Pizzo Badile Nordkante / Spigolo Nord


Publiziert von Alpin_Rise Pro , 12. September 2006 um 15:42.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Bregaglia
Tour Datum:11 September 2006
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: V (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   I 
Zeitbedarf: 1 Tage
Aufstieg: 1400 m
Abstieg: 2000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit den ÖV bis Bondo oder Promotogno Mit Privatauto bis knapp vor Laret (1300m), 10.- Franken Taxe.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dito
Unterkunftmöglichkeiten:Capanna Sasc-Furä, alternativ auch Capanna Sciora oder schöne Biwakplätze auf ca. 2400m.

Die bestechende Linie der Nordkante am Pizzo Badile ist eine der grossen Granittouren der Alpen und weitherum bekannt - kein Wunder, denn die 800 hm bester Fels bieten erstklassige Kletterei und eindrückliches Ambiente. Dabei bleiben die Schwierigkeiten immer im gemässigten Bereich; daher ist die Kante an schönen Sommertagen manchmal zu gut frequentiert.

Zügig über die berühmte Badilekante ohne Stau - ein Genuss sondergleichen!

Wir starten unsere Tour in Promotogno (Postauto von St. Moritz oder Chiavenna), gemütlicher Spaziergang über spannenden Hüttenweg zur Capanna Sasc Furä, 1900m. Die Hütte liegt in einer sehr schönen, mit Lärchen bestandenen Moorlandschaft.

Nach einem etwas mageren Thermoszmorgen Start um 4:30. Zuerst durch das Moor auf gutem Pfad bis zur Abzweigung des Viäl, dann in leichtem Linksbogen (erst etwas rechts, dann links haltend) zum Einstieg. Markiert mit unzähligen Steinmänner, über Platten und Stufen bis II.

Zum Glück sind heute nur 6 Seilschaften mit uns unterwegs, also keine Staugefahr.
Um 6:30 Einstieg zur eigentlichen Kletterei. Vorsicht: Das Plairsir Topo verleitet zu tief einzusteigen. Besser leicht bis zum ersten steileren Grataufschwung und dann nach links querend in 2 Sl (IV) auf die eigentliche Kante; einige Bohrhaken, muss das sein? Oberhalb des Aufschwunges bis zur Rischplatte mehrheitlich im 2. und 3. Grad immer auf der Kante aufwärts.  Über die Rischplatte (III-IV) bis zum ersten Aufschwung, wo nach einem Felsausbruch 1998 nach links auf die Kante ausgewichen wird, ca. V für 3 Meter, Borhaken. (Bis hierhin kann, bei entsprechender Übung, mehrheitlich am laufenden, langen Seil gegangen werden). Der nächste Aufschwung wird durch eine markante Verschneidung rechts umgangen. Es folgen einige schöne SL bis die Kante flacher wird.
Nun am besten auf dem Grat, evtl kurz links (westlich) ausweichend, zum Teil sehr ausgesetzt bis zum Vorgipfel. Dieser wird auf einem Band in der Ostwand umgangen . Nacher leicht in 15 min über den Gipfelgrat zum höchsten Punkt.

Schwierigkeit: Der grösste Teil der Kletterei ist im 2. und 3. Schwierigkeitsgrad, mehrere Stellen 4 und eine Passage 5.
Zeitbedarf: Wir brauchten für die Kante im Aufstieg ca. 4:30, ohne grosse Hetzerei. Wenn man jedoch alles von Stand zu Stand klettert oder im Stau steckenbleibt, sind die 5-8h im Plaisir durchaus realistisch.
Material: Die Kante ist mit Muniringen an den Ständen ausgerüstet. Man findet auch viel altes Hakenmaterial und einige Bohrhaken, v.a. am Anfang und an der Schlüsselstelle. Wir benötigten lediglich Zackenschlingen zum zusätzlichen absichern. Bei sicherem Steigen in diesem Gelände und wenn man auf der Route bleibt, sind keine Friends oder Keile nötig!!

Für den Abstieg wählten wir das Abseilen über die Nordkante. Dieses anspruchsvolle, lange Unternehmen fordert Konzentration und kann enorm zeitraubend sein, da die Abseilstellen zum Teil nicht optimal gelegen sind und vielfach das Seil verklemmt. Auch sind v.a. im unteren Teil immer wieder Abkletterpassagen (bis III) zu meistern - man halte sich mit Vorteil ein wenig in der Westflanke.
Dank Glück (und guter Absteilstellenwahl) verklemmt uns das Seil nie ernsthaft. Doch brauchen wir vom Gipfel zurück zum Einstieg fast so lange (4h) wie im Aufstieg.
Alternative: a) Normalabstieg (3, nicht ganz einfache Routenführung) zur Capanna Gianetti und über 2 Pässe in 5-8h zurück zur Sasc Furä (5 Stunden dürften nur Orstkundige und sehr starke Geher erreichen).
Oder b) von der Gianetti ins Val di Mello und Taxi/öffentlicher Verkehr zurück zum Ausgangspunkt. Bei letzter Variante ist aber eine zusätzliche Nacht in der Capanna Gianetti fast unumgänglich.

