Stimmungsvolle Gratwanderung vom Tuxeck zum Scheffauer


Publiziert von bula_f , 12. Juni 2018 um 16:51.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Kaiser-Gebirge
Tour Datum:10 Juni 2018
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 2200 m
Abstieg: 2200 m
Strecke:20,4 Km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:In Scheffau zum Jägerwirt
Kartennummer:openstreetmap.org

Die Gipfel des westlichen Kaiser laßen sich auf wunderschönen Graten mit übersichtlichen Schwierigkeiten absolut lohnenswert erwandern. Die Überschreitung führt mich über den Südostgrat auf das Tuxeck und weiter zum nahen höchsten Punkt der Wanderung, dem Treffauer. Weglos über dessen Nordgrat runter in die Treffauer Lucke, wo sich der direkte Übergang zum Kleinkaiserl beeindruckend aufbaut, und ins obere Schneekar bevor es in der Kleinkaiserl Südwestflanke in tollem, einfachem Kraxlgelände wieder hoch geht zum Beginn des Sonneck Ostgrats. Hier erwartet mich in gespenstischer Stimmung am wolkenverhangenen Grat traumhafte, teils luftige Kraxlei. Ab dem Sonneck überschreitet man in wunderbarem Gehgelände gewürzt mit einzelnen Kraxlstellen Kopfkraxe und Hackenköpfe genußvoll bis zum letzten Gipfel des Tages, dem Scheffauer.


Los geht es beim Parkplatz am Jägerwirt in Scheffau. Ich wähle am wunderschönen Morgen den Weg über Kaisern zur Kaiserbergalp und weiter über die Riedlhütte auf allmählich steilerem Weg hoch Richtung Gruttenhütte. Noch bevor der Weg die Hütte erreicht, steige ich weglos über eine Grastrasse zwischen den Latschen hoch ins Kar unter der Ostflanke des Tuxeck und im Geröll weiter hoch zum Einstieg des Südostgrats (knapp 1,5 h vom P).

Durch eine etwas brüchige Schrofenrinne (bis 2) geht es hoch auf den breiten Rücken des Südostgrats. In der Folge wandert man landschaftlich sehr schön, stets gut markiert zu den ersten ganz leichten Kraxstellen. Der unten breite Rücken verjüngt sich zu einem Grat, auf dem man teils ausgesetzt bald zu weiteren leichten Kraxlstellen (bis max. 2) in bestem Kaiserfels gelangt. Durch eine Rinne erreicht man eine seilversicherte Verschneidung, die mit tollem Fels und gutmütigen Griffen aufwartet (3+ ohne Seil). Kurz darauf folgt eine feuchte, leicht brüchige, seichte Rinne (laut Topo 3/3+, meiner Meinung nach max. 2/2+), nach der man auf ein großes Schuttfeld direkt unter dem Gipfelaufbau des Tuxeck aussteigt. In wenigen Metern schöner Kletterei durch einen bereits leicht abgespeckten Kamin mit guten Griffen und Tritten und zum Schluss luftig aus diesem heraus (3+ ohne Krampen) geht es auf das Tuxeck (3 h vom P). Durch den Kamin wieder runter mache ich mich am Grat an den einfachen Übergang zum Treffauer. In einer Rinne darf kurz gekraxelt werden (1 - 2) bevor man schnell bereits den Gipfel erreicht (~ 20 Min. vom Tuxeck). Hier genieße ich beim Frühstück den schönen Blick nach Westen, wo sich meine weitere Wanderung gut einsehen läßt. Nach Osten sieht man wegen der aufgezogenen Wolken nur für kurze Augenblicke die Ellmauer Halt.

Nach der Pause geht es weiter auf dem bezeichneten Steig Richtung Schneekar  bis zu der Stelle, wo der Nordgrat des Treffauer zur gleichnamigen Lucke hinabzieht. Ab hier geht es weglos (Gehgelände mit Stellen 1 - 2, vor der Treffauer Lucke ausgesetzt) runter zur Treffauer Lucke. Man hält sich kurz vor der Lucke im Abstiegsinn eher links des Grats. Rechts ist der Abstieg recht ausgesetzt und schwieriger.

