Sardona, Segnas und Martinsloch, ein Konditionstest


Publiziert von Dimmugljufur Pro , 28. Juli 2018 um 12:29.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:27 Juli 2018
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-SG   Segnas-Vorabgruppe   CH-GR 
Zeitbedarf: 6:15
Aufstieg: 2300 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:20km

Der Piz Sardona wurde auf der schon mehrmals dokumentierten und im Alpinführer von Peter Straub beschriebenen Route „nordlicher Kamin“ erkraxelt. Allerdings im Schlussaufstieg etwas abgewandelt und mit der von Schloms beschriebenen Variante kombiniert, die mir dafür als Vorlage gedient hat.

Nach längerer Bergabsenz war endlich wieder einmal eine ausgedehnte Gipfeltour auf dem Programm, wobei ich mir aufgrund der fehlenden Praxis nicht sicher war, wie lange ich für die beiden Gipfel und den Durchgang durch das Martinsloch benötigen würde.

Start war kurz nach 8 Uhr an der Talstation der Niederen-Bahn in Elm. Der Weg gabelt sich schon nach wenigen 100m und während die anderen 99% der Wanderer in Richtung Tschinglenalp hochsteigen, nimmt man hier die Abzweigung nach Falzüber und Horen. Eine Sackgasse für alle Wanderweg-Wanderer, darum ist man ab hier komplett alleine.

Es existiert einen Weg, mit dem sich direkt zur Chalberweid aufsteigen liesse, den Abzweiger habe ich allerdings verpasst, darum geht’s auf 1300m etwas flach um Unter Falzüber herum und den Stelliwald hoch. Sobald man auf 1700m den Wald verlässt, hält man sich südwärts, ansonsten landet man auf einem Weg zur Alp 1662. Der Weg führt weiter hoch und schlussendlich landet man auf 1942m bei der Alp Falzüber, quert noch den Kessel und steht nun am Ende des Wanderwegs bei Horen.

Ab da ist die Geissegg, deren Rücken uns nun die nächsten 600hm begleitet sichtbar, wobei sich erstmal kein wirklicher Weg auftut und man sich einfach irgendwie den Grashang hochquälen muss. Zugegeben, das ist nicht mein Terrain. Schon lange in der Sonne, setze ich mich hier das erste Mal in die Wiese und bestaune die Sicht auf die gegenüber liegenden Glarner Alpen rund um Glärnisch, Kärpf und Tödi-Gebiet. Ein wirklich toller Anblick!

Apropos Anblick: Der Blick in Richtung Ziel Sardona ist nur leicht mühsam. Da man immer nach Osten geht und Blickt, scheint die Sonne einem so direkt ins Gesicht, dass man einen genauen Blick in die Felsen werfen kann, geschweige denn ein Foto davon machen kann. Das ist erst möglich, wenn man quasi im Schutz der Wand kurz davor steht…

Jedenfalls wird der Grashang langsam zum Grat und noch langsamer zum Schutthang, der je länger je steiler wird. Sobald sich die letzten Grasflecken verabschieden, wird das ganze Gebilde ziemlich rutschig, halt so wie man es von einem Staubigen, instabilen Granithang kennt.

Schliesslich steht man vor dem eindrücklichen Turm und der Querung in eine der Rinnen, die zum Aufstieg genutzt werden können. Da hier im Schatten der Schutt nass und darum einigermassen trittfest ist, gestaltet sich die 20m lange Traverse als unproblematisch, was man vom folgenden Geröllhang nicht grad behaupten kann. Da werden Schritte öfter zweimal gemacht und man sollte sich die Unterlage unter den Füssen gut auswählen.

In meiner Variante, bin ich ins erste Couloir eingestiegen, habe aber aufgrund eines Felsriegels, den ich weiter oben gesehen habe und für nicht überwindbar hielt, auf festem Fels noch weiter nördlich gequert, sodass ich irgendwann halbhoch die sehr breite Schuttrinne (Beschreibung schlomsch)erreicht habe. Von da an ist es deutlich einfacher, da der Weg klar ist (es gibt keinen) und der Ausstieg oben immer ersichtlich ist. Oben findet man die kümmerlichen Reste eines kleinen Firns und muss sich nur noch die restliche Schutthalde auf den Sardona hoch peitschen.

Der Weg zum Segnas ist kein Problem, dann hinunter in den grossen Kessel, wo man wieder auf den Wanderweg zum Segnaspass stösst. Das ist wieder vor allem eines: Schutt. Zwar findet man den „Weg“ anhand der Trittspuren, aber Spass macht das nicht unbedingt. Vor allem im Aufstieg stelle ich mir das extrem uncool vor. Im Kessel angelangt traf ich die Entscheidung, welche ich später mal kurzzeitig (oder mehrmals) bereut hatte: Den Gang durchs Martinsloch anstatt normal über den Pass.

Es wurde zwar beschrieben, dass der Weg durch das Loch in der Wand mehr als nur schuttig und rutschig ist, aber ich musste es ja unbedingt selber erfahren. Auf der Bündner Seite hoch, einfach nur ekelhaft, der ganze Staub, Kies, jeden Schritt zweimal zu machen. Am Ende habe ich mich sogar noch verstiegen, da ich direkt der Wand nach hochgeklettert bin. Ich kam gut 10m über dem Loch heraus und musste wieder absteigen, um dann die Leine zu erreichen, die zum Loch führt.

Ok, mal drin, durch und in den Abstieg, ebenfalls mit Ketten und Seilen gesichert, aber dann auf ein sehr steiles Schneefeld führend, das im Aufstieg sicherlich bequem begangen werden kann. Im Abstieg allerdings habe ich schon ein wenig geschwitzt, die Tritte rückwärts richtig zu erwischen und nicht mit Sack und Pack auszurutschen und in die Tiefe zu donnern. So war ich unten sogar wieder halbwegs froh, auf einen weiteren staubhang zu treffen, der mir das Hinuntergleiten (und meine Schuhe mit Steinen und Staub zu füllen) erlaubte.

Irgendeinem Steinmänchen folgend erreichte ich wieder den Wanderweg und begab mich erst einmal in den Schatten, um meine Socken zu leeren. Der weitere Abstieg über den Wanderweg zur Tschinglen Alp war unproblematisch.

Um halb 4 konnte ich meinen Durst (gut einen halben Wasser Liter habe ich auf der Schutthalte vom Martinsloch verschüttet) entlich wieder stillen und einen wohlverdienten Kuchen geniessen, bevors mit der Bahn nach Elm hinunter ging. Nettozeit in Bewegung: 6h20.

Fazit: Konditionstest bestanden, zwei weitere Gipfelziele erfüllt. Die Tour insgesamt und der Aufstieg durch die Felsen auf den Sardona sind durchaus ein lohnenswertes T5-Abenteuer. An ist eigentlich nie sehr ausgesetzt unterwegs, kommt aber gegen Ende ordentlich zum Kraxeln. Martinsloch abgehakt, wird ich nie wieder machen, und würde ich niemandem empfehlen, kommt bei mir in die Rubrik „Schutthänge des Terrors“.


Tourengänger: Dimmugljufur


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