Bergseeschijen Südgrat


Publiziert von Zoraya , 24. Juni 2018 um 22:06.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:24 Juni 2018
Wandern Schwierigkeit: T4+ - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: 5a (Französische Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-UR 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 1050 m
Abstieg: 1050 m

Göscheneralp! Wie konnte ich so lange von der Göscheneralp fernbleiben? Wahrscheinlich weil ich immer auf direktem Weg nach Andermatt fahre und Göschenen, bzw. die Göscheneralp tatsächlich irgendwie ignoriert habe. Ich glaube in meiner Primarschulzeit war ich zuletzt in der Göscheneralp. Schande über mich. Dabei finde ich doch in diesem Gebiet alles, was mein Herz begehrt. Alpine Routen in einem eher abgeschiedenen Tal, umgeben von den Urner Gipfel, die ich am meisten bewundere. Nur eben mal von der anderen Seite aus. 

Die Bergseehütte war bereits anfangs der Woche voll. War ja klar. Es wird je länger je schwieriger einen Platz in einer SAC-Hütte fürs Wochenende zu buchen, wenn man nicht gerade 3 Wochen im Voraus planen will. Aber gut, was jammere ich hier, ich habe ja eigentlich genug andere Möglichkeiten. Wir übernachteten in Andermatt und nahmen halt die zusätzlichen Höhenmeter in Kauf. Um 07.00 starteten wir beim Parkplatz Hotel Dammastock. Der Aufstieg zur Bergseehütte beginnt relativ gemütlich bis man den Ort "Berg" erreicht. Berg...wie kreativ. Ab diesem Punkt wird der Aufstieg steiler. Ein sehr hübscher Weg. Die Betreiber der Bergseehütte haben sich da wirklich Mühe gegeben. Da die Hütte voll belegt war, befürchtete ich ja einen riesen Andrang auf den Bergseeschijen. Und ja, als wir die Bergseehütte erreichten, waren wir dann nicht mehr alleine unterwegs. Über Blockgelände und Trampelpfade erreicht man den Einstieg zum Südgrat, nach dem Klettersteig "Krokodil". Die meisten Seilschaften entschieden sich für den Bergseeschijen Vorbau. Jedenfalls folgte uns niemand. Beim Einstieg befanden sich dann doch ein paar Seilschaften in der Wand. Ich hätte es schlimmer erwartet. 10 Seillängen standen uns bevor. Die Kletterführer "Plaisir Ost", "Dreams of Switzerland" und "Uri exellence" sind sich über die Schwierigkeit absolut uneinig, denn jeder bewertet die einzelnen Seillängen anders. Die zwei letzten zum Beispiel werden mit 5a, 5b und 4c bewertet. 

Die ersten 4 Längen befinden sich im 4er Bereich. Eher plattige Kletterei. Ich habe die erste Länge vorgestiegen und war schon mal nicht sooo begeistert über die plattige Wand. Die Absicherung ist zu Beginn, bei den ersten 4 Längen noch halbwegs ok, ändert danach aber rapide. Die folgenden 4 Längen sind gem. Plaisir Ost alle im 3er Bereich. Haken sind zum Teil wenig bis gar keine zu finden, deshalb unbedingt ein paar Friends, Keile und Schlingen mitnehmen. Die zwei letzten und anspruchsvollsten Längen sind ebenfalls eher dürftig ausgestattet mit Haken. Es hat allerdings ein paar verklemmte Friends drin. Ich persönlich stufe diese zwei Längen als 5a ein. Besonders die letzte Seillänge benötigt relativ viel Kraft am Anfang. Vor allem für kleine Menschen wie mich :-). Alles in allem eine sehr abenteuerliche und spannende Route. Alpines Feeling vom Feinsten. Beim Ausstieg kraxelt man noch kurz über die restlichen 10 Meter des Südgrats und erreicht das Gipfelkreuz. Am Morgen wurden wir noch mit viel Sonnenschein beglückt, auf dem Gipfel mit leichtem Schneefall. Ja es hat tatsächlich ganz leicht geschneit. Da uns das Wetter nicht mehr geheuer war, verblieben wir leider nur kurz auf dem Gipfel und stiegen über den markierten Ostgrat ab zur Bergseelücke und wieder hinunter zur Göscheneralp. 

Mit Zustieg von der Göscheneralp aus, Kletterei und wieder hinunter, dauert die Tour doch relativ lange. Auch sollte die Erfahrung vorhanden sein, mit Selbstsicherungen umgehen zu können. Deshalb absolvierte ich die Tour mit meinem Kollegen, der diese Erfahrung mitbrachte. Die Spannung, der traumhafte Ausblick und das grosse Alpine Flair bleibt über die gesamte Tour bestehen. Wer Abenteuer sucht, voilà, Bergseeschijen Südgrat steht zu ihren Diensten. 


Tourengänger: Zoraya


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Kommentare (2)


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dominik hat gesagt:
Gesendet am 8. Juli 2018 um 20:39
Ciao

War gestern auch dort (SE-Pfeiler). So langsam habe ich den Verdacht, dass sich "Plaisir" eher auf den Genuss beim Klettern weniger auf jenen beim Clippen bezieht :-) Und selber legen kann man am Bergseeschijen natürlich hervorragend.

Ob die letzten beiden Längen wirklich 5a sind, darüber mag man streiten. Ich empfands als deutlich einfacher, aber ich bin auch über 1.90 gross. Kleinere Personen mögen den Einstieg der letzten SL schwerer bewerten (so in live erlebt gestern..).

LG,
Dominik

Zoraya hat gesagt: RE:
Gesendet am 8. Juli 2018 um 22:30
Ciao Dominik

Die Bewertungen am Bergseeschijen gehen ja sowieso etwas auseinander (4c bis 5b). Ich war gestern am Trotzigplangg und empfand die Kletterei als viel einfacher.

Die zwei letzten Längen am Bergseeschijen waren für mich wirklich schwierig. Wenn ich nun mit dem 4c am Trotzigplangg im Vorstieg vergleiche, war diese direkt ein Spaziergang.

Oftmals ist es ja Ansichtssache oder Tagesabhängig. Und ja, für 1.57 Meter Zwerge wie mich, sind die "guten" Griffe manchmal etwas zu weit weg. Das plattige "Zeug" liegt mir halt auch nicht so, daher wahrscheinlich die höhere Bewerung :-).

Lg Sarina


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