dem Programm. Das sind die Höhenzüge südlich von Bad Reichenhall, von dort per Seilbahn erschlossen, die auf den Predigtstuhl hinaufführt. So einfach wollte ich es mir allerdings nicht machen: ich startete von einem Wanderparkplatz ca. 1km südlich von Hallthurm, neben der vielbefahrenenen Bundesstraße B20 Richtung Bischofswiesen-Berchtesgaden gelegen.

Alle Ziele des Lattengebirges sind von Anfang an bestens beschildert; in 1,5 Std geht es hinauf zum Rotofensattel (ca. 1250m), von hier aus kann man in 30 Minuten den Bayerischen Löwen (1393m) besteigen, einen Felskopf westlich oberhalb des Sattels mit guter Aussicht. Schon schwieriger wäre das Erklimmen der beiden Rotofentürme (1369m, ein Zweier), die östlich über dem Sattel aufragen: hier hat sich wieder einmal Herman von Barth als Erstbesteiger betätigt.

Mein Weg führte mich aber direkt weiter zur Steineren Agnes: man quert den ganzen Rotofenkamm südseitig auf aussichtsreichem Steig durch teils lichten Wald und erreicht dieses geologische Unikum nach einer weiteren halben Stunde. Die Steinere Agnes ist ein Relikt des Trias, im Laufe der vergangenen 220 Mio Jahre formten Erosion und Verwitterung diesen etwa 10m hohen Felsturm mit dem kecken Kopf auf schlankem Hals, der seit Urzeiten hinüberschaut zum Treiben der Watzmannfamilie. Das nicht zu übersehende Türmchen liegt wenige Minuten oberhalb des Steiges.

Von hier führt der Pfad zusehends aufwärts in eine Mulde östlich unterhalb des Karkopfes; dort findet sich das einzige größere Schneefeld, das derzeit begangen werden muß. Es stellt aber keine Probleme dar und dürfte demnächst geschmolzen sein. Etwas oberhalb erreicht man einen weiten Sattel, von dem aus der unmittelbar östlich benachbarte Dreisesselberg (1679m) in 10 Minuten zu erreichen ist. Knapp 4 Std. hatte ich mit etlichen Fotopausen und dem kleinen Abstecher zur Steineren Agnes bis hierher gebraucht.

Auf diesem ersten Gipfel meiner Tour macht ich erst einmal ausgiebig Frühstückspause. Man hat hier eine schöne Aussicht auf den unmittelbar gegenüberliegenden Untersberg im Osten, den Hauptkamm der Berchtesgadener Berge (Göll, Steinernes Meer, Watzmann, Hochkalter) und nordöstlich schließlich den Hochstaufen.

Nach etwa 1 Std. stieg ich wieder ab zu besagtem Sattel und gegenüber auf den nächsten Kopf hinauf, den Schreck (1725m). Ich hatte die Vorstellung, über diese unscheinbare Latschenkuppe hinweg zum Predigtstuhl zu gelangen, doch brachten mich die vielen Latschendickichte in Verbindung mit der plötzlich recht tiefen, geschlossenen Schneedecke sehr schnell davon ab. Na gut, dann eben nicht - statt dessen bestieg ich den höchsten Gipfel des Lattengebirges, den Karkopf (1735m). Hier war ich erfolgreicher - obwohl dessen Westseite zwar auch noch von einer geschlossenen Schneedecke bedeckt ist, ist doch der Gipfel selbst schneefrei. Wiederum eine lange Genießer- und Aussichtspause ließ mich hier verweilen - nach Westen hin ist, anders als vom Dreisesselberg, nun auch die gesamte Reiteralpe zu sehen, ferner die Leoganger und Loferer Steinberge, der Chiemgau mit Hochgern, Hochstaufen - und und und...

Nur gut, daß ich nicht wußte, daß mit dem nun folgenden Abstieg die Anstrengungen des heutigen Tages erst beginnen sollten! Ich wollte nach Süden entlang des Törlkamms absteigen, über den ein an sich harmloser, markierter Pfad in die Törlscharte hinabführt, in der eine Bergwachthütte liegt. Es ging auch ganz gemütlich los, aber der Pfad verschwand mehr und mehr im Schnee und war bald nicht mehr zu erkennen. Was nun folgte, war wieder einmal ein sehr anstrengender Kampf gegen Latschengestrüpp - und wo dieses mal etwas lichter wurde, lagen sofort dicke, weiche Schneemassen bis zu 1,5m Mächtigkeit. Was solls, zuletzt erreichte ich natürlich die besagte Bergwachthütte in der Törlscharte (hierbei handelt es sich um einen Sattel in lieblichem Waldgelände), aber ich würde Ortsunkundigen bei den derzeitigen Verhältnissen den Abstieg über den Törlkamm nicht empfehlen. Noch zwei Wochen weitere Schneeschmelze, dann ja - aber vorher ist's ein sehr mühsames Unterfangen!

Ich stieg dann durch grünen Bergwald hinab zur idyllisch gelegenen Mitterkaseralm (1250m) und weiter den Rücken des Saurüssels hinab nach Winkl. Der "Panoramaweg Hallthurm" brachte mich zurück zum Ausgangspunkt.

Tourengänger: gero

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