Versuch Marchspitze (2.609 m)


Publiziert von Manu81 , 12. Juli 2018 um 00:04.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum: 8 Juli 2018
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 9:30
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Über Reutte nach Elbigenalp. Parken auf dem großen Parkplatz der Geierwally-Freilichtbühne (3,00 EUR/Tag)

Tja. Leider blieb´s beim Versuch......... doch dazu später mehr.

Mal wieder geht es ins Lechtal. Wie immer, stellt sich spätestens nach der Durchfahrt durch Reutte eine unbändige Vorfreude ein auf das was (hoffentlich) kommt. Heute soll´s auf einen der ganz großen Gipfel der Hornbachkette gehen - und wohl auch auf einen der schönsten Berge der Allgäuer Alpen: die Marchspitze (2.609 m). Diese Schönheit gibt es jedoch nicht umsonst. Die Zustiege sind - egal auf welcher Route - sehr lang. Wenn man nicht unbedingt ein Trailrunner ist, oder ohne jegliche Pause geht, dann sollte man als "Normalgeher" mindestens 10 Stunden einplanen. Dennoch: der Weg lohnt! Schon der Aufstieg zur Herrmann-von-Barth-Hütte ist erstaunlich kurzweilig. Das Durchwandern des Wolfebnerkares, des Birgerkares sowie des Hermannskares bietet herrliche, abwechslungsreiche und sehr einsame Eindrücke. Es gibt kaum einen besseren Vorspann für ein grandioses Finale am Westgrat/Normalweg der Marchspitze. Aber eins nach dem anderen...

Bei bestem Wetter starten wir um 6:45 am Geierwally-Parkplatz in Elbigenalp (1.063 m) in Richtung Herrmann-von-Barth Hütte. Die Serpentinen des Fahrwegs Richtung Kasermandl können meist durch einen kleinen Pfad abgekürzt werden. So erreicht man zügig ebenselbiges Kasermandl (1.412 m). Danach geht es noch einige 100 Meter weiter auf der Fahrstraße,  vorbei an der Talstation der Materialseilbahn, ins vordere Balschtekar. Der Pfad wird schmaler und steiler, und leitet über wunderschöne Hänge hoch zur Scharte zwischen Balschtekar und Wolfebnerkar. Bald ist eine Anhöhe erreicht, von der erstmals die Herrmann-von-Barth-Hütte sichtbar wird. Eine großartige Szenerie tut sich auf: besonders die Westwände der Wolfebnerspitze, aber auch die glatten Plattenfluchten der Plattenspitzen sehen traumhaft aus. Nach etwa 2:15 h sind wir dann an der Herrmann-von-Barth-Hütte (2.131 m) und pausieren kurz.

Weiter geht es dann zügig in Richtung der Scharte zum Birgerkar (2.211 m). Diese Scharte nutzen wir für unsere Frühstückspause - auch weil wir von hier den ersten Blick auf die Marchspitze erhaschen können. Nach einer halben Stunde steigen wir ins Birgerkar ab. Erstmals braucht man ab und zu etwas die Hände, was die Vorfreude auf den geplanten Gipfel steigert. Einige ausgesetztere Stellen sind mit Stahlseilen gesichert, aber alles in allem harmlos. Die Durchschreitung des Birgerkares ist, wie schon erwähnt, wirklich spannend. Teils sind noch ein paar Schneefelder zu queren, welche in der "Ebene" aber überhaupt kein Problem darstellen.

Insgesamt verliert man durch die Durchschreitung der 3 Kare schätzungsweise 150 Höhenmeter. Durch das ständige Auf und Ab fällt einem das aber nicht weiter auf. Der Aufstieg zur Schafscharte (2.320 m) ist zwar einfach, aber wieder etwas steiler. Auch von hier bieten sich wieder tolle Ausblicke zum Krottenkopf, aber auch zum Jöchelspitzkamm (Rothorn, Strahlkopf, Ramstallspitze, Ochsenkopf). Von der Schafscharte wird zunächst ein etwas steilerer Schrofenhang abgestiegen, um dann relativ eben zum Ansatz eines Schottterhanges unterhalb der Spiehlerscharte zu steigen. Auf dem Weg sind ebenso wieder einige kleinere, teils auch steilere Schneefelder zu queren. Überall sind jedoch gute Trittspuren vorhanden. Im hinteren Herrmannskar erhalten wir nun Einblick in die Spiehlerscharte. Wie schon mehrfach beschrieben, ist es klug, eine der beiden Graszungen in Richtung Spiehlerscharte zum Aufstieg zu nutzen.

Doch ein erstes Problem stellt sich uns in den Weg: ein schätzungsweise 50 m langes, steiles Schneefeld am oberen Rand des Schotterhanges, direkt unterhalb der Spiehlerscharte. Wir versuchen es zunächst in einer vorhandenen Spur im Schneefeld. Diese ist aber nicht ausreichend deutlich ausgeprägt (eher eine "Abrutschspur...), und das Schneefeld ohnehin recht steil. Daher klettern wir über brüchige Steilschrofen rechts des Schneefeldes in die Spiehlerscharte (2.390 m) hoch (T4, I).

Oben in der Spiehlerscharte lesen wir nochmals diverse Tourenberichte, um auch den richtigen Aufstiegsweg zu finden. Demnach geht es zunächst in die Nordflanke, durch einen steilen Schotterhang in Richtung des Westgrates. Auch hier gibt es immer wieder steile Schneefelder, welche jedoch über ebenso steile, rutschige Schotterhänge (T4) umgangen werden können. Der Anstieg ist durchaus mühsam, da das Geröll kaum verbacken ist und man bei jedem Schritt wieder einen halben Schritt runterrutscht...

