Walop-Runde


Publiziert von Stijn , 5. Juni 2018 um 21:25.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Simmental
Tour Datum: 2 Juni 2018
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-FR   CH-BE 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2800 m
Abstieg: 2800 m

Die Runde um die Walop-Alp, von Widdergalm über Stierengrat, Kaiseregg und Schafberg bis zum Rotenchaste, ist eine grossartige Überschreitung für gute Alpinwanderer. Die T6-Schüssstellen (der Felsgrat von Stierengrat zu Hasensrpungspitzen und die Annäherung vom Rotenchaste) sind kurz aber dürfen nicht unterschätzt werden. Wir reisen zu viert an, planen aber nur zu zweit die ganze Überschreitung zu machen, während die andere zwei einfachere Wege folgen. Am Schluss werde nur ich die ganze Runde schaffen.

Wir haben die Tour in zwei Tage aufgeteilt, mit Übernachtung auf der Ritzli-Alp. Die telefonische Reservation verläuft etwas komisch, es wird offenbar fälschlich behauptet dass das Massenlager schon ausgebucht ist, damit wir ein teureres Privatzimmer nehmen. Sonst gibt es aber nichts negatives zu melden: die Bedienung ist sehr nett, die Preise sind fair und die Aussicht auf die Gastlosenkette im Abendlicht ist wunderbar.

Wenn man die ganze Runde als Tagestour ab Chlus machen möchte, dann ist meiner Meinung nach eine Gesamtzeit von ca. 10 Stunden realistisch. Eine Zeit von 9 Stunden ab Boltigen, wie angegeben im SAC-Führer Alpinwandern/Gipfelziele Freiburg, ist nur für übertrainierte Maschinen machbar.

Die Walop-Runde wird fast immer entgegen dem Uhrzeigersinn beschrieben (also wie auch hier, von Widdergalm bis Rotenchaste). Auch im Uhrzeigersinn ist die Tour aber perfekt machbar, einige Stellen sind dann vielleicht sogar etwas angenehmer.

Tag 1
Chlus - Widdergalm - Stierengrat - Kaiseregg - Golmly - Ritzli-Alp
8h15, 1900 Hm Aufstieg, 1500 Hm Abstieg, T6 und II
(* ohne extra Runde am Stierengrat 1h30 und 300 Hm weniger) 

Wir parkieren das Auto bei der Verzweigung Chlus P. 1113. Weiter ist die Strasse unbefestigt und auch von einem Zaun gesperrt. Offenbar dürfte man aber trotzdem weiterfahren und auf einem Platz auf ca. 1170m parken.

Schnell gewinnen wir Höhe in Richtung Walopsee. Trotz sonnige Wettervorhersage gibt es jetzt schon Wolken, die hier aber dankbar für Schatten sorgen. Über den Wanderweg geht es weiter bis Vortel und dann ohne Markierungen zum Widdergalm Südgrat. Direkt auf dem Grat gibt es einige Kraxelstellen, man verpasst aber nicht viel wenn man auf dem guten Pfad in der Westflanke bleibt.

Der Widdergalm Nordwestgrat ist zuerst einfach. Bei P. 2096 (das "Gemschgrätli") soll aber die erste Schlüsselstelle kommen. Dieser entpuppt sich als weniger wild als erwartet. Zwar ist der Abstieg an einer Stelle recht steil und ausgesetzt (T5-), es gibt aber fast durchgehend einen Pfad, wirklich klettern muss man nicht.

Über einfache Graskämme geht es weiter zum Stierengrat. Im oberen Teil (bei P. 2159) gibt es einige schöne optionale Kraxelstellen am Grat. Alternativ traversiert ein einfacher Pfad südlich an diesen Stellen vorbei.

Nach einen kurzen Abstieg kommt die Schlüsselstelle und das Highlight von der Tour: der eindrückliche Felsgrat östlich von P. 2084. Für meinen Begleiter ist die Ausgesetztheit leider etwas zu krass. Wir brechen ab und versuchen zuerst mal die Schlüsselstelle zu umgehen. Dies ist möglich wenn man zurück traversiert zur blauen Baracke (ca. 2000m, eingezeichnet auf der Karte) und ab hier gute Wegspuren nach Westen folgt, zuerst absteigend und dann wieder aufsteigend zum Metzgertrittenpass. Jetzt wo wir zusammen zurück am Grat sind, ist bei mir die Neugier doch zu gross: ich möchte mir noch mal die T6-Schlüsselpassage genauer anschauen. Wir erreichen den Felsgrat jetzt aus dem Westen, über die Hasensprungspitzen. Mein Begleiter bleibt zurück bei P. 2084 während ich doch noch über den Grat klettern darf, jetzt sogar gleich zwei mal, einmal hin und einmal zurück. Die Piaz-Technik-Platte ist das absolute Highlight: nur sehr selten ist eine solche einzigartige Kletterpassage auf einer Alpinwanderung zu finden. (Tipp: den Schuhen nicht zu tief in den kleinen Felsrissen versenken, sondern die Beine müssen beweglich bleiben, dann geht es super.) Auch sonst gibt es mehrere schöne, ausgesetzte Kletterstellen in gutem Fels. Der Grat ist wirklich empfehlenswert für alle Alpinwanderer die die Schwierigkeit von T6 und II gewachsen sind.

