Matterhorn (4474m) - Nordwand via Schmid-Route (1100m, SS+, M5, WI 4+)


Publiziert von pete85 , 30. Juni 2018 um 20:25.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:26 Juni 2018
Hochtouren Schwierigkeit: SS+
Klettern Schwierigkeit: V (UIAA-Skala)
Eisklettern Schwierigkeit: WI4
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS   I 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m

Nachdem die großen Nordwände seit Ende letzten Jahres immer keine guten Verhältnisse boten und auch der April und Mai zu warm und zu gewittrig waren, konnte ich nun Ende Juni mit Marcel bei sehr guten Verhältnissen in die Matterhorn Nordwand einsteigen.
Wir stiegen durch die gängige Route der Gebrüder Franz und Toni Schmid aus dem Jahre 1931.
Das sie einer logischen Linie folgt kann man nicht sagen - denn verklettern ist das größte Risiko in dieser Wand. Sie folgt aber sicher einer der leichtesten Linien und kommt erst weit oben auf dem Zmuttgrat raus, so dass man nicht vorzeitig die Wand verlässt.
Wer die Wand nicht genau studiert hat oder kennt und wenn auch keine Spuren vorhanden sind, sollte nach dem Bergschrund nicht zu viel im Dunkeln klettern. Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit wird man zu hoch klettern. Man muss häufig nach rechts traversieren (im Grunde fast durch die gesamte Wand), wobei es gerade hoch über die nächsten Meter meist logischer erscheint. Man würde dann aber entweder in zu steiles Gelände geraten oder frühzeitig auf dem Hörnligrat herauskommen - oder beides.

Aber zur Tour:

Wir fuhren am 25.06.2018 mit der Seilbahn bis zum Schwarzsee und stiegen von dort zum Winterraum der Hörnlihütte zu. Diese war bereits voll - aber man kann sich ja dazwischen quetschen. Geschlafen wurde eh nicht. Dafür war es zu stickig, wurde zu viel geschnarcht und alle paar Minuten kamen noch Zu- oder Absteiger in den Winterraum. Aber etwas ruhen ist schonmal besser als nix.
Um 1 Uhr klingelten bei den ersten die Wecker. Wir warteten nicht bis unsere um 1:15 klingelten, wir waren ja eh wach. So stattete ich dem Klo noch einen Besuch ab.....und nach dem Frühstück gingen wir um 1:49 Uhr los Richtung Matterhorngletscher. Nach kurzer Zeit muss auf das obere Plateau des Matterhorngletschers geklettert werden (Überquerung zweier Bergschründe, danach etwa M2-3 für 15-20 Meter, bei Ausaperung unter Umständen heikel). Dann quert man weiter bis zum Bergschrund.
An diesem kamen wir nach 52 Minuten als vierte von 5 Seilschaften an, machten eine kurze Pause, zogen das restliche Material an und gingen weiter in die 50° steile Flanke.

Eine Spur war bereits vorhanden und wir hatten harten Firn. Ein schnelles Vorankommen war so gut möglich. Immer wieder musste man kurze Felsbänder (sehr wenige Meter bei den aktuellen Verhältnissen) überklettern. Ca. M2 mit geringer Eisauflage bei brüchigem Fels. Nach ein paar hundert Höhenmetern muss man (obwohl es nicht so aussieht) nach rechts queren und steigt über etwa 2-3 SL zur Rampe hoch (bis M4, ab hier waren wir die ersten bis hoch zum Gipfel). Dann folgen einige SL in der Rampe (bei uns eine lange mit Tiblocsicherung) mit Schwierigkeiten bis M5 (Kamin am Ende der Rampe). Wir hatten eine leichte Firn-/Eisauflage und somit keine großen Schwierigkeiten. Bei Ausaperung könnte der Kamin durch den Bruch sehr anspruchsvoll werden. Die Absicherung ist auch ein Thema für sich, aber dazu unten mehr.
Nach dem Kamin quert man eine SL hinüber zum Eisfall (aktuell dünne Eisauflage, aber dafür eine sehr milde WI4+ Bewertung). Das ist man von der Schweiz auch schon anders gewohnt....

