Strahlegghorn 3461m ü.M.


Publiziert von amphibol Pro , 7. Juli 2018 um 22:19.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum: 1 Juli 2018
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2750 m
Abstieg: 2750 m
Strecke:Pfingstegg - Bäregg - Bönisegg - Rots Gufer - Schreckhornhütte - Obers Ischmeer - Gaag - Strahleggpass - Strahlegghorn - Alte Strahlegghütte - Obers Ischmeer - Schreckhornhütte
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Pfingstegg
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Pfingstegg
Unterkunftmöglichkeiten:Schreckhornhütte
Kartennummer:1229 Grindelwald / 1249 Finsteraarhorn 1:50'000

Strahlegghorn - einsahme Bergwelten


Das Strahlegghorn ist einer der unbekannteren Berge des Berner Oberlands. Schon von ihm gehört? Kein Wunder, inmitten von Schreckhorn, Lauteraarhorn, Finsterarrhorn, Agassizhorn, Ochs, Gross Fiescherhorn, Mönch und Eiger ist das Strahlegghorn fast vernachlässigbar. Der Hüttenzustieg, das Ambiente auf der Schreckhornhütte und das wohlige Gefühl, nicht mit zig anderen auf einer Tour zu sein, macht es aber zu einem sehr schönen und lohnenswerten Gipfelziel. Nicht zuletzt wird man am Nordgrat auch mit einer schönen nicht allzu schwierigen Kletterei belohnt und trifft auf dem Gipfel auf eine wunderbare Aussicht - ein Berg den man gut auch mehrmals besuchen kann.


Zustieg über den Schreckhornhütteweg T4, 4-5h

Der Hüttenzustieg zur Schreckhornhütte kann mit der Pfingsteggbahn um gut eine Stunde verkürzt werden. Bis zur Bäregg, wo sich der letzte Ort befindet, wo man sich restaurantmässig verpflegen kann, dauert es rund eine Stunde. Danach beginnt der anspruchsvollere Teil des Zustiegs via die Bänisegg und das Pièce de Réesistance namens Rots Gufer. Der Weg ist insb. im Abschnitt Rots Gufer teilweise exponiert, in dieser Jahreszeit manchmal noch etwas schlecht ausgelaufen und jedenfalls mit Vorsicht zu begehen, auch wenn viele Ketten und Eisen den Weg versichern. Nach dem steilen, am Abbruch des Gletscher vorbeigehenden, Abschnitt mit fantastischer Aussicht legte sich der Weg und wir erreichten bald mal die Schreckhornhütte SAC. Die Schreckhornhütte ist eine dieser ursprünglichen, nicht top modernen Hütten, mit alten Finken, muffigem Eingang aber ganz angenehmen und schönen Zimmern alles in Holz gekleidet. Wir genossen es bei warmen Temperaturen auf dem Vorplatz der Hütte, die ganz gut gefüllt war.


Strahlegghorn Überschreitung T4/WS+/II+, 6.5-7.5h

Am Abend zuvor fragten wir den Hüttenwart noch kurz, wo sich der Einstieg ab dem Oberen Ischmeer genau befindet (Einstieg ist in Sichtweite ab Schreckhornhütte). Er gab gerne Auskunft, so mussten wir uns keine Gedanken betreffend möglichen Zeitverlust am Morgen machen. Mit den Frühstückszeiten war er aber zuerst nur wenig flexibel: 2.00 für Schreckhorn, 4.00 Uhr für Strahlegg und 7:00 für Hüttentrekker. Wir bedingten uns aber aus, dass wir das Frühstück etwas früher nehmen durften, er stellte alles raus - kein Problem..

So waren wir um 3:30 Uhr am Frühstückstisch und genossen dieses. Um ca. 10 nach 4 verliessen wir die Hütte, es war noch ziemlich dunkel. Die ersten paar Meter stiegen wir dem Hüttenweg entlang zurück ins Tal, unterhalb der Fahne gings dann relativ schuttig eine paar zehn Meter runter, danach zogen wir gegen Südsüdost dem Oberen Ischmeer entgegen. Ohne Steigeisen und Anseilen (es hat kaum Spalten und der Gletscher ist aper) liefen wir ca. 500m auf dem in Marschrichtung linken Rand des Gletschers bis zum Einstieg. Dort besteht zur Zeit noch ein steiles Schneefeld, welches man passiert. Danach folgt Fels und Geröll bis um die Ecke des markanten Grats mit dem Punkt 2843 der vom Gaag (Kartenwegpunkt) runter kommt. Dort geht's steil hoch, hierfür zogen wir die Steigeisen an, denn der ganze Gang war mit hartem Schnee gefüllt. Oberhalb des Schnees (auf ca. 2970) wechselte der Untergrund auf grobblockigen Gneis mit Wegspuren (Abstieg des Schreckhorns und Zustieg von Lauteraarhorn und Strahlegghorn). 


