Von den Churfirsten zu den Kurfürsten - Trier


Publiziert von PStraub , 23. April 2018 um 12:01.

Region: Welt » Deutschland » Westliche Mittelgebirge » Sonstige Höhenzüge und Talgebiete
Tour Datum:20 April 2018
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: D 

Wie Mainz war Trier der Sitz eines geistlichen Kurfüstentums; der Trierer Fürst-Erzbischof war nach dem Kaiser und dem Mainzer die Nummer drei im Reich.
Doch noch vorher war Trier das "Rom des Nordens": Unter Konstantin war Trier Anfangs des vierten Jahrhunderts die (temporäre) Hauptstadt des römischen Reiches. In dieser Zeit wurden glanzvolle Bauten hochgezogen, von denen einige die Zeit überdauert haben. Gegründet wurde es ca. 16 AC als Augusta Treverorum. Bauwerke wie die Barbarathermen, die Thermen am Viehmarkt und die Kaiserthermen sowie das Amphitheater und die über 6 km lange Stadtmauer zeugen von der damaligen Bedeutung der Stadt.

Vielerorts sieht man von antiken Relikten nur noch ein paar Steine am Boden. Nicht so hier: Die Konstantinsbasilika, einst Thronsaal, steht weitgehend unverändert (jetzt als evangelische Kirche) bis heute. Sie war jahrhundertelang das grösste Gebäude nördlich der Alpen. Und auch die Porta Nigra, das nördliche Stadttor, ist noch so erhalten, dass man Form und Funktion des ursprünglichen Baues erkennen kann.
Diese Bauten bilden zusammen mit der Igeler Säule und mittelalterlichen Bauten das UNESCO-Weltkulturerbe "Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche"
.

Der Stadtwanderer hat es in Trier nicht schwer. Folgt er der Fussgänger-Achse Neustrasse-Brotstrasse zur Porta Nigra, so sieht er die wichtigsten Sehenswürdigkeiten meist rechterhand.
Der Dom steht auf den Grundmauern einer gewaltigen antiken Kirchenanlage, die im Verlauf der Zeit durch den romanischen Dom und die daran direkt angebaute gotische Liebfrauenkirche ersetzt wurde. Letztere ist die erste gotische Kirche im deutschen Raum. Man nimmt an, dass wegen eines Baustopps in Reims die dortige Bauhütte andere Aufgaben suchte. Als in Reims weitergebaut wurde, mussten lokale Handwerker die Trierer Baustelle übernehmen. Und diese kannten nur Romanik. So bauten sie einen romanischen Vierungsturm auf einen gotischen Unterbau.

Im 17. Jhd. liessen sich die Landesfürsten einen Stadtpalast, das Kurfürstliches Palais seitlich an die Konstantinbasilika bauen. Wie schon in Mainz war dieser Bau für Barockfürsten eine eher bescheidene Bleibe, weil auch die Trierer es vorzogen "auswärts" zu wohnen, meist auf Ehrenbreitstein oder in Koblenz.

Der bekannteste Bürger von Trier heisst Karl Marx. Am 5. Mai 2018 jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal. Vor der Gedenktafel an seinem Wohnhaus in der gleichnamigen Strasse reihen sich Touristen zu Selfies auf. Kuriose Wirkung eines Kapitalismuskritikers: Chinesen bilden eine der grössten Besuchergruppen.
Das ökonomisch rückständige Kurfürstentum Trier war schon immer eine der wirtschaftlich schwächsten Regionen im Deutschen Reich. Doch nach den französischen Revolutionskriegen kam es unter preussische Herrschaft, die angrenzenden Gebiete fielen als Handelspartner weg: das Volk verarmte völlig. Auch die Familie Marx geriet in Not - was Karl Marx' Erfahrungen tief geprägt haben dürfte.

Die Karl-Marx-Strasse führt übrigens zur Römerbrücke über die Mosel, von der zumindest Teile der Pfeilerbasis noch aus der Antike stammen sollen.

In der Stadt sahen wir Plakate mit Hinweisen auf die "Heilig-Rock-Tage". Wir konnten uns unter heiliger Rock-Musik nichts vorstellen. Doch darum ging es gar nicht. Sondern um eine uralte Reliquie, den "Heiligen Rock", gemäss Überlieferung ein Fragment der Tunika, über die gemäss Johannesevangelium die Soldaten das Los geworfen haben. Dieser wurde von Helena, der Mutter Konstantins, zusammen mit Teilen des Kreuzes und einigen "Heiligen Nägeln", in Palästina gefunden.
Rock und einer der Nägel kamen nach Trier.
So findet jedes Jahr in Trier ein kirchliches Festival, die Heilig-Rock-Tage, statt. Und Rockmusik in Festzelten gehört durchaus dazu.
Öffentliche Zurschaustellungen der Reliquie, früher ein grosses Ereignis mit Ablass und allem, gibt es wegen dem schlechten Zustand des alten Stückes nicht mehr. Umso erstaunter waren wir, dass nach dem Pontifikalamt zu einer Besichtigung der Reliquie eingeladen wurde.

Wer genug hat von Altertümern, kann sich aktuelleren Genüssen zuwenden: Die Mosel lädt zu Bootsfahrten ein und durch die Weinberge führen Wander- und Velowege. Mit Verköstigung der hier produzierten Getränke.


Video "Schätze der Welt": Trier, die älteste deutsche Stadt


City-Trip zu geistlichen und weltlichen Fürsten:
Wiesbaden (Hessen-Nassau)
Mainz (geistliches Kurfürstentum)
Trier (geistliches Kurfürstentum / UNESCO-Weltkulturerbe)

Tourengänger: PStraub


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