Hoher Brand (1764 m) - Vorgipfel auf dem Weg zum Schellschlicht


Publiziert von ju_wi , 5. Juli 2009 um 22:39.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Ammergauer Alpen
Tour Datum: 2 Mai 2009
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1050 m
Abstieg: 1050 m
Strecke:13,4 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Auto nach Griesen
Unterkunftmöglichkeiten:Lähn Haus Bleispitze
Kartennummer:f&b wk 352

Nach der schönen Schneeschuhtour zum Friederspitz am 1. Mai, wollen wir heute am Samstag des 3-tägigen Kurzurlaubes in Lähn den Schellschlicht in Angriff nehmen. Der Schellschlicht in den Ammergauern ist ein schöner Aussichtsberg, den wir - ich nehme es vorweg - aufgrund der noch erheblichen Schneemengen und Gewitterneigung an diesem Tage nicht erreichen. Wir holen eine Überschreitung des Schellschlicht aber einen Monat später am Fronleichnams-Tag nach.

Wie so oft im noch jungen diesjährigen Sommer, war auch schon das 1.Mai-Wochenende sehr gewittrig. Schon am Vortag hatte es kräftig gerappelt und die ganze Nacht über geregnet. Wie am Vortag packen wir unsere Schneeschuhe ein und fahren nach Griesen hinüber. Zunächst entlang der Neidernach gelangen wir nach 15 Minuten zum Abzweig zum Schellschlicht. Durch Gras und eine schrofige Stufe gelangen wir bald zu einer Wegverzweigung, bei der wir uns links halten Richtung Schellaine und Eiserner Steg. Mit der Eisenbrücke queren wir die beeindruckende Schlucht de Schellaine und steigen einen steilen Hang auf schmalem, schönem Pfad in vielen Serpentinen hinauf.

Im Vergleich zum Vortag, bei dem wir schon auf 1200 m durch Schnee stapften, kommen wir heute im Südhang deutlich höher schneefrei hinauf. Erst oberhalb 1400 m sind erste kleinere Schneereste vorhanden, die der Pfad aber ganz problemlos kreuzt. Nach Aufstieg durch eine steile Alm steht man bald am Schelleck an der Schell-Alpe (1479 m). Die ganze Zeit war das Wetter schon nicht so toll, aber die graue, neblige Wolkenstimmung passt in die wilde Ammergauer-Landschaft. Wir sind uns hier noch nicht ganz sicher, ob das Wetter besser oder schlechter werden wird.

Oberhalb der Schellalpe kommen wir nun immer mehr auf Schneereste und müssen auch schonmal ein Stück über eine geschlossene Schneedecke stapfen. Dennoch kommen wir auf dem hier noch recht breiten Grat weiter gut voran. So auf 1600 Hm wird das Gelände allmählich doch schwieriger. Erste schmalere Gratpassagen tauchen auf, die im Sommer problemlos zu gehen sind - nun aber etwas überwechtet daherkommen. Der Berg hüllt sich außerdem mehr und mehr in graue Wolken und ich ahne schon, dass das Wetter nicht mitspielt. Wir kommen zu einer Felsstufe mit kleiner Drahtsicherung und Eisentritten. Diese steigen wir noch hinauf und ziehen uns auf der Kappe des Hügels sogar in großflächiger Schneedecke die Schneeschuhe an, denn von hier scheint der Weiterweg nun komplett schneeig.

Aber schon nach einem kurzen Stück auf dem Plateau des Hohen Brand (1746 m), den wir inzwischen erreicht haben, stoßen wir auf eine 20 m hohe Stufe abwärts. Unterhalb scheint ein Pfad durch und die Gratfortsetzung ist zu erkennen im Grau der Gewitterwolken. Allerdings ist völlig unklar, wie man dort herabkommen soll - offenbar hätten wir irgendwo vorher schon heruntergemusst. Mit der schlechten Wetterstimmung und dem unklaren Wegverlauf beschließen wir hier den Rückzug - denn die Aussicht dort auf dem nun schmaleren, exponierten und überwechteten Grat in ein kräftiges Gewitter zu geraten lockt uns nun wirklich nicht.

Nur 5 Minuten später donnert es kräftig aus dem uns umschließenden Grau. Als wir 20 Minuten später die Schellalpe wieder erreichen, ist aber noch kein Gewitter losgeprasselt und es kommt sogar wieder etwas Sonne durch. Da der Tag noch jung ist, biegen wir mit GPS-Karte in einen kleinen Pfad ein (wohl ein Jägerpfad), der idyllisch durch den Steilhang nach W führt. Weg vom markierten Pfad in der Ursprungslandschaft Ammergau genießen wir das abenteuerliche, weglose Hangstück. Wir queren einige steinige Lainetäler und prüfen mit der GPS-Karte eine Alternativroute hinab. Hinter der sogenannten "Bösen Laine" und einem Schneerestfeld am Oberen Schellgraben wird klar, dass wir ein wegloses Stück zum nächsten Pfad am Schellkopf-Südhang vor uns haben, wo wir dann eigentlich weiter absteigen können müssten.

Durch einen sehr steilen Waldhang kraxeln wir also zu der Stelle, wo laut GPS ein Pfad sein sollte. Doch hier ist nichts. Egal, wo ein Pfad eingezeichnet ist, sollte wenigstens das Gelände eine Begehung ermöglichen - denke ich ... Aber wie das so ist: Ist im extremen Steilgelände ein Querpfad erstmal erodiert, so geht es kaum noch hierdurch. Irgendwann stecken wir in der Querung fest und halten uns nur noch mit den Händen in der Erde des Steilhangs fest - also Kehrtwende.

Mühsam zurück stoßen wir bald wieder auf den Oberen Schellgraben und queren die Böse Laine. Dahinter folgen wir dem wieder schwach sichtbaren, schönen tieferen Pfad, der uns an 2 erstaunt schauenden Waldarbeitern vorbei über die Kellerlaine und in Querung hinab auf 1100 m an den Aufstiegsweg vom Eisernen Steg zurückbringt.

Statt des Serpentinenabstiegs nehmen wir jedoch nun den breiteren Forstweg gen W, der uns zur Neidernach im Bogen hinabführt. Inzwischen hat es nach Donner und Blitz von allen möglichen Seiten nun doch auch etwas zu regnen begonnen - unser Rückzug war sicher sinnvoll... Schon abends ist klar, wir kommen wieder, denn erstens hat uns der Berg sehr gut gefallen und zweitens - welcher Bergsteiger möchte nicht einen unvollendeten Besteigungsversuch zu Ende bringen?

Tourengänger: ju_wi

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Geodaten
 633.gpx Hoher Brand - Versuch Schellschlicht

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