Nun stehe ich vor der vorab einzigen Unbekannten der Unternehmung - der direkten Ersteigung des Kleinkaiserls aus der Treffauer Lucke. Der AV-Führer spricht von Stellen 4- ("Man durchsteigt die ungangbar erscheinende Plattenwand, mit der der Kleinkaiserl zur Treffer Lücke abbricht, direkt von der Scharte aus durch Einrisse und Bänder. Oben ein schiefer Riß (IV-)"). Sollte also machbar sein, hatte ich insgeheim gehofft. Vor Ort betrachtet erkenne ich die mögliche Linie, allerdings überschreitet das gut 50 m hohe, ziemlich senkrechte, teils überhängende Wandl meine Risikobereitschaft heute.

Also geht es aus der Lucke die schneegefüllte Rinne runter ins obere Schneekar. Da der Schnee zu hart für meine leichten Trailschuhe ist, muss ich mich in der Randkluft runterarbeiten. Nach unten raus wird der Schnee weicher und ich kann komfortabel abfahren. Über ein weiteres Schneefeld quere ich zum plattigen Einstieg in die Südwestflanke des Kleinkaiserls. In tollem Fels geht es kurzweilig kraxlnd (bis 2) schnell hoch auf den Verbindungsgrat zwischen Kleinkaiserl und Sonneck und zum Ansatz des Sonneck Ostgrats. Dieser wird direkt an der Kante genommen, wo gleich ein Paar Türmchen zu übersteigen sind. In der Folge geht es anregend in sehr gutem Fels in teils gespenstischer Stimmung immer an der Kante, einige Türmchen ausgesetzt überschreitend zur Schlüsselstelle am letzten Turm vor dem Gipfel (3, Schlaghaken), der zuletzt über eine gutgriffige, ganz kurze Platte erstiegen wird. Ausgesetzt wird vom Turm abgeklettert und der Gipfelaufbau in nochmals tollem Fels erkraxlt (2,5 h vom Treffauer).

Leider ist die Sicht hier sehr eingeschränkt, so daß ich mich gleich auf den Weiterweg mache. Nach kurzer Zeit  zieht es dann erfreulicherweise wieder auf. In entspanntem Gelände geht es über Kopfkraxe,  Wiesberg und wunderschöne Wiesenflächen unterhalb Letzterem bei leichtem Tröpfeln zum Östlichen Hackenkopf. Steinmänner weisen zuverlässig den Weg immer weiter direkt am Grat mit vereinzelten, leichten Kraxlstellen zum Mittleren Hackenkopf. Nach dessen Überschreitung steigt man gut markiert in einen großen Kessel in der Südflanke runter, von wo aus in Schrofen unkompliziert in die Scharte vor dem Westlichen Hackenkopf gequert wird, der in der Folge schnell erreicht ist. Über eine kurze Kletterstelle (2) gelangt man nach wenigen Metern auf den Normalweg zum Scheffauer, der der letzte Gipfel für heute ist (knapp 2,5 h vom Sonneck).

Auf dem Normalweg geht es beschwingt bei erfrischendem Tröpfeln über die Steiner Hoch- und Niederalm, die Hinterschießlingalm und Schießling runter zum Jägerwirt, wo sich die wunderbare Runde schließt.

Aufgrund der allgemein instabilen Wetterlage mit gewittrigen Nachmittagen eignete sich diese Runde besonders, da es an vielen Stellen die Möglichkeit gibt zu verkürzen und abzusteigen. Darüber hinaus bietet die Überschreitung vom Tuxeck bis zum Scheffauer alles, was das Bergsteigerherz begehrt: wunderschönes Wandergelände, ansprechendes Kraxln in bestem Kaiserkalk, ausgesetzte Grate und einsames Gehgelände mit herrlichen Tief- und Fernblicken. Aufgrund der Länge der Tour bleibt genug Zeit, um dies alles intensiv aufsaugen und genießen zu können. Diese Runde wird mir lange in bester Erinnerung bleiben und ich kann sie nur uneingeschränkt empfehlen - natürlich nur sofern man sich der anzutreffenden Schwierigkeiten bewußt ist und diese beherrscht.