Wir folgten diesen bis zum Gaag, wo der Übergang auf den Strahelggfirn (auf der Karte kein Namen dafür) beginnt. Wieder Steigeisen anziehen und nun seilten wir an. Hier bestehen ein paar Spalten. Dann waren wir bald mal auf dem Strahleggpass, der Wind zog uns entgegen und wir freuten uns auf den schönen Nordgrat. Man steigt nicht direkt auf die Gratkannte, sondern zuerst ein paar Meter unterhalb dessen ohne Höhe zu gewinnen und danach auf ein paar leichten Aufschwünge bis man danach linkshaltend auf den Grat kommt. Ein paar Abschnitte sind ziemlich ausgesetzt, allerdings kann man sich sehr gut halten und findet jeweils einen Tritt. Der Grat ist mit dem kurzen Seil (3-5m) sehr gut mit dem selbigen absicherbar, weswegen man kaum Schlingen oder sonstiger braucht. 

Leider viel zu früh erreichten wir etwa 08:30 Uhr, ca. 40 Minuten nach dem Einstieg schon den Gipfel des Strahlegghorns, der uns aber ein windstilles, sonnenverwöhntes und atemberaubendes Dasein zum Verweilen bot - es war wunderbar, ganz alleine in dieser grandiosen Bergwelt zu sein. Wir verweilten fast eine Stunde lang, es war sehr schön dort oben :-)

Der Abstieg führte uns zuerst über den WSW-Grat, bei ca. 3200m zogen wir die Steigeisen wieder an, die auch bitter nötig waren, den der Firn war relativ hart, weil noch nicht an der Sonne und bis zu 40 Grad. Hier empfehle ich, den Felsgat noch etwas weiter runter zu steigen, das steile Firnfeld kann so umgangen werden.

Nach der kurzen Konzentrationsphase ist das Gelände wieder moderat steil und wir suchten uns die Schneekorridore, damit wir weiterhin mit den Steigeisen absteigen konnten. Wir erreichten in etwa Höhenlinie 2900 und stiegen den Rest bis zur alten Strahlegghütte wieder ohne Steigeisen über Fels und Eis ab (man findet stets einen Weg). Hier sei noch vermerkt, dass unter dem Schnee oft grösser Bäche entstanden, bei deren Überquerung man jeweils vorsichtig sein sollte, eventuelle sollte man sie besser meiden.

Die Alte Strahlegghütte (vormals Strahlegghütte) wurde im Winter 1976 durch eine Lawine schwer beschädigt, sie wurde danach, nach mehreren Jahren behelfsmässig weitergeführt und um 1980 abgerissen. Heute ist nur noch das steinerne Fundament sichtbar. Die Schreckhornhütte wurde 1981 am heutigen Standort anstelle von der Strahlegghütte in Betrieb genommen. Ich verwiese auf folgende Links und füge noch einen Screenshot der Hütte in die Bilder ein. 

Links:
[/www.bernerzeitung.ch/region/oberland/lange-huettenwartaera-...]
Strahlegghütte Bild > Quelle: [/www.billerantik.de/products/Alpinismus/Strahlegg-Huette-Sch...]
Bild des Nordgrats von jfk genau in der Bildmitte: Nordgrat

Der Rückweg entspricht von der alten Strahlegghütte aus dem Zustieg zum Strahlegghorn und ist von da aus in ca. einer guten Stunde bewältigt. Der Abstieg in der sonntäglichen Nachmittagshitze war zwar zügig, aber zog sich mit den müden Beinen ziemlich hin (mit Auf- und Abstiegen unterwegs sind es mehr als 2500Hm Abstieg, den Aufstieg, ca 1100m nicht eingerechnet!). 

Fazit: 
Die Tour auf das Strahlegghorn ist jedenfalls eine Unternehmung wert. Insbesondere ist das Strahlegghorn wenig begangen und eine alpine, sehr anregende Tour in einem gewaltigen Umfeld. Dazu kommt ein sehr interessanter Hüttenzustieg. Die Tour erfordert insbesondere ausgereifte Routenfindung und ein gutes Gespür für eine angemessene Zeiteinteilung. Der Nordgrat ist allerfeinste, nicht schwierige Kletterei und das Ambiente ist grossartig. 

Zeit:
Aufstieg: 3.5-4h / Abstieg: 3-3.5h (Schrekhornhüttenweg zusätzlich ca. 4.5h)

Quellen für diese Tour:
Silbernagel, Hochtouren Topoführer Berner Alpen - 3. Auflage 2016, S. 264-266
[Strahlegghorn 3461 m – Überschreitung - Bergpunkt]



Tourengänger: amphibol, berggiis, TinTin


Galerie


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Kommentare (2)


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xaendi hat gesagt:
Gesendet am 14. August 2018 um 08:05
Kurzes Update zu den Finken auf der Schreckhornhütte: Die wurden letzte Woche ersetzt durch neue, Birkenstock-ähnliche Hausschuhe :-) Die Schreckhornhütte ist echt toll! Toll gelegen, super geführt.

amphibol Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 23. August 2018 um 22:38
:-) Danke für das Update! Der Hüttenwart hat dies erwähnt und ebenfalls eine Solarzelle und eine neue Waschmaschine...

Die Hütte gefällt mir ebenfalls sehr!


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