Gemütlicher Abstieg über Platten und Geröll zur Sasc Furä und im Nachmittagslicht ins Laret, wo uns Amerikanische Bergsteiger bis Bondo mitnehmen. Trotzdem verpassen wir das letzte Postauto um 17:30 knapp, also Autostopp. Nur scheinen die Bündner nur noch die Jagd im Sinn zu haben, im letzten Moment finden wir doch einen netten Fahrer, der uns nach Celerina auf den letzten Zug (es ging um Sekunden!) ins Unterland bringt - danke!

Insgesamt eine lange, aber sehr lohnende klassische Tour. Bei entsprechender Kondition, Witterung und Technik sehr genussvoll - aber nur solange nicht über 10, 20 oder gar noch mehr Partien unterwegs sind, wie an manchen Juli- und Augusttagen!

Tipp: Die Badilekante ist im September meist noch mit besten Verhältnissen, aber viel weniger Kletterer beglückt!

Tourengänger: Alpin_Rise

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Kommentare (8)


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Delta Pro hat gesagt: That's it!
Gesendet am 12. September 2006 um 16:08
GRATulation zur Badile-Kante!!! Mag's Dir gönnen, dass es endlich geklappt hat!
Und: super Beschreibung - in Zukunft werden wohl alle potentiellen Badile-Gänger auf den Führer verzichten und stattdessen den HIKR-Bericht ausdrucken.

Alpin_Rise Pro hat gesagt: Danke!
Gesendet am 15. September 2006 um 15:09
Über die Badilekante existieren schon unendlich viele Berichte - hier nochmals einer.
Obwohl ich aus der Literatur die Kante anders eingeschtätz hätte.

Cyrill Pro hat gesagt: Tödlich abgestürzt
Gesendet am 18. September 2006 um 21:23
Soeben gab es wieder einen Toten am Badile. Wenn ich mich nicht irre, ist das einer der Berge der am Meisten Tote in Graubünden fordert.

Hier der Bericht:

http://www.swissinfo.org/ger/suche/detail.html?siteSect=882&/ger/suche/detail/Bergsteiger_stuerzt_am_Piz_Badile_toedlich_ab.html?siteSect=881&sid=7057665&cKey=1158079875000

Alpin_Rise Pro hat gesagt: tragisch...
Gesendet am 19. September 2006 um 01:09
...aber wahr, dass am Badile nach wie vor viele Unfälle passieren. Die Gewitter sind berüchtigt und der Berg ist sehr bekannt und viel begangen ohne leichten Abstieg, verherende Kombination...
Wir sahen am Montag nur noch den Heli kreisen, gemäss meinen Informationen war der Belgier solo an der Nordkante unterwegs.

Übrigens: Es wurde auch ein mächtiges Stück Alpingeschichte am Granitriesen geschrieben (Cassin, Viktor Bramani aka Vibram, Buhl, Bonatti, Alpin_Rise;-)
Für eine hochinteressane Vertiefung empfehle ich die AS-Bergmonografie "Pizzo Badile" von Marco Volken!

lorenzo hat gesagt: walter risch und alfred zürcher
Gesendet am 29. September 2007 um 21:48
hallo rise

auch ein jahr später sind dein bericht lesens- und deine fotos noch sehenswert!

hier nur ein kleiner hinweis: die platte, um die es sich hier handelt heisst "risch-platte", weiter oben soll es auch noch eine "zürcher-platte" geben, benannt nach den beiden erstbegehern. eine "biner-platte" gibts u.a. auf der normalroute auf das zinalrothorn.

alles kloar?

und gruss lorenzo

Alpin_Rise Pro hat gesagt: RE:walter risch und alfred zürcher
Gesendet am 30. September 2007 um 14:11
Hi Lorenzo!

Danke für deinen Hinweis und die Komplimente!

Da hab ich die prominenten Platten verwechselt. Ich nehm an, dass sich bei der Stelle unten um die Risch-Platte gehandelt hat. Mit heutigen Reibungskletterschuhen spaziert man einfach drüber, ohne viel von den Schwierigkeiten zu merken.
Die Zürcher-Platte könnte eine rissdurchzogene Platte im oberen Teil sein, bin mir aber nicht sicher.
Im der Badile-Monografie von Marco Volken erfährt man viel über die Herren Risch, Zürcher, Bonatti und co. - sehr empfehlenswert!

Wünsch dir viel Spass an der Kante oder wo auch immer!

Gruss
Alpin_Rise

lorenzo hat gesagt: züri-gschnätzlets
Gesendet am 1. Oktober 2007 um 21:42
hallo rise

ja, das untere foto scheint die risch-platte mit der stufe zu zeigen, das obere ev. die zürcher-platte: im bergeller führer von 1989 (bündner alpen 4) scheint sie als "wenig geneigte, sehr glatte platte" beschrieben zu sein: "an rissen über die platte aufwärts...". in einem band mit den schönsten gratklettereien ist sie oberhalb der querung in die ne-seite eingezeichnet. im plaisir ost von 1996 handelt es sich wohl um die "obere schwierige platte" und im plaisir süd von 1998 vermutlich um jene in der vergrösserung eingezeichnete oberhalb des ausstiegs von "paradise". zürcher's beschreibung einer "110m hohen platte" scheint dagegen, wie vieles in seinem bericht(im buch von m. volken), etwas übertrieben zu sein.

wie auch immer: guten appetit bei der nächsten berner platte!

gruss lorenzo

Henrik hat gesagt: Als Blog gefunden im
Gesendet am 28. September 2016 um 09:35


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