Vom Fridlispitz bis zum Chöpfenberg


Publiziert von maenzgi Pro , 7. Mai 2018 um 22:25.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 7 Mai 2018
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Oberseegruppe   CH-SZ 
Zeitbedarf: 7:45
Aufstieg: 1350 m
Abstieg: 1350 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW bis Schwändital Matt Sommerparkplatz
Zufahrt zum Ankunftspunkt:PW bis Schwändital Matt Sommerparkplatz

Ürsprünglich hatte ich mir als Idee gedacht, das ich beim Sommerparkplatz Matt parkieren könnte um danach der Reihe nach Fridlispitz, Riseten, P.1707, Wageten, Brüggler, Chöpfenberg, Bockmattli, Tierberg und Bärensoolspitz zu besteigen. Diese Idee verschwand aber bereits beim Aufstehen wieder. Anscheinend machte mir das Wochende im Tessin mit dem Reisen doch mehr Mühe als ich gedacht hatte. So kam ich erst um 07:30 aus dem Bett obwohl der Wecker schon viel früher geklingelt hätte. Nun okay, wer weiss vielleicht liegt das ganze ja trotzdem noch drin.

Wie sich später herausstellen sollte, wurde einerseits die Zeit zu knapp und anderseits traute ich im Verlauf des Tages dem Wetter nicht mehr so richtig. Zudem wollte ich mich meiner Angst länger und hartnäckiger Stellen, als ich dies für möglich hielt. Deshalb setzte ich neu den P.1660 als Gipfel. Als ich vom Wageten runter wanderte, sah ich, dass auf dem ersten Turm des Brügglers ein Fähnchen stand. Dies ist direkt nach der Wänifurggel. So kam es, dass ich diesen Turm unbedingt besteigen wollte. Dabei verlor ich alle Zeit, die ich vorher wieder gut gemacht hatte.

Ebenfalls noch zu erwähnen ist, dass das Gipfelbuch auf dem Fridlispitz zum bersten voll ist. Dies kann man Austauschen. Das letzte Gipfelbuch wurde gestiftet vom Verkehrsverein Oberurnen.
Auf dem Gipfel mit dem Schweizerkreuzfähnchen P.1660 ist kein Gipfelbuch, falls dies ein Trend wird dort hoch zu Klettern, könnte man ja allenfalls ebenfalls ein Gipfelbuch deponieren. Ich fand jedenfalls keins, aber mein Adrenalien war in diesem Moment etwas hoch, so habe ich es evt übersehen.

Der Schnee ist in der Südflanke nicht mehr vorhanden, in der Nordflanke gibt es noch Felder. Ich machte erst heute Abend die Entdeckung, das es einen Weg auf beiden Seiten gibt. Ich habe die Mehrheit der Wege auf der Südflanke zurückgelegt. Beim Chöpfenberg wich ich einmal etwas länger in die Nordflanke aus, dies war aber auf einem Wildpfad und nicht auf dem offiziellen Weg, so konnte ich dem Schnee ausweichen. Nur beim P.1711 ist es noch etwas umständlich, jeglichem Schnee aus dem Weg zu gehen.

Sommerparkplatz-Fridlispitz: T2, 1h

Der Fridlispitz ist optimal um sich aufzuwärmen, direkt vom Parkplatzt steigt man nach oben. Anfangs immer schön markiert bis man aus dem Wald tritt, danach geht es nach vorne Richtung Im Tilima. Man quert die komplette Südflanke des Riseten und Fridlispitz. Meist geht es leicht aufwärts. Immer abwechselnd durch Wald und Wiese. Kurz verlor ich die Orientierung. Vom Zaun, an welchem ein Wanderwegdurchgang ist geht es etwas steiler als normal aufwärts wieder in den Wald hinein. Ich sah dort länger keine Markierung. Irgendwann erblickte ich aber den Durchgang. Wenn man auf den Fahrweg trifft, geht es wieder minimst hinunter zum Im Tilima. Von dort geht es dann ordentlich hoch. Ich kam bereits arg ins Schwitzen, obwohl es im Wald war. So erreichte ich das Gipfelkreuz bereits nach 1h.

