Chli Tödi (3076 m) - das Matterhorn der Glarner Alpen


Publiziert von PStraub , 12. Juli 2018 um 16:14.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Surselva
Tour Datum:12 Juli 2018
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS-
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-GR   Tödigruppe 
Aufstieg: 1300 m
Abstieg: 1300 m

Der Chli Tödi gilt als das Matterhorn der Glarner Alpen. Von Norden hat es tatsächlich eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Original. Noch eindrücklicher sieht es von der Planurahütte aus gesehen aus, diverse Fotos hier.

Seit einer gefühlten Ewigkeit wartete ich darauf, dass jemand in HIKR einen halbwegs aktuellen Bericht über eine echte (= bis zum Gipfel) Besteigung des Chli Tödis posten würde. Doch da sich niemand dafür hergab, musste einmal mehr ich selber Remedur schaffen.
Thomas, mit dem ich an Bernina und Palü unterwegs gewesen war, empfahl mir, da selber verhindert, den Führer Meinrad T. von Mels zu kontaktieren. Er hatte Zeit, so machten wir uns heute auf den Weg.

Ich bin meist alleine unterwegs, das kenne ich. Doch mit einem Führer zu gehen, hat eine ganz eigene Qualität. Ausser ein bisschen Wandern hat man nichts zu tun, man kann alles ihm überlassen - die neue Leichtigkeit des Seins ..


Wir fuhren mit seinem Auto bis ca. 1770 m auf der Alp Russein Sura (Fahrbewilligung Fr. 7.-, Gemeinde Sumvitg). Wer das gemacht hat, vergisst es so schnell nicht wieder.
Es bringt nichts, über die Brücke zu fahren, da man den Bach weiter oben fast nicht queren kann, siehe hier.

Ab hier geht es für rund 4 km eher sanft ansteigend ins Tal (Val Gronda da Russein) hinein. Dann beginnt der Weg ernsthaft zu steigen. Auf gewissen Karten sind allerlei Wegspuren Richtung Sandpass eingezeichnet, das meiste davon ist Unfug. Immer östlich von P. 2592 aufsteigen und dann auf dem wenig markanten Gratrücken bleiben - so kommt man ohne jede Rutscherei bis zum Grat hoch, den man ungefähr bei P. 2818 erreicht. Ab etwa 2500 m finden sich plötzlich sogar Markierungen.

Wer zur Planurahütte will, würde jetzt nach links gehen, wer Tödi West oder Chli Tödi im Sinn hat, folgt der recht gut ausgeprägten Wegspur nach rechts. Am obern Ende des Schuttcouloirs nördlich von P. 2992 erreicht man ein grosszügiges Plateau. Wir stiegen bis zur nordöstlichen Ecke des Chli-Tödi-Gipfelaufbaus auf, wo wir das überflüssige Material deponierten.

Ab hier ging es wenig aufsteigend durch schuttbedeckte Bänder quer durch die Nordwand. Kurz vor dem Grat stiegen wir durch erstaunlich festen und gut gegliederten Fels so auf, dass wir den Grat vielleicht 30 m vor dem Gipfel erreichten. Die letzten Schritte geht es über einen fast flachen Grat aus schieferigen Blöcken. Wenn man sich bewusst ist, dass die jeweils oberste Platte lose ist, lässt sich das gut begehen.

Auf dem Gipfel hat es einen Steinmann, ein Gipfelbuch suchte Meinrad vergebens.

Die Aussicht ist zwar mit jener des Tödis nicht vergleichbar, aber ein Basejumper fände hier seinen Traum-Startplatz: Ein Schritt nach Süden, und du bist für einige hundert Meter im freien Fall.

Abgestiegen sind wir bis zum Plateau auf der gleichen Strecke, ab hier zeit- und kräftesparend mehr rutschend als gehend durch die endlosen Schutthalden bis auf ca. 2100 m hinunter.

Nach einem kurzen Getränk in Rabius gings via Wangs zum Baden in Unterterzen.

Die Schwierigkeitsbewertung fällt mir nicht leicht. Bis zum Materialdepot ist es kaum ein T4. Objektiv ist die Fortsetzung nur wenig schwieriger. Auch die Kletterei ist technisch einfach, etwa ein WS. Es ist einfach alles extrem rutschig und zunehmend ausgesetzt.  Ich denke, bei den optimalen Verhältnissen, die wir heute hatten, kommt ein T5 und/oder ZS- einigermassen hin.


Im Rahmen des Projektes "Text+Berg digital" wurden die einstigen Jahrbücher des SAC digitalisiert und für die wissenschaftliche Auswertung aufgearbeitet.
Ich finde es äusserst spannend, auf diese alten Dokumente zurückzugreifen. Der Zugriff für Laien erfolgt über diese SAC-Seite, man muss sich dort einloggen.
Hier eine Kostprobe, ein Text von C. Hauser über die Chli-Tödi-Erstbesteigung.


Tourengänger: PStraub


Galerie


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Kommentare (2)


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Bergamotte Pro hat gesagt: So nah...
Gesendet am 12. Juli 2018 um 18:40
... und doch so fern. Während Ihr auf der Ostseite vom Fluss entlang spaziert seid, habe ich mich wohl etwa aus dem Schlafsack gepellt (Nähe Melkstand). Vom Heimstock und auch später habe ich nach Euch Ausschau gehalten, aber ohne Erfolg. Auf jeden Fall Gratulation zum Gipfelerfolg, das ging ja offenbar recht schmerzlos.

Primi59 hat gesagt: RE:So nah...
Gesendet am 15. Juli 2018 um 18:34
Hey Peter, schön hat es für dich geklappt das Glarner Matterhorn zu besteigen :-) gratuliere dir dazu

Lg Priska


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