Schalfkogel 3540m SKT


Publiziert von bergteufel , 10. Januar 2019 um 15:10.

Region: Welt » Österreich » Zentrale Ostalpen » Ötztaler Alpen
Tour Datum:25 April 2018
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Ski Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 1050 m
Abstieg: 1600 m
Strecke:Martin-Busch-Hütte - Schalfkogel - Langtalereckhütte - Obergurgl
Unterkunftmöglichkeiten:Samoarhütte, Langtaler Eckhütte

Servus Skisportlerin, Servus Skisportler !

Spät hat der Bergteufel begonnen in diesem Jahr 2018 seine Tourenskier hervorzuholen, aber es gibt unnachgiebige Freunde (ein Dankeschön dafür, ihr seid klasse), die solange auf den Motivationsknopf drücken, bis einen wieder diese Leistungsgier und Beklopptheit befällt, große Hügel zu besteigen. Hatte ich doch schon mit dem Gedanken der Bergsteigerrente gespielt, aber momentan sieht es nicht danach aus. So müßt, nein dürft ihr auch weiterhin meine Berichte lesen.

Ein großes Motivationsloch nach einem tollen Bergsommer 2017, das kennt wohl mancher. Und da sitzt du gemütlich im Februar im Wohnzimmersessel, guckst dir deine Hikr Berichte und Fotos an, labst dich in tollen Erinnerungen... und dann bimmelt das Handy! Ups, da gibts doch noch Spezln, die da in den Bergen wubbeln und wissen, was du kannst....
Startschuß!  Da quäl ich mich bei frostigsten Temperaturen den Seekarspitz und den Hochwannig hoch, schnapp mir das Loferer Skihörndl und kapier: es geht noch was! Also weiter....

Das Ötztal, die Venter Runde. Oft strapaziert, nein, das wollten wir nicht. Die Wildspitze, dieser Modehügel, oh Wunder, da waren wir noch nicht, sie sollte dabei sein. Viele Gedanken kreuzen sich, und schließlich entsteht eine Ötztaler Durchquerung, die richtig geil ist.

Plan: Wildspitze - Vernagthütte - Mittlere Guslarspitze - Hochjochhospiz - Saykogel - Martin-Busch-Hütte - Hintere Schwärze - Similaun - Martin-Busch-Hütte - Schalfkogel - Langtalereckhütte - Obergurgl, Dauer: 4 Tage

Anreise mit 2 Autos. Das Eine haben wir in Ötztal Bahnhof abgestellt, mit dem Anderen sind wir zur Pitztaler Gletscherbahn gefahren. Am Sonntag, den 22.04.18, fährt diese zum letzten Mal vor der Revision.  Mit der Ersten nach oben und auf die Wildspitze (ein Gipfelerlebnis ohne Worte). Danach entlang des Aufstiegs abfahren und um den Hinteren Brochkogel herum zum westlich gelegenen Brochkogeljoch. Einen Aufstieg und eine südseitige Abfahrt gestattete uns das warme Lawinenwetter nicht. Von der Einschartung rein in das große Gletscherbecken des Kleinen Vernagtferners und im Nassschnee dahingleiten. Wir fahren auch nicht direkt zur Vernagthütte durch den Osthang der Hintergraslspitze, sondern tiefer in den Einschnitt beim Schwarzkögele, den Vernagtbachlauf entlang, bis eine kleine Brücke die Überquerung ermöglicht. Ab hier den Normalweg in 30 Minuten ansteigen zur Vernagthütte. Es folgt keine klare Nacht und es ist pißwarm, folglich schlechte Tourbedingungen. Aufbruch um 5 Uhr und es folgt ein spannender Tag. Hoch zu den Guslarspitzen und die Abfahrt zum Hochjochhospiz. Westwärts weiter, kurz absteigen und über die Rofenschluchtbrücke. Zunächst im Arzbödele steil bergan und weiter Richtung Hochjochferner / Hauslabjoch. Es gibt mehrere Übergänge zur Martin-Busch-Hütte: Kreuzkogel, Sennkogel, Saykogel, Hauslabjoch. Wir wählen den Saykogel.
Auf etwa 2800m erscheint zur Linken der Saykogel. Der Normalweg wäre, den westlichen Gratkamm noch in Talnähe an seinem Fuß zu kreuzen und dann entlang der Westseite des Kogels hoch bis zur Einschartung unmittelbar am Gipfel 3320m (dies ist der östliche Randstreifen des Hochjochferners). Wir entscheiden jedoch östlich des Gipfels, über den Westlichen Kreuzferner, den Gratkamm zu gewinnen und südseitig abzufahren. Tolle Idee, der nordseitige Anstieg war klasse, aber hinter dem Kamm, südseitig, da gab`s keinen Schnee und von der verkündeten Einschartung ein Schiss zu sehen. Nix toller Plan! Deshalb ein Pickelversuch den Ostgrat zum nahen Gipfel zu steigen. Alles rutscht weg, ein NoGo. Letzte Option, ein Stück abfahren zu einer Einschartung im Westgrat, puuh Glück gehabt, dahinter konnte man mit den Skiern in die Westseite einfahren (dieser Übergang ist gut machbar und man kann ihn durchaus als Abkürzer zum Hochjochhospiz nutzen). Nun in absolutem Sumpfschnee bis fast zum Gipfel. Es ist 14 Uhr und die Sonne tut gnadenlos ihr Werk, überall rutscht der Schnee. Wenigstens taugt die Sicht und man sieht das Ziel, die Martin-Busch-Hütte. Gleich die Einfahrt vom Gipfel ist steil, der Schnee und die Skier vereinen sich zu einer Rutschpartie. Dann bescheren uns Nassschneeboller einen Hindernisparcours. Schließlich erreichen wir die Hütte.
Hier wollen wir 2 Nächte verbringen. Apropos, wir sind die einzigen Gäste!? Jetzt käme die Paradetour der Durchquerung an die Reihe. Hintere Schwärze, Übergang zum Similaun und zurück zur Hütte. Es hat eine weitere sternenlose Nacht, kein Durchfrieren, um die Samoarhütte herum lauter Schneerutsche. Deshalb ein Kompromiß, nur den Similaun machen. Mist, wieder komme ich nicht auf die "Cima Nera", es ist verhext. Trotzdem wird es ein geiler Tag und zum 4ten Mal auf dem Similaun zu sein, das mußt du auch erst schaffen.

