Vârful Viştea Mare 2527m und Vârful Moldoveanu 2543,5m


Publiziert von Sputnik Pro , 6. Mai 2009 um 10:38.

Region: Welt » Romania
Tour Datum:29 April 2009
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: RO 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m
Strecke:zirka 30 km (total)
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Sibiu oder Bucureşti über Braşov und Făgăraş (direkt oder Umsteigen) mit der Bahn nach Ucea de Jos. Von Ucea de Jos mit einem Kleinbus nach Victoria.
Zufahrt zum Ankunftspunkt:analog Zufahrt zum Ausgangspunkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Biwakhütte Refugiul Portiţa Viştei.
Kartennummer:Hartă turistică: Munţii Făgăraşului 1:60000

HÖCHSTER BERG RUMÄNIENS: VÂRFUL MOLDOVEANU.

Der Vârful Moldoveanu (2543,5m) liegt ziemlich Genau im Zentrum von Rumänien in den Carpaţii Meridionali (Südkarpaten) die auch Alpii Transilvaniei (Transsilvanische Alpen) genannt werden. Er liegt im östlicheren Teil dieses Gebirgszuges im etwa 70km mal 40km grossen Teilgebirge Munţii Făgăraşului und ist der höchste Berg von Rumänien. Die Munţii Făgăraşului sind relativ unerschlossen, dennoch gibt es einige Hütten und Bergwege die sich für mehrtägige Bergwanderungen anbieten. Die Region ist noch sehr ursprünglich geblieben mit tiefen Wälder und Täler sowie einigen Seen, auch gibt es in den Munţii Făgăraşului noch relativ viele Bären und Wölfe. Für eine Besteigung des Vârful Moldoveanu sollte man zwei Tage einplanen, als Ausgangsort eignet sich die Kleinstadt Victoria am Nordfuss der Munţii Făgăraşului. Der eigentliche Aufstieg beginnt bei Viştişoara 4km südlich von Victoria und führt auf einem mit roten Dreiecken markierten Bergweg durch das wilde und enge Tal entlang des Baches Viştea Mare hinauf in den Talkessel Hârtopul Urşilor oberhalb der Waldgrenze. Von dort geht es steil hinauf in die Lücke Portiţa Viştei (2310m) wo sich in der Nähe auch die Biwakhütte Refugiul Portiţa Viştei befindet. Von der Lücke gelangt man über einen Grat mit wenigen einfachen Kletterstellen (I) auf den Vorgipfel Vârful Viştea Mare (2527m) und weiter über einen einfachen Verbindungsgrat zum Vârful Moldoveanu.

Die Tour im Detail:

25.4.-27.4.2009 - TAGE 1-3: Moldawien mit Dealul Bălăneşti (429,5m).

Siehe Bericht  "Dealul Bălăneşti (429,5m)": http://www.hikr.org/tour/post13175.html

28.4.2009 - TAG 4: Bucureşti - Victoria.

Nach erfolgter Grenzkontrolle in Leuşeni (Moldawien) bei der alle Pässe der Passagiere kontrolliert wurde, fuhr unser Bus weiter zur rumänischen Grenzstation. Zuerst wurden alle Pässe eingesammelt und wir mussten mit unserem Gepäck in eine grosse Wartehalle. Während 20 Minuten kontrollierte dann ein Schäferhund alle Gepäckstücke auf Drogen. Er fand aber nichts Verbotenes und so konnten wir das Gepäck wieder auf den Bus verladen. Anschliessend verteilte der Busfahrer wieder die Passagiere und Fahrt in die rumänische Hauptstadt ging weiter. Gegen halb sieben morgens erreichten wir dann Bucureşti am Piaţa Universitaţii von wo aus ich auch gleich ich die U-Bahn zum Gara de Nord nahm. Das Ticket war schnell gekauft und so hatte ich Zeit gemütlich Kaffee zu trinken.
Kurz vor zehn rollte der Zug dann endlich ab in Richtung Timişoara, allerdings musste ich nicht ganz so weit fuhr, sondern "nur" 256km weit bis zur Bahnstation Ucea de Jos auf halbem Wege nach Timişoara. Nach Ploieşti beginnt der Aufstieg entlang des Flusses Prahova zum Pass Predeal (1093m), das gleichnamige Dorf ist das höchstgelegene in Rumänien. Die Bahntrecke ist eine der schönsten Rumäniens und man bekommt einen Eindruck der Carpaţii. Allerdings verläuft die Strecke meist einspurig und der Zug muss an Bahnhöfen öfters Gegenverkehr abwarten. In Zukunft sollte es besser werden, denn mit EU-Gelder wird zur Zeit eine zweite Spur gebaut und die Bahnhöfe werden erneuert. Auf der anderen Seite des Passes verläuft die Strecke hinab nach Braşov weniger spektakulär. Von Braşov nach Ucea de Jos verläuft die Strecke dann durch die fruchtbaren Ebenen in einigem Abstand parallel zu den Munţii Făgăraşului.
Mit einer Stunde Verspätung kam ich in Ucea de Jos an. Glückerweise wartete dort schon der Kleinbus ins 7km entfernte Victoria. Die hübsche Kleinstadt ist allerdings kaum auf Touristen eingerichtet, so quartierte ich mich im einzigen Hotel ein und kaufte, da es ebenfalls kein Restaurant gab, in einem "Tante-Emma-Laden" Lebensmittel für drei Tage ein.