Tourengänger: bula_f


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Kommentare (6)


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Landler hat gesagt: Tolle Runde,
Gesendet am 13. Juni 2018 um 13:34
die du da gemacht hast.
Möchte ich demnächst auch machen, allerdings nur bis aufn Kleinkaiserl, dann wird's mir wahrscheinlich zu schwer.
Gruß - Robert

bula_f hat gesagt: RE:Tolle Runde,
Gesendet am 13. Juni 2018 um 15:07
Servus Robert,

danke Dir!

Die Runde kann ich Dir nur wärmstens empfehlen.

Hier noch ein paar Anmerkungen:

In der Rinne hoch zum Kleinkaiserl (Normalweg) lag durchgängig noch viel Schnee drin. Ich würde vorsichtshalber Stöcke oder einen Pickel mitnehmen.

Der Ostgrat zum Sonneck ist recht kurz und wirklich schön. Ein guter Gradmesser wäre, die seilversicherte Stelle am SO-Grat zum Tuxeck ohne das Seil zu probieren. Diese Stelle ist ein bisschen schwieriger als die schwierigsten Stellen am Sonneck Ostgrat, der allerdings teils ausgesetzt ist.

Würd mich freuen zu hören, wie es Dir gefallen hat.

Viel Spass und Gruß,

Carsten

Landler hat gesagt: RE:Tolle Runde,
Gesendet am 20. August 2018 um 12:28
Servus Carsten,

bis auf den Ostgrat zum Sonneck hab ich die einzelnen Abschnitte mittlerweile schon begangen. (Tuxeck ohne das Seil hat auch gut geklappt)
Zum Ostgrat Sonneck hätte ich noch eine Frage:
Wie problematisch ist die Routenfindung am Grat (nicht markiert), habe Bedenken, ich könnte mich versteigen. (Topo hab ich keins gefunden)

Gruß - Robert

bula_f hat gesagt: RE:Tolle Runde,
Gesendet am 20. August 2018 um 13:30
Servus Robert,

Glückwunsch zum Tuxeck SO-Grat!

Klettertechnisch wirds am Sonneck Ostgrat nicht schwieriger als die seilversicherte Verschneidung am Tuxeck - ausgesetzter allerdings schon, wodurch die subjektive Schwierigkeit evtl. steigt.

Am Ostgrat fiel mir die Orientierung recht leicht. Die Kletterstrecke ist nicht wirklich lang und recht gut einsehbar. Man hält sich immer am Grat und kann ggf. in die zwar steile, aber gutmütige Nordflanke ausweichen. Lediglich die Schlüsselstelle direkt unter dem Gipfelaufbau (mit Schlaghaken) sollte man direkt am Grat klettern, genau wie man die kleine Platte drüber auch direkt nimmt, um dann auf dem letzten Gratturm rauszukommen (ausgesetzt). Dieser ist von oben einfach abzuklettern, in der Flanke kann man hier - glaube ich - leicht in komplizierteres Gelände kommen.

Wenn man sich genug Zeit nimmt, sollte die Wegfindung meiner Meinung nach kein Problem sein. Der Grat ist wirklich schön zu klettern und es wäre schade ihn zu umgehen :-).

Viel Spaß und viele Grüße, Carsten

relaxfex hat gesagt: Sehr schön!
Gesendet am 14. Juni 2018 um 12:59
nachdem ich mir kürzlich sowohl Sonneck-Ostgrat als auch den Scheffauer Nordgrat gegangen bin (allerdings bei noch deutlich mehr Schnee), ging mir genau diese Runde als Pendant zur *Ostkaiser Überschreitung durch den Kopf. Sehr schöne Tour, Gratulation!

VG
Jürgen

bula_f hat gesagt: RE:Sehr schön!
Gesendet am 14. Juni 2018 um 13:13
Servus Jürgen,

danke und postwendend auch Dir Gratulation zur schönen Tour! Puh, die steilen Schrofen und das Gras am Treffauer Nordgrat mit Schneeauflage stelle ich mir nicht sehr angenehm vor - Respekt!

Viele Grüße,

Carsten


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