Fridlispitz-Lochegg: T4+, 1,25h

Wenn man den normalen Wanderweg nimmt übersteigt es das T4 nicht. So las ich es zumindest in anderen Berichten. Ich folgte jedoch wann immer es ging direkt dem Grat. Deshalb gebe ich für diesen Abschnitt eine T4+. Es ist ein ständiger Kampf mit den Tannen und Legföhren. Manchmal kommt man kurz ins Kraxeln rein. Eine "heikle" Stelle ist mit einem Drahtseil gesichert, es ist dort aber schön gestuft, somit kommt man gut ohne Seil aus. Bereits hier auf diesem Abschnitt, komme ich manchmal mit der Höhe etwas ins schwitzen. Geht es doch vorallem in der Nordflanke ziemlich steil nach unten. Dieser Flanke komme ich vor allem Nahe, wenn ich Tannen ausweichen darf/muss. Der Abstieg vom Risetengipfelkreuz ist dann steil und rutschig, wegen den vielen Nadeln im Wald. Zuerst hat es noch eine Kletterstelle, diese kann man aber links umgehen, wenn man dies dann wünscht im Gras. Nach diesem Abschnitt quert man ganz rechts rüber in den Wald hinein. Wer möchte kann versuchen dem Wanderweg zu folgen. Die andere Variante ist, dass man einfach gerade hinunterläuft. Hält man sich rechts an der Kante, ist dies wesentlich einfacher. Kommt man unten aus dem Wald ist dann der Wegweiser gut sichtbar. Nur noch kurz die Wiese durchqueren und schon ist war ich dort.

Lochegg-Wänifurggel: T4 I, 1h

Im Gras geht es hoch Richtung Wageten. Der Weg ist schön markiert, aber nicht immer wirklich sichtbar. Teilweise sind es nur schwach ausgeprägte braune Flecken in der Wiese, welche den Hauptweg weisen. Nach kurzem Aufwärmen, geht es ordentlich nach oben. Ich komme durch meine schnelle Gangart ordentlich ins schwitzen. Oben trifft man dann auf Geröll. Zuerst hat es eine kleine "Mulde", wenn man sie dann so nennen kann. In der zweiten Mulde stieg ich zwischen den Bäumen hindurch nach oben. Ich dachte, so könnte ich direkt auf den Grat der Wageten kommen. So kraxelte ich im I. Grad nach oben, in einem Gras, Felsgemisch. Es war mir etwas mulmig, doch ich hatte gute Griffe, welche mich beruhigten. Oben angekommen sah ich bereits das Kreuz. Super nur noch kurz durch die Legföhren kämpfen und schon bin ich dort. Aber 10m bevor ich beim Kreuz bin kommt der Schock. Es hat einen ca. 2m breiten Spalt. Ich überstieg die Felsen und kletterte auf der anderen Seite auf den Vorsprung. Im Bild erkennbar. Dort sah ich, es geht nur ca. 3m hinunter, doch Griffe für die Füsse und Hände sahen etwas mühsam aus. Zudem wusste ich nicht, ob ich mich wirklich getrauen würde auf der andern Seite wieder hoch zu klettern. Denn Links und Rechts geht es ordentlich runter. Na gut, Rückzug. Zuerst aber noch kurz auf den höchsten Punkt. P.1707. Erst daheim sah ich, dass dies ein eigenständiger Gipfel auf Hikr ist. Danach wieder runter Klettern. Der Wand folgend weiter Richtung Wänifurggel. Danach sieht man blaue Punkte und ein Weg der nach oben geht. Also gut, das muss der Hauptzustieg sein. Es ist ein munteres Kraxeln, teilweise mit Drahtseil. Wobei es hier erneut schön gestuft ist und gut ohne geht. Wie kann ich einfacher meine "Angst" bekämpfen, als wenn für den Notfall Seile zur Hand wären. Ganz ohne Ausgesetzt zu sein, geht es hier wieder nicht. Hier gibt es eine erste kurze Rast, welche nicht in der Zeit oben berücksichtigt wird. Danach wieder runter. Nun dem Wanderweg folgen bis zur Wänifurggel.