Und nun kommen wir zurück zum einleitenden Satz...

Wenn man dem Schotterhang nun steil nach oben folgt, kommt man zu einem großen Klemmblock, unter dem man "durchschlüpfen" kann. Man steht in einem kleinen Kessel (nein, nicht in dem vielzitierten Kessel mit den zwei Rinnen kurz unterhalb der finalen Gratpassage!). Aus diesem Kessel ziehen aber ebenso zwei steile Rinnen nach oben. Eine Rinne nach rechts (mit steiler Wand als linke Begrenzung), und eine Rinne nach links (mit steiler Wand als rechte Begrenzung). Wir glauben, bei der rechten Rinne handelt es sich um die aus zahlreichen Berichten bekannte Aufstiegsrinne.

Doch das war sie nicht! Man hätte bei der Steilheit und Brüchigkeit der Rinne natürlich auch schon im Aufstieg darauf kommen können. Leider stellen wir das zu spät fest. Ein Steinmann am oberen Ende der Rinne (der aber wohl den direkten Westgrat markiert) verunsichert uns noch zusätzlich. Wir klettern also die äußerst steile und extrem brüchige Rinne hoch und merken erst, als wir vor einem steilen Abbruch stehen, dass wir wohl definitiv falsch sind. Der Blick geht senkrecht die Westwand runter. Wir überlegen kurz, ob der Aufstieg direkt über den hier ansetzenden Westgrat möglich ist, verzichten aber aufgrund der atemberaubenden Ausgesetztheit dankend darauf. Also Rückzug. Der Abstieg ist jedoch alles andere als trivial. Alles bröselt. Alles rutscht. Alles bricht aus. Jeder Griff, jeder Tritt muss sorgfältigst geprüft werden. Wir nehmen uns die Zeit diesen Hang sehr bedacht abzusteigen und schaffen es dann auch zum Klemmblock runter. Ohne dass ich einen Vergleich hätte, war das für mich mindestens T5.

Doch: wo haben wir uns verstiegen? Nachdem eine 4er-Seilschaft gerade beim Abstieg ist, sehen wir, dass man deutlich vor dem Klemmblock, auf Höhe des Schneefeldes, nach links hätte queren müssen. Beim Abstieg sehen wir auch einen Steinmann, der dies ebenso nahelegt. Wer also unter einem Klemmblock durchschlüpft, der ist falsch!

Edit: zweieinhalb Monate später haben wir den richtigen Weg (auch wiederum nach längerem Suchen) dann doch noch gefunden: http://www.hikr.org/tour/post137613.html.

Wir beratschlagen was nun zu tun ist. Die Zeit ist uns durch den Versteiger ziemlich davon gelaufen. Es ist schon 3 Uhr durch, was uns schwerenherzens veranlasst, umzukehren. Schließlich stehen uns noch 3 Stunden Abstieg bevor, sowie zweieinhalb Stunden Heimfahrt ins Schwäbische. Also. Die Entscheidung steht: Abstieg. Wir sind schon ziemlich gefrustet, aber es  ist nunmal die vernünftigere Entscheidung.

Wir trotten also zurück zur Schafscharte und ins Birgerkar. Hier entscheiden wir uns für den Abstieg über das Birgertal ins Bernhardstal. An dieser Stelle sei empfohlen: Wer auch immer mit dem Gedanken spielt, über das Bernhardstal zur March aufzusteigen, dem sei in aller Deutlichkeit davon abgeraten. Nicht nur dass der Anstieg über die HvB-Hütte landschaftlich einmalig schön ist, und auch nicht wesentlich länger ist - der Anstieg über das Bernhardstal ist auch in hohem Maße nervig. Der obere Teil des Birgertales ist noch ganz hübsch. Im Mittelteil geht man dann jedoch viele hundert Höhenmeter durch enge Latschengassen, steil bergab. Diese dürften im Aufstieg und bei Sonne zu einem regelrechten Backofen werden. Im unteren Teil des Birgertales wandert man durch teils hüfthohes Gemüse, sieht kaum den Pfad und setzt jeden Schritt in der Erwartung auf einen Stein oder in ein Loch zu treten. Furchtbar... Vielleicht aber auch nur deshalb so frustrierend, weil´s mit der March nicht geklappt hat?!? Das Finale ist ebenso frustrierend: über einen Fahrweg geht es zunächst zur Gibler Alm und letztendlich runter nach Elbigenalp.

Nachdem nun ein paar Tage vergangen sind, kann ich mit etwas mehr Abstand und deutlich gesunkenem Frustpegel sagen: es war - auch ohne Gipfelerfolg - eine Traumtour welche sicherlich irgendwann wiederholt wird.



Tourengänger: Manu81


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Kommentare (2)


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Kauk0r hat gesagt: .
Gesendet am 18. Juli 2018 um 16:41
Danke für die Info, dass der Parkplatz inwzischen kostet.

Mein Tourenbericht, ich bin damals eigentlich ganz gut hingekommen. Im Herbst fand ichs im Bernhardstal gar nicht so schlimm...morgens länger Schatten und so.

Manu81 hat gesagt: RE:.
Gesendet am 20. Juli 2018 um 00:10
Danke Dir für den link zu Deinem Bericht..... Den hätten wir mal lesen sollen, dann hätten wir die Rinne auch gefunden :-(


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