Beschreibung Skitour Schalfkogel:
Es folgt der vierte, der "Schlüsseltag" der Tour. Wieder die Hoffnung auf ein klare Nacht. Wenigstens reicht es in den frühen Morgenstunden dafür. Zunächst kurz abwärts zum Bach (Richtung Similaunhütte), dann um den Ausläufer des Marzellkamms herum, hier kämpfen wir uns durch die Lawinenstriche im 40 Grad Hang gegenüber der Hütte. Eine kurze Abfahrt ins Niedertal und man befindet sich am Entscheidungspunkt Schwärze (rechts) oder Schalfkogel (links). Rein ins Schalftal und jetzt geht`s stupide eine Stunde den Bachlauf entlang (variabel rechts/links), dem Schalfferner entgegen.
Du siehst links oben das Gipfelkreuz des Schalfkogels, steile Rinnen ziehen vom Becken des Nördlichen Schalfferners herab. Für uns hat es nicht mehr genügend Schnee dort hoch zu steigen, deshalb geht`s noch ein Stück weiter südwärts, um dann in einem großen Halbkreis problemlos den Einstieg in den Nördlichen Schalfferner zu gewinnen. Nun den Ferner wellenartig hoch zum sichtbaren Schalfkogeljoch 3371m, deutlich rechts vom Gipfel. Das Gelände wird steiler, am sperrenden Felsriegel die Skier auf den Buckel und tja, das Drahtseil am ausgearperten Joch ist ausgerissen, im SG I+ nach oben. Eisig und steil gewinnst du den Grat 3371m (Steigeisen und Pickel sind klar). Im oberen Teil sind Eisenstangen vorhanden, unten zeugen kleine Abseilschlingen von Manövern der Tourengänger, die die andere Richtung nehmen.
Am Südgrat erfror unser Grinsen, ob des nahen Erfolgs. Ein 50m breiter südseitiger Gletscherhang, gut 40 Grad, mit nach unten abschließender Felskante, präsentiert ein "Haifischgebiß". Alternative wäre der Anstieg über Fels am Grat. Unser Airbag-Mann zieht den Joker. Spannend, ein kleines Nassschneerutscherl geht ab, dann hat er ihn gemeistert. Wir schleichen auf Samtpfoten hinterher. Danach über den breiten Rücken zurück zum Grat (Skidepot) und in 10 Minuten zu Fuß zum Gipfel 3540m (SG I, ausgesetzt).
Es ist ein Paradegipfel. Rundherum die Ötztaler, der Hauptkamm und Südtirol zum Greifen nahe. Leider kann ich mein Gipfelbier nicht zücken, denn das Strandbad ist sehr gut gefüllt und erwartet die Abfahrt des Bergteufels. Jetzt ist es 13 Uhr und um einen herum glänzt und rutscht alles. Geiles Feeling.
Die Linie ist klar: Vom Gipfelkreuz gerade runter über den Südöstlichen Schalfferner zum Gurgler Ferner. Eine Superabfahrt, für mich das Nonplusultra im Gebiet der Ötztaler. Die oben breite Gletscherabfahrt geht zunehmend in felsiges Gelände über und entlang von Rinnen wedelt man auf den Ausläufer des Gurgler Gletschers hinab. Perfekt, allerdings ab 3000m haben wir das Gefühl, egal wo du anhältst, alles rutscht und du sinkst ein. Es ist nicht warm, es ist heiß. Das Gewaltenspiel ist prickelnd, wir meistern es schadlos. Jetzt hinein in die Schlucht der Gurgler Ache, geil. Überall rumort es, schnell düsen ist nicht, zuviel Schnee und Geröll ist abgerutscht. Über uns die Hängebrücke, starkes Ambiente. Geschafft.
Es folgen 200 Hm Aufstieg zur sichtbaren Langtalereckhütte 2430m (Karlsruher Hütte) in einer großen Rechtsschleife. Überdimensionale Hinweisschilder.
Von hier den gespurten Normalweg (Gegenanstiege) hinunter nach Obergurgl (1-1,5 Std.).
Man nimmt den Postbus bei der Kirche, der auch nach Saisonschluß fährt, und gelangt so in gut einer Stunde nach Ötztal Bahnhof zum Auto.
Für die Schalfkogeltour gilt: gewaltig! Gipfelkreuz, Gipfelbuch: kaputt.
Fazit: Hätten wir die Schwärze mitnehmen können, dann wäre es eine perfekte alternative Venter Runde gewesen. Aber auch so ist das eine klasse 4 Tages Tour. Nur zu empfehlen. Der Schalfkogel ist was Besonderes.
Die extreme Wärme 2018 hat für uns die Tour sehr gefährlich gemacht. Grenzwertig. Schade.

Habe die Ehre, Berg Heil,
der Bergteufel

Tourengänger: bergteufel


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