Alp Sigel, Marwees, Meglisalp - Biwak umringt von Gewittern und Steinbock-Glück


Publiziert von boerscht Pro , 18. Mai 2018 um 20:08.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:11 Mai 2018
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-AI   Alpstein 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 880 m
Abstieg: 1580 m
Strecke:16 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Über Apenzell, Brülisau zum PP Pfannenstiel
Kartennummer:http://map.geo.admin.ch/

Die Webcam vom Hohen Kasten zeigt den Marwees-Grat schon schneefrei, lediglich in der Rinne von der Bogartenlücke in Richtung Dreifaltigkeit liegt, wie jedes Jahr, noch länger der Schnee. paul_sch konnte mir dankenderweise noch ein paar aktuelle Luftbilder schicken, auch hier kein Schnee mehr am Grat zu sehen. Also sollte es Zeit für die Revanche an der Marwees werden. Diesmal aber auch wieder knapp am Gewitter vorbei.

Tag 1:

Alp Sigel Bergstation - Alp Sigel P.1768 T3; 30 min:

Endlich mal wieder ausgeschlafen zu einer Tour starten, daher gehts erst Mittags am PP Pfannenstiel mit der Alp Sigel Bahn nach oben. Die Abkürzung gönnen wir uns, da die Rucksäcke schon wieder viel zu schwer sind, da Camping Zeug, Foto Kram, 60m Seil, Pickel und Steigeisen dabei sind. 
Gemütlich und bei herrlichem Wetter gehts von der Bergstation zum Ausstieg der Zahmen Gocht und dann alles der Gratkante entlang bis zum Westgipfel der Alp Sigel. Die Aussicht in den Alpstein hier ist super und einige Nebelschwaden zaubern eine interessante Stimmung.

Alp Sigel P.1768 - Südwest Grat - Bogartenlücke T4, I; 45 min:

Zum Glück kann ich die andern beiden überzeugen den Abstieg über den Südwestgrat zu nehmen. Der Weg ist ab dem Gipfel eigentlich auch im Abstieg leicht zu finden. Meist sind, wenn man etwas aufmerksam ist, Wegspuren zu erkennen. An sich ergibt sich der Weg aber von selbst, da ein anderer nicht möglich ist. Im oberen Teil über freies Kraxelgelände, gerade so I nach unten. Ausgesetztheit verspürt man hier keine. Dann gehts in die Latschenzone, in der der Weg immer der einzigen Möglichkeit folgt. Ab und zu muss etwas durchs Gebüsch oder unter, bzw. über einem Ast vorbei. Mit den großen Rucksäcken gestaltet das sich als gar nicht so einfach.
Unterwegs kraxle ich noch an die Abbruchkante vor und es kommen ein paar super Bilder bei raus. Den Ausstieg zur Wiese, welche von der Alp Obere Mans hochzieht verpassen wir zunächst. Ich merke dass wir schon zu weit sind und so gehts irgendwie durchs Dickicht zum richtigen Ausstieg auf die Wiese. Noch kurz entlang der Felswand, dann über ein kleines Geröllfeld und die Wiese hinunter zur Alpe Mans.
Von hier gehen wir unterhalb des Bogartenfirsts auf schneefreiem Weg bis kurz unter die Bogartenlücke. Hier liegt noch ein großes Schneefeld, welches jedoch bis zur Bogartenlücke kein Problem ist.


Bogartenmannli mit Abseilaktion II(+); 30 min:

Fürs Bogartenmannli hatte ich eine Foto - Idee im Kopf, die letzendlich leider so dann nicht ganz umsetzbar war. Hierfür haben wir extra Gurt  und 60 m Seil mitgeschleppt, leider ziemlich umsonst, spaßig wars trotzdem. Die Kletterei aufs Mannli (II+)an der linken Kante ist mit dicken Bergstiefeln schon recht knifflig, da die Tritte nicht sonderlich groß sind. Es geht aber ganz gut und die Ausgesetztheit kommt nicht so wirklich zur geltung. Das Fixseil hängt derzeit nicht. Oben angekommen wollten wir über die Lange Seite, also die, die von Wasserauen kommend sichtbar ist, abseilen und da ein paar Bilder machen. Mist das 60 m Seil reicht jedoch nicht bis nach unten. Hätte eigentlich gedacht es reicht. 
Wenn das Seil jetzt schon oben ist, dann Seilen wir halt dafür an der Seite ab, macht auch Spaß und das ganze hier abketten geht zwar auch, mit Seil ist mir dann aber doch eh lieber.

Bogartenlücke - Marwees Ostgipfel T4; 1h:

Von der Bogartenlücke, an der wir viel Zeit mit der Aktion am Bogartenmannli verschwendet haben, gehts weiter auf die Marwees. Vor der steilen Rinne vor der Dreifaltigkeit, in der noch sehr harter Schnee ist, montieren wir Steigeisen und nehmen zu Sicherheit mal den Pickel in die Hand. Man könnte den Schnee auch rechts im steilen Gras umgehen. Vorbei an den tollen Türmen der Dreifaltigkeit geht es weiter. Es folgt eine Querung in Schorfen (T4) und dann wieder flacheres Gelände, bis man auf dem Gratausläufer des Ostgipfels der Marwees steht. Hier suchen wir uns eine der wenigen ebenen Flächen um das Zelt aufzuschlagen.
Mittlerweile hat uns noch ein Alleingänger, der Lars, eingeholt, welcher auch campen will und sich unserem Platz anschließt. Er will morgen noch weiter über den Rotsteinpass zum Säntis, was er ,wie ich im Nachhinein erfahre, dann kurz vor dem Rotsteinpass doch aufgegeben hat.
Wir bauen schnell unser Zelt auf und machen noch was zu Essen. Toni will draußen ohne Zelt schlafen. Etwas besorgt, sogar ziemlich, sind wir wegen einer riesigen Gewitterwolke, welche von Süden her aufzieht und schon an den Kreuzbergen hängt. Zappenduster ists da. Kurz aufs Regenradar geschaut, vertrauen wir diesem und hoffen dass die Zelle direkt an uns vorbeizieht. Hier oben wären wir sonst ziemlich schutzlos, das wäre alles andere als gut. Zum Glück behält das Wetterradar dann auch recht.
Zum Sonnenuntergang gehen wir auf den Ostgipfel hoch. Hier oben verschlägts mir ganz schön die Sprache. So eine Stimmung hab ich noch ne gesehen. Links riesiges, dunkles Gewitter, in der Mitte der formschöne Grat der Marwees mit Steinböcken garniert und rechts ein perfekter Sonnenuntergang
Wie zwischen Himmel und Hölle hier oben. Da schlägt das Fotografenherz aber mal viel höher :)
Nach Sonnenuntergang wurde das Licht dann komplett verrückt und die erst schwarze Gewitterfront leuchtet plötzlich Rosa. Unglaublich

Tag 2:

Marwees Überschreitung - Widderalpsattel - Bötzelchopf - Meglisalp T4; 2h:


Um halb 5 klingelt der Wecker, da wir zum Sonnenaufgang wieder auf der Marwees oben sein wollen. Gemütlich packen wir unser Camping Kram zusammen, noch was Frühstücken und dann gehts den nun von gestern schon bekannten Weg hinauf zum Ostgipfel. Lars pennt noch etwas länger, er überholt uns dann aber bald wieder am Grat oben, weil wir so lange mit Fotografieren beschäftigt sind. Der Sonnenaufgang ist nicht ganz so spannend wie der Untergang, naja der war auch schwer zu überbieten. Dafür hats jetzt ganz viele Steinböcke direkt am Grat, vorwiegend sehr junge. Schneehühner flattern auch jede Menge umher und so gelingt es sogar Steinbock und Schneehuhn auf ein Foto zu bekommen.
Den aussichtsreichen Grat entlang gehts in Richtung Marwees Hauptgipfel, wobei wir an die 30 Steinböcke vor uns hertreiben. Wirklich scheu sind die aber nicht und kommen uns sogar bis auf 2-3 m nahe, sehr eindrucksvolles Erlebnis. 
Noch kurz auf den Marwees Gipfel einfach die Grasflanke hinauf und dann hinunter zum Widderalpsattel. Hier haben sich die jungen Steinböcke mit der älteren Generation versammelt. Jetzt sind es bestimmt ca. 50 Tiere.
Vom Widderalpsattel queren wir über noch ausgedehnte Schneefelder, welche gut zu begehen sind, zum Bötzelsattel. Ich mache noch schnell einen Abstecher hinauf zum Bötzelchopf, welcher in 2 min über die Wiese vom Sattel erreicht ist.
Zur Alpe Spitzigstein und weiter zur Meglisalp rutschen wir dann einfach auf der Regenhülle des Rucksacks im Sitzen ab. 

Meglisalp - Schrennenweg - Wasserauen T2; 2 h:

Nach ausgedehnter Pause mit leckerem Essen auf der Meglisalp, ich muss anmerken das beste Essen, welches ich bisher in einem Gasthaus im Alpstein gegessen habe, gehts weiter über den Schrennenweg nach Wasserauen.
Auf dem Weg ist ordentlich viel los, teilweise gehts links gut runter, jedoch alles einfach. Die Tiefblicke zum völlig überfüllten Seealpsee sind hier sehr schön. Vorbei an den Alpen Gross und Klein Hütten gehts dann in den schattigen Hüttentobel. Der Schatten kommt gerade recht, die Sonne heizt heute ordentlich ein.
In Wasserauen ist dann die Hölle los, also schnell mit dem Bus nach Schwende und dort in den Bus nach Brülisau. Von der Talstation der Hohen Kasten Bahn gilt es dann noch zum Pfannenstiel zu laufen.


Eine Wahnsinns Tour im Alpstein mit besten Lichtbedingungen zum Fotografieren, besser gehts nicht mehr. Die Steinböcke waren dann noch das i-Tüpfelchen. Der Wetterbericht lag zum Glück richtig und alle Gewitter sind vorbeigezogen, sonst wäre das dort oben doch sehr ungemütlich, wenn nicht sogar gefährlich geworden. Der Alpstein ist einfach genial abwechslungsreich, das habe ich in den beiden Tagen mal wieder gelernt.

Sorry für die vielen Bilder, aber ich konnt mich einfach nicht entscheiden :)



Tourengänger: boerscht


Minimap
0Km
Klicke um zu zeichnen. Klicke auf den letzten Punkt um das Zeichnen zu beenden

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentare (6)


Kommentar hinzufügen

berglerFL hat gesagt:
Gesendet am 19. Mai 2018 um 08:42
Hammer Fotos!! Ich find bei Fotos muss man nicht sparen, wieso auch?! :-)

boerscht Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Mai 2018 um 08:43
Vielen Dank !

paul_sch hat gesagt:
Gesendet am 20. Mai 2018 um 13:39
Hammer-Fotos -- dem kann ich mich nur anschließen!

boerscht Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 22. Mai 2018 um 08:44
Danke Paul !

Kireko hat gesagt:
Gesendet am 24. Mai 2018 um 19:37
Die Fotos sind wirklich genialst! So eine Hammerstimmung und dann auch noch so super gut festgehalten - danke für's teilen!

boerscht Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 28. Mai 2018 um 02:14
Vielen Dank!


Kommentar hinzufügen»