P.1660: T5 II, 1h

Bereits beim Abstieg vom Wageten zur Wänifurggel sah ich das Schweizerfähnchen auf dem ersten Turm des Brüggler. So wollte ich dieses ebenfalls noch mitnehmen. Die Wand sah machbar aus. Alles zur Seite legen, den runter würde ich wohl den gleichen Weg nehmen müssen. Es geht ca.30m hoch, wobei nur die ersten 15m ausgesetzt sind. Doch diese 15m taten mir sehr weh. Man muss nach rechts queren. Das heisst, das es unter diesem Weglein ebenfalls sehr steil abfällt. Ein Sturz an dieser Stelle also wohl unverzeihlich. Wo es hoch geht sah ich schnell. Es ist der einzige Weg wo Wegspuren sichtbar sind. Los gehts. Ich komme gerade mal etwa 4m hoch, dann verlässt mich der Mut. Gut wieder runter. Der 2 Versuch ging dann links hoch, nicht mehr sichtbar im Bild. Hier komme ich noch weniger weit. Wieder runter. Im 3 Versuch versuchte ich es durch die Mitte nach links aussen. Wieder war es ein Fehlschuss, aber langsam hatte ich ein vertrauen in den Fels bekommen. Also Versuch 4 ging dann wieder rechts hoch. Dieses Mal überquerte ich die Stelle ziehmlich einfach. So kam ich bis auf 10m hoch. Jedoch querte ich nach links und wusste dann erneut nicht weiter. Egal ich habe Zeit. Also nochmals runter. Der 5 Versuche, war dann der gültige. Ich stieg wieder rechts hoch, querte leicht nach links auf etwa 7m aber, antstatt weiter nach links zu gehen, querte ich nach rechts. Kurz etwas heikel um einen rausstehenden Fels. Danach konnte ich unter einer Föhre durch gerade hoch. Der ausgesetzte Teil ist überstanden, der Abstieg bereits geübt, also konnte ich befreit nach oben. Ich kletterte unter dem Felsen durch nach oben. Zum Schluss gibts noch eine kleine Stufe von ca 1,5m. Diese hat aber in der Mitte einen schönen Riss für die Füsse und oben super Kanten für die Hände. So stand ich nach fast 1h tüffteln oben. Ich hätte laut juchzen können vor Freude. Doch es stand ja noch der Abstieg an. Dieser ging dann aber fast schon einfach. In mir drin breitete sich ein Wohlgefühl aus, welches durchs Grollen des Donners aber schnell wieder verschwand. Ich wollte noch den Brüggler und Chöpfenberg bezwingen.

P.1660-Brüggler: T3 1h

Im Laufschritt galt es nun die Südflanke zu queren. Immer schön dem Wanderweg folgend. Kurzem Schnee wurde hier nicht ausgewichen, für das hatte ich keine Zeit. Am Ende der Südwand geht der Weg steil hoch. Ich rannte förmlich hinauf. Als ich Kletterer kreuzte, hielten diese mich wohl für eine Dampflocke, dermassen arbeiteten meine Lungen. Den Weg kann man nicht verfehlen. Kurz vor P.1711 musste ich auf 5m die Hände kurz hervor nehmen. Den Rucksack und die Stöcke liess ich unterhalb stehen. Den Rest im Laufschritt, teils durch Schnee, hoch auf den Brüggler. Dort sah ich, dass das Wetter hängen blieb. So wollte ich den Chöpfenberg doch noch versuchen. Wenn ich einen Regentropfen spüre, wollte ich sofort umkehren. Also sofort runter den Rucksack holen. Diesen wollte ich etwas besser Verstecken, ebenso die Stöcke.