29.4.2009 - TAG 5: Victoria - Vârful Moldoveanu (2343,5m) - Refugiul Portiţa Viştei.

Kurz vor 6 Uhr verliess ich das Hotel für den grossen Tag: Die Besteigung des höchsten Gipfels Rumäniens. Beim Krankenhaus von Victoria entdeckte ich den ersten Wegweiser mit dem roten Dreieck. Das Dreieck markiert die Route zur Portiţa Viştei - doch schon bald stand ich beim Industriebahnhof und erkannte keine Markierung mehr. Ich kletterte dort über den abgestellten Tankwagenzug da es mir als die einzige logische Route in Richtung Berge erschien. Dahinter überquerte ich einen Acker wo Müll herumlag und erreichte wieder einen Weg an dem mich bellende Hunde hinter einem Zaun empfingen. Aber die Richtung stimmte und ich erkannte wieder ein rotes Dreieck. Der Weg führte auf eine Betonstasse der ich in Richtung Viştişoara folgte. Dabei erlebte ich einen prächtigen Sonnenaufgang und erreichte nach einer Stunde Marsch vom Hotel die Abzweigung mit neuen Wegweiser und der Aufschrift "Vf. Moldoveanu 7h". Zuerst ist das Natursträsschen noch eben und nach den letzten Häusern taucht man in den Mischlaubwald ein. Hier ist der Beginn des langen Tales entlang des Baches Viştea Mare. Das Strässchen wird nun zusehends schlechter und tiefe erdige Rinnen von Traktoren zerfurchen den Weg dass kein normales Auto durchkäme. Nach etwa 1,5km überquert man den Bach und kommt nach einem weiteren Kilometer zum Ende des Strässchens. Ich machte eine erste längere Rast bevor ich auf dem nun deutlich steileren Wanderweg weiter talaufwärts dem Bach folgte. Im Gegensatz zur Karte überquert der Wanderweg im Wald viermal den Bach, wobei zweimal eine Brücke fehlte. Bei dem vielen Schmelzwasser war die Bachquerung gar nicht so einfach um trockene Füsse zu behalten und mit dem Gedanken des noch bevorstehenden stundenlangen Aufstieges passte ich besonders gut auf. Der Wald im tief eingeschnittenen Tal war sehr dicht und moosüberwachsenes Fallholz lag herum. Auf etwa 1200m wurde der Laubmischwald durch dichten Nadelwald abgelöst während der Bach immer noch genau so spektakulär zu Tale floss wie schon weiter unten. Auf 1400m erreicht man dann plötzlich den Waldrand und steht vor dem mächtigen Talkessel Hârtopul Urşilor. So wanderte ich durch die Schwemmebene über Lawinenreste und Krokuswiesen bis das Gelände wieder steiler wurde. Hier erkannte ich etwa 100m weiter oben in Richtung Portiţa Viştei eine schöne Kanzel die sich schön als Rastplatz anbot. Über einen mässig steilen Grashang erreichte ich die Kanzel auf etwa 1900m Höhe - sogar eine kleine, kniehohe Rundmauer fand sich dort. Die zweite grössere Pause war jetzt fällig, bevor das Gelände richtig steil wird. Da ganze Hang hinauf zur Portiţa Viştei war noch schneebedeckt war, zog ich die Steigeisen an. Einige Spuren waren schon vorhanden denen ich folgte. Das Gelände wurde immer steiler und wäre ohne Steigeisen nicht begehbar gewesen. Besonders im breiten Couloir in der Hangmitte war die Geländeneigung während 150-200 Höhenmeter durchwegs 40° und der Schnee bretterhart, ohne meinen gewohnten Pickel nur mit Wanderstöcken ein seltsames Gefühl. Der Himmel zog ebenfalls langsam zu und so war ich froh als ich oberhalb der Steilstufe zur Portiţa Viştei hinüberqueren konnte. Dort entschied ich mich nach einer kurzen Pause noch direkt bis auf den Gipfel weiter zu gehen da es ja nur noch etwas mehr 200 Höhenmeter sind und immer mehr Wolken aufzogen. Ich war mir nicht sicher ob ein Wetterumsturz folgen würde und ich so am nächsten Tag bei Sturm und Schneefall aufsteigen müsste. Der Bergweg über den Grat zum Vorgipfel Vârful Viştea Mare war meist schneefrei und markiert. Der Gipfelwegweiser auf dem Vârful Viştea Mare zeigte noch eine Marschzeit vom 15 Minuten hinüber zum Vârful Moldoveanu an. Auf dem Verbindungsgrat lag meist noch Schnee, aber der Übergang war dennoch einfach. Schon bald stand ich auf dem höchsten Gipfel Rumäniens mit einer fantastischen Rundumsicht. Am Gipfelkreuz hatte es sogar eine Rumänienfahne die sich bestens für ein gelungenes Gipfelfoto eignet. Nach der Gipfelfreude stieg ich wieder in die Portiţa Viştei ab und querte hinüber zur Biwakhütte Refugiul Portiţa Viştei. Für die Hütte sollte unbedingt ein Schlafsack mitgenommen werden, da sie nur Holzbretter als Liegegelegenheit hat. Nach dem Nachtessen kippte das Wetter richtig um, Nebel zog auf und es begann an zu schneien. Das war mir aber egal, ich war auf dem Gipfel und hatte einen warmen Schlafsack für die Nacht...