Wieder zusammen mit meinem Begleiter geht es zurück zum Metzgertrittenpass und dann problemlos über den Nordostgrat (T4, einige verblassene rote Markierungen) auf dem Kaiseregg. Es ist eher neblig und recht ruhig auf dem Gipfel, ausser uns sind nur zwei junge Mädels da.

Jetzt geht es weiter auf markierte Wanderwege: zuerst weiss-rot-weiss zum Kaisereggpass, dann weiss-blau-weiss (abwechslungsreich, einige Stellen T4) in Richtung Golmly und Euschelspass. Nur an zwei Stellen ist der Weg noch schneebedeckt: eine kurze Stelle kurz nach dem Kaisereggpass (relativ harmlos dank guter Spur) und einen Lawinenkegel auf ca. 1670m im Abstieg zum Euschelspass (kann einfach umgangen werden, bei Schneeschmelze am Euschelsflue ist hier auch Steinschlaggefahr zu betrachten). Vom Euschelspass ist die Ritzli-Alp in nur wenigen Minuten erreicht.

Tag 2
Ritzli-Alp - Golmly - Schafberg - Rotencahste - Chlus
5h30, 900 Hm Aufstieg, 1300m Abstieg, T6 und II

Nach dem Frühstück steigen wir zu viert wieder hoch via Golmly in Richtung Schafberg. Heute ist die Sichtbarkeit wesentlich besser als gestern. Mont Blanc, Matterhorn/Dent Blanche und Weisshorn zeigen sich sehr schön, während das Berner Oberland schon mit dunklere Wolken überzogen ist. Über einen meist einfachen Grasgrat (einzelne Stellen T4) erreichten wir zuerst das Gipfelkreuz am Schafberg "Westgifpel" (P. 2212) und wenig später das zweite Gipfelkreuz am Schafberg "Mittelgipfel" (auf der Karte eingezeichnet, aber nicht quotiert).

Am Schafberg Mittelgipfel verteilen wir uns: die anderen gehen zurück und werden via Kaisereggalp den Walopsee erreichen. Ich gehe weiter über den Schafberg Hauptgipfel (P. 2238, auch hier gibt es ein Gifpelkreuz, aber nur ein ganz kleines) in Richtung Rotenchaste. Bis P. 2211 gibt es kaum Schwierigkeiten, dann wird es aber rasch anspruchsvoller. Eine erste heikle Abkletterstelle umgehe ich auf der Südseite über ein bequemes Grasband. Ein Paar weitere Kletterstellen meistere ich ohne zögern, aber der letzte Abstieg bevor die Gipfelfelsen vom Rotenchaste erreicht werden, sieht besonders heikel aus. Zuerst versuche ich die Stelle südlich in sehr steiles Gras zu umgehen; es gibt einzelne Wegspuren die aber nirgendwo hinführen. Eine Umgehung scheint nur sinnvoll möglich zu sein indem man schon ab P. 2211 gut 200m absteigt in Richtung Obere Müncheberg. Dann versuche ich doch lieber noch mal die heikle Stelle, die (nordseitig) sehr exponiert ist und nur eher unsichere Tritte zur Verfügung hat. Mit viel Vorsicht schaffe ich die Stelle, die klar im T6-Bereich ist, und zwar viel kürzer ist als der Schlüsselabschnitt am Stierengrat, aber auch deutlich weniger angenehm.

Die Querung unter den Gipfelfelsen vom Rotenchaste und der Aufstieg zum Gipfel selber sind vergleichsweise "einfach". Der Gipfel (mit grossen Steinmann) wird in direkter Linie aus Osten erreich, zuerst kurz über einige Felsen, dann durch sehr steiles aber meist gut gestuftes Gras. Das ergibt immerhin noch einen guten T5, vor allem da der Abstieg vom Gipfel noch mal sehr gute Konzentration braucht (Pickel eventuell nützlich für das Selbstvertrauen). Etwas unterhalb von den Gipfelfelsen quere ich in Richtung Osten eine Rinne und erreiche so einen einfachen Grasabstieg zum Wanderweg bei Oberi Luchere / Gaasche. Der Wanderweg ist noch an vielen Stellen schneebedeckt. Meist macht dies der Abstieg nur angenehmer, aber an einer Stelle auf ca. 1850m ist der Schnee doch recht steil und etwas heikel.

Der Walopsee ist herrlich erfrischend. Hier warten auch schon meinen Kollegen. Zusammen wandern wir wieder über den heissen Wanderweg runter bis Chlus.

Tourengänger: Stijn


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