Risipass, Windenpass und Lütispitz (1986 m)


Publiziert von rkroebl Pro , 4. Juni 2018 um 20:32.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 3 Juni 2018
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-SG 
Zeitbedarf: 6:15
Aufstieg: 1340 m
Abstieg: 1340 m
Strecke:Stein SG - Risipass - Alpwirtschaft Leser - Windenpass - Lütispitz - Windenpass - Hinderwinden - Foggboden - Oberstofel - Understofel - Rotenstein - Rueboden - Stein SG (20,3 km)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW nach Stein SG (PP bei Brücke vis-à-vis Kirche) oder
ÖV cff logo Stein SG
Zufahrt zum Ankunftspunkt:PW nach Stein SG (PP bei Brücke vis-à-vis Kirche) oder
ÖV cff logo Stein SG
Kartennummer:Ausschnitt map.admin.ch / GPS Garmin etrex 30

Um diese Jahreszeit müsste da oben Blumenpracht herrschen, dachte ich mir. So war es auch. Mit dem PW nach Stein SG, vis-à-vis der Kirche parkiert und von dort hinauf zum Risipass, den ich noch von einer Schneeschuhtour auf den Stockberg in bester Erinnerung habe. Die Gegend ist auch schneelos sehenswert, die Ausblicke zurück ins Tal und hinüber zu Goggeien, dem Speer, dem Mattstogg sehenswert. Der Risipass an sich ist eine einfache Sache, einfach rauf auf dem wrw-signalisierten Bergwanderweg, bis man nicht mehr höher kann. Die Wiesen – so sie noch nicht den Mähern zum Opfer gefallen sind, denn es ist „Heuet-Saison“ – sind bunt und hoch.
 
Auf der Passhöhe dann kurze Rast mit Blick in Richtung Schwägalp, mit dem Ziel, dem Windenpass und dem Lütispitz rechts und vor und über mir. Ein Blick auf die Karte zeigte auch auf, warum am Wegweiser in Stein die Marschzeit zum Windenpass mit über 4 Stunden angegeben war. Der offizielle Wanderweg  Risipass – Windenpass macht einen monumentalen Umweg vertikal wie horizontal! Ich wollte nicht wahrhaben, dass ich – um die Passhöhe des Windenpass zu erreichen, die gut sichtbar vielleicht 1,5 km Luftlinie entfernt lag – mit einem weitläufigen Ab- und Wiederaufstieg bezahlen sollte. Allerdings sah eine weglose Querung auf der Höhenkurve schlecht machbar aus, denn der ganze Bergkamm unterhalb der Gemeinenwieshöhe bis zum Windenpass ist mit einem breiten Gürtel dichtesten Gestrüpps armiert. Da wäre kein Durchkommen. Ich ging weiter, auf dem offiziellen Weg in Richtung Windenpass, bis ich an der kleinen Alpwirtschaft Leser mit noch geschlossenem Wirtschaftsbetrieb vorbeikam. Immer suchte ich nach Indizien, die auf eine Abkürzung zum Windenpass hinweisen würden. Bei der Alp Leser fand ich sie auch – optisch und mit Bestätigung eines Fast-Einheimischen. Beim Brunnen auf dem Vorplatz geht rechts ein schmaler Trampelpfad in den Hang. Der Fast-Einheimische war nicht sicher, ob es sich um die gesuchte Abkürzung handelte – er habe aber den Wirt der Beiz in den letzten Tagen gesehen, wie der da hinauf gegangen sei, um zu arbeiten.
 
Das war genug, ich roch Lunte und ich hab’s versucht und es war wirklich die Abkürzung! Tatsächlich hat der Wirt eine Schneise durch das Dickicht geschlagen und muss diese gerade kurz vorher mit einer Motorsense von dichtem Bodenbewuchs befreit haben. Während ich den streckenweise anspruchsvollen Pfad hinter mich brachte, wurde mir klar, was da abgeht. Der Wirt will damit Kundschaft vom Windenpass „abzapfen“ und zu seiner Alpwirtschaft umleiten. Ich hätte wetten können und so war es auch: Da wo der privatwirtschaftlich erstellte Weg in den offiziellen Windenpassweg mündet, prangt eine Hinweistafel für die Alp Leser! Der Betriebswirtschaftler in mir lächelte vor sich hin. So geht das!
 
Kurz noch recht steil hinauf zur Passhöhe am Windenpass, wo gleich auch der Weg in Richtung Lütispiz abzweigt. Er ist nicht zu verfehlen. Allerhand Gegenverkehr im Aufstieg, dafür war der Gipfel bei Erreichen dann für eine halbe Stunde meiner. Ganz kurz liebäugelte ich mit einem Abstieg über die Südostflanke, die ich in umgekehrter Richtung schon mal gemacht habe, verwarf das dann aber, denn es war zu heiss, das Gras im streckenweise brutal steilen Hang schon sehr hoch und ich sehr durstig.
 
Also runter auf dem Aufstiegsweg und gleich weiter abwärts bis zur herzigen Alp Winde und ihrem noch herzigeren Selbstbedienungswohnzimmer aka "Beizli". Der Familie, die das da betreibt danke ich herzlich dafür, dass sie an durstige Wanderer denkt. Wie liebevoll da alles eingerichtet ist, mit Blumensträussen, Snacks und kühlen Getränken, einem Thermos mit Kafi (Schnapsflasche fehlt auch nicht) ist schlicht herzerwärmend!  Die Stube mit Holzherd und Schlafgelegenheit auf der Empore sieht genau so aus, wie das, was man sich wünscht, um mal einen ganzen Sommer am Berg zu verbringen. Das war eine nachhaltig schöne Rast, der Durst gelöscht!
 
Der weitere Abstieg, vorbei am Gräppelensee, mit dem Gegenanstieg zum Rotenstein und dem langen Marsch hinunter nach Stein war nichts als eine vergnügliche Blumenorgie! Ich habe die Distanz etwas verlängert und bin im Schlussteil streckenweise auf der Strasse geblieben, da einerseits mein Knie etwas zwickte und es gerne flacher hatte. Anderseits waren etliche Bauern am Mähen und Heuen – da der Wanderweg durch deren Wiesen führte, wollte ich da nicht mit Durchmarsch stören, die Arbeit an den steilen Hängen ist so schon happig genug für sie.
 
Alpstein und Toggi. Eins der schönsten Wandergebiete der Schweiz – darin fand ich mich heute wieder einmal bestätigt!
 

Tourengänger: rkroebl


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Geodaten
 40364.gpx Risipass-Lütispitz

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