Nach dem Eisfall wird wieder gequert, bevor es in der Gipfelflanke im nun wieder "nur noch" 50° steilen Gelände nach oben geht. Auf etwa 4350 m kommt man auf dem Zmuttgrat raus und hat noch ein paar Kletterstellen bis M3 vor sich.
5:58 h benötigten wir vom Bergschrund bis zum Italienergipfel. Da aber ab dem oberen Teil der Wand und erst recht ab dem Grat ein ordentlicher, kalter Wind blies, gingen wir sofort weiter und stiegen über den Hörnligrat bis zur Solvayhütte ab. Diese wurde nach etwa 1:45 h erreicht (abklettern und abseilen). Hier erfolgte eine Pause, dann erfolgten weitere 3 h Abstieg bis zur Hörnlihütte (wieder abklettern und abseilen, kaum Gehgelände). Hier eine etwas längere Pause und das einsacken der zurückgelassenen Materialien, sowie der Abstieg zur Seilbahn am Schwarzsee (13:27 h nach Start der Tour).

Was die Absicherung betrifft:
Diese ist nicht immer einfach. Häufig ist der Fels geschlossen und man findet keine Risse. Oder er ist zu brüchig. Ein paar Haken schaden nicht.
Heute waren was das klettern betrifft 5 gute Seilschaften in der Wand. Leider kann man nicht behaupten, dass alle auch wert auf das Sichern legen. Unten bezog eine Schweizer Seilschaft an 2 Rostgurken und der dazugehörigen alten Reepschnur stand. Ein Riss daneben bot sich geradezu an für einen Keil oder einen Friend. Weiter oben wurde es noch bunter. Bei einer Seilschaft die ebenso wie wir am laufenden Seil mit Tiblocsicherung kletterte, drehte der Vorsteiger eine 13er Schraube nur etwa 9 cm ein (war halt auf Fels) und hing die wichtigste Sicherung - die Tiblocsicherung! - in die Schraube. Entweder muss man hier abbinden, eine 10er Schraube nehmen oder nochmal an anderer Stelle dasselbe versuchen. Aber im Falle eines Sturzes wäre die Schraube draußen gewesen, da muss man sich nichts schönreden.
Das kann ich auch nur anderen Matterhornaspiranten empfehlen - sichert vernünftig. Die paar Minuten die ich mir bei sowas spare können mich und meinen Partner die ganze Wand hinuntersegeln lassen.  ;)

Tourengänger: pete85


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Kommentare (5)


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rascr hat gesagt:
Gesendet am 1. Juli 2018 um 08:39
wow - also deswegen das viele Training. Hätte nicht geedacht dass auf der Route so ein Verkehr ist.
Sehr beeindruckend durch Bruch, Schnee und Eis. Gratulation und danke für den Bericht. Und danke für den Sicherungs-Exkurs, klar neigt man dazu sich festzukrallen. Trotzdem überrraschend an was sich manchen Leute festmachen. Nur für die Psyche vermutlich. Freue mich immer wenn auch mal auf technische Details, Ausrüstung und darauf eingegangen wird wo und wie gesichert wurde. Danke nochmal, super Sache!

pete85 hat gesagt: RE:
Gesendet am 3. Juli 2018 um 18:08
Ja super, wenn die Beschreibung doch dem ein oder anderen weiterhilft. ;)
@rascr: Der Frühsommer und das Frühjahr waren leider von warmen Temp. oder Gewittern geplagt. Deswegen war lange keine große Wand möglich und dann wollen natürlich alle rein. Generell sind die großen Wände aber auch nur an wenigen Tagen im Jahr bei guten Verhältnissen und damit sicher und schnell machbar.

wiener30 hat gesagt:
Gesendet am 1. Juli 2018 um 16:03
Danke für deine Berichte. Herrvorragend!

simba hat gesagt:
Gesendet am 2. Juli 2018 um 08:38
Servus.
In der Tat - nochmal ein Highlight!
Herzlichen Glückwunsch :)
Beste Grüße, Si

orome hat gesagt:
Gesendet am 3. Juli 2018 um 06:23
Gratulation zur großen Wand! Da hast ja ein super Highlight für Deinen umtriebigen Früsommer ;)
Wenn ich Eisklettern könnte, dann wäre das ne Routenbeschreibung die weiterhilft ...
Grüße Manu


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