30.4.2009 - TAG 6: Refugiul Portiţa Viştei - Victoria.

Als es draussen langsam hell wurde, war mein Rucksack gepackt und ich draussen war es immer noch stark bewölkt. Zudem lag 10cm Neuschnee und tauchte die Berglandschaft in ein blaues Licht. So machte ich mich gleich auf den Abstieg. Im Steilhang unterhalb der Portiţa Vişte wählte ich das etwas weniger steile linke (von unten gesehen) Couloir. Als ich wieder zum Rastplatz auf der Kanzel gelangte, klarte überraschenderweise der Himmel vollends auf. Der weitere Abstieg nach Viştişoara verlief mühelos, nur zum Schluss schmerzen dann doch etwas die Füsse auf der ewig langen Betonpiste nach Victoria. Den Rest des Tages verbrachte ich dann gemütlich im Hotelzimmer wo ich sogar deutsches Fernsehen hatte!

1.5.2009 - TAG 7: Victoria - Bucureşti.

Die Rückreise sollte eigentlich glatt verlaufen, doch es kam anders! Es begann als ich am Bankomat 100 Lei abheben wollte, der Automat war defekt und so stand ich um 6:30 Uhr nur mit 5 Lei an der Busstation. Eigentlich müsste der Bus zum Bahnhof Ucea de Jos abfahren, doch es kam keiner obwohl einige Leute an der Station warteten. Nach 20 Minuten kam ein grosser Bus der aber direkt nach Braşov fuhr. Um 7:12 würde dagegen mein Zug Direktzug von Ucea de Jos nach Bucureşti abfahren, doch da stand ich immer noch an der blöden Haltestelle. Ich ging zurück zum Hotel und fragte was mit dem Bus sei und erfuhr dass er an Feiertagen (1.Mai !) nicht fährt. Zum Glück bekam ein Geschäftsmann mein Problem mit und erklärte sich bereit mich zum Bahnhof zu bringen. So kam ich wenigstens zum Bahnhof, doch der nächste Direktzug würde erst 15:39 fahren, das entspricht über 6 Stunden Wartezeit! Da ich immer noch keine Leis hatte, wechselte mir der Bahnhofvorsteher glücklicherweise 20 Euro und so hatte ich wenigstens wieder rumänisches Geld im Sack. Um nicht ewigs lange warten zu müssen nahm ich den 9:11 Zug für 4 Lei nach Făgăraş. In Făgăraş hatte ich zwei Stunden Aufenthalt und genoss die Sonne bei einem Bierchen. Für weitere 4 Lei fuhr ich danach weiter mit dem nächsten Zug nach Braşov. Doch erreichte der Zug Braşov aus undefinierbaren Gründen mit 30 Minuten Verspätung, aber gerade noch Richtig um die Anschlussverbindung nach Bucureşti zu erwischen. Da ich keine Lust mehr hatte in der Hauptstadt bei Gewitter für billiges Hotel durch die halbe Stadt zu fahren, nahm ich ein teureres (64 Euro) in der Nähe des Bahnhofs.

2.5.2009 - TAG 8: Bucureşti - Zürich.

Ein herrlichen Frühstücksbuffet überraschte mich im Hotel - OK, ich habe mich ja auch ein einquartiert. Nach einem Nickerchen machte ich mich dann auf die Heimreise die problemlos verlief. Nur störte mich das blöde Wetter in Zürich - typisch Schweiz: mehr Regen als Sonne!

Tour im Alleingang.

Anmerkung: Die Uhrzeit der Fotos sind in MEZ, für die lokale OESZ müssen 2 Stunden dazugezählt werden.

Tourengänger: Sputnik

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Kommentare (8)


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MunggaLoch hat gesagt: Abenteuer
Gesendet am 6. Mai 2009 um 11:49
Liest sich abenteuerlich! Gratulation!

Sputnik Pro hat gesagt: Danke !
Gesendet am 6. Mai 2009 um 13:25
Ein kleines Abenteuer war's schon, aber im Prinzip poblemlos machbar. Im Sommer ist's ja dann eh eine Bergwanderung wenn der Schnee weg ist.

andre68 hat gesagt: Gut g'macht!!
Gesendet am 6. Mai 2009 um 13:10
Uhuru Peak schon gebucht???

Sputnik Pro hat gesagt: Afrika (Tanzania / Ruanda)
Gesendet am 6. Mai 2009 um 13:24
Habe die Tour auf den Januar verschoben da es dann bei uns in Europa sowiso meist schlechtes Wetter hat.

Diesen Sommer werde ich mich auf 4000er konzentrieren und Deutschland's höchsten Berg besuchen. Ausserdem Plane ich Ende September eine einwöchige Tour mit Besteigung von drei Landeshöhepunkten: Maja e Korabit / Голем Кораб (2764m; höchster AL + MK) von Albanien aus und Όλυμπος (Ólympos; höchster GR).


Bis zum Aletschhorn :-)

Viele Grüsse!

Andi

Löxli hat gesagt: Coole Sache...
Gesendet am 6. Mai 2009 um 23:09
Gratuliere dir ganz herzlich!

und.... welcome back im Baselbiet :-)

Liebe Grüsse
Miri

Fenek hat gesagt: Abenteuer Ausland
Gesendet am 7. Mai 2009 um 08:38
Andi, deine Reisen in fremde Länder nah und Fern sind einfach jedesmal ein Genuss zum Mitlesen.Ich bewundere dein Organisationstalent!

Gratuliere dir zu einem weiteren Länderhöhepunkt.

Grüsse vom Fenek

trainman hat gesagt:
Gesendet am 4. Februar 2010 um 22:21
hallo Sputnik
Starke Aktion,toller Bericht!
trainman

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 5. Februar 2010 um 07:56
Vielen Dank,

In Rumänien lassen sich noch unzählige Touren in einsamer Umgebung machen, dies gilt allerdings in Prinzip für alle Länder auf dem Balkan.

Viele Grüsse, Sputnik


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