Brüggler-Chöpfenberg-P.1711: T5 II: 2h

Danach anfangs teils noch etwas im Schnee dem Grat folgen. Anfangs blieb ich immer schön auf dem Grat. Doch bei dem schmalsten Stück, verabschiedete sich mein Kopf. Er hielt diese Anspannung wohl nicht mehr aus. Naja weniger wurde es nicht. Denn ich versuchte in der Nordflanke, Höhe möglichst haltend auf einem Band den Tierspuren zu folgen. Mehrmals versuchte ich wieder auf den Grat aufzusteigen. Die Flanke ist ziemlich abschüssig. Mein Puls konstant hoch, die Konzentration noch höher. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich wieder auf den Grat raufkam. Ich denke ich lief mind. 200m auf dem Band. Danach immer schön vorsichtig weiter. Immer wieder kamen knifflige Stellen, aber je länger es dauerte, desto mehr kam die Sicherheit zurück. Nach einer knappen Stunde kam ich beim Kreuz an. Zu trinken hatte ich nichts und manchmal war Donner zu hören. Also sofort wieder zurück. Dieses Mal verliess ich den Grat nicht mehr. Zudem hatte ich beim Rückweg selbst an den schwierigstens Stellen Spass. Es war eine wahre Freude. Rucksack anschnallen, etwas trinken und runter. Vor dem Donner hatte ich keine Angst mehr, denn es kam jetzt vor allem vom Wägitalersee her. So würde es, wenn es denn Regnen würde, an mir vorbei ziehen. So hatte ich Zeit um den Schneefeldern auszuweichen. So verpasste ich prompt den Abzweiger. Naja als der Irrtum bemerkt  wurde, lief ich nochmals etwas zurück.

P.1711-Sommerparkplatz: T3, 45min

Der Weg runter war dann nicht mehr schwer. Ich rutschte im Abstieg, unterhalb eines Schneefeldes aus. Die Stöcke flogen durch die Luft und ich lag im Schlamm. Janu ist nicht so schlimm, bald werde ich ja zurück beim Auto sein. Der Weg verging dann elend langsam. Ich bin nicht gemacht für breite Strassen. Da habe ich immer das Gefühl stehen zu bleiben. Am Bockmattli brach noch eine Wächte ab. Diese war nicht gerade klein. Es donnerte laut, dann sah man, den Schnee mit wucht runterschiessen. Wenn man weit weg steht, wahrlich ein Spektakel, aber definitv nur dann!

Fazit:

Eine geniale Tour die ich heute erleben durfte. Das Wetter spielte mit. Das die Sonne verschwand, war sogar angenehm, denn es kühlte etwas ab. Es ist eine fantastische Bergtour über verschiedene Grate und entlang von steilen Südflanken. Schwindelfrei muss man ohne Zweifel sein. Das Gelände ist extrem steil abfallend. Vorallem auf dem Chöpfenberggrat ist man Ausgesetzt. Wer aber Abwechslung liebt und gerne die Hände zur Hilfe nimmt ist auf dieser Tour Goldrichtig.
So ist es meine bisher mit Abstand längste Tour. Die Form scheint zu stimmen und mit der Form kommt die Sicherheit. Ich weiss nicht ob ich je so gut in Form war in meinem Leben, aber es gefällt. Ich fühle mich im allgemeinen viel besser.

Tourengänger: maenzgi


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Kommentare (2)


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MarcN hat gesagt:
Gesendet am 8. Mai 2018 um 08:22
Toller Bericht! Danke!

maenzgi Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 8. Mai 2018 um 08:42
Danke freut mich zu hören, dass dir der Bericht gefällt.
Habe das Format von Ivo66 abgeschaut, weil es mir so gut